Ciao Bargeld, Tschüss PIN!

Published on 29. May 2019
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Ciao Bargeld, Tschüss PIN!

Quasi im Vorbeigehen den Einkauf bezahlen – Mobile Payment macht das Smartphone zum Geldbeutel. Wie das smarte Bezahlen funktioniert, warum Deutschland hinterher hängt und ob deine Daten in Gefahr sind, erfährst du hier.

Die Zunge klebt am Gaumen. Nach der Joggingrunde ist die Kehle trocken. Jetzt schnell eine gekühlte Flasche Wasser kaufen! Wer lieber ohne Klimpergeld in der Tasche joggt, hatte früher ein Problem. Inzwischen lässt sich auch ohne Bargeld der Durst stillen: Zum Beispiel per Fitnessuhr mit der Möglichkeit zum kontaktlosen Bezahlen. Statt nach Münzen zu kramen oder die Girocard ins Kartenlesegerät zu schieben, kannst du auch an der Kasse das fürs Bezahlen eingerichtete Smartphone zücken – das haben die meisten von uns schließlich sowieso immer dabei… Mobile Payment nennt sich das Bezahlen mit dem Handy an der Ladenkasse und nimmt auch in Deutschland seit 2018 langsam Fahrt auf. Zuvor war der Markt zu kleinteilig und es gab zu wenig Akzeptanzstellen, so Branchenexperten

U30 offen fürs Bezahlen per Handy

Dann ist da noch die typisch deutsche Liebe zum Bargeld: Durchschnittlich 103 Euro Cash in der Tasche tragen Herr und Frau Mustermann bei sich. Das ist Rekord in der Euro-Zone. Doch die Digitalisierung verändert auch hierzulande das Finanzgebaren: Das Bezahlen per Smartphone setzt sich vor allem bei den jüngeren Bevölkerungsschichten durch. 46 Prozent der unter 30-jährigen Deutschen haben Mobile Payment laut einer Studie der Unternehmensberatung Pwc bereits genutzt oder tun dies gar häufig oder regelmäßig.

Erkennbar am Wellen-Symbol

Beim mobilen Bezahlen wird das Smartphone – oder die Smartwatch – zur Schnittstelle zwischen Karte und Kartenterminal. Möglich macht das NFC (Near Field Communication). Das ist die international und auch in Deutschland gängigste Methode für das mobile Bezahlen. Dazu bedarf es zweier NFC-fähiger Geräte: Zum Beispiel ein NFC-fähiges Kassenterminal (erkennbar am wellenförmigen Funksymbol) und ein NFC-fähiges Smartphone samt passender Mobile Payment App. Das kann entweder eine Banking-App oder eine Zahlungs-App von Anbietern wie Apple oder Google sein.

Fast alle großen Handelsketten haben mittlerweile ihre Kassenterminals auf den sogenannten EMV-Kontaktlos-Standard umgerüstet, der nahfunktaugliche Kredit- und Debitkarten und auch NFC-Bezahl-Apps unterstützt. Der Plan: Bis 2020 sollen alle Bezahlterminals im europäischen Handel die Kontaktlostechnologie unterstützen.

Simpel und sekundenschnell

Das Prinzip ist dabei simpel und funktioniert in Sekundenschnelle: Einfach das Handy oder die Smartwatch in die Nähe des Kassengerätes halten. Die Bezahldaten werden dann automatisch und verschlüsselt zwischen den Geräten übermittelt. Wenn du nur einen Liter Milch und ein paar Bananen geshoppt hast, läuft das Ganze ohne zusätzliche Sicherheitsabfrage ab. Bei größeren Beträgen (meist ab 25 Euro) ist aus Sicherheitsgründen eine PIN-Eingabe oder Bestätigung per Fingerabdruck nötig.

China: Bargeld verpönt

Weltweiter Vorreiter in Sachen mobiles Bezahlen ist China: In Millionenstädten wie Peking, Shanghai, Xian oder Hanghzou nehmen viele Läden gar kein Bargeld mehr an, stattdessen wird das Handy gezückt und der Schokoriegel im Kiosk ganz selbstverständlich per Mobile Payment bezahlt. Den chinesischen Mobile-Payment-Markt dominieren zwei Mega-Konzerne: die Alibaba-Gruppe mit Alipay und der Kommunikationskonzern Tencent mit WeChatPay. 2019 werden laut Statista.de über eine halbe Milliarde Menschen in China ihr Smartphone zum Bezahlen nutzen. Mit einem Transaktionsvolumen von 519.587 Millionen Euro wird in China der weltweit höchste Wert im Segment „Mobile POS Payments“ erzielt. Zum Vergleich: Deutschland kommt 2019 auf ein geschätztes Transaktionsvolumen von 894 Millionen Euro

Eine Art Revolution

Im Vorbeigehen mit dem Handy zahlen, mit einer schnellen und sicheren Lösung: Mobile Bezahlprozesse sind eine Art Revolution – davon ist die Fidor Bank überzeugt, denn es verändert das Bezahlen in seinem grundlegenden Wesen. Für die Fidor Bank sei es Pflicht gewesen, bei solch einem innovativen Ansatz von Anfang an dabei zu sein. Denn auch im Land der Bargeld-Aficionados tut sich was: Handel, Banken und Technologieunternehmen bieten das Bezahlen mit dem Smartphone inzwischen vielfach an. Google Pay ist seit Mitte 2018 in Deutschland mit mehreren Partnerbanken am Start. Apple Pay folgte im Dezember vergangenen Jahres. Weil die deutschen Banken Google zu zögerlich waren, ging der US-Techgigant im Oktober 2018 in Deutschland mit einer zusätzlichen Lösung an den Start: Google bildet mit PayPal und Mastercard® eine virtuelle Debit-Kreditkarte auf der NFC-Schnittstelle des Smartphones ab. Übrigens: Weil Apple anderen Anbietern den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle verwehrt, kann übers iPhone nur mit Apple Pay bezahlt werden.

Neue Lösungen „Made in Europe“

Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz forderte kürzlich in der „Welt am Sonntag“ europäische Alternativen zu den Bezahllösungen von US-Konzernen. Voilà: Fidor bietet seinen Kunden neben Apple Pay auch eine hauseigene Lösung an. Fidor Pay ging bereits mehr als ein halbes Jahr vor dem Launch von Apple Pay an den Start. Die digitale Karte gibt es bei dem Münchner Geldinstitut kostenlos und kann zusammen mit dem Smartphone wie eine physische Karte genutzt werden. Auch die Sparkassen und Volksbanken bieten seit Sommer 2018 eine App an, mit der sich Giro- und Kreditkarten auf Smartphones laden lassen.

So sicher wie Kartenzahlung

Spart Zeit, ist praktisch und den Geldbeutel kannst du getrost zu Hause lassen – zum Beispiel wenn’s abends zum Feiern in den Club geht. Trotzdem ist mobiles Bezahlen vielen immer noch unheimlich. 6 von 10 Befragten haben laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom Sicherheitsbedenken. Sie sorgen sich, dass Hacker auf diese Weise auf ihr Konto zugreifen könnten. Auch wenn das Ganze etwas von Hexerei hat, so ist der Vorgang des mobilen Bezahlens doch genauso sicher wie bei einer Kartenzahlung. Die Anbieter verschlüsseln die Daten zum Bezahlen und übersetzen sie in Zahlencodes, sogenannte Token, die nicht ausgelesen werden können. Diese Token sind dann nur mit diesem Gerät gültig.

Handy weg, was nun?

Wer die smarte Technologie sicher nutzen will, sollte auf die Experten der Verbraucherzentrale hören und die Gerätesoftware des Smartphones oder der smarten Armbanduhr stets auf dem neuesten Stand halten und automatische Updates nutzen.

Wird ein Telefon, das nicht nur Kommunikationszentrale, sondern auch Portemonnaie-Ersatz ist, gestohlen, gilt das Gleiche wie beim Verlust des Geldbeutels (samt Karten): Die beim Bezahldienst hinterlegte Karte umgehend deaktivieren oder sperren, am besten per Anruf bei der Bank.