Was kann SWIFT?

02.05.22

Was kann SWIFT?

Seit den Finanz-Sanktionen gegen Russland ist SWIFT überall. Aber wie funktioniert das internationale Zahlungsnetzwerk eigentlich, welche Folgen hat ein Ausschluss und welche SWIFT-Alternativen gibt es?

Ein Importverbot für Kohle aus Russland. Eine Hafensperre für russische Schiffe. Diese und weitere Sanktionen hat die Europäische Union kürzlich vorgeschlagen. Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hatte die EU bereits zuvor zahlreiche Wirtschafts- und Finanz-Sanktionen gegen Russland erlassen. Eine der bisher schärfsten Strafmaßnahmen fand am 12. März 2022 statt: Nach langem Zögern von Deutschland schloss die EU sieben russische und drei belarussische Banken von SWIFT aus. Betroffen sind unter anderem die beiden größten russischen Banken Sberbank und VTB.

Der Ausschluss sorgt für Verzögerungen bei internationalen Devisen-Zahlungen im Import- und Exportgeschäft und trifft damit das offizielle Russland und Kreml-nahe Vertreter:innen. Aber auch die russische Bevölkerung kann keine internationalen Überweisungen mehr tätigen oder empfangen. Den Iran traf es bereits 2012: Das Land wurde – zum ersten Mal in der Geschichte von SWIFT – wegen seines Atomprogramms von dem Zahlungssystem ausgeschlossen. Warum der aktuelle Ausschluss von Russland einem chinesischen Finanzdaten-Kommunikationsdienst Auftrieb geben könnte und wie sich die digitale Souveränität Europas stärken lässt, verrät unser Überblick zu SWIFT und alternativen Zahlungssystemen.

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Was ist SWIFT?

Swift ist nicht nur der Name eines japanischen Kleinwagens; in der Finanzwelt steht das Akronym für „Society For Worldwide Interbank Financial Telecommunication“. Bedeutet: Bei SWIFT handelt es sich um ein Netzwerk, mit dem Banken elektronische Informationen austauschen. SWIFT bewegt oder hält kein Geld und keine Wertpapiere. Das internationale Netzwerk zum Austausch elektronischer Informationen dient vielmehr dazu, einen sicheren Zahlungsstandard anbieten zu können. Die S.W.I.F.T. SCRL wurde 1973 als Genossenschaft gegründet und befindet sich vollständig im Besitz verschiedener Banken (unter anderem HSBC, BNP Paribas und Deutsche Bank). Über 200 Länder und 11.000 Institutionen – darunter nicht nur Banken, sondern auch Broker und Abrechnungssysteme – gehören zu SWIFT. Im November 2021 verzeichnete das größte internationale Zahlungsnetzwerk der Welt einen Rekord: An einem einzigen Tag wurden 50,3 Millionen Nachrichten über SWIFT ausgetauscht. Die Genossenschaft mit Hauptsitz in Belgien ist EU-Recht unterworfen und wird durch die Zentralbanken der Industrienationen G10 und der EZB überwacht.

Welche Vorteile bietet SWIFT?

Durch das Verwenden von standardisierten Codes für Anweisungen durch SWIFT können Banken Zahlungen schnell bearbeiten. Auch das BIC-System wird durch SWIFT verwaltet. Mit dem „Business Identifier Code“, einer international gültigen Bankleitzahl, kann die Organisation weltweit schnell Banken identifizieren und Zahlungen dorthin senden. Wollte zum Beispiel in Vor-Sanktionszeiten ein deutsches Unternehmen Gas in Russland kaufen, lief das so ab: Das Unternehmen konnte Geld von seinem deutschen Bankkonto an die russische Bank des russischen Unternehmens überweisen, indem es die Kontonummer des Empfängers und den BIC/SWIFT-Code eingab. Das deutsche Unternehmen übermittelte dann von seinem deutschen Konto über SWIFT eine Nachricht an die russische Bank, dass eine Überweisung eingegangen ist. Waren die Gelder elektronisch angekommen, konnte das russische Unternehmen sie abheben.

Was sind die Alternativen zu SWIFT?

Mit der „nuklearen Option“, wie sie einige nennen, war Russland bereits 2014 nach der Annexion der Krim konfrontiert. Nachdem die Regierung der Vereinigten Staaten gedroht hatte, Russland von SWIFT abzukoppeln, entwickelte die russische Zentralbank ein Pendant: Das „System für die Übermittlung von Finanznachrichten“ (abgekürzt SPFS) hatte laut „Bank of Russia“ Ende 2020 mehr als 400 Mitgliedsbanken – darunter zwei Dutzend aus ehemaligen Sowjetstaaten. Doch das SPFS-System ist kein vollwertiger SWIFT-Ersatz. Während SWIFT im 24/7-Betrieb läuft, kann SPFS nur während Werktagen von 7 bis 21 Uhr Zahlungsnachrichten versenden, erläutert Maria Shagina vom Zentrum für Osteuropastudien der Universität Zürich. Das SPFS habe auch stärkere Beschränkungen, was die Größe der Nachrichten anbelange, so die Wissenschaftlerin. Außerdem unterstützt das System zwar innerrussische Transaktionen, „das Problem bei einer Abschaltung von SWIFT ist jedoch die fehlende internationale Vernetzung“, schreibt Chris Devonshire-Ellis im Investoren-Newsletter „Russia Briefing“.

SWIFT und China

Dabei wäre es möglich, dass das russische SPFS in das größere chinesische Zahlungssystem, das „Cross Border Interbank Payment System“ (CIPS), integriert wird, meint Nathan Handwerker im Magazin „The Diplomat“. Das Ende 2015 als SWIFT-Alternative gestartete CIPS wird von der chinesischen Nationalbank „People‘s Bank of China“ (PBoC) betrieben. CIPS ermöglicht internationalen Banken, grenzüberschreitende Yuan-Transaktionen direkt an Ort und Stelle abzuwickeln, statt über Clearing-Banken in sogenannten Offshore-Yuan-Hubs. Ende 2021 waren laut CIPS 1.280 Finanzinstitute in 103 Ländern und Regionen an das System angeschlossen. Die Zahlen zeigten jedoch, dass das Zahlungsnetzwerk noch weit davon entfernt ist, ein SWIFT-Ersatz so sein, meint Finanzexperte Nathan Handwerker. Auch mit seiner digitalen Zentralbankwährung (CBDC) verfolgt China eine geringere Abhängigkeit vom westlich geprägten Interbanken-System SWIFT. Doch ganz ohne SWIFT geht’s dann noch nicht. 2021 wurde ein Joint Venture zwischen der chinesischen Zentralbank und der belgischen Genossenschaft verkündet, berichtet BTC-Echo. Das neue Unternehmen namens „Finance Gateway Information Service Limited“ wurde Mitte Januar 2021 in Peking mit einem Gründungskapital von 10 Millionen Euro registriert. SWIFT brachte über eine Tochtergesellschaft in Hongkong 55 Prozent des Kapitals ein.

Blick in die Zukunft von SWIFT

„Heutzutage werden Waren und Dienstleistungen schneller und über größere Entfernungen hinweg transportiert als je zuvor, so dass auch deren Wert weiter und schneller transportiert werden muss“, steht auf der SWIFT-Website. Im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr gibt es dabei zahlreiche Herausforderungen: Unter anderem die Dauer von Überweisungen, die Nachverfolgbarkeit von Zahlungen und ein häufig undurchschaubares Banken-Geflecht. Mit der 2017 gestarteten Global-Payment-Initiative (GPI) bietet die Genossenschaft eine neue, schnelle Zahlungsverkehrslösung mit Nachverfolgung an. „Fast die Hälfte der Zahlungen werden den Empfänger:innen innerhalb von fünf Minuten, fast zwei Drittel innerhalb von 30 Minuten gutgeschrieben“, meldet „Businesswire“. Teil der GPI-Echtzeit-Zahlungen ist der seit 2020 für Banken verpflichtende Payment-Tracker. Für sämtliche SWIFT-Zahlungen muss eine GPI-Referenznummer angegeben werden, die ein Tracking der Zahlung ermöglicht. Seit November 2021 gibt es eine weitere Veränderung: Die Umstellung auf ISO 20022. Während bisher im Auslandszahlungsverkehr das MT-Nachrichtenformat verwendet wird, sollen Banken bis 2025 den Wechsel auf ISO 20022 bewältigen. Der einheitliche XML-Standard ermöglicht „eine Interoperabilität der Nachrichten und Systeme über Grenzen hinweg“, schreibt Rabishankar Biswal in „Der-Bank-Blog“.

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