Reisen: Von null auf besser

Published on 11. August 2020
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Reisen: Von null auf besser

Reisen geht wieder! Allerdings bis auf Weiteres nur eingeschränkt und anders als vor Corona. Zeit, für eine andere Art zu reisen: Über nachhaltigen Tourismus als Chance und wie bewusstes Reisen die Branche verändert.

Per Langstreckenflug in ein möglichst exotisches Land reisen? Fehlanzeige! Interkontinentalflüge sind je nach Rechtslage weiter stark eingeschränkt und nach der Rückkehr kann eine Quarantäne oder ein negativer Corona-Test notwendig werden. Ihren Sommerurlaub verbringen die Deutschen deshalb laut einer Ende Juni veröffentlichten ARD-Umfrage vorzugsweise Zuhause (51 Prozent). Ein gutes Drittel plant eine Urlaubsreise innerhalb Deutschlands. Ihren Urlaub im europäischen Ausland verbringen wollen nur 17 Prozent. 2019 brachten die Begriffe „Flugscham“ und „Overtourism“ uns zum Nachdenken über die Zukunft des Reisens, jetzt zwingt uns eine globale Pandemie dazu. Sommer- und Herbstferien im Corona-Jahr 2020 sind die perfekte Gelegenheit, um endlich etwas umzusetzen, was sich viele vornehmen (um dann doch beim Urlaubsschnäppchen-Flug schwach zu werden): nachhaltig reisen.

Bewusster unterwegs

Weniger fliegen, langsamer reisen und bewusster unterwegs sein. Nachhaltiger Tourismus, auch sanfter oder ökologischer Tourismus genannt, gewinnt seit den 1990er Jahren an Bedeutung. „Vereinfacht ausgedrückt ist nachhaltiger Tourismus ein Tourismus, der positive Auswirkungen auf eine lokale Gemeinschaft, die Umwelt und die Wirtschaft hat – sowohl kurz- als auch langfristig,“ sagt Kelley Louise, Gründerin der gemeinnützigen „Impact Travel Alliance“. In der Generation Z und bei den Millennials sind besonders viele „Green Traveller“ zu finden. Laut einer weltweiten Umfrage kam im Jahr 2019 mit einem Anteil von 62 Prozent die Mehrheit der Reisenden, die sich in den letzten sechs Monaten auf Grund ihres CO2-Fußabdruckes bewusst gegen die Buchung mindestens einer Reise entschieden haben, aus diesen beiden Generationen.

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CO2-Fußabdruck klein halten

Aber wie reist man eigentlich nachhaltig? Wer bei der Anreise statt auf das Flugzeug auf die Schiene setzt, hat den ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Die Anreise zum Urlaubsziel per Bahn hält den CO2-Fußabdruck klein. Wie die persönliche CO2-Bilanz bei Fahrten und Reisen ausfällt, kann man mit einem entsprechenden Online-Tool des Umweltbundesamtes berechnen. Eine klimafreundliche Alternative zum Flugzeug, um ferne Länder zu bereisen – und ein Abenteuer für Reiselustige, für die der Weg schon das Ziel ist – sind Langstreckenreisen per Zug. Weil diese Art des „slow travelling“ immer mehr Anhänger findet, hat ein junger Wiener gemeinsam mit seinem Vater vor einiger Zeit ein Unternehmen gegründet, das auf Fernreisen per Zug spezialisiert ist: Bei Traiveling kann man zum Beispiel eine Reise von Wien nach Hanoi mit sechs Mal umsteigen buchen. Das Ganze ist in acht Tagen zu schaffen, heißt es bei Traiveling, empfohlen werden aber 16 Tage. So bleibt Zeit übrig, um sich tagsüber Städte wie Kiew oder Almaty anzuschauen und Land und Leute während der Reise besser kennenzulernen.

Ohne Flugreise geht es nicht? Dann ist es Zeit für eine Wiedergutmachung: Mit Kompensationsprogrammen wie beispielsweise atmosfair wird so viel CO2 eingespart, wie durch die jeweilige Flugreise ausgestoßen wird. Dabei sollte jedem klar sein: Wer wirklich etwas für den Klimaschutz tun will, muss aufhören zu fliegen. Denn allein ein Oneway-Flug von Düsseldorf nach Los Angeles stößt pro Person mehr Treibhausgase aus, als man durchschnittlich mit einem Jahr Autofahren verursacht.

Mit Muskelkraft ans Ziel

Keine Zeit, die nachhaltige Urlaubsreise selbst zu planen oder unsicher, was Ökotourismus wirklich ausmacht? Mittlerweile gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz einige Anbieter, die sich auf nachhaltige Reisen spezialisiert haben. Informationen zu sanftem Tourismus und entsprechende Anbieter listet zum Beispiel der Verband „Forum Anders Reisen“ auf, in dem sich kleine und mittelständische Reiseveranstalter zusammengeschlossen haben: „Der Verband und seine Mitglieder streben einen Tourismus an, der langfristig ökologisch tragbar, wirtschaftlich machbar sowie ethisch und sozial gerecht ist“, sagt Geschäftsführerin Petra Thomas.

Am Einfachsten funktioniert nachhaltiges Reisen beim Urlaub im eigenen Land – und eignet sich perfekt für das neue Normal. Wie wäre es mit einer dieser ökologischen und nachhaltigen Urlaubsvarianten: Einer Streckenwanderung auf einem Fernwanderweg durch unberührte Natur, einer Kanutour mit Übernachtung im Zelt oder einer mehrtägigen Fahrradtour entlang der Nord- oder Ostseeküste? Ein nachhaltiger Aktivtrend, der Radfahren und Wandern verbindet, nennt sich „Bike & Hike“: Besonders für längere Alpentäler im Allgäu oder Österreich eignet sich die umweltfreundliche Anreise per Rad zum Startpunkt der Wandertour.

Fahrradhändler jubeln

Abstand halten – eine der goldenen Anti-Corona-Regeln – geht beim Radeln besonders gut. Das ökologischste Verkehrsmittel (und im Nahbereich auch das ökonomisch sinnvollste) erlebt seit Beginn der Corona-Pandemie einen Nachfrage-Boom: Viele wollten in der Pandemiezeit überfüllte Busse und U-Bahnen vermeiden. „Der Mai war der stärkste Monat, den die Branche jemals erlebt hat“, sagte David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) der Deutschen Presse-Agentur. In Europa berichtet der Sportausstatter Decathlon von einer Verdopplung bis Verdreifachung der Verkaufszahlen bei Rädern, für China sogar von einer Verfünffachung. Selbst in den USA boomt das Radfahren: Im Mai wurden dort 81 Prozent mehr Fahrräder verkauft als im gleichen Monat 2019, so der Branchenverband People for Bikes.

Erst planen, dann radeln

Einfach aufs Rad steigen, Ziel bei Google Maps eingeben und losradeln: Das kann gut gehen – aber auch für Frust sorgen. Zum Beispiel weil die Radroute entlang einer viel befahrenen Autostraße verläuft oder weil zu viele Steigungen bewältigt werden müssen (das gilt natürlich nur für diejenigen, die ohne E-Bike unterwegs sind). Auch hier gilt: Wer vorher plant – am besten mit einem Online-Routenplaner wie komoot oder outdoor active – hat hinterher mehr Spaß. Außerdem wichtig: Minimalistisch packen, denn je größer das Gepäck, desto mehr Schweißtropfen fließen beim Anfahren und spätestens bei der ersten Bergetappe. Apropos Steigungen: Radreise-Neulinge, Genussradler ohne E-Bike und Familien mit Kindern planen am besten eine Radtour entlang von Flüssen – mögliche Strecken finden sich zum Beispiel unter fluss-radwege.de.

Wochenend-Trip als Test

Wer noch nie eine Radreise unternommen hat, tastet sich am besten bei einem Wochenendtrip ans Reisen per Rad heran. So lässt sich nicht nur das Pedalieren mit Gepäck testen, sondern auch – ganz wichtig – ob man auf längeren Strecken komfortabel und sicher auf dem eigenen Rad sitzt. Beispielsweise bei einer zweitägigen Tour auf dem Nahe-Radweg: In 128 Kilometern geht es (mit einigen Steigungen auf den ersten 50 Kilometern) von der Nahe bis an den Rhein. Auch wer gern Extrem-Trips mit dem Mountainbike unternimmt, kommt in Deutschland auf seine Kosten: Bei einer 360-Kilometer-Tour über die Schwäbische Alb sind in vier Tagen täglich 90 Kilometer und über 2000 Höhenmeter zu bewältigen.

Fazit: Die Möglichkeiten für einen nachhaltigen Urlaub per Bahn oder Rad sind grenzenlos. Und wer gar nicht verreist – ob aus Corona-Angst oder der Sorge, dem Klima zu schaden – versäumt nach Einschätzung von Kelly Louise von Impact Travel etwas Wichtiges: „Reisen hat die beeindruckende Fähigkeit, dich zu einem Fürsprecher für Natur und Naturschutz zu machen.“

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