Non-fungible Token: Kunst betritt Blockchain-Sphäre

24.03.21
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Non-fungible Token: Kunst betritt Blockchain-Sphäre

Ob Pixel-Kunst, Basketball-Clips oder Krypto-Kätzchen: Wie digitale Sammlerstücke für Auktionsrekorde sorgen und Non-fungible Token die Kunstwelt verändern.

Der italienische Maler Giorgio de Chirico (1888 - 1978) ist vor allem für seine leeren, unheimlichen Stadtlandschaften bekannt. Passend zum Lockdown-Jahr 2020 wurde am 29. Oktober 2020 de Chiricos Gemälde „Il pomeriggio di Arianna“ (Ariannas Nachmittag) bei Sotheby’s in New York für knapp 15,9 Millionen US-Dollar versteigert. Kunst bleibt auch in Corona-Zeiten als Anlage- und Spekulationsobjekt gefragt. Die Pandemie beschleunigt zudem den Wandel der traditionsverhafteten Branche: Online-Kunsthandel boomt. 2020 stiegen die weltweiten Online-Auktionsverkäufe der drei führenden Auktionshäuser Sotheby's, Christie's und Phillips im Vergleich zum Vorjahr um 524 Prozent und durchbrachen damit erstmals die 1-Milliarden-Dollar-Marke, berichtet das Online-Magazin Barron‘s.

Kunst betritt die Blockchain-Sphäre

Aber nicht nur das „wie“, auch das „was“ verändert sich. Kunst betritt die Blockchain-Sphäre. Nachdem Elon Musk mit Tweets zu Bitcoin und Dogecoin Anfang dieses Jahres für Furore in der Krypto-Community sorgte, befeuerte seine Partnerin Grimes Ende Februar einen weiteren Krypto-bezogenen Trend. Die Sängerin versteigerte digitale Kunstwerke für insgesamt 5,8 Millionen US-Dollar in weniger als 20 Minuten, berichtet „Cointelegraph News“ auf seinem YouTube-Kanal. Das höchstverkaufte Stück trägt den Titel „Death of the Old“, zeigt Putten, die ein leuchtendes weißes Kreuz umkreisen, und ist unterlegt mit einem Originalsong von Grimes. Der siegreiche Bieter zahlte für die Kollaboration der Musikerin mit ihrem Bruder, dem Digitalkünstler Mac Boucher, fast 389.000 US-Dollar. Die Auktion, die bei Nifty Gateway, einem Marktplatz für digitale Kunst, über die Bühne ging, machte einen Begriff zum Buzzword in den sozialen Netzwerken, der vorher nur Krypto-Insidern bekannt war: Non-fungible Token, abgekürzt NFT.

Was sind NFT?

Ein NFT ist eine spezielle Art von „Token", das auf einer Blockchain aufgezeichnet und gespeichert wird. Die meisten NFT basieren auf Ethereum und sind Unikate oder streng limitiert. Der Unterschied wird im Vergleich mit „fungible Token“ wie beispielsweise Bitcoin deutlich, hier ist jeder Token austauschbar und gleichwertig zu jedem anderen. Durch NFT ist es möglich, bestimmte Versionen von digitalen Gegenständen zu zertifizieren und durch Verknappung und Authentifizierung einen Wert zu erzeugen – ein Grund, warum NFT die digitale Kunstwelt aufmischen. Die Krypto-Kunstszene nutzt die Blockchain-Technologie, um digitale Unikate zu kreieren. Neben Nifty Gateway bieten beispielsweise MakersPlace, SuperRare und Rarible digitale NFT-Kunst an.

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NFT: In der Gaming-Welt eine Macht

Ein einzigartiger virtueller Token kann dabei so gut wie alles sein: Zum Beispiel ein kurzer Clip, der einen besonders gelungenen Spielzug eines Top-Basketballspielers zeigt. Der Dienst „NBA Top Shot“, auf dem Nutzer solche Mini-Clips kaufen und verkaufen können, machte nach Daten des NFT-Trackers CryptoSlam 147,8 Millionen US-Dollar Umsatz innerhalb von einer Februar-Woche. Auch in der Gaming-Welt sind NFT eine Macht. Platz eins auf der Liste der Top-NFT nach Marktkapitalisierung nimmt laut Krypto-Informationsdienst Coingecko.com (Stand 10. März 2021) Enjin Coin (ENJ) ein. Enjin ist eine Blockchain Gaming Plattform, die sich auf digitale Sammelobjekte, die wirklich im Besitz der User sind, spezialisiert hat.

Hype um Krypto-Kätzchen

Digitale Kätzchen im Anime-Stil waren übrigens die ersten bekannteren Non-fungible-Token. Bereits 2017 lösten CryptoKitties einen NFT-Hype aus. Das Spiel, entwickelt von dem Startup Dapper Labs, erlaubt es Besitzern von CryptoKitties, neue digitale Fellknäuel zu züchten und die Nachkommen zu verkaufen. Das Besondere (und damals einzigartige): Niemand kann die exakt gleiche digitale Mieze besitzen. Die Krypto-Kätzchen waren zeitweise so beliebt, dass sie die Ethereum Blockchain verstopften.

NFT-Rekord bei Christie's

Selbst das altehrwürdige Auktionshaus Christie‘s setzt auf NFT und wagte eine Premiere. Als erstes großes Auktionshaus versteigerte es am 11. März 2021 das NFT-Werk „EVERYDAYS: THE FIRST 5000 DAYS“ des Digitalkünstlers Beeple. Der Mut zu Neuem wurde belohnt. Das Werk erzielte sagenhafte 69,3 Millionen US-Dollar – ein NFT-Rekord! Das digitale Kunstprojekt hatte Mike Winkelmann, alias Beeple, am 1. Mai 2007 gestartet und seitdem 13,5 Jahre lang jeden Tag ein neues digitales Bild, oder „everyday“ wie er es nennt, online gestellt. Die einzelnen Teile wurden exklusiv für Christie’s zu einer monumentalen digitalen Collage zusammengeführt und als Einzelposition angeboten. „Christie's hat noch nie zuvor ein Kunstwerk der neuen Medien in dieser Größenordnung und Bedeutung angeboten", sagt Noah Davis, Experte für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst bei Christie's in New York.

Do-it-yourself-Abkürzung für Künstler

"Für viele digitale Illustratoren und Grafiker, die bisher Probleme hatten, von ihrer Arbeit zu leben, könnten NFT eine Do-it-yourself-Abkürzung sein, um etablierte Gatekeeper wie Galerien oder Auktionshäuser zu umgehen“, konstatiert die „New York Times“. Durch NFT können Künstler ganz einfach (und sicher) feststellen, wo und für wieviel ihre Kunst verkauft wird. Auch beim Spekulieren mit Kunst sitzen die Künstler durch NFT mit im Boot. „Beeples Vertrag stellt zum Beispiel sicher, dass er als Künstler Geld verdient, wenn andere mit seinem Werk spekulieren – in seinem Fall 10 Prozent von jedem Verkauf auf dem Sekundärmarkt (ein Branchenstandard für NFT).“, berichtet „The New York Times“. „Wenn Sie das Kunstwerk kaufen, gehen Sie eine Art Beziehung mit mir ein“, wird Beeple in der New York Times zitiert. Ruth Catlow, Herausgeberin des Buches „Artists Re:Thinking the Blockchain“, sagt gegenüber der Zeitung: „Es gibt ein Argument dafür, dass das 'Punk' ist.“

Jeder digitale Punk ist einzigartig

Die großen Geldsummen, die mit Non-fungible Token gemacht werden, erzählen jedoch eine andere Geschichte. Beeple verkaufte bereits 2020 an einem Wochenende Kunst im Wert von 3,5 Millionen US-Dollar über Nifty Gateway. Stichwort Punk – auch mit Computer-generierten CryptoPunks werden inzwischen Millionen umgesetzt. Die Sammelfiguren-Unikate (kein Punk ist wie der andere) mit Eigentumsnachweis auf der Ethereum-Blockchain, 2017 von Larva Labs kreiert, generierten laut der Website NonFungible im Februar 2021 ein Verkaufsvolumen von rund 77 Millionen US-Dollar.

NFT: Ein Trend, der bleibt?

Während Grimes mit ihrem Millionen-Deal für ein breites Interesse an Non-fungible Token gesorgt hat und NFT sicherlich ähnlich wie viele Kryptowährungen Spekulanten anziehen dürften, gibt es gleichzeitig eine gute Chance, dass vor allem die Künstler selbst und deren Anhänger von der digitalen Evolution des Kunstsammelns profitieren. So hat beispielsweise Mike Shinoda von Linkin Park eine neue Single über die Digital-Plattform Zora verkauft. Der Erlös soll an ein von ihm gegründetes Stipendium am ArtCenter College of Design gehen.

Kunst-Datenbank dank Blockchain

Und die Grundlage der NFT, die Blockchain, könnte die Kunstwelt noch in einer weiteren Weise verändern. Dank Blockchain-Technologie wäre es möglich, eine globale Kunst-Datenbank entstehen zu lassen, in die Künstlerinnen und Künstler ihre Kunstwerke aufnehmen lassen können. Dort könnten auch wichtige Daten und Informationen unter anderem zu Preisen hinterlegt werden. Auch der Zustand des Kunstwerks, dessen Herkunft und sogar Bewertungen könnten einfließen. Damit wären nicht nur Kunstprofis in der Lage, sich umfassend zu informieren. Die Blockchain-Technologie würde in diesem Fall maximale Transparenz bedeuten – und das wäre wirklich „Punk“.

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