Richtig spenden: Tipps fürs erfolgreiche Geben

Published on 17. November 2020
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Richtig spenden: 12 Tipps fürs erfolgreiche Geben

„Nur der ist froh, der geben mag“ - so singt es der Bettler in Goethes Faust, der Tragödie erster Teil. Über 200 Jahre ist das nun her. Und immer noch so wahr. Denn Geben macht glücklicher als Nehmen.

Isso. Wer mir nicht glaubt, probiert’s am besten selber aus. Doch einfach mal so drauflos spenden, das sagt sich so einfach. Aber wem? Gefühlt will nämlich jeder an mein Geld.

Gesponserte Posts auf Instagram wollen mich dazu überreden, einen Olivenbaum zu adoptieren, darunter der Gofundme-Link einer Studentin, deren Freund auf See vermisst wird. Noch einmal scrollen, und die Bilder des Flüchtlingscamps auf Lesbos erscheinen in meinem Feed. Im Briefkasten wartet eine Postwurfsendung der Aktion Mensch. Auf dem Weg zur U-Bahn laufe ich an den mitgliederfangenden Mitarbeitern einer großen NGO vorbei und entkomme ihrem sirenengleich säuselnden Lockgesang nach „nur zwei Minuten“ meiner Zeit um Haaresbreite. Gerade entronnen, stolpere ich fast über den Obdachlosen und seinen leeren Pappbecher am Treppenabsatz. Ein Plakat kündigt die Spendenaktion für das Kinderhospiz in meinem Kiez an. In der Bahn dann ein Verkäufer des Straßenfegers, zwei Stationen weiter eine junge Frau, die sich auch über etwas zu essen oder Pfandflaschen freut.

Ich will ja spenden. Aber wem? Wer hat es am meisten verdient? Allein dieser Gedanke fühlt sich schon wieder falsch an. Ich kann ja nicht jedem etwas geben, so gerne ich möchte. Also fühle ich mich schlecht, starre verkrampft auf mein Handy, während die junge Frau an mir vorbeiläuft, habe ein schlechtes Gewissen, weil es mir doch vergleichsweise gut geht, und gebe: nichts.

Richtig spenden will gelernt sein

Natürlich kann man nicht jedem etwas geben, der einen darum bittet. Aber gar nichts geben, das geht auch nicht. Doch wie hoch sollte die richtige Spende sein? Immer wieder liest man von rund zehn Prozent des eigenen Netto-Einkommens als grobem Richtwert. Solch pauschalisierende Hausnummern lassen mich nur mit dem Kopf schütteln, sind sie doch vor allem ein antiquiertes Überbleibsel aus der Zeit, als der Klerus noch vehement den Kirchenzehnt einforderte. Mal ehrlich: der Durchschnittsberliner gibt gut 46 Prozent seines Einkommens für die monatliche Miete aus. Wo sollen denn da noch regelmäßig zehn Prozent zum Spenden abgeknapst werden?

Anstatt aber nun weiterhin gar nicht zu spenden, oder alternativ jedes Jahr zur Weihnachtszeit fürs Karmakonto irgendeiner Organisation eine kleine Summe zu senden, kann das Spenden auch organisierter und vor allem aufgeklärter angegangen werden. 5,1 Milliarden Euro haben die Deutschen in 2019 gespendet – eine unglaubliche Summe, die viel bewirken kann, wenn sie richtig eingesetzt wird.

Doch woher weiß ich, dass mein Geld auch wirklich ankommt, wo es ankommen soll? Wie entscheide ich mich, welches Projekt ich unterstützen möchte? Und wem sollte ich besser nicht spenden?

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1. Wem kann ich guten Gewissens spenden?

Das Zauberwort heißt Transparenz. Das gilt zum einen für die unterstützten Projekte an sich - regelmäßige Updates aus erster Hand und detaillierte Informationen, wofür die Spenden konkret eingesetzt werden. Hier lohnt häufig auch der Blick auf die Social Media Kanäle der jeweiligen Institution für tagesaktuelle Einblicke. Aber auch die Jahresberichte samt sämtlicher Ein- und Ausgaben, wie Verwaltungs- und Marketingkosten, sind sehr aufschlussreich und können die Wahl einer Spendenorganisation erleichtern.

2. Woran erkenne ich eine seriöse Spenden­organisation?

Spendenorganisationen in Deutschland haben die Möglichkeit, nach eingehender Prüfung ein Spendensiegel zu erwerben. Ein Spendensiegel ist ein Gütesiegel, das seriöse Spendenorganisationen auszeichnet, die mit den gesammelten Geldern wirtschaftlich, zweckgerichtet, sparsam und transparent umgehen. Ganz allgemein lässt sich also sagen: Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, entscheidet sich für eine Organisation mit Spendensiegel.

3. Was bedeuten die verschiedenen Spenden­siegel?

In Deutschland existiert kein einheitliches Spendensiegel. Tatsächlich gibt es zahlreiche, teils kostenpflichtige Zertifizierungen, sowie einige freiwillige Selbstverpflichtungen. Dieses Überangebot an Siegeln kann durchaus verwirren, weswegen ich hier heute nur zwei vorstelle – mit denen man de facto nichts falsch machen kann.

Unter den kostenpflichtigen Siegeln ist vor allem die Auszeichnung des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) besonders aussa­ge­kräftig und vertrauenswürdig.

Die Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) setzt auf die freiwillige Selbst­verpflichtung und ist zudem kostenfrei – hier könnte also theoretisch jede Organisation mitmachen und bei entsprechender Eignung ein Siegel erlangen.

4. Wie entscheide ich, für wen und was ich spenden soll?

Tja, unsere Ausgangsfrage. Jeder will mein Geld, aber wie entscheide ich mich, wem ich spende? Nun, auch wenn die Entscheidung nicht leichtfällt, sie muss getroffen werden. Denn mit ihr schwindet auch das schlechte Gewissen all jenen gegenüber, die diesmal nicht bedacht werden. Bleiben wir bei unseren Beispielen von oben, um einige Möglichkeiten aufzuzeigen.

Obdachlose, Zeitungsverkäufer, Menschen, die in der Bahn nach Kleingeld und Essen fragen – hier kannst du dir eigene „Regeln“ aufstellen, um dir die Einzelfall-Entscheidung abzunehmen: Grün ist deine Lieblingsfarbe? Dann gibst du immer dann, wenn der Bedürftige ein grünes Kleidungsstück trägt. Samstag ist der beste Tag der Woche? Famos, dann ist Samstag dein Spendentag! Pack dir samstags einige lose 20-Cent-Stücke in die Tasche und gib eines, wann immer Bedarf besteht.

Ein paar mehr Ideen:

Was ist dein Lieblingstier? Der Affe?
Super, dann übernimm eine Patenschaft für ein Orang-Utan-Baby auf Borneo.

Woher kommst du?
Unterstütze ein soziales Projekt in deiner Heimatstadt und bleibe ihr damit im Herzen verbunden, während du zugleich Gutes tust.

Was sind deine Hobbies?
Wenn du gerne gut essen gehst, spende an die örtliche Tafel. Wandern in der Natur? Dann gib dein Geld für den Umweltschutz aus. Kurz gesagt: Such deiner Spende einen Empfänger, der zu dir und deinen Interessen passt.

5. Einmalige Spende oder regelmäßig geben – was ist besser?

Jeder Cent zählt! Wenn du es dir nicht leisten kannst, regelmäßig zu spenden, dann ist ein Mal natürlich besser als kein Mal. Dies gilt besonders für kurzfristige Spendenaktionen, beispielsweise nach Naturkatastrophen. Doch regelmäßige Spenden haben einen größeren Mehrwert, denn hier haben die Hilfsorganisationen die Möglichkeit, langfristig zu planen, den Verwaltungsaufwand gering zu halten und somit Kosten einzusparen. Wenn du es dir leisten kannst, lohnt es sich also, zum Wiederholungstäter zu werden!

Viele Organisationen bieten übrigens die Möglichkeit, eine regelmäßige Spende auch kurzfristig zu kündigen – so bleibst du immer flexibel und kannst deine Spendenbereitschaft bei Bedarf anpassen.

6. Warum sind Patenschaften die beste Wahl?

Wie oben schon erwähnt, haben regelmäßige Spenden eine viel nachhaltigere Wirkung. Aus diesem Grund bieten viele Organisationen Patenschaften an (das Orang-Utan-Baby auf Borneo möchte ich an dieser Stelle nochmals erwähnen). So können sie gut kalkulieren, wie viel Budget ihnen mindestens im kommenden Jahr zur Verfügung steht.

Bonus: Die meisten Organisationen senden regelmäßige Updates, Fotos und Berichte vom Patenkind – ob das nun ein Nashorn in Kenia, ein Zitronenbaum bei Neapel oder ein tauber Esel auf einem norddeutschen Gnadenhof ist.

7. Wem sollte ich besser nicht spenden?

Wie so oft im Leben gilt hier auch: einfach mal aufs Bauchgefühl hören. Wenn du dir nicht sicher bist, lass es. Und lass dich nicht unter Druck setzen. Wer emotionale Erpressung nötig hat oder dir ein schlechtes Gewissen machen möchte, ist schlicht und ergreifend nicht empfehlenswert. Im Zweifel kannst du auch einen Blick in diese Listen des DZI werfen. Hier werden unseriöse Organisationen namentlich aufgeführt.

8. Warum sollte ich auf die Zweckbindung verzichten?

Die Zweckbindung ist keine schlechte Sache, denn sie stellt sicher, dass deine Spende ausschließlich für den von dir benannten Zweck verwendet werden darf – beispielsweise für die Wiederaufbauarbeiten nach einer Naturkatastrophe. Solche einmaligen Ereignisse erleben eine große mediale Präsenz und eine damit einhergehende breite Spendenbereitschaft, und häufig kommt in kurzer Zeit mehr Geld zusammen, als für den vorgesehenen Zweck benötigt wird. Verzichtest du auf die Zweckbindung, ermöglichst du der Hilfsorganisation deine Spende bei Bedarf auch an anderer Stelle einzusetzen. So profitieren auch jene Projekte, denen eine emotionale Berichterstattung in den Medien verwehrt bleibt.

9. Gebe ich mein Spendenbudget an eine einzige Organisation? Oder teile ich es unter mehreren auf?

Spendest du an vier Organisationen jeweils 25 €, dann fallen hier jeweils Verwaltungskosten an. Spendest du hingegen nur an eine Organisation deine 100 €, entstehen auch nur einmal Verwaltungskosten. Von deinem gespendeten Geld kommt also im Endeffekt mehr an.

10. Lokal, national oder weltweit?

Alle drei zusammen! Zumindest, wenn du es dir leisten kannst. Wenn du dich für eine Spende entscheiden musst, dann folge einfach deinem Herzen – auch wenn das jetzt cheesy klingt.

11. Wie kann ich meine Spende von der Steuer absetzen?

Du kannst Spenden bis zu einer Höhe von maximal einem Fünftel deiner gesamten Einkünfte von der Steuer absetzen. Für Spenden über 200 € benötigst du eine Spendenquittung fürs Finanzamt. Mit einer Ausnahme: nach Katastrophen oder während humaner Notlagen genügt der einfache Spendennachweis für Zahlungen auf Sonderkonten (also der Überweisungsbeleg).

12. Spenden in der Corona-Krise: wenn nicht jetzt, wann dann?

Wir stecken in einer weltweiten Pandemie – seit der Spanischen Grippe hat die Welt so etwas nicht mehr erlebt. Gerade jetzt ist deine Spende besonders wichtig, Solidarität ist gefragt. Unterstütze die Läden in deinem Kiez, anstatt beim großen A zu bestellen. Gönn dir leckeres Essen to go von deinem Lieblingsrestaurant. Supporte Musiker, indem du ihre Platten kaufst, auch wenn du selbige einfach auf Spotify hören könntest. Kaufe Gutscheine für Theater, Kino und Co. und genieß die Vorfreude. Schenk deinen Pfandbon dem Obdachlosen vorm Supermarkt.

Ob klein oder groß, einmalig oder regelmäßig, direkt vor deiner Haustüre oder am anderen Ende der Welt: jede Spende zählt!

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