Grüner Wasserstoff: Investment in die Energie der Zukunft

01.09.22

Grüner Wasserstoff: Investment in die Energie der Zukunft

Für einige ist er ein wahres Wundermittel: Grüner Wasserstoff wird von der Politik als DER Schlüsselrohstoff für die Energiewende gepriesen. Was das häufigste Element des Universums alles kann und welche H2-Investmentmöglichkeiten es gibt.

Die Energiepreise steigen und steigen. Besonders Gas wird immer teurer. Das trifft auch die Verbraucher:innen. Einige Energieversorger haben bereits saftig die Preise erhöht. Heise.de warnt: „Das ist erst der Anfang“. Außerdem plant die Bundesregierung wegen der hohen Energiekosten eine neue Gasumlage.

Wirtschaftsminister Robert Habeck sprach kürzlich von der „größten Energiekrise“ in Deutschland. Grund sei die politisch gewollte und wirtschaftlich entstandene Abhängigkeit von russischem Gas, sagte Habeck nach einem Besuch des Energieparks Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt Ende Juli. Je länger der Krieg in der Ukraine dauert, desto härter wird der Kampf um die Energie, schreibt die „Augsburger Allgemeine“. Die Suche nach Alternativen zum russischen Gas läuft derweil auf Hochtouren. Besonders heiß gehandelt, weil klimaneutral und abgasfrei: Grüner Wasserstoff, hergestellt mit Strom aus Wind und Sonne.

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Tausendsassa mit Potenzial

H2, so der chemische Name, ist sehr vielseitig. In Autos, zum Heizen, in der Stahlindustrie oder auch als Speicher zum Ausgleich schwankender erneuerbarer Energien lässt er sich einsetzen, erläutert das DLR. „Wasserstoff hat als Energieträger ein enormes Potenzial. Er besitzt viel Energie, verbrennt sauber, kann gut transportiert werden und lässt sich über lange Zeit zuverlässig lagern“, sagte Professor Dr. Christian Sattler, Bereichsvorstand Energie und Verkehr, Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) im September 2021 bei „Wissenschaft im Rathaus“ in Köln.

Keine Magie, sondern Chemie

Wenn aktuell die Rede von klimaneutralem Gas ist, ist vor allem grüner Wasserstoff gemeint. Dieser trägt die Bezeichnung „grün“, weil er aus Sonnen- oder Windstrom hergestellt wird. Wie ContextCrew schreibt, wird die konventionelle Variante von H2 wird hauptsächlich (zu 48 Prozent) mittels Dampfreformierung aus Erdgas oder Erdöl, also fossilen Quellen, gewonnen. Dabei wird viel C02 freigesetzt, der sogenannte blaue Wasserstoff ist also wenig umweltfreundlich. Auch die Herstellung aus flüssigen Kohlenwasserstoffen (30 Prozent) und aus Kohle (18 Prozent) ist unter Umweltaspekten nicht gerade ideal. Eine Alternative ist die Herstellung per Elektrolyse (für alle, die im Chemieunterricht nicht aufgepasst haben, klingt das wie Magie). Wenn Strom durch Wasser geleitet wird, entsteht an einem Pol Wasserstoff und am anderen Sauerstoff, fertig ist H2.

H2 in Forschung und Praxis

Um grünen Wasserstoff in einem großindustriellen Maßstab herstellen zu können, wird momentan viel geforscht. So testet das DLR in Pilotanlagen neben der Elektrolyse auch solarthermische Verfahren. Diese versprechen einen höheren Wirkungsgrad, so die Wissenschaftler:innen. „Bei diesem Prozess nutzen solarthermische Kraftwerke die Sonnenenergie, um Wärme zur thermochemischen Wasserspaltung zu produzieren“, heißt es auf der DLR-Website.

Bei Siemens ist man überzeugt, dass grüner Wasserstoff bereits heute für die lokale Energieversorgung funktioniert. Unter anderem baut das Unternehmen in einer Technologiepartnerschaft mit der SWW Wunsiedel GmbH im bayerischen Fichtelgebirge eine der größten Wasserstofferzeugungsanlagen Deutschlands. Das Ziel des Projekts: eine CO2-neutrale, nachhaltige Energieversorgung auf Basis von grünem Wasserstoff. Die Anlage in Wunsiedel sollte bereits 2021 fertig sein, nun wird sie im September 2022 in Betrieb genommen, berichtet der Bayrische Rundfunk. Im Vollausbau soll sie laut Siemens einen Wasserstoffbedarf von bis zu 2.000 Tonnen im Jahr bereitstellen. Am selben Standort ist auch eine öffentliche Wasserstofftankstelle für LKW und Busse denkbar. Damit könne ein „Angebot geschaffen werden, welches insbesondere den Schwerlastverkehr und den ÖPNV auf CO2-freie Antriebstechnik umstellt“, heißt es in einer Siemens-Pressemitteilung.

Wo kommt der grüne Wasserstoff her?

Trotzdem ist klar: Die Anlage in Wunsiedel ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, Bayern (und der Rest Deutschlands) wird auf Wasserstoffimporte angewiesen sein. Deutschland hat schon heute eine Lücke beim grünen Strom – und der ist eben unabdingbar für die Produktion von grünem Wasserstoff. „Grüner Wasserstoff lässt sich dort am sinnvollsten produzieren, wo genügend erneuerbare Energie zur Verfügung steht, um die Wasser-Elektrolyse zu betreiben“, stellt das Bundesforschungsministerium fest. Die „Nationale Wasserstoffstrategie“ setzt aus diesem Grund auf strategische Partnerschaften mit Süd- und Westafrika sowie mit Australien. „Dort herrschen hervorragende Bedingungen, um Strom aus Wind und Sonne auf ungenutzten Flächen zu produzieren“, ist das BMBF überzeugt. Mit Förderungen in Milliardenhöhe will die Bundesregierung dabei helfen, Deutschland in Sachen grüner Wasserstoff international an der Spitze zu halten.

Mobilität: Wasserstoff-Hype vorbei?

Lange war Wasserstoff das Hype-Thema bei Automobilherstellern. Inzwischen haben sich VW, Mercedes & Co. wieder von ihren Wasserstoff-Träumen verabschiedet. Denn die Grundvoraussetzungen für den H2-Antrieb sind derzeit alles andere als ideal, konstatiert Elias Holdenrid von „Business Insider“: „Zu der schlecht ausgebauten Infrastruktur kommen hohe Produktionskosten und der aktuell noch schlechte CO2-Fußabdruck der Wasserstoff-Herstellung.“ Herzstück der Wasserstoffautos ist die Brennstoffzelle. Als sogenannter Energiewandler wandelt sie Wasserstoff zu elektrischem Strom. Einen Dämpfer erhielt das Projekt Wasserstoffauto auch dadurch, dass der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen nicht mit jenem rein elektrischer Antriebe mithalten kann. „Wasserstoff ist eher für den Antrieb großer Lkw und sicher für den Betrieb von industriellen Hochtemperaturanlagen geeignet“, schreibt „auto motor sport“. Toyota und Hyundai ficht die Skepsis der europäischen Autokonzerne indes nicht an: Sie arbeiten weiter mit Hochdruck an der Wasserstoff-Technologie.

Fazit: Grüner Wasserstoff kann ein Baustein der Energiewende in Deutschland sein und zur Decarbonisierung der Energiewirtschaft beitragen. Das Wundermittel, als das er vielfach angepriesen wird, ist grüner H2 aber nicht. Ein großes Problem bleiben die verfügbaren Mengen und die Kosten. Elektrolyseure sind teuer und besonders in der der Stahl- oder die Chemieindustrie würden enorme Mehrkosten für den Einsatz von grünem Wasserstoff entstehen, meint Klaus Stratmann, Experte für Energiepolitik beim Handelsblatt: „Der Staat wird über viele Jahre die Kosten für Investitionen in neue Anlagen und auch für den laufenden Betrieb mit Milliardenbeträgen unterstützen müssen.“

Investieren in saubere Energie

Wer in erneuerbaren Wasserstoff und damit in saubere Energie investieren will, kann beispielsweise Aktien von Unternehmen wie SunHydrogen, Plug Power oder Nel ASA kaufen, die Wasserstoff aus regenerativen Energien herstellen oder wie im Fall von Plug Power Services rund um H2 (u. a. Wasserstoffspeicherung und Zapfanlagen) anbieten. Bisher ist jedoch unklar, wer von den ganzen H2-Playern sich langfristig als Marktführer etablieren wird. Eine Orientierung bietet die Top Ten-Liste nach Umsatz und Gewinn der Stuttgarter Börse (Stand Oktober 2021). Die Aktien der eben erwähnten drei Firmen bergen – wie immer beim Kauf von Einzelaktien – neben der Chance auf eine hohe Rendite auch ein hohes Risiko. Nachdem es lange steil nach oben ging, wurden im Februar 2022 Titel wie Plug Power und Nel ASA massiv abverkauft, meldet Finanzen.net. Beispiel Plug Power: Der 1997 gegründete Hersteller von Brennstoffzellen hat noch kein Jahr im Gewinn abgeschlossen und zum zweiten Quartal 2022 seinen Verlust vergrößert, schreibt StrategyInvest. Trotzdem investiert der US-Vermögensverwalter Blackrock weiter in Wasserstoff.

Um das Risiko bei einem Wasserstoff-Investment breiter zu streuen, können Anleger:innen auch durch Zertifikate, Anlageprodukte und einen Exchange Traded Fund (ETF) an der Wertentwicklung eigens aufgelegter Wasserstoff-Indizes teilhaben. Einen Überblick gibt es bei der Stuttgarter Börse. Seit Februar 2021 existiert sogar ein ETF auf Wasserstoff-Aktien namens L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (WKN A2QMAL), der die die Wertentwicklung des Solactive Hydrogen Economy Index (WKN SL0B9E) nachbildet.

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