Riester: Tipps und Checker-Wissen

Published on 26. January 2021
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Riester: Tipps und Checker-Wissen

Der Riester-Rente geht’s ähnlich wie der Abseitsregel im Fußball: Fast alle haben davon gehört – was genau dahintersteckt, wissen wenige. Wir erklären, was es mit Zulagen, steuerlichen Vorteilen und mittelbar Förderberechtigten auf sich hat – und für wen sich riestern lohnt.

Wer in einem vergilbten Wörterbuch aus Omas Nachlass „Riester“ nachschlägt, findet als Erklärung: „Lederflicken auf dem Schuh“. Heute, genauer gesagt seit der Einführung durch das Altersvermögensgesetz im Jahr 2002 (In § 10a, §§ 79 ff. Einkommensteuergesetz geregelt), steht „Riester“ für eine durch staatliche Zulagen und Sonderausgabenabzug geförderte, privat finanzierte Rente. Namensgeber war der damalige Arbeitsminister Walter Riester. Die Riester-Rente soll eine Kürzung der staatlichen Renten ausgleichen. Die gesetzliche Rente bis zum Jahr 2030 wird nur noch etwa 45 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens ausmachen, zeigt die Grafik von Sozialpolitik aktuell.

Die Riester-Rente ist eine von zwei staatlich geförderten Optionen der privaten Altersvorsorge – und mittlerweile so bekannt, dass es für die Nutzung derart geförderter Altersvorsorgeverträge mit „riestern“ ein eigenes Verb gibt.

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Riester: (Un)mittelbar Förderberechtigte

Gedacht ist diese Form der privaten Altersvorsorge für alle, die Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Dazu zählen nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Personen, die Kinder erziehen, Auszubildende, Selbständige und noch einige weitere, die pflichtversichert sein können.

Ausgeschlossen von der Riester-Förderung sind diejenigen, die keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Eine Ausnahme gibt es allerdings. Laut § 10a EStG i.V.m. § 79 S. 2 EStG kann durch die Ehe mit einem unmittelbar Förderberechtigten eine „mittelbare Förderberechtigung“ erworben werden. Bedeutet: Er oder sie erhalten auf diesem Wege ebenfalls die mit der Riester-Rente verbundenen Zulagen und Förderungen.

Steuern sparen

Wer nicht zulagenberechtigt ist, kann über einen Rürup-Vertrag nachdenken – oder trotzdem einen Riester-Vertrag abschließen. Das kann sich im Einzelfall lohnen, um Steuern zu sparen. Mit bis zu 2.100 Euro im Jahr können die Beiträge inklusive Zulagen in der Anlage AV in der Steuererklärung geltend gemacht werden. „Das Finanzamt prüft dann, was für den Steuerpflichtigen günstiger ist: die Zahlung der Zulage oder die Steuerersparnis aufgrund des Sonderausgabenabzugs“, erläutert Focus-Online-Experte Johannes Marondel.

Die drei Arten von Riester-Zulagen:

1.

Die Grundzulage besteht aus 175 Euro, die jeder Zulageberechtigter jährlich erhält.

2.

Den Berufseinsteigerbonus gibt’s für alle, die schon früh riestern: Eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro bekommen Sparer, die im Jahr des Abschlusses jünger als 25 Jahre alt sind.

3.

Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es jährlich eine Kinderzulage je nach Geburtsjahr des Kindes: Für Kinder, die bis Ende 2007 geboren wurden, 185 Euro und für Kinder, die ab dem Jahr 2008 geboren wurden, 300 Euro.

Die 4-Prozent-Regel

Für die maximale Förderung zahlen Riester-Sparer 4 Prozent des Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich der Zulagen in den Riester-Vertrag ein. Wichtig für Geringverdiener oder Bezieher von Arbeitslosengeld I oder II: Pro Jahr muss ein Mindestbetrag von 60 Euro eingezahlt werden, um Riester-Zulagen zu erhalten.

Beispielrechnung: Eine 30-jährige Mutter mit einem Kind und einem Jahreseinkommen von 30.000 Euro muss, um die volle Zulage (Grund- und Kinderzulage) zu erhalten, einen Jahresbeitrag von 725 Euro leisten. Die monatlichen Ausgaben für die staatlich geförderte Altersvorsorge liegen in diesem Fall bei 60,42 Euro. Was die Riester-Rente im Monat abhängig vom Bruttoeinkommen und Familienstand jeweils kostet, kann man unter anderem in einer Übersicht von Finanzen.de nachlesen.

Für wen sich riestern besonders lohnt

Für Alleinerziehende mit Kindern und geringem Einkommen lohnt sich Riester besonders. Je geringer das Einkommen, umso geringer fällt auch der Mindesteigenbeitrag für die maximale Förderung aus. „Zusätzlich werden Ihre Riester-Zulagen auf die Beiträge angerechnet, die Sie selbst leisten müssen. Je mehr Kinder Sie haben, umso weniger müssen Sie demnach zahlen“, so die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV).

Zulagen beantragen

Nicht vergessen: Die Zulagen müssen jedes Jahr vom Versicherer bei der zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen, einer Abteilung der DRV, beantragt werden. Damit dein Versicherer den Antrag für dich stellen kann, schicke ihm jährlich den ausgefüllten Zulagenantrag. Wer nicht jedes Jahr einen neuen Antrag ausfüllen will, kann dem Anbieter eine Vollmacht für einen Daueranlagenantrag erteilen. Dann wird jedes Jahr automatisch der Zuschuss beantragt.

Die Riester-Varianten

Abschließen lässt sich die Riester-Rente unter anderem als klassische oder fondsgebundene Variante. Bei letzterer hängt die Höhe der Rente von der Entwicklung an der Börse ab. Außerdem im Angebot: Riester-Banksparpläne und „Wohn-Riester“-Verträge. Letztere sind meist an eine Immobilienfinanzierung, oft einen Bausparvertrag, gekoppelt. Riester-Sparer müssen die so finanzierte Immobilie selbst bewohnen – und zwar mindestens 20 Jahre lang.

Was passiert bei Rentenbeginn?

Riester-Sparer profitieren von einer lebenslangen Rente. Die späteren Rentenzahlungen aus dem Riester-Vertrag – Stichwort „nachgelagerte Besteuerung“ – sind in vollem Umfang zum jeweiligen individuellen Steuersatz steuerpflichtig.

Wer zu Rentenbeginn Geld braucht, kann sich zu Beginn der Auszahlphase 30 Prozent der Ersparnisse auf einen Schlag auszahlen lassen. Auch die sogenannte Teilkapitalauszahlung ist voll steuerpflichtig – bevor man diese Option wählt, lohnt sich der Gang zum Steuerexperten.

Die Vor- und Nachteile von Riester im Überblick:

  Pro

Hohe Förderung
Die sogenannte Förderquote beträgt je nach Einkommen, Kinderanzahl und Familienstand zwischen 25 und 90 Prozent.

Lebenslange stabile Rente
Neben der Garantieverzinsung sorgen vor allem die staatlichen Zulagen für eine sichere Rendite von rund 2,6 Prozent. Sollten Kunden an den Überschüssen des Versicherers beteiligt sein, wäre auch eine höhere Rente – und Rendite – drin, urteilt Finanztip.de

Freibetrag
Ein neuer Freibetrag von mindestens 100 Euro sorgt seit 2018 in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung dafür, dass Riester-Renten bei der Berechnung der Grundsicherungsleistungen nicht mehr voll angerechnet werden.

Beitragsgarantie
Bei der klassischen Riester-Rente muss der Anbieter im Gegensatz zum Fondsanbieter garantieren, dass zum Rentenbeginn alle Beiträge des Sparers und alle Zulagen des Staates zur Verrentung vorhanden sind.

Schutz vor Pfändung und Insolvenz
Im Gegensatz zu anderen privaten Formen der Vorsorge unterliegen Riester-Verträge dem Pfändungsschutz, soweit sie tatsächlich gefördert werden. Das heißt: Auch wer zum Beispiel auf „Hartz IV“, angewiesen ist, muss nicht um das per Riester angesparte Altersvermögen fürchten. Es wird nicht auf die Grundsicherung (s.o.) angerechnet und ist vor Pfändungen und Insolvenzverfahren geschützt.

 Contra

Riester-Verträge sind komplex und für Laien nicht einfach zu verstehen – ohne Beratung durchblickt man den Vertragsdschungel nur schwer, lautet eine häufig geäußerte Kritik.

Die Riester-Rente lohnt sich nur für Sparer, die sehr alt werden, ist ein weiterer Kritikpunkt. Finanztip.de hat das anhand eines Mustersparers (alleinstehend, keine Kinder, verdient 30.000 Euro pro Jahr und zahlt insgesamt 30 Jahre monatlich 87,17 Euro in den Vertrag ein) vorgerechnet. Bei Renteneintritt mit 67 Jahren hätte er rund 1.100 Euro monatliche Rente auf dem Konto, bei einem Grenzsteuersatz von knapp 25 Prozent. Von 118 Euro Brutto-Rente würden 88,50 Euro aufs Konto fließen. Um die rund 25.400 Euro, die er selbst über die Jahre aufgebracht hat, wieder „hereinzuholen“, müsste Mr. Mustersparer circa 91 Jahre alt werden.

In mehreren Untersuchungen wird der staatlich geförderten Vorsorgeform außerdem eine miserable Kostenbilanz vorgeworfen. So ermittelte eine aktuelle Untersuchung der Bürgerbewegung „Finanzwende“ große Kostenunterschiede. Während günstige Anbieter 8 Euro von je 100 Euro Beitrag und Zulagen für Abschlusskosten, Vertriebskosten und Verwaltungskosten einbehalten, rief der teuerste 38 Euro auf. Untersucht wurden 65 Riester-Rentenversicherungen und 13 Fondssparpläne für Sparer ohne Kinder, auf deren Vertrag 30 Jahre lang rund 1200 Euro pro Jahr inklusive Zulagen fließen.

Alternativen zur staatlich geförderten Altersvorsorge

„Wegen ihrer besonderen Sicherheit kann man die verschiedenen Formen der Riester-Rente schlecht mit anderen Formen der Geldanlage, zum Beispiel einem Fondssparplan, vergleichen“, urteilt „Stiftung Warentest“ in einem Riester-Vergleich.

Fazit: Riestern kann sich je nach Einkommen und Familienstand lohnen – wenn man einen Anbieter mit optimalem Kosten-Nutzen-Verhältnis auswählt. Dazu unbedingt Riester-Vergleiche zu Rate ziehen. Stiftung Warentest hat zuletzt 2019 Fondssparpläne sowie Rentenversicherung mit und ohne Fonds geprüft. Um einen Überblick zu bekommen, wie die monatliche Beitragshöhe ausfallen muss, bietet sich der Riester-Rechner der Rentenversicherung an.

Wer mit der Rendite seines Riester-Vertrags unzufrieden ist, sollte einen bereits bestehenden Vertrag nicht unbedacht kündigen, sondern lieber bis zur Rente ohne Beiträge weiterlaufen lassen. Denn im Kündigungsfall muss man staatliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen!

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