2021: Was teurer wird, was sich ändert, was bleibt

Published on 10. December 2020
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2021: Was teurer wird, was sich ändert, was bleibt

Einige Dinge gibt es, die sind sogar in Pandemie-Zeiten sicher. Alle Jahre wieder, treten in Deutschland zum Jahreswechsel neue Regelungen und Gesetze in Kraft. Mehrwertsteuer, Soli oder Pendlerpauschale: Was sich 2021 ändert und ob im neuen Jahr das Leben teurer oder billiger wird.

2021 wird nicht nur das Jahr, in dem es im ganzen Land Massenimpfungen gegen das Corona-Virus geben wird, sondern auch das Jahr mit einem regelrechten „Preisniveausprung“, sind Ökonomen wie Holger Schmieding vom Bankhaus Berenberg in Hamburg überzeugt. Das liegt zum einen daran, dass ab Januar 2021 wieder die höheren Mehrwertsteuersätze von 7 Prozent (statt aktuell 5) beziehungsweise 19 Prozent (statt aktuell 16) für Waren und Dienstleistungen gelten. Die temporäre Senkung, die in der Corona-Krise die Konjunktur ankurbeln sollte, wird laut Finanzminister Olaf Scholz (SPD) nicht verlängert.

Energiepreise steigen

Zum anderen schlägt die CO2-Bepreisung – ein zentrales Instrument der Bundesregierung zur Erreichung der Klimaziele – auf die Energiepreise durch. Ab dem 01.01.2021 wird der Ausstoß einer Tonne CO2 im Wärme- und Verkehrssektor 25 Euro kosten. Geregelt wird das über den Erwerb sogenannter Verschmutzungsrechte in Form von Zertifikaten. Diesel, Benzin, Heizöl und Gas werden dadurch teurer.

Aber wie wirkt sich das zum Beispiel auf die eigenen Heizkosten aus? Laut einer Modellrechnung des Energiedienstleisters Ista und der TU Dortmund, die auf 65.000 Heizverbrauchsdaten von Mehrfamilienhäusern basiert, bedeutet das für eine bundesdeutsche Durchschnittswohnung von 71 Quadratmetern mit einer Gasheizung 45,61 Euro mehr im Jahr an Heizkosten, mit einer Ölheizung sind 60,71 Euro zusätzlich zu berappen. Grund für den Preisunterschied: Weil Öl mehr CO2 verursacht als Gas, fällt die Abgabe hier höher aus.

Tipp:
Schnell zum Telefon greifen, für dieses Jahr noch einen Liefertermin für Heizöl vereinbaren und Geld sparen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat für eine Tankfüllung von 3.000 Litern eine Ersparnis von etwa 275 Euro im Vergleich zu einer Heizöl-Bestellung ab 2021 berechnet.

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Höhere Spritpreise

Auch Autofahrer müssen 2021 wegen der CO2-Abgabe mit höheren Spritpreisen rechnen. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass sich Benzin um rund 7 Cent pro Liter verteuert und der Liter Diesel um 8 Cent. Mit einer jährlichen Fahrstrecke von 15.000 Kilometern und einem Benzinverbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer sind das laut Verbraucherzentrale 85 Euro mehr im Jahr.

Die Kfz-Steuer wird aufgrund des Klimapakets ebenfalls erhöht. 2021 soll der CO2-Ausstoß die hauptsächliche Bemessungsgrundlage der Kfz-Steuer für Neuwagen sein. Ab einem Kohlendioxid-Ausstoß von 96 Gramm je Kilometer greift die verschärfte Klimakomponente. Durchschnittlich verteuert sich die Kfz-Steuer pro Jahr um 15,80 Euro, so die Autozeitung.

Was 2021 billiger wird:

 Pendler zahlen weniger

Während sich die Benzinpreise 2021 erhöhen, sollen Pendler im kommenden Jahr weniger zahlen. Der Bundesrat hat beschlossen, dass sich die Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer für die Jahre 2021 bis 2023 von 30 Cent auf 35 Cent erhöht. Den Betrag dürften Fernpendler pro Arbeitstag von den zu versteuernden Einkünften abziehen, dabei zählt die einfache Entfernung. Die Erhöhung der Pendlerpauschale stößt auch auf Kritik. So legte etwa die grüne Bundestagsfraktion eine Beispielrechnung vor, die zeigt, dass vor allem Spitzenverdiener von dieser Maßnahme profitieren würden.

 Soli-Zuschlag fällt weg

Steuerzahler erwartet 2021 eine weitere Entlastung: Der Solidaritätszuschlag fällt für viele Bürger – genauer gesagt für rund 90 Prozent der Steuerpflichtigen – weg. Der „Soli“ zählt seit vielen Jahren zu den unbeliebtesten Abgaben. Denn anders als der Name suggeriert, muss der gezahlte Solidaritätszuschlag nicht für den Aufbau Ost verwendet werden: Die Steuereinnahmen kommen dem Staat, ohne zweckgebunden zu sein, zugute. Der Solidaritätszuschlag wurde bisher zu 5,5 Prozent auf die Einkommens- und Körperschaftssteuer aufgerechnet. Mit dem Wegfall spart beispielsweise ein alleinstehender kinderloser Arbeitnehmer, der 2.500 Euro brutto im Monat verdient, jährlich 192 Euro. Mit einem Soli-Rechner lässt sich die eigene monatliche Ersparnis auszurechnen.

 EEG-Umlage sinkt: Strom wird günstiger

Strom dürfte 2021 ebenfalls etwas günstiger werden. Die EEG-Umlage, die zur Finanzierung des Ausbaus der erneuerbaren Energien dient, sinkt. Die Umlage ist ein wesentlicher Bestandteil beim Strompreis. "Die zusätzlichen Einnahmen durch die CO2-Abgabe 2021 fließen in die Senkung der EEG-Umlage, dazu kommen milliardenschwere Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt", erläutert Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal Check24. Die EEG-Umlage wird 2021 durch einen Bundeszuschuss gedeckelt und sinkt nach Angaben der Bundesnetzagentur leicht von 6,76 auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Für einen Musterhaushalt mit 5.000 kWh Jahresverbrauch fällt die Stromrechnung dann 15 Euro niedriger aus, rechnet Check 24 vor. Weil 2021 gleichzeitig die Netzentgelte steigen, ist die Ersparnis je nach Postleitzahlgebiet direkt wieder futsch: Nach jetzigem Stand steigen die Netzentgelte im kommenden Jahr um vier Prozent. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5.000 kWh Strom zahlt dann 15 Euro mehr im Jahr, so das Vergleichsportal.

 Mindestlohn steigt

Wer zum gesetzlichen Mindestlohn beschäftigt ist, soll nach dem Willen der Bundesregierung 2021 mehr Geld auf dem Konto haben. Von aktuell 9,35 Euro steigt der Mindestlohn zum 1. Januar auf 9,50 brutto – das ist die erste von vier Stufen einer schrittweisen Erhöhung. Am 1. Juli 2021 steigt der Mindestlohn erneut, und zwar auf dann 9,60 Euro pro Stunde. Bis zum 1. Juli 2022 soll der Mindestlohn auf 10,45 Euro angehoben werden. Der erhöhte Mindestlohn gilt auch für Minijobber, die zum Beispiel in Privathaushalten als Haushaltshilfe tätig sind. Sie sollten zum Jahreswechsel – und erneut im Laufe des Jahres – ihre monatliche Arbeitszeit überprüfen und eventuell die Stundenanzahl verringern, rät der Bund der Steuerzahler.

 Baukindergeld verlängert

Zudem steigt das Kindergeld um 15 Euro und Bauwillige mit Kindern sollten wissen, dass die Regelungen zum Baukindergeld wegen der Corona-Krise bis Ende März 2021 verlängert wurden, so der Bund der Steuerzahler, der unter info(at)steuerzahler.de kostenfreies Servicematerial zu den „Steuerrechtsänderungen 2021“ anbietet.

Was bleibt 2021?

In der Gastronomie bleibt die Mehrwertsteuersenkung nach dem Jahreswechsel noch eine Zeitlang bestehen – allerdings läuft die weitere, befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf fünf Prozent für den Zeitraum 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 aus. Ab dem 1. Januar 2021 werden servierte Speisen mit 7 Prozent und erst ab 1. Juli 2021 wieder wie bisher mit 19 Prozent berechnet.

Auch bei der Deutschen Bahn gelten weiter niedrigere Mehrwertsteuer-Sätze im Fernverkehr. Grund für die Senkung ab Januar 2020 war allerdings nicht die Corona-Krise, sondern das Klimapaket der Bundesregierung. Dadurch sank der Mehrwertsteuersatz für Strecken über 50 Kilometer von 19 Prozent auf 7 Prozent.

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