Rürup-Rente: Lohnt sich das?

Published on 19. January 2021
Kategorien:

Rürup-Rente: Lohnt sich das?

Die Rürup-Rente ist ein möglicher Baustein zur Altersvorsorge – und nicht nur für Selbständige eine Option. Dabei steht die „Basisrente“ auch in der Kritik: Zu teuer, zu unflexibel. Für wen sich die private Rentenversicherung eignet und was die Vor- und Nachteile sind.

Millionen Deutsche (Statista Umfrage) haben sie: Eine private Rentenversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Rente oder zu Ansprüchen aus einem Versorgungswerk. Sie gehört neben der gesetzlichen Rentenversicherung und betrieblichen Altersvorsorge zum „Drei-Säulen-Modell“. Denn schon lange ist klar, dass die Rente im Alter für viele nicht reichen wird, um ohne finanzielle Sorgen den Ruhestand zu genießen. Um das Schreckgespenst Altersarmut zu vertreiben, lohnt es sich, privat vorzusorgen – in Form einer eigenen Immobilie, mit Aktien oder einer privaten Rentenversicherung.

Baustein der privaten Altersvorsorge

Ein Klassiker der privaten Altersvorsorge ist die Rürup-Rente. Die sogenannte „Basisrente“ als steuerlich begünstigte Form der privaten Altersvorsorge existiert in Deutschland seit 2005. Sie wird umgangssprachlich als Rürup-Rente bezeichnet – nach ihren „Erfinder“ dem Ökonomen Bert Rürup. Hinter ihr steckt in der Regel eine klassische oder fondsgebundene Rentenversicherung oder ein Fondssparplan. Im Alter erhält der Versicherte lebenslang eine monatliche Rente, auch Leibrente genannt.

Für wen ist die Rürup-Rente geeignet?

Die Rürup-Rente ist vor allem als Basisvorsorge für Selbständige und Freiberufler gedacht, die keiner gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen und auch nicht über ein berufsständisches Versorgungswerk, wie es beispielsweise für Ärzte, Architekten oder Rechtsanwälte existiert, abgesichert sind. Die Beiträge können als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Dadurch sinkt die Steuerlast deutlich. Aber auch Angestellte können über die Rürup-Rente vorsorgen.

Vor allem Gutverdiener profitieren von der Option einer staatlich geförderten Altersvorsorge, indem sie den kompletten Maximalbetrag der Rürup-Rente ausschöpfen. Wer viel verdient und hohe Steuern zahlt, profitiert auch stärker von den Steuervorteilen als ein Durchschnitts- oder Geringverdiener. 2021 können Ledige bis zu einer Höchstgrenze von 25.787 Euro pro Jahr einzahlen, Ehepaare das Doppelte.

Rechenbeispiel 1:

Ein Unternehmer und Vater eines Sohnes mit einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro, der mit Mitte 40 beginnt 500 Euro monatlich in die Rürup-Rente einzuzahlen, kann ab Renteneintritt monatlich eine zusätzliche Rente von circa 841 Euro erwarten, rechnet das Versicherungs- und Finanz-Vergleichsportals Experte 24 vor.

 RechenBeispiel 2:

Wer früh anfängt, privat für die Rente vorzusorgen, kommt mit niedrigeren monatlichen Raten ans Ziel. Ein alleinstehender Arbeitnehmer mit einem Jahresgehalt von 30.000 Euro, der mit 25 Jahren einen Rürup-Vertrag abschließt und monatlich 200 Euro einzahlt, kann ab Renteneintritt laut Experte24 eine monatliche Zusatzrente von ungefähr 997 Euro erwarten.

Dabei ist die Altersvorsorge per Rürup-Vertrag nicht für jeden geeignet: Für junge Selbständige, die wenig verdienen, und Selbständige mit geringem Einkommen, die Beiträge nicht langfristig aufbringen können, lohnt sich ein Vertrag nicht – „sie profitieren kaum oder gar nicht von Steuervorteilen“, urteilt ihre-vorsorge.de, das Informationsportal der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

So funktioniert die Rürup-Rente

Die Verträge werden mit privaten Anbietern geschlossen – so bietet beispielsweise die Allianz, das größte deutsche Versicherungsunternehmen, mehrere verschiedene Rürup-Renten-Policen an. Dabei wird zwischen drei Formen unterschieden:

  1. Nummer eins ist die klassische Rentenversicherung. Klassisch heißt laut Stiftung Warentest: „die Versicherer investieren die Beiträge der Kunden sicherheitsorientiert“. Nachteil dabei: Das niedrige Zinsniveau drückt die Rendite. Die Rendite ergibt sich für Sparer fast ausschließlich aus den Steuervorteilen.
     
  2. Fondsgebundene Rentenversicherungen bietet durch die Anlage in Fonds höhere Ertragschancen, allerdings können auch höhere Kosten entstehen. Einige Anbieter streichen satte Beträge für Verwaltungsgebühren ein, die die Rendite schmälern können. Genau prüfen sollte man auch, ob die gewählte Police eine Garantie beinhaltet – sonst trägt der Sparer das Kapitalmarktrisiko allein.
     
  3. Eher selten wird auch ein Fondssparplan, bei dem die Zahlung in monatlichen Raten erfolgt, als Rürup-Rente angeboten. Wenn ETFs, also Aktien-Indexfonds, wählbar sind, lassen sich damit oft die anfallenden Verwaltungsgebühren und Abschlusskosten kleinhalten.

Fidor Smart Geschäftskonto.
Bringt Banking auf ein neues Level.

Konto eröffnen

Die Ansparphase

Die staatliche Förderung bei privaten Rürup-Vorsorgeverträgen funktioniert – im Unterschied etwa zu Riester-Verträgen – allein über die Steuer. Erkannte das Finanzamt bisher 90 Prozent der eingezahlten Beiträge als Sonderausgabe an, so sind ab Januar 2021 92 Prozent steuerlich ansetzbar. Als Maßstab gilt die Bemessungsgrenze von 25.787 Euro pro Jahr. Für 2021 können bei Alleinstehenden können rund 23.724 Euro steuerlich angesetzt werden. (Für Ehegatten und Lebenspartner verdoppelt sich der Betrag.) Der absetzbare Anteil steigt jährlich um 2 Prozentpunkte bis auf 100 Prozent im Jahr 2025.

Das gibt es bei Rürup-Verträgen zu beachten

Neben Licht gibt es auch Schatten – für einige Sparer ist die Rürup-Rente zu unflexibel. Zu den Kritikpunkten und Nachteilen zählen:

  • Bei Versicherungen fallen Abschluss-, Vertrags- und Verwaltungskosten an – bei der Rürup-Rente sind sie besonders hoch, bemängeln Kritiker. „Im Schnitt betragen sie zirka 4 Prozent der Summe aller Bruttoprämien“, so das Fachportal Rürup-Rente.net. Die Anbieter unterscheiden sich allerdings bei den Kosten deutlich. Um sehr teure Versicherungen zu identifizieren, lohnt ein Blick ins Produktionsinformationsblatt.
     
  • Rürup-Verträge können nicht gekündigt werden. Es ist aber möglich, sie beitragsfrei zu stellen oder die monatliche Sparrate zu reduzieren: Anders als bei Riester-Verträgen sieht der Gesetzgeber keinen Mindestbeitrag vor.
     
  • Es besteht eine Verrentungspflicht: Die Basis-Rente wird als lebenslange Rente ausgezahlt. Eine Kapitalauszahlung auf einen Schlag ist nicht möglich.
     
  • Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter (zum Beispiel mit günstigeren Konditionen) ist nur möglich, wenn der Vertrag das zulässt. So steht es in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) an die obersten Finanzbehörden. Dabei gilt in der Regel eine Frist von drei Monaten und es können Kosten anfallen. Wie hoch die Kosten für eine Übertragung des bisherigen Kapitals auf einen neuen Rürup-Vertrag sein dürfen, ist nicht vorgeschrieben.
     
  • Schon mit 60 in Rente? Das geht nur mit Rürup-Verträgen, die vor 2012 abgeschlossen wurden. Für alle Verträge jüngeren Datums gilt: Die Rentenauszahlung startet erst ab dem 62. Geburtstag.
     
  • „Du erbst einmal meinen Rürup-Vertrag.“ Wer diesen Satz aussprechen will, ohne falsche Erwartungen zu wecken, sollte sich vor Vertragsabschluss darum gekümmert haben. Nur bei einem Vertrag mit Absicherung im Todesfall in Form einer Rentengarantiezeit oder Hinterbliebenenrente ist das möglich. Achtung: Diese Sonderklausel mindert die Rentenhöhe.

Das passiert beim Renteneintritt.

Während in der Ansparphase die Steuerersparnis für gute Laune sorgte, holt sich der Fiskus das Geld in der Auszahlphase (teilweise) zurück. Die nachgelagerte Besteuerung, so der Fachbegriff, knabbert die Rürup-Rente an. In der Rentenphase müssen die Leistungen mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. 2021 liegt der steuerpflichtige Prozentsatz bei 81 Prozent und steigt jährlich um 1 Prozent. 2040 muss die Rürup-Rente dann zu 100 Prozent versteuert werden.

Lohnt sich eine Rürup-Rente für mich?

Diese Frage lässt sich vorab mit einen Rürup-Rechner, wie ihn das Vergleichsportal Check 24 anbietet, ermitteln. Für einen ersten Überblick lohnt es sich aktuelle Rürup-Renten-Vergleiche zu studieren, zum Beispiel den von Finanztip.de.

Immer noch unsicher, welcher der Basisrenten-Verträge der passende ist? Dann lohnt es sich, Hilfe beim Profi zu holen – die richtige Altersvorsorge zu finden, ist nicht trivial. Ein Termin bei der örtlichen Verbraucherzentrale oder einem unabhängigen Rentenberater helfen dabei, das passende Altersvorsorge-Modell auszuknobeln.

Disclaimer
Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte dieser Aussendung. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Soweit wir Ihnen steuerliche oder rechtliche Informationen liefern, stellen diese keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Produkte oder Dienstleistungen zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Produkte oder deren Emittenten, Dienstleister oder Anbieter explizit erwähnt werden. Sofern die Inhalte und Informationen von Dritten zur Verfügung gestellt wurden bzw. Meinungen Dritter wiedergegeben werden, müssen diese nicht mit unserer Auffassung im Einklang, sondern können sogar im Widerspruch hierzu stehen. Bei Fragen zu rechtlichen oder steuerlichen Auswirkungen im Einzelfall wenden Sie sich bitte in jedem Fall vorher an Ihren Rechts- oder Steuerberater.

WEITERE BEITRÄGE AUS DER FIDOR WELT

FINANZEN

Richtig für die Rente sparen

Alt und arm ist nicht sexy. Wer später ein gutes Leben haben will, muss heute schon für morgen sparen: Warum es für die Altersvorsorge nie zu früh (oder zu spät ist) und wie du Schritt für Schritt ans Ziel kommst.

Erfahre mehr

FINANZEN

Die 5 besten Bücher über Finanzen

Lesen macht schlau – und reich. Denn die fünf Bücher über Finanzen, die wir dir heute vorstellen möchten, dienen nicht (nur) der Unterhaltung – sondern vor allem deiner finanziellen Bildung.

Erfahre mehr

VORSORGE

Betriebliche Altersvorsorge: wie spare ich damit wirklich?

Private Vorsorge wird immer wichtiger. Vorsorgen kannst du zum Beispiel mit einer Betriebsrente. Was es bei der betrieblichen Altersvorsorge zu beachten gibt und für wen sie sich lohnt.

Erfahre mehr