Kaffee ist fertig…

Published on 19. June 2019
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Kaffee ist fertig…

Der Duft und Geschmack von frisch gebrühtem Kaffee ist unvergleichlich. Die braunen Bohnen sorgen nicht nur für Herzklopfen bei Genießern und Koffein-Junkies: Kaffee ist auch ein beliebtes Spekulationsobjekt.

Morgens um sieben in Deutschland. Mit dem ersten Schluck Kaffee fängt der Tag für die meisten von uns erst richtig an: Über 75 Prozent der Deutschen kommen laut einer Umfrage ohne Kaffee morgens nicht in die Gänge. Besonders Berufstätige (82 Prozent) können auf die koffeinhaltige Starthilfe nicht verzichten. 162 Liter Kaffee konsumierte jeder Bundesbürger durchschnittlich 2017, so der Deutsche Kaffeeverband. Das entspricht 6,65 Kilogramm Kaffee pro Kopf. Damit liegt Deutschland beim Pro-Kopf-Verbrauch im Ländervergleich knapp hinter Italien (6,69 Kilo) und deutlich vor Spanien (4,25 Kilogramm). Am meisten Kaffee fließt im hohen Norden: Spitzenreiter ist mit 10,35 Kilogramm Finnland. Dort stehen Arbeitnehmern neben der Mittagspause pro Tag zwei 15-minütige „Kaffepaussi“ zu. Kurios hierzu: Das Wort deutschen Ursprungs für Kaffee ist ins Finnische „ausgewandert“. Und wer braucht am meisten das schwarze Gebräu, um den stressigen Joballtag zu bewältigen? Laut einer britischen Umfrage sind das mit über vier Tassen Kaffee pro Tag Journalisten und Polizisten.  

Zwei Milliarden Tassen täglich

Schluck! Der Blick in den Vorratsschrank zeigt: Schon wieder ist der Kaffee alle. Wenn du im Supermarkt Nachschub kaufen gehst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Bohnen für den täglichen Koffeinkick aus Brasilien stammen: Das Land ist mit einer Kaffee-Anbaufläche von 1,8 Millionen Hektar der weltgrößte Kaffeeexporteur und kommt auf eine Exportmenge von 30,6 Millionen Säcken à 60 Kilogramm. Äthiopien, das als Wiege des Kaffees gilt, ist die fünftgrößte Exportnation. Hier kommen berühmte Manufaktur-Kaffees wie der zartherbe Yirgacheffe her. Dass der Kaffee so unwiderstehlich duftet, liegt laut Stefan Richter, Mitinhaber der „Berliner Kaffeerösterei“ vor allem an den Röstaromen: „Das Ausgangsprodukt, die grüne Kaffeebohne, wird erst durch Röstung zum beliebten Genussmittel veredelt.“

Rohkaffee: Geruch wie frisches Gras

Jetzt aber fix ein frisches Tässchen aufgebrüht! Wie harmonisch-rund (oder kratzig-fies) der Kaffee schmeckt, hängt neben der Röstung vor allem von der Qualität des Rohstoffs ab. „Guter Rohkaffee, der aus neuer Ernte stammt, riecht frisch. Das erinnert bei manchen Sorten an den Geruch von frischem Gras“, erläutert Richter, der als ausgebildeter Q-Grader bei der Berliner Kaffeerösterei unter anderem für den Einkauf von Rohkaffee zuständig ist. Die Kaffeepflanze, auch „Coffea“ genannt, wächst als Strauch oder kleiner Baum in tropisch-äquatorialen Gebieten. Die kirschartigen Früchte der Kaffeepflanze, die sechs bis sieben Monate zur Reife brauchen, enthalten in der Regel zwei Kaffeebohnen. 

Robusta ist Espressos Liebling

Am bekanntesten – und beliebtesten – sind die Arabica- und die Robusta-Bohne: Arabica ist vor allem für seine Bekömmlichkeit und den weichen, fruchtigen Geschmack bekannt. 75 Prozent der weltweiten Kaffee-Produktion entfallen auf diese Sorte. Die Bohne, die als Erkennungsmerkmal eine S-Linie auf der flachen Seite aufweist, enthält im Vergleich zur Robusta-Bohne weniger Koffein. Untersuchungen haben ergeben, dass die empfohlene Tagesdosis von 400 Milligramm Koffein unbedenklich ist. Das entspricht ungefähr vier Tassen Kaffee. Ihrem Namen entsprechend, ist die Robusta-Pflanze deutlich widerstandsfähiger als ihre kapriziöse Kollegin: Krankheiten wie „Kaffeerost“ wehrt sie locker ab. Der erdige, etwas bittere Geschmack der Robusta-Bohne macht sie zur bevorzugten Beimischung für Espresso. Übrigens: „Aus ein und demselben Rohkaffee kann man über die Röstung Bohnen für Filterkaffee, Café Crème oder Espresso herstellen“, erläutert Stefan Richter.

Schwarzes Genussmittel und Spekulationsobjekt

Kaffee ist nicht nur Lebensstil oder Genussmittel für Millionen Menschen rund um den Globus, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Weltweit werden mehr als zwei Milliarden Tassen Kaffee täglich getrunken. Das entspricht einem Umsatz von rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr. Stichwort „Coffee to go“: In Deutschland ist Kaffee nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands nicht nur das meistkonsumierte Getränk, sondern auch der stärkste Margenbringer im sogenannten „Out of Home“-Markt. Der Marktanteil fair gehandelten Kaffees wächst in Deutschland zwar stetig und ist dort das umsatzstärkste Fairtrade-Produkt, liegt  laut Transfair e.V. immer noch bei nur 4,8 Prozent.

Rohkaffee ist nach Rohöl der zweitwichtigste Exportrohstoff der Welt – und ein beliebtes Spekulationsobjekt. 2017 lag das Exportvolumen der Erzeugerländer von Kaffee weltweit bei insgesamt 117,5 Millionen Säcken. Bei Warentermingeschäften, auch Futures genannt, kaufen Investoren vor allem in Brasilien oder Vietnam Anrechte auf Rohkaffee und hoffen, dass die Preise anziehen, um die Wertpapiere an einer internationalen Kaffeebörse wieder zu verkaufen. Wichtigste Börsen sind die ICE Futures U.S. und die ICE Futures Europe.

Wetten auf die Bohne

Arabica-Kaffee ist dabei der weltweite Benchmark für Kaffee-Futures-Kontrakte, die an der ICE Futures gehandelt werden. Mit dem Kontrakt wird die physische Lieferung von grünen Bohnen in sogenannter Exchange-Qualität aus einem von 20 Herkunftsländern in einem Lagerhaus in den Vereinigten Staaten und in Europa bewertet. Der Future wird in US-Cent pro amerikanischen Pfund (lb) gehandelt. Termingeschäfte können sowohl an der Börse als auch außerbörslich von Anlegern genutzt werden, um Gewinne zu erzielen. Achtung: Durch die spekulative Natur dieser Geldanlage ist ein Totalverlust möglich.

Zum Schluss noch ein Hinweis für alle, denen trotz 829 Wörtern über Kaffee die Äuglein zufallen: Im australischen Städtchen Adelaide hat ein Barista einen Kaffee namens „Asskicker“ kreiert, der 80 mal mehr Koffein enthält als ein normaler Espresso und einen 18 Stunden wachhält – oder geradewegs ins Krankenhaus bringt.