Stabile Münzen? Stablecoins im Check

10.11.21
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Stabile Münzen? Stablecoins im Check

Analysten sprechen von einer Invasion, und Behörden nehmen sie zunehmend ins Visier. Aber was unterscheidet Stablecoins wie Tether von Kryptowährungen wie Bitcoin und welche Chancen und Risiken bergen die “stabilen Münzen”?

Erst geht’s turboschnell nach oben, dann folgt der Fall ins Bodenlose - bevor das ganze Spiel von vorne beginnt. Die Zickzackkurse von Bitcoin und anderen digital errechneten und gespeicherten Währungen sind inzwischen notorisch. Kryptowährungen zeichnen sich in der Regel durch wilde Preisschwankungen und extreme Volatilität aus. Aber es gibt Kryptos, die anders sein sollen.

Was sind Stablecoins?

Stablecoins haben den Anspruch, wertstabil zu sein. Das liegt daran, dass der Preis der meisten Stablecoins im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen eins zu eins an einen Basiswert gekoppelt ist. Meist ist das eine nationale Fiat-Währung wie der US-Dollar oder ein Edelmetall wie beispielsweise Gold. Möglich sind aber auch andere Rohstoffe oder Staatsanleihen.

Wofür braucht man Stablecoins?

„Der erste Stablecoin wurde 2014 geschaffen, um Transaktionen im Kryptosystem zu erleichtern, da Banken zu dieser Zeit zögerten, Konten an Kryptounternehmen zu vergeben. Angesichts des Potenzials für Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung seien Banken nicht daran interessiert gewesen, solche Firmen in ihren Büchern zu haben“, erläutert Stephen McKeon, Professor für Finanzen an der University of Oregon, gegenüber cnn.com.

Spekulieren mit Stablecoins?

Neben der derzeitig hauptsächlichen Verwendung an Kryptowährungsbörsen, können Stablecoins auch für andere Arten von Finanztransaktionen eingesetzt werden. Mit Stablecoins lassen sich beispielsweise Zahlungen ins Ausland schnell und reibungslos bewerkstelligen. Stablecoins können laut dem Finanzexperten Zeke Faux von Bloomberg “eine Brücke zwischen zwei Welten sein, die eigentlich nicht dafür gedacht waren, sich zu vermischen: Kryptowährungen und der traditionellen Finanzwirtschaft.”

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Stablecoin: Wachstumsmarkt 2021

Die Menge der verfügbaren Stablecoins ist zuletzt im Expresstempo gewachsen.

Nach Zahlen von Coingecko, einem Krypto-Analysten, lag die Marktkapitalisierung aller Stablecoins am 29. Oktober 2021 bei rund bei 136,1 Milliarden US-Dollar. Die meisten davon sind an den Dollar gekoppelt. Der größte (und vermutlich bekannteste) Emittent von Stablecoins heißt Tether Holdings Ltd. Im Oktober 2021 waren laut Fortune.com 69 Milliarden Tether im Umlauf, allein 48 Milliarden wurden dieses Jahr emittiert. Ein weiterer Aufsteiger in der Kryptowelt heißt USD Coin. Er kommt im Ranking der größten Kryptowährungen für das Jahr 2021 auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 32,8 Milliarden Dollar und liegt damit auf Rang 10, berichtet Handelsblatt.com. Damit hat sich der USD Coin mehr als verachtfacht; Anfang Januar lag die Marktkapitalisierung noch bei vier Milliarden Dollar. "2017 waren die Stablecoins noch klein. Doch heute sind sie ein wichtiger Teil des Krypto-Ecosystems”, sagt der Blockchain-Experte Joseph Edwards von Enigma Securities der Nachrichtenseite DW.com. Laut Edwards hat sich rund um die Stablecoins ein ganzes System von dezentralen Finanzprodukten (DeFis) entwickelt.[4]  Experten bezeichnen Stablecoins auch als “Schmiermittel in der DeFi-Welt”.

Übrigens: Auch die berühmt-berüchtigte Krypto-Währung Diem (früher Libra genannt) aus dem Facebook-Konsortium ist als Stablecoin angelegt und soll an den Dollar gekoppelt werden, berichtet Finanzen.net.

Das Transparenzproblem

Auch wenn Stablecoins als kostengünstiges Mittel zum Handel mit Krypto-Assets und für den grenzüberschreitenden Geld-Transfer angesehen werden, bleibt das Transparenzproblem. Da es viele verschiedene Emittenden von Stablecoins gibt und jeder seine eigenen Richtlinien und einen unterschiedlichen Grad an Transparenz bietet, ist eine umfassende eigene Recherche Pflicht, rät Erika Rasure, Assistenzprofessorin für Wirtschaft an der Maryville Universität in Missouri.

Stablecoin-Gigant im Visier der Justiz

Beispiel Tether: Das Unternehmen steht seit längerem wegen mangelnder Transparenz am Pranger und ist immer wieder Gegenstand von Ermittlungen der US-Justiz, wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtet. Aktuell muss Tether eine Geldstrafe von 41 Millionen Dollar zahlen, um Anschuldigungen auszuräumen, es habe zu Unrecht behauptet, seine digitalen Token seien vollständig durch Fiat-Währungen gedeckt. Gleichzeitig hat die US-Aufsichtsbehörde CFTC eine Stellungnahme veröffentlicht, wonach es keine Probleme mit dem derzeitigen Betrieb von Tether gibt. Auch die 48 Milliarden USDT, die Tether dieses Jahr ausgegeben hat und die angeblich einen Wert von jeweils 1 Dollar haben, werden kritisch unter die Lupe genommen. Bereits im Februar 2021 wurde Tether zur Zahlung einer Strafe von 18,5 Millionen Dollar verurteilt und bekam ein Handelsverbot in New York aufgebrummt.

Risiko für das globale Finanzsystem?

Stablecoins wie Tether sind zuletzt zunehmend ins Visier der Finanzbehörden geraten und gelten als mögliches Systemrisiko. So befürchtet etwa die Rating-Agentur Fitch, dass Stablecoins mit der Zeit die Funktionsfähigkeit des Marktes für kurzfristige Kredite beeinträchtigen könnten, berichtet die FAZ. Ein Grund für die zunehmenden Regulierungsbemühungen dürfte nach Meinung von Expert:innen auch sein, dass die Stablecoins einen deutlichen Vorsprung gegenüber digitalen Zentralbankwährungen haben, die vermutlich noch Jahre brauchen werden, um weltweit eingeführt zu werden.

Neue EU-Verordnung zu Stablecoins

Anfang dieses Jahres hat die EU unter dem Titel „Markets in Crypto-Assets Regulation“ (MiCA) eine Verordnung zu Kryptowährungen veröffentlicht. „Die „Markets in Crypto-Assets“ (MiCA) getaufte Verordnung soll für EU-weit einheitliche Regeln im Umgang mit digitalen Währungen und Krypto-Assets sorgen. Derzeit unterscheidet sich geltendes Recht von Ländergrenze zu Ländergrenze teils erheblich. (…) Die neue Verordnung soll dem ein Ende setzen und bereits Ende 2022 in allen Mitgliedsstaaten in Kraft treten.“, schreibt Blockchainwelt. In Deutschland hat der Gesetzgeber Kryptowerte als Finanzinstrumente in das Kreditwesengesetz (KWG) sowie in das Wertpapierinstitutsgesetz (§ 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 KWG bzw. Wertpapiernebendienstleistung nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 WpIG) und das Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) aufgenommen. Wie Blockchainwelt berichtet, deckt sich das geltende deutsche Recht mit der neuen Verordnung bereits. Hierzulande wird sich also nicht viel ändern.

USA: SEC soll Stablecoin-Regulierung übernehmen

Zu den Ländern, die mit der Prüfung von Aufsichtsmaßnahmen für Stablecoins begonnen haben, gehören auch die USA. Wie Bloomberg berichtet, deutet ein Bericht von mehreren US-Regierungsstellen darauf hin, dass Stablecoins künftig von der United States Securities and Exchange Commission (SEC) reguliert werden sollen. Doch das macht das ganze Szenario nicht unbedingt einfacher: Es gibt verschiedene Gruppen wie das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN), das Office of the Comptroller of the Currency (OOC) und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die ihre eigenen Bundesvorschriften auf Stablecoins anwenden müssen. Und: Auch die einzelnen Bundesstaaten können ihre eigenen Vorschriften erlassen.

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