Palladium: Exotisches Investment?

Published on 29. April 2019
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Palladium: Exotisches Investment?

Gold, Silber und Platin sind als Wertaufbewahrungsmittel lange bekannt. Aber was ist mit Palladium als Geldanlage? Der Exot unter den Edelmetallen kann mehr als Auspuffgase reinigen.

Palladium ist a) eine französische Schuhmarke b) ein Theater in London c) ein Edelmetall. Die Lösung: a, b und c sind korrekt. Spannend für Anleger ist vor allem die Option c: Palladium hat in den vergangenen Monaten eine spektakuläre Rally an der Börse hingelegt: Eine Feinunze (das sind rund 31,1 Gramm) des weiß-silbrig schimmernden Metalls kosteten an den Rohstoffbörsen zuletzt mehr als 1.600 US-Dollar – mit dieser neuen Bestmarke am 21. März 2019 überflügelte Palladium ein weiteres Mal den Anlage-Klassiker Gold. Und das, obwohl es eigentlich ein Abfallprodukt aus der Herstellung von Platin ist ...

Experimente mit Platinerzen

Palladium wurde 1803 von William Hyde Wollaston bei Versuchen mit Platinerzen entdeckt. Der britische Wissenschaftler taufte das Metall nach dem im Jahr zuvor entdeckten Asteroiden Pallas, der wiederum nach der griechischen Göttin Pallas Athene benannt wurde. Wollaston machte übrigens kurz danach noch eine weitere Entdeckung: das stark-reflektierende und sehr korrosionsbeständige Element Rhodium. Bekannt wurde Palladium vor allem als wichtiger Katalysator für chemische Reaktionen, gekrönt durch den Nobelpreis 2010 in Chemie für Palladium-katalysierte Kreuzkupplungen.

Rares Edelmetall lockt Diebe

Die Vorkommen von Palladium verteilen sich über den gesamten Erdball. Ein Großteil der Produktion kommt dabei aus Russland, Südafrika und Nordamerika. Die weltweite Minenproduktion des raren Edelmetalls lag 2018 auf geschätzten 210 Tonnen. Zum Vergleich: Die globale Produktion von Gold belief sich im selben Jahr auf rund 3.260 Tonnen. Da die Vorräte an reinem Palladium zum größten Teil erschöpft sind, wird das Edelmetall vornehmlich zusammen mit Platin gefördert sowie aus Nickel- und Kupfererzen gewonnen. Zusätzlich spielt das Recycling zur Deckung der Nachfrage eine wichtige Rolle – Palladium lässt sich beliebig oft recyceln. Katalysatoren/Kats sind dabei ein begehrter Recyclingrohstoff für wertvolle Edelmetalle wie Palladium. Kurios: Nachdem das Metall zeitweise wertvoller als Gold war, wurden in den USA vermehrt Autodiebstähle gemeldet, bei den Katalysatoren ausgebaut wurden, berichtet das „Wall Street Journal“.

Härter und zäher als Platin

Palladium und Platin gehören chemisch zur selben Gruppe und weisen auch optisch Ähnlichkeiten auf. Gleichzeitig ist Palladium härter und zäher als Platin, hat einen niedrigeren Schmelzpunkt (1.554,9 C°) und lässt sich sehr gut verarbeiten. Palladium geht im Gegensatz zu Platin allerdings der Glamourfaktor ab: Nur rund 9 Tonnen der Erstproduktion wurde 2016 weltweit von der Schmuckindustrie verarbeitet, zum Beispiel für Armbanduhren oder in Weißgoldlegierungen. Bei Platin waren es 68 Tonnen.

Die Stunde des Palladiums schlägt in der Automobilindustrie, genauer gesagt bei Abgaskatalysatoren für Benzinfahrzeuge. Von 9,4 Millionen nachgefragten Unzen gingen im Jahr 2016 6,3 Millionen in diese Industrie. Das waren Zweidrittel des gesamten Angebotes. Auf Platz zwei lagen mit 1,2 Millionen Unzen elektronische Anwendungen. Das Weißmetall wird unter anderem in Brennstoffzellen als Elektrodenmaterial verwendet. Außerdem macht Palladium durch elektronische Verbindungen Smartphones zuverlässiger. Auch im Dentalbereich und in der Chemie kommt das Metall zum Einsatz: Es dient als Speichermaterial von Wasserstoff, was es für Brennstoffzellen und damit für Wasserstoffautos interessant macht. Palladium kann bei geeigneten Druckverhältnissen Wasserstoff bis zum 1.200-fachen seines Volumens aufnehmen – eine zukunftsträchtige Eigenschaft.

Palladium-Münze mit Panda

Übrigens: Nicht nur als Zahnfüllung oder Ehering kannst du das exotische Metall physisch besitzen: Palladium gibt es auch als gestanzte Barren und (etwas gängiger) als Anlagemünzen: In den 1980er Jahren begannen Länder wie Australien und China Palladium-Münzen in sehr kleinen Auflagen herauszubringen. Die erste Palladium-Anlagemünze im asiatischen Raum stammt von der People’s Bank of China und zeigt neben der Jahreszahl 1989 einen Panda mit Bambuszweig.

XPD auf Rekordhoch

Investoren lieben Edelmetalle wie Palladium, die in großem Umfang in der Industrie Verwendung finden und bei denen nach klassischen Marktregeln Angebot und Nachfrage aus der Produktion den Wert bestimmen. Palladium kann weltweit über den sogenannten Kassamarkt, dem Gegenstück zum Terminmarkt, gehandelt werden. Kassageschäfte müssen sofort oder innerhalb von zwei Börsentagen erfüllt werden. Via Futures, also Termingeschäften, kann es an der New Yorker NYMEX (COMEX) gehandelt werden. Außerdem finden am London Bullion Market und am London Platin & Palladium Market (LPPM) tägliche Fixings statt, bei denen feste Referenzpreise bestimmt werden. International wird der Preis meist in US-Dollar je oz (Unze) angegeben. Die Börsenbezeichnung für Palladium lautet XPD.

Bis Anfang 2001 ließen anhaltende Lieferausfälle beim Hauptproduzenten Russland den Preis auf ein Allzeithoch von 1.090 Dollar klettern – danach ging es vor allem bergab. Bei dem explosionsartigen Preisanstieg des Edelmetalls in jüngster Zeit spielt ein Skandal eine Rolle. Vom Dieselskandal als Preistreiber berichtet unter anderem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Seinetwegen ist die Nachfrage nach Fahrzeugen mit Benzinmotoren und Katalysatoren gestiegen, was wiederum Auswirkungen auf die Palladium-Nachfrage haben könnte.“ Und „Die Presse“ schreibt, dass sich vor allem Russen am Palladium-Boom bereicherten. Mitte März verkaufte beispielsweise Roman Abramowitsch Anteile am russischen Bergbaukonzern Norils Nickel im Wert von 551 Millionen Dollar. Norils Nickel ist der weltweit größte Hersteller von Nickel und Palladium mit Bergbaubetrieben in fünf verschiedenen Ländern.

Nachdem die Preisentwicklung im März 2019 rapide nach oben ging, ist der Preis für Palladium anschließend wieder gefallen. Die starke Abhängigkeit von der Autobranche könnte dem Palladiumpreis indes weiter zusetzen, meinen Experten.

Nichts für Börsenneulinge

Wichtig für Investoren in spe: Palladium ist nichts für sicherheitsorientierte Anleger oder Börsenneulinge, die angesichts rasanter Zickzackkurse in Panik verfallen. Für das exotische Edelmetall brauchst du ordentlich Appetit auf Risiko, „Spielgeld“ – und Investment-Knowhow: Was ein Rohstoff-Future, Kassamarkt oder Fixing (s.o.) ist, solltest du im Schlaf hersagen können. Hinzu kommen Gefahren, die Produkte mit sich bringen, über die private Investoren in der Regel Zugang zum Markt der börsengehandelten Rohstoffe erhalten. Bei den angebotenen Exchange Traded Commodities (ETCs) sowie Zertifikaten handelt es sich in der Regel um sogenannte Inhaberschuldverschreibungen, bei denen der Geldanleger das Risiko eines möglichen Ausfalls des Emittenten tragen muss: Ein berühmt-berüchtigtes Beispiel dafür war der Ausfall der Lehman-Zertifikate im Jahr 2008.