Social Entrepreneurship: Gutes gründen

Published on 04. December 2019
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Social Entrepreneurship: Gutes gründen

Die Welt verbessern und Geld erwirtschaften: Beim Social Entrepreneurship ist das kein Widerspruch. Wie Startups mit unternehmerischen Methoden den sozialen Wandel voranbringen.

Eine Bank für die Armen der Welt: Es war eine revolutionäre Idee, die den Begriff Social Entrepreneurship in aller Welt bekannt machte. 1983 gründete der Universitätsprofessor Muhammad Yunus in Bangladesch ein Mikrofinanz-Kreditinstitut, die Grameen Bank. Die Ziele: die Ausbeutung der Armen zu beenden und sie durch berufliche Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit zu holen. Das Besondere: Die Mikro-Kredite werden vergeben, ohne von den Kreditnehmern Sicherheiten einzufordern. Die Grameen-Bank („Dorf-Bank“) wartet dabei nicht, bis die Menschen zu ihr kommen, sondern sie kommt in die Dörfer. Die Rückzahlquote lag im Oktober 2019 bei 99 Prozent. Für das Prinzip „Business statt Almosen“ erhielten Social Entrepreneur Muhammad Yunus und die Grameen Bank 2006 den Friedensnobelpreis.

Social Enterprises machen Schule

Social Entrepreneurship macht auch unter Startups Schule, stellt der Deutsche Startup Monitor 2019 fest: In der jährlichen Untersuchung des Bundesverbands Deutsche Startups e.V., ordneten sich über 36 Prozent der befragten Gründerinnen und Gründer den Bereichen „Green Economy“ und „Social Entrepreneurship“ zu. „Die ökologische und soziale Nachhaltigkeit spielt für Startups eine zentrale Rolle“, heißt es in dem im November 2019 in Berlin vorgestellten Bericht.

Ideen, die die Welt verbessern

Im Unterschied zu Stiftungen und karitativen Organisationen wollen Startups aus dem Bereich Social Entrepreneurship nicht auf Spenden und Fördermittel angewiesen sein: Ihr Ziel ist es, mit marktwirtschaftlichen Methoden Geld zu erwirtschaften. Trotzdem steht im Unterschied zu „normalen“ Neugründungen die Profitmaximierung nicht im Vordergrund. Herausforderungen werden unternehmerisch angegangen, um einen positiven Beitrag zur Gestaltung der Zukunft zu leisten. Geld auf Kosten anderer zu machen ist tabu. So hat beispielsweise das preisgekrönte Startup Qlik eine offene Data-Analytics-Plattform geschaffen, um klimabedingten und humanitären Krisen zu begegnen. Mittlerweile hat das junge Unternehmen über 8 Millionen Dollar an Software, Training und Unterstützungs-Zuschüssen für gemeinnützige Organisationen bereitgestellt.

Social Entrepreneurship studieren

Wer mit einer soliden akademischen Basis ins soziale Unternehmertum starten will, kann Social Entrepreneurship auch studieren: In Deutschland beispielsweise in Kiel, Vechta oder Alfter. So werden an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn Studierende in dem interdisziplinären Studiengang „Philosophy, Arts and Social Entrepreneurship“ an ein ganzheitliches Denken und Handeln herangeführt und in Praxisprojekten bekommen sie einen tieferen Einblick in das soziale Unternehmertum.

CSR: Von der Kür zur Pflicht

Für Unternehmen steht Corporate Social Responsibility (CSR) seit einiger Zeit ganz oben auf der Agenda – spätestens seit der Verabschiedung einer CSR-Richtlinie durch das EU-Parlament im Jahr 2014: Insbesondere große börsennotierte Unternehmen sollen in ihren Lageberichten stärker als bisher auf wesentliche nichtfinanzielle Aspekte der Unternehmenstätigkeit eingehen. Auffällig sei, „dass die Mehrheit der Unternehmen nachhaltiges Handeln und Berichten nicht mehr nur als Kür sieht, sondern als einen unabdingbaren Bestandteil ihrer DNA entwickelt hat“, sagt Klaus Rainer Kirchhoff, CEO der Kirchhoff Consult AG, die Unternehmen bei der Strategieentwicklung und Kommunikation berät. Kirchhoff rief 2005 das „Good Company Ranking“ ins Leben, das DAX-Unternehmen in Bezug auf ihre Verantwortlichkeit in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft, Mitarbeiter und Kapital bewertet.

Land der sozialen Innovationen

„Ob Krankenversicherungen oder Genossenschaftsbanken: Deutschland ist immer ein Land der sozialen Innovationen gewesen. Immer wieder haben sich Menschen aufgemacht, die Lebensbedingungen für Mensch und Natur zu verbessern und richtungsweisende Strategien für die Zukunft zu entwickeln“, sagt Michael Wunsch (Seite 3), Initiator des Deutschen Social Entrepreneurship Monitor (DSEM). Mit der Erhebung will das Netzwerk Sozialunternehmerinnen und -unternehmern eine Bühne bieten. Ein Problem sei, dass Social Entrepreneurship bisher nur wenig gefördert und unterstützt wird, so Wunsch. Weil sie sich der klassischen Unterscheidung zwischen Wirtschaft und sozialem Sektor widersetzen, fallen sie häufig durchs Raster von Förderprogrammen. Laut dem Deutschen Social Entrepreneurship Monitor 2018 (Seite 9) sehen 62 Prozent der DSEM-Unternehmen in der Startfinanzierung und 65 Prozent in der Anschlussfinanzierung eine wesentliche Hürde. Der Politik stellen die befragten Unternehmen lediglich die Note 4,6 für die Unterstützung von Social Entrepreneurship in Deutschland aus.

Gemüse nach dem Solidarprinzip

Dass es auch anders geht, zeigen beispielsweise die Social Impact Labs, die es an elf verschiedenen Standorten in Deutschland gibt. Die gemeinnützige Social Impact GmbH unterstützt sozial-innovative Gründerinnen und Gründer mit Stipendien. „Das oberste Kriterium, nach dem wir unsere Stipendiaten auswählen, lautet: Das Unternehmen löst ein soziales oder gesellschaftliches Problem auf innovative Art und Weise“, sagt Konrad Sell, Leiter des Social Impact Lab in Leipzig, in einem Interview mit dem Magazin „New Work“. Zu den aktuellen Stipendiaten in Leipzig gehört unter anderem ein Projekt namens KoLa, das in Taucha bei Leipzig für bis zu 6.000 Menschen Öko-Gemüse in kooperativer Landwirtschaft anbauen will sowie ein Lieferdienst, bei dem ausschließlich immigrierte Menschen arbeiten, die sich so einen ersten beruflichen Einstieg in Deutschland aufbauen. In den Social Impact Labs erhalten die Stipendiaten neben einem Platz zum Arbeiten in einem Coworking-Space auch Einzelcoachings zur Entwicklung ihres Geschäftsmodells. Außerdem können sie Fachseminare zu Themen wie Marketing, Buchhaltung und Steuer besuchen. Die Rundum-Betreuung trägt Früchte: Von den rund 270 Teams, die seit dem Projektstart im Jahr 2011 Sozialunternehmen gegründet haben, haben nur 30 die Geschäftstätigkeit eingestellt.

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