Mobile Payment – ein Statusbericht

Published on 22. October 2019
Kategorien:

Mobile Payment – ein Statusbericht

Mit dem Handy und der Smartwatch bezahlen - Mobile Payment hat viele Vorteile. Aber wie verbreitet ist mobiles Bezahlen und wie schneidet Deutschland im europaweiten Vergleich ab?

Wer das Haus verlässt und den Schlüssel vergisst, hat ein Problem. Ohne Portemonnaie unterwegs? Kein Malheur, wenn das Smartphone in der Tasche steckt. Dank Mobile Payment können die Einkäufe oder die Fahrt mit der Bahn kontakt- und bargeldlos bezahlt werden: Smartphone in die Nähe des NFC-Kassenterminals halten, Piepton abwarten und fertig ist der Bezahlvorgang!

„Die Kunden von heute wollen Dinge schneller als je zuvor erledigen, ob sie nun Lebensmittel bestellen oder ein neues Paar Schuhe kaufen", sagt Philipp Justus, Vize Präsident Central Europe von Google. Neben dem „Speed-Faktor“ bietet mobiles Bezahlen den Vorteil, dass alle einzelnen Transaktionen auf einem Gerät nachvollziehbar sind. Dadurch lassen sich die Geldbewegungen einfacher überprüfen.

Nur ein Drittel aller Transaktionen in Großbritannien wird bar bezahlt

Der Versuch, mit Münzen oder Scheinen zu bezahlen, ist in einigen Ländern bereits so aussichtslos, als wollte man mit Kaurischnecken bezahlen – bis ins 20. Jahrhundert noch eine weit verbreitete Währung. „Sorry no cash“ steht auf dem handgemalten Schild, das im Coffeeshop in Manchester City am Tresen hängt. Die Kunden zücken entweder „Plastikgeld“ oder ihr Smartphone. Nur noch 34 Prozent aller Transaktionen in Großbritannien werden mit Bargeld bezahlt. Und nach Angaben von UK Finance ist inzwischen einer von sechs Erwachsenen im Vereinigten Königreich für mobile Bezahldienste wie Apple Pay und Google Pay registriert – eine Verachtfachung seit 2016, so der Verband britischer Finanzdienstleister.

Weltweit höchster Marktdurchdringungsgrad in China

In den USA wurden über das Online-Zahlsystem PayPal in den Jahren 2008 bis 2018 mobile Zahlungen in Höhe von 227 Milliarden Dollar abgewickelt. Doch die Krone gebührt China: Laut „Global Consumer Insights Survey 2019“ der Unternehmensberatung PwC werden 86 Prozent der chinesischen Bevölkerung dieses Jahr Mobile Payment verwenden – das ist der weltweit höchste Marktdurchdringungsgrad. Aber auch in anderen Ländern ist Mobile Payment beliebt: Die Türkei liegt mit einer Nutzungsrate von 65 Prozent im „Mobile Payment Report 2019“ vorn. Der jährliche Report von PwC untersucht die Kundenakzeptanz von mobilen Bezahllösungen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Belgien und der Türkei.

Deutsche Händler rüsten Kassenterminals auf

Das Bezahlen mit Bargeld ist in Deutschland zwar immer noch die beliebteste Zahlungsmethode – laut Handelsblatt greifen 75 Prozent der Deutschen an der Kasse zu Bargeld. Doch Kartenzahlungen und vor allem drahtlose Kartenzahlungen – bei denen der Funkchip der Kreditkarte die Bezahldaten auf kurze Distanz ans Kassenterminal überträgt – nehmen zu. Bei den Sparkassen ist der Wert auf zuletzt 24 Prozent gestiegen, bei den Genossenschaftsbanken lag er bei 21 Prozent.

Die Händler haben sich inzwischen auf die Ansprüche der Kunden eingestellt: Rund 80 Prozent aller Kassenterminals in Deutschland sind für das kontaktlose Bezahlen ausgerüstet – 2016 waren es laut Bitkom gerade einmal zehn Prozent. Denn auch für den Handel bietet die Bezahlmethode Mobile Payment Vorteile: Sie ist billiger, da die Bargeldversorgung und -Einzahlung entfällt. Außerdem ist das kontaktlose Bezahlen – ob per Smartphone oder Plastikkarte – hygienischer: Es muss kein Bargeld angefasst werden. Das ist besonders im Lebensmittelhandel ein Vorteil.

Deutschland ist Schlusslicht bei mobilen Zahlungen über Handy und Tablet

Mobile payment over smartphone or tablet1

Basis: all survey participants, D: N = 1,000, AT, CH, NL, BE, TR: N = 500 in each case
1 ie, contactless payment using mobile devices. 
Source: PwC - Mobile Payment Report 2019

Während die Deutschen gerne Online-Bezahlfunktionen nutzen – 90 Prozent greifen laut PwC-Report zu dieser Bezahlmethode – sind sie beim mobilen Bezahlen noch zurückhaltend: „Deutschland weist mit 25 Prozent die niedrigste Rate für die Nutzung von Mobile Payment auf, was mit den höheren Sicherheitsbedenken zu korrelieren scheint“, heißt es. Die jüngere Generation ist in Sachen mobiles Bezahlen allerdings deutlich aufgeschlossener: 46 Prozent der unter 30-jährigen Deutschen nutzen Mobile Payment und bezahlen via Smartphone oder Tablet. Am beliebtesten (15 Prozent) ist Mobile Payment, wenn es darum geht, Kleider, Schuhe oder Accessoires zu kaufen. Gleichauf liegt laut Mobile Payment Report das Überweisen von Geld an andere, gefolgt von Hotelbuchungen und Möbelkauf mit jeweils 14 Prozent.

FC Bayern setzt auf Apple Pay

Dass das Bezahlen per Smartphone in Deutschland erst langsam an Fahrt aufnimmt, ist dabei kein Wunder: Die meisten mobilen Bezahlsysteme – unter anderem Apple Pay und Google Pay – wurden erst Mitte 2018 in Deutschland eingeführt. Doch inzwischen tut sich was: Selbst im Fußballstadion kann der Geldbeutel in der Tasche bleiben und mobil bezahlt werden. Schnell noch einen Fan-Schal oder eine Portion Pommes kaufen – in der Münchner Allianz Arena ist seit Ende 2018 das Zahlen mit Apple Pay an allen Kiosken und Fanshops möglich.

Mit Fidor Pay bezahlen

Während das Verfahren des US-Konzerns nur auf iPhones und Apple Watches funktioniert, lässt sich Google Pay auf jedem Android-Smartphone der neueren Generation mit NFC-Chip nutzen. Sparkassen und Banken – so auch die Fidor Bank – haben zudem eigene Bezahl-Apps entwickelt und eingeführt. Mit Fidor Pay und der Fidor Mastercard® können Kunden die Vorteile von Apple Pay auch mit einem Android-Handy nutzen. Außerdem können sie mit der Fidor Smart Banking App und ihrem Smartphone Geld bei über 12.000 Einzelhandelspartnern in Deutschland einzahlen und Beträge zwischen 50 und 300 Euro auszahlen lassen.

Sicherheit geht vor

Doch was ist mit den Sicherheitsbedenken? Nur rund ein Drittel der Befragten aus dem deutschsprachigen Raum ist laut PwC davon überzeugt, dass Mobile Payment gegen Hacker sicher ist. „Interessanterweise ist diese Zahl viel höher als die Angst, dass ihre Brieftasche mit all ihrem Geld und ihren Karten gestohlen wird“, merkt der PwC-Report zur Akzeptanz von Mobile Payment an. Dabei ist das mobile Bezahlen mit Zahlungsdiensten wie Apple Pay und Google Pay nach Ansicht von Experten sicherer als das Bezahlen mit klassischen Kreditkarten: Die Anbieter verschlüsseln die Daten zum Bezahlen und übersetzen sie in Zahlencodes (Token). Diese können nicht ausgelesen werden und sind nur auf dem jeweiligen Gerät gültig.

Klar ist aber auch: „Ein Verbraucher muss alle zumutbaren Maßnahmen treffen, um sein Smartphone vor unbefugtem Zugriff zu schützen,“ so Andreas Maisch vom IT-Magazin Golem.de. Dazu gehört unter anderem, die Gerätesoftware stets auf dem neuesten Stand zu halten und Sicherheitsupdates unverzüglich zu installieren, rät das BSI in den „Goldenen Regeln zum Mobile Payment“.

TECHNOLOGIE

Mobile Payment in China – Innovationen ohne Datenschutz?

Mobiles Bezahlen ist in China fast so normal wie atmen. Warum WeChat Pay und Alipay boomen, was die Zukunft bringt und wie es um den Datenschutz steht.

PAYMENT

Mobile Payment, die innovative Lösung im Zahlungsverkehr

Quasi im Vorbeigehen den Einkauf bezahlen – Mobile Payment macht das Smartphone zum Geldbeutel. Wie das smarte Bezahlen funktioniert, warum Deutschland hinterher hängt und ob deine Daten in Gefahr sind, erfährst du hier.

PAYMENT

Contactless Payments - Gefahren und wie du dich schützt 

Seit 2016 zahlen die Deutschen vermehrt kontaktlos, was zu Diskussionen über die Sicherheit von Contactless Payments führte. Wir haben die vermeintlichen Risiken näher betrachtet.