Versicherungen: was braucht man wirklich?

Published on 20. August 2020
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Versicherungen: was braucht man wirklich?

Versicherungen sind wichtig – und verwirrend. Kein Wunder, dass viele Menschen falsch versichert sind. Von muss über soll bis kann: Welche Policen unerlässlich sind und wo Sparpotenzial schlummert.

Willkommen im Land der Versicherungsmuffel! Nicht wirklich: 2019 haben die Deutschen im Schnitt 2.455 Euro für private Versicherungen ausgegeben, rund 440 Millionen Policen decken Risiken im Alltag nahezu jeden Bürgers und Unternehmens ab, rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor. Echte Versicherungs-Topchecker sind die meisten von uns aber nicht. Experten beobachten, dass einem Großteil der Haushalte in Versicherungsfragen der Durchblick fehlt. Versicherungskunden in Deutschland geben laut „Stiftung Warentest“ viel Geld für falsche und zu teure Versicherungen aus.

Ordner raus: Versicherungscheck!

Aber welche Policen sind wirklich wichtig und welche sind nur eine Goldgrube für die Versicherungsbranche? Wer tiefer ins Thema einsteigt, merkt schnell, Versicherungen gibt es wie Sand am Meer. Und der Blick ins Kleingedruckte zeigt, dass Versicherungsdeutsch ziemlich verwirrend (und zum Gähnen öde) sein kann. Das ist jedoch keine Ausrede, sich nicht damit zu beschäftigen – denn wem wichtige Versicherungen fehlen, der muss die Konsequenzen oft ein Leben lang tragen.

Versichert nach dem GAU-Prinzip

Zeit für die Basics: Versicherungen lassen sich in drei Gruppen unterteilen –Personenversicherungen, Sachversicherungen und Haftpflichtversicherungen. Jetzt folgt auch schon die spannende Frage, welche Versicherungen man wirklich braucht. Die Verbraucherzentralen beantworten das mit dem „GAU“- Prinzip. Jeder Versicherungsschutz sollte zunächst den „Größten anzunehmenden Unfall“ abdecken, meinen die Verbraucherschützer. Hierzu zählen der Todesfall, die Invalidität und das Verursachen eines Drittschadens. Das Vergleichsportal Verivox unterteilt zudem in „Muss-“, „Soll-“ und „Kann“-Versicherungen.

Passend zur Lebenssituation

Wichtig ist auch, dass Versicherungen zur individuellen Lebenssituation passen sollten. Logisch, dass eine 20-jährige Berufsanfängerin, die noch bei den Eltern wohnt, einen anderen Versicherungsschutz braucht, als ein 40-jähriger Familienvater, der Alleinverdiener ist und gerade ein Eigenheim gekauft hat. Einmal im Jahr (oder wenn sich die persönliche Lebenssituation etwa durch Heirat oder Eigenheimkauf geändert hat) einen Versicherungscheck zu machen, ist auch finanziell sinnvoll. „Wer sich richtig informiert, kann im Einzelfall mehrere Hundert Euro im Jahr sparen“, verspricht Stiftung Warentest. Vergleichsportale wie Verivox, Check24 oder Anbieter wie Huk24 helfen dabei, das persönliche Sparpotenzial auszurechnen. Wer sich nicht selbst durch den Versicherungsdschungel ackern will, kann sich auch an eine der 200 Beratungsstellen der Verbraucherzentrale wenden oder die Hilfe eines Versicherungsvertreters in Anspruch nehmen.

Mit Insurtechs sparen

Noch ein Spartipp: Insurtechs, die Versicherungsdienstleistungen mit modernen IT-Methoden umsetzen, mischen inzwischen die altehrwürdige Versicherungsbranche auf. Sie buhlen mit günstigen Preisen und einer einfachen Verwaltung der Policen besonders um die Zielgruppe der digital-affinen Millennials.

Spezial-Fall Krankenversicherung und Co.

Einige Versicherungen sind in Deutschland – je nach Beruf und Lebenssituation – gesetzlich vorgeschrieben. Dazu zählen beispielsweise die Krankenversicherung, die Kfz-Versicherung und die Berufshaftpflichtversicherung, die unter anderem für Ärzte, Hebammen, Notare, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer verpflichtend ist. In einigen Bundesländern müssen Hundebesitzer eine abgeschlossene Hundehaftpflichtversicherung nachweisen.

Ein Muss: die Haftpflichtversicherung

Eine private Haftpflichtversicherung ist sinnvoll, da sind sich Versicherungsexperten einig. Sie deckt teure Sach- und Personenschäden ab, wie sie beispielsweise im Straßenverkehr auftreten. Trotzdem sparen sich viele Deutsche immer noch die Haftpflichtversicherung. So klafft nach Zahlen des GDV bei fast 30 Prozent der Versicherten hier eine Lücke. Wer sich jetzt entspannt zurücklehnt, weil er schon vor Ewigkeiten eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, sollte nochmal die Unterlagen hervorkramen. Uralt-Policen decken teilweise lediglich Schäden bis zu einer halben Million Euro ab. Das kann schnell zu wenig sein, wenn beispielsweise ein Mensch schwer verletzt und lebenslang beeinträchtigt wird. Die Verbraucherzentrale rät zu einer Mindestdeckungssumme von 10 Millionen Euro. Wichtig dabei: „Die Versicherung sollte diese Summe in allen drei Bereichen - Personen-, Sach- und Vermögensschäden – abdecken.“

Wer glücklicher Immobilienbesitzer ist (und es auch bleiben will), sollte unbedingt noch eine weitere Versicherung abschließen: Eine Gebäudeversicherung. Wenn beispielsweise ein Sturm das Dach abdeckt oder ein Feuer das Haus unbewohnbar macht, greift diese Sachversicherung. Wenn nötig, lässt sich der Vertrag um eine Elementarschadenversicherung erweitern, die zum Beispiel bei Überschwemmungen greift.

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Berufsunfähigkeits­versicherung: sehr wichtig

Laut den Versicherungsmathematikern der Deutschen Aktuarvereinigung werden 43 Prozent der heute 20-jährigen Männer und 38 Prozent der 20-jährigen Frauen bis zum Rentenbeginn berufsunfähig sein. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht dann oft nicht aus. Der Fall scheint klar. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), die greift, wenn der Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden kann, ist „sehr wichtig“, so der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in gut 30 Prozent der Erwerbstätigen-Haushalte eine private Berufsunfähigkeitsversicherung.

Alternativen zur BU

Für einige Berufe, beispielsweise Dachdecker oder Krankenpfleger, ist der Schutz sehr teuer, und manche Menschen bekommen aus gesundheitlichen Gründen keinen Vertrag. Alternativen können in diesem Fall eine Erwerbsunfähigkeits-, Dread Desease- oder Unfallversicherung sein. Wer statt der BU-Versicherung eine (deutlich günstigere) Unfallversicherung abschließt, sollte sich jedoch klar machen, dass diese wirklich nur bei Unfällen greift, die Berufsunfähigkeit bei Krankheit UND Unfällen.

Risikolebens­versicherung: wichtig für Häuslebauer

Nachwuchs unterwegs? Dann lohnt es sich, über eine Risikolebensversicherung nachzudenken. Sie ist nach Meinung von Experten besonders für Alleinverdiener und bei einem Hauskredit unerlässlich. Die Personenversicherung bewahrt die Angehörigen im Todesfall vor einer finanziellen Katastrophe. Laut einer Umfrage von Cosmos Direkt schließen die meisten Deutschen (45 Prozent) eine Risikolebensversicherung beim Hauskauf ab, für 15 Prozent der Befragten war die Geburt eines Kindes der Anlass. Bei Risikolebensversicherungen ist der Preis Trumpf, so ein Test der Zeitschrift Finanztest der Stiftung Warentest: „Teure Verträge kosten mitunter fast dreimal so viel wie günstige. Dabei sind die Unterschiede in den Leistungen eher gering“, sagt die Annegret Jende von der Stiftung Warentest.

In Ungnade gefallen, weil zu teuer, sind bei einigen Experten kapital- oder fondsgebundene Lebensversicherungen. Als Alternative empfiehlt Finanztip ETF-Sparpläne in Kombination mit einem Auszahlplan in der Rentenphase. Diejenigen, die vor einigen Jahren eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen haben und prüfen wollen, ob es sich lohnt, diese fortzuführen, können das mit einem Lebensversicherungsrechner herausfinden.

Die Kann-Versicherungen

In die Kategorie „kann“ fallen Versicherungen, die eine gute Ergänzung des Versicherungsschutzes sind, aber erst in Angriff genommen werden sollten, wenn alle wirklich wichtigen Versicherungen (s.o.) abgeschlossen wurden. Auch hier gilt wieder: Welche Versicherung man wirklich braucht, hängt von der individuellen Lebenssituation ab. Für Eltern ist etwa ein Kinderinvaliditätsversicherung sinnvoll. Eine private Pflegeversicherung kann die hohen Kosten für medizinische Versorgung und Betreuung im Alter übernehmen, die nicht durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt sind. Auch eine Hausratversicherung kann sinnvoll sein – allerdings nur, wenn das Zuhause mit teuren Designerstücken ausgestattet ist oder das wichtigste Inventar nicht aus den eigenen Ersparnissen ersetzen kann.

Beliebt und unnötig: Handyversicherung

Die Antwort auf diese Frage hängt, wie bereits erwähnt, immer auch von der jeweiligen Lebenssituation ab. Versicherungen, die nach Meinung von Experten unnötig sind und die nur Geld fressen, sind dabei vor allem Sachversicherungen wie Handy-, Brillen- und Reisegepäckversicherungen. „Verzichtet werden kann meist auf Policen, die nur kleinere Schäden abdecken“, urteilt die Verbraucherzentrale. Auch eine Zahnzusatzversicherung fällt in die „Kann man haben“-Kategorie, so Finanztip: Sie lohne sich nur, wenn man häufig kostspieligen Zahnersatz braucht und oft bleibe trotzdem ein Eigenanteil von einigen Hundert Euro übrig, lautet das Urteil.

Kurios versichert

Dass die Versicherungsbranche auch Humor hat, zeigt ein Blick ins Land der unbegrenzten (Versicherungs-)Möglichkeiten. In den USA können sich Heiratswillige dagegen versichern, dass die bessere Hälfte am schönsten Tag des Lebens nicht vor dem Traualtar auftaucht – für zwölf Euro pro Jahr. Teurer, aber auch ziemlich schräg ist die Versicherung für den „Dad to be“. Werdende Väter können sich für 125 Euro gegen einen Ohnmachtsanfall im Kreißsaal versichern lassen.

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