Selbstständigkeit in Deutschland – das müssen Sie wissen!

Published on 02. September 2019
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Der Weg in die Selbstständigkeit ist mittlerweile für viele Berufstätige in Deutschland eine attraktive Alternative. Ein hohes Maß an Eigenbestimmtheit, flexible Arbeitszeiten und der „eigene Chef sein“ machen die Selbstständigkeit so interessant. Doch allzu einfach ist es natürlich nicht. Die Vorteile einer Festanstellung sind sicherlich hinlänglich bekannt und dieser sichere Hafen schreckt potenzielle Entrepreneure vor dem Schritt der Eigenständigkeit ab.

Dennoch ist die Selbstständigkeit ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Volkswirtschaft. Wir als Fidor Bank möchten Sie in Ihrem Vorhaben unterstützen und zeigen Ihnen deshalb in diesem Artikel, welche Schritte Sie beachten müssen, um bei der Firmengründung alle wichtigen Aspekte zu beachten.

Alles steht und fällt mit Ihrem Businessplan!

Am Anfang war die Idee – aber haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Sie diese umsetzen wollen? Dabei sprechen wir nicht von der operativen Umsetzung Ihres Vorhabens, sondern von allen Aspekten, die vorweg beachtet werden müssen. Zu Beginn sollten Sie eine ausführliche Markt- und Wettbewerbsanalyse durchführen. Was passiert in Ihrem (Ziel-) Markt? Wer sind die großen Player? Welche Nischen gibt es? Wo sehen Sie Ihren USP? Unterschätzen Sie den Business Plan nicht! Hier versteckt sich wahrscheinlich der größte Teil Ihrer Arbeit. Hierzu empfiehlt es sich, marktrelevante Statistiken und Analysen zu studieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Scannen Sie Ihren Zielmarkt genau ab und achten Sie auf Ihre Wettbewerber. Schauen Sie zudem, wie sich Ihr Markt zusammensetzt, vor allem im Hinblick auf Ihre anzusprechende Zielgruppe.

Nachdem Sie sich mit dem Markt und Ihren Wettbewerbern vertraut gemacht haben, gilt es, eine Strategie zu entwickeln: wie wollen Sie Marktanteile gewinnen? Welchen Zeitraum haben Sie dafür eingeplant? Welche Mittel benötigen Sie dafür – finanzielle Zuwendungen und Mitarbeiter? Achten Sie hierbei darauf, dass Sie die zu Beginn einer Gründung meist knappen Ressourcen optimal einsetzen, um somit eine maximale Performance erreichen zu können. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil Ihres Business Plans sollte die Budgetplanung, der sogenannte Finanzplan sein. Zu Beginn einer jeden Gründung ist eine finanzielle Basis sehr wichtig – etwa für Werbe- und Marketingkosten, Anschaffungskosten und Mitarbeiter. Rechnen Sie sich aus, wie viel Geld Sie etwa für monatliche Fixkosten einplanen müssen, um Ihr laufendes Geschäft nicht zu gefährden. Berechnen Sie außerdem welche Umsätze Ihr Unternehmen (bezogen auf einen vorab definierten Zeitraum) machen muss, um den Break Even Point Ihrer Investition zu erreichen. An dieser Stelle sollten Sie sich auch mit der Beantragung von Fördermitteln beschäftigen, was weiter unten im Artikel noch genauer beschrieben wird.

Dokumente, Behörden, Steuern & Rechte – was ist wichtig?

Sobald Sie die oben beschriebenen Punkte ausgearbeitet haben, können Sie sich mit der Anmeldung Ihres Gewerbes befassen. Dabei gibt es wichtige Schritte, die Sie beachten müssen. Zu Beginn müssen Sie Ihr Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Ausgeschlossen von dieser gesetzlichen Verpflichtung sind verschiedene freiberufliche Tätigkeiten, wie zum Beispiel Ärzte, Anwälte, Künstler, oder Land- und Forstwirte, solange Sie nicht unter einer Rechtsform arbeiten, welche eine Registrierung voraussetzt. Das Gewerbeamt leitet Ihre Anmeldung an weitere zuständige Behörden, wie beispielsweise das Finanzamt, die Industrie- und Handelskammer (IHK), die Berufsgenossenschaft und das statistische Landesamt weiter. Jene Ämter schicken Ihnen im Anschluss alle notwendigen Dokumente zu.

Logischerweise muss Ihr Unternehmen bzw. Ihre Selbstständigkeit auch beim Finanzamt erfasst werden. Daher ist es wichtig, dass Sie das zuständige Finanzamt über Ihr Vorhaben in Kenntnis setzen. Doch wie macht man das? Wie oben bereits beschrieben sendet Ihnen das Finanzamt nach Ihrer Gewerbeanmeldung alle relevanten Dokumente zu. Für Freiberufler, welche sich nicht beim Gewerbeamt anmelden müssen, ist der Gang zum Finanzamt der erste Schritt für die Anmeldung zur Selbstständigkeit. Dabei ist es wichtig, dass Sie sich innerhalb von vier Wochen nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit schriftlich beim Finanzamt melden, um den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zu erhalten. Anschließend weist Ihnen das Finanzamt eine Steuernummer zu und setzt die erste Steuervorauszahlung fest.

Die Geschäftsform


Die Frage nach der richtigen Geschäftsform für Ihr Vorhaben will wohl überlegt sein. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat dabei einen ausführlichen Fragenkatalog (S.50) ausgearbeitet, welcher Ihnen bei der Wahl der richtigen Rechtsform helfend zur Seite stehen soll. Je nachdem welche Geschäftsform Sie wählen, gibt es eine Reihe von gesetzlich vorgeschriebenen Mitgliedschaften, die für eine Unternehmensgründung verpflichtend sind. Außerdem sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie mit Ihrem Privatvermögen haften möchten oder nicht. Sollte dies nicht der Fall sein, dann kommen Sie nicht um die Kapitalgesellschaftsgründung herum.

Nach deutschem Recht sind Kapitalgesellschaften die haftungsbeschränkte UG (Unternehmergesellschaft), die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und die AG (Aktiengesellschaft). Hier wird das Kapital für die Haftung eingesetzt. Das macht vor allem dann Sinn, wenn das Risiko der Unternehmung nicht vollständig einschätzbar ist. Alternativ können Sie auch eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) gründen, oder Sie starten als Einzelunternehmer, wodurch weder Mindestkapital noch eine Eintragung in das Handelsregister nötig sind.

Versicherungen

Die Berufsgenossenschaft ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für das Unternehmen und deren Mitarbeiter. Sie sichert berufsbedingte Unfälle ab und kompensieren Vermögensschäden. Grundsätzlich ist es wichtig, die für Ihr Geschäftsmodell relevanten Risiken zu identifizieren und diese durch die richtige Versicherung abzusichern. Unabhängig vom Geschäftsmodell kann unter anderem eine Betriebshaftpflichtversicherung, eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung und eine Geschäftsinhaltversicherung sinnvoll sein. Der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung und einer Sachversicherung (bei entsprechenden Vermögenswerten) können einen sinnvollen Schutz bieten.

Für manche Freiberufler können mitunter andere Versicherungen empfehlenswert sein. Hier ist beispielsweise die Anmeldung zur Künstlersozialkasse sowie eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung teilweise verpflichtend. Als „Freelancer“ haben Sie die freie Wahl, wenn es um Ihre Krankenversicherung geht. Denken Sie zudem an eine Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Sonderregelungen für freie Berufe erstrecken sich über viele Versicherungs-bereiche. Im Grundsatz gilt jedoch, dass sich ein Freiberufler gleichermaßen versichern kann, wie ein Angestellter. Der große Unterschied liegt in der Möglichkeit, eine Vielzahl von Versicherungen selbstständig bestimmen zu können. Durch diese Freizügigkeit bieten viele Versicherungen spezielle Tarife und Pakete für Freiberufler an. Wenn es um den optimalen Versicherungsschutz für einen Freelancer geht, dann sollte man zunächst genau abwägen, welche Versicherung unbedingt erforderlich ist und somit welcher Tarif für Sie persönlich am günstigsten ist.

Ohne Moos nix los – Ihr Kapitalaufwand

Auch wenn Sie Ihre Unternehmung zu Beginn von zu Hause aus starten, sollten Sie sich so früh wie möglich Gedanken über das von Ihnen benötigte Kapital machen. Bei der Unternehmensgründung fallen eine Vielzahl an unterschiedlichen Kosten an: Miete, Materialaufwand, Versicherungen, Technik und die Anlaufphase. Denken Sie bereits früh an die Bildung von Rücklagen für eventuell schlechte Zeiten nach. Die Gründung eines Unternehmens kann natürlich auch ohne Eigenkapital vollzogen werden, Sie sollten sich dann mit dem Thema Fördergelder und Gründerkredit beschäftigen. Machen Sie eine genaue Aufstellung über die zu erwartenden Kosten und kalkulieren Sie diese genau durch. So können Sie am besten ableiten, wie viel Geld Sie benötigen, um in Ihre Selbstständigkeit zu starten.

Dabei empfehlen wir folgende Vorgehensweise: berechnen Sie Ihre Gründungskosten, welche für den Schritt in die Selbstständigkeit von Nöten sind. Hinzu kommen nun die laufenden Kosten, wie beispielsweise Miete und Abschreibungen technischer Geräte. Richten Sie sich zudem einen Puffer ein, um kurzfristige Liquiditätsengpässe überbrücken zu können. Daraus sollte das notwendige Kapital für Ihre Gründung resultieren, welches Ihnen als Grundlage für die Finanzierung Ihres Unternehmens dient.

Ab jetzt gilt es zu kommunizieren – tragen Sie Ihr Unternehmen nach außen!

Ihr Businessplan steht, die Finanzierung ist in trockenen Tüchern, alle Behördengänge sind erledigt und die wichtigsten Versicherungen sind abgeschlossen - dann gilt es sich um eine Marketing- und Kommunikationsstrategie Gedanken zu machen. Wie machen Sie Ihr Produkt beziehungsweise Ihr Unternehmen bekannt? Brauchen Sie eine Website? Wenn ja, haben Sie schon eine Domain? Soll Ihr Geschäft vorläufig über „Mundpropaganda“ verbreitet werden, oder schalten Sie (digitale) Werbung? Haben Sie bereits einen Namen, ein Logo sowie die passende Schriftart und Hausfarbe für Ihr Corporate Design?

Das war jetzt natürlich viel auf einmal. Daher gehen wir am besten genauer auf die einzelnen Punkte ein. In der heutigen Zeit bietet sich der Aufbau und die Pflege von eigenen (zumeist kostenfreien) Social-Media-Accounts an, da man so auf relativ einfache Weise ein Fundament an potenziellen Kunden aufbauen und zudem mit dem Networking beginnen kann. Außerdem sollten Sie sich Gedanken um den Aufbau einer eigenen Website machen. Mittlerweile gibt es eine Fülle an kostengünstigen Content-Management-Systemen, wie beispielsweise Wordpress, mit welchem Sie auf einfache Art und Weise Ihre Webpräsenz aufbauen und pflegen können.

Erfolgreiches Marketing muss zielgerichtet und nachhaltig sein und somit auf die Erreichung der Unternehmensziele gerichtet sein. Klar ist auch, dass Gründer am Anfang alle Hände voll zu tun haben und somit wenig Zeit für effektives Marketing bleibt. Gegebenenfalls macht hier Unterstützung von einer externen Agentur Sinn. Dabei sollten Sie natürlich die Kosten einer solchen Agentur im Auge behalten. Das Marketing spielt definitiv eine entscheidende Rolle für die Außenwirkung Ihrer Unternehmung. Auch wenn es erstmal Mehrkosten verursacht, sollten Sie bei jeglichen Produktionsschritten immer an ein adäquates Werbebudget denken. Jedoch geht es nicht ausschließlich um Werbebudget und Außenwirkung, sondern auch um eine klare Definition Ihrer Zielgruppe sowie die Positionierung Ihres Unternehmens. Stellen Sie sich die Frage, welche Ziele Sie erreichen wollen und wie zielgerichtetes Marketing Sie bei dem Erreichen dieser Ziele unterstützen kann.

Mit Mut zur Selbstständigkeit

Dieser Artikel soll Ihnen den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern, eventuelle Fragen klären und als eine Art Hilfe für eine erfolgreiche Gründung dienen. Eine gute Idee ist kostbar und somit ist es wichtig, dass Sie die Idee strukturiert und konsequent ausarbeiten. Bereiten Sie sich auf etwaige Schwierigkeiten vor, melden Sie Ihr Gewerbe fristgerecht bei den richtigen Behörden an und machen Sie sich früh genug Gedanken um eine ausreichende Finanzierung. Wenn Sie sich gut vorbereiten, dann steht Ihrer Gründung nichts mehr im Weg. Außer eventuell Sie selbst – etwas Mut gehört natürlich dazu!

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