Saubere Sache: Nachhaltig anlegen

07.04.20
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Saubere Sache: Nachhaltig anlegen

Geld anlegen mit gutem Gewissen? Das geht! Was du bei nachhaltigen Investments beachten musst und ob auch die Rendite stimmt, erfährst du hier.

Waffen, Korruption, Kinderarbeit = pfui. Klimaschutz, faire Löhne, Transparenz = hui. Wer mit gutem Gewissen investieren will, setzt auf nachhaltige Geldanlagen. Und ist damit nicht allein: Der Markt für nachhaltige Investitionen boomt. 2018 lag das Gesamtvolumen des nachhaltigen Anlagemarkts in Deutschland bei rund 219,1 Milliarden Euro. Das Anlagevolumen nachhaltiger Investmentfonds belief sich auf 44,7 Milliarden Euro. Die grünen Fonds schießen dabei wie Pilze aus dem Boden: Ende 2019 konnten europäische Anleger zwischen 2405 nachhaltigen Investmentfonds wählen, 360 davon waren in diesem Jahr neu auf den Markt gekommen, so eine Untersuchung der Finanzanalyseplattform Morningstar.

Alles im grünen Bereich?

Nicht Atomkraft oder Kohle, sondern Wind und Sonne: Die ersten grünen Anleger investierten mit Anleihen, Nachrangdarlehen und Ähnlichem ab den 1990er Jahren in Windräder, später dann in Solaranlagen – und brachten mit kleinen Einzelinvestments (und echtem Risikokapital) die Energiewende auf den Weg. Heute ist das Angebot an nachhaltigen Investments umfangreicher, professioneller und bietet für jeden Anlegertyp etwas. Das ist einerseits eine Erfolgsgeschichte, macht es aber gleichzeitig schwer, den Überblick zu behalten. Allein der Begriff: Was bedeutet nachhaltig überhaupt? Am Anfang war der Wald: Ein sächsischer Forstbeamter namens Hans Carl von Carlowitz formulierte vor rund 300 Jahren in einem Standardwerk zur Waldwirtschaft den Anspruch, nur so viel Holz zu schlagen, wie auch nachwächst – und prägte damit den Begriff Nachhaltigkeit.

Gib‘ mir ein E, ein S, ein G!

Eine erste Orientierung im Dickicht nachhaltiger Investments bieten die sogenannten ESG-Kriterien, die sich als Standard etabliert haben. Dabei steht das E für Environment – also ökologische Aspekte wie Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz, die bei der Unternehmensführung berücksichtigt werden. Beim S (Social) stehen soziale Fragen im Mittelpunkt. Dazu gehört beispielsweise, ob das Unternehmen Arbeitsrechte einhält und Kinderarbeit die rote Karte zeigt. Bleibt noch das G wie Governance: Bei diesem Kriterium geht es um eine nachhaltige Unternehmensführung. Bedeutet unter anderem: Klare Kante gegen Korruption und die Bereitschaft, auch mal auf kurzfristige Gewinne zu verzichten, um einen langfristigen unternehmerischen Erfolg zu sichern.

Geprüft und zertifiziert

Genau hinschauen und das Kleingedruckte lesen, das ist bei jedem Investment Pflicht – und gilt besonders bei Finanzprodukten wie nachhaltigen Fonds. Zusätzlich muss man sein eigenes Gewissen befragen. Die Crux: Einheitliche Richtlinien für Nachhaltigkeit gibt nicht, jeder Fondsanbieter kann die Auswahlkriterien selbst festlegen. „Der Anleger muss entweder darauf vertrauen, dass seine Vorstellung mit dieser Definition deckungsgleich ist, oder selbst nachrecherchieren“, sagt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen der Süddeutschen Zeitung. Die Verbraucherzentrale hatte bereits 2014 gemeinsam mit der Stiftung Warentest ethisch-ökologische Aktienfonds getestet. Für Transparenz sorgen nicht nur Tests, wie sie beispielsweise das Finanzmagazin „ECOreporter“ regelmäßig durchführt. Orientierung bieten auch Gütesiegel, die verschiedene Organisationen für nachhaltige Geldanlagen entwickelt haben. Eines davon wird vom Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. herausgegeben. Seit 2015 prüft und zertifiziert der Fachverband nachhaltige Fonds. Die aktuell 104 Fonds, die das FNG-Siegel tragen dürfen, verwalten ein Vermögen von rund 30 Milliarden Euro.

Grüner Zuwachs für die Dax-Familie

Ob als Fonds, Anleihen oder andere Anlageprodukte: Fast alle Banken und Vermögensverwalter bieten inzwischen nachhaltige Investmentlösungen an. Zudem gibt es einige Nachhaltigkeitsindizes, zum Beispiel den MSCI-World-SRI, der die Kursentwicklung von rund 1650 Unternehmen weltweit abbildet. Auch der Dax bekam im März 2020 „grünen“ Familienzuwachs: Im neuen Dax 50 ESG sind rund 50 Aktienunternehmen vertreten, die ESG-Kriterien erfüllen. Neben der ESG-Performance waren der Börsenwert und -umsatz entscheidend. Zum Start verkündete Stephan Flägel, Leiter der Indexsparte bei der Deutsche Börse-Tochter Qontigo, selbstbewusst: „Wir sind davon überzeugt: Der Dax 50 ESG wir der Standard für nachhaltige Investments in Deutschland.“

Neuer Nachhaltigkeitsindex

Weil auch Chemie, Zement- und Luftfahrtindustriewerte enthalten sind, ist für Umweltverbände wie den BUND der neue Nachhaltigkeitsindex „Augenwischerei“. BUND-Finanzexpertin Lia Polotzek sagte gegenüber dem Handelsblatt: „Durch den Index wird kein Transformationsprozess hin zu einer klima- und umweltfreundlichen Wirtschaft finanziert.“ Die Deutsche Börse sieht sich dagegen mit dem Dax 50 ESG auf einem guten Weg und plant für 2020 die Auflage weiterer Nachhaltigkeitsindizes – dann auch mit härteren Kriterien, verspricht Kristina Jeromin, Nachhaltigkeitschefin der Deutschen Börse. Wer jetzt schon dunkel- statt nur hellgrün investieren will: Barometer wie der Naturaktien-Index (NAI) oder der Global Challenges Index (GCI) der Börse Hannover schließen Branchen, die unter ökologischen Gesichtspunkten kritisch sind, aus.

Steigt die Zahl der Indizes, dürfte auch die Zahl nachhaltiger Exchange Traded Funds (ETF) wachsen. ETFs sind eine Lieblingsempfehlung von Finanzexperten wegen ihrer geringen Kosten im Vergleich zu Fonds. Bisher sind grüne ETFs allerdings noch rar: So hat Finanztip.de aktuell lediglich zwei nachhaltige ETFs auf der Empfehlungsliste.

Direkter Umweltnutzen: Impact Investing

Bankenkrise, Klimakrise, Coronakrise: In turbulenten Zeiten sind sichere Staatsanleihen beliebt. Auch davon gibt’s eine nachhaltige Version: Über einen sogenannten Green Bond hat beispielsweise Belgien vor zwei Jahren über 4,5 Milliarden Euro eingesammelt, um den Transport im Beneluxstaat sauberer zu machen. Deutsche Staatsanleihen werden ab dem zweiten Halbjahr 2020 grün: Mit den neu emittierten Bundeswertpapieren soll ein hoher einstelliger Milliardenbetrag eingesammelt werden. Die grünen Staats- und Unternehmensanleihen boomen: Allein in Deutschland kamen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 Green Bonds mit einem Volumen von 5,2 Milliarden Euro auf den Markt. Die Green Bonds haben durch die finanzierten Projekte dabei einen direkten Umweltnutzen (in Finanzsprache heißt das Impact Investing). Nachteile sind lange Laufzeiten – meist zehn Jahre – und eine geringe Auswahl, zumindest bei grünen Staatsanleihen im Euroraum. Noch ist der Euro-Green Bond-Markt ein zartes Pflänzchen: Er kommt lediglich auf einen Anteil von drei Prozent am Euro-Anleihenmarkt.

Für alle gut

Übrigens: ESG-Kriterien sind nicht nur gut für die Umwelt und die Gesellschaft. Das hartnäckige Gerücht, dass nachhaltige Geldanlagen in Sachen Rendite eher mau abschneiden, wurde in zahlreichen Studien entkräftet: So haben Wissenschaftler der Universität Hamburg mehr als 2000 Einzelstudien zusammengefasst und sind in ihrer Metastudie zu dem Ergebnis gelangt, dass Nachhaltigkeitskriterien bei über 90 Prozent der untersuchten Finanzprodukte einen positiven oder neutralen Effekt auf die Rendite haben. Und die BayernLB kommt in einer Nachhaltigkeitsstudie zu dem Ergebnis: „Heute wird zunehmend die Meinung vertreten, dass ein nachhaltiges Verhalten Unternehmen nicht nur vor Reputationsrisiken schützt, sondern aktiv einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg leistet.“ Kurz gesagt: Von Nachhaltigkeit profitieren alle.

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