Mitarbeiter-Benefits: attraktiver als mehr Gehalt?

Published on 23. July 2020
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Mitarbeiter-Benefits: attraktiver als mehr Gehalt?

Gehaltsverhandlungen in Corona-Zeiten: schlechte Idee!? Nicht unbedingt. Sachbezüge sind eine Alternative zu mehr Geld – und sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber attraktiv. Wir stellen beliebte Benefits genauer vor.

Begriffe wie „Corona + Gehaltserhöhung“ dürften die meisten eher zögerlich eintippen. Viele sind froh, überhaupt noch einen Job zu haben oder warten bang darauf, wie es für sie nach der Kurzarbeit weitergeht. Trotzdem ist es sinnvoll, jetzt Wünsche zur beruflichen (und finanziellen) Weiterentwicklung gegenüber Vorgesetzten zu äußern, meint Alexandra Carter.
Die Professorin an der Columbia Law School in New York und Expertin auf dem Gebiet der Verhandlungsführung rät zu mehr Mut: „Firmen sind in einigen Fällen durchaus darauf vorbereitet, in genau jene Art von Mitarbeiter zu investieren, die sie selbstbewusst und stark durch die Krise führen“, meint Carter.

Sachbezüge als Alternative

Bei Gehaltsverhandlungen in Krisenzeiten sollte man neben guten Argumenten fürs gewünschte Gehaltsplus allerdings einen Plan B im Gepäck haben.
Denn wenn aktuell im Unternehmen Löhne eingefroren oder gar gekürzt werden, löst der Wunsch nach einer Gehaltserhöhung vermutlich bei der Chefin oder dem Chef nur ein Kopfschütteln aus. Wer sich nicht auf bessere Zeiten vertrösten lassen will, kann eine Alternative ins Spiel bringen: Sachleistungen, auch Sachbezüge genannt.
Dabei handelt es sich um Leistungen, die ein Arbeitnehmer zusätzlich zum Arbeitsentgelt erhält. Sachbezüge wie zum Beispiel Tankkarten oder Essensmarken haben keinen betrieblichen Nutzen, werden aber vom Betrieb geleistet. Unterschieden wird dabei grundsätzlich zwischen steuerfreien und steuervergünstigen Sachleistungen.
 

Die 44 Euro-Grenze

Seit 2020 gelten für die abgabenfreien oder abgabenbegünstigten Sachleistungen neue Freigrenzen: So sind Extras, die der Arbeitgeber kostenlos oder vergünstigt gewährt, bis einer Höhe von 44 Euro (und keinen Cent mehr) im Monat steuerfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG).
Anlassbezogene Geschenke – beispielsweise die Flasche Whisky zum runden Geburtstag – sind bis zu einer Höhe von 60 Euro steuerfrei. Übrigens: Mit steuerfreien Zusatzleistungen wie dem Sachbezug lässt sich auch die Entgeltlücke in Kurzarbeit schließen.
Extras wie Smartphone, Gesundheitsbudget oder Dienstrad können dabei mehr einbringen als ein höheres Bruttomonatsgehalt oder eine einmalig ausgezahlte Prämie. „Von einer Gehaltserhöhung oder einer einmaligen Sonderzahlung bleibt oft nur rund die Hälfte übrig – nach Lohnsteuer und Sozialversicherung“, so die Experten von Finanztip.de.

Sonderfall Corona-Bonus

Ein Sonderfall ist der sogenannte „Corona-Bonus“, den Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern vom 1. März bis zum 31. Dezember 2020 aufgrund der Corona-Krise gewähren können. Diese Beihilfen und Unterstützungen sind bis (nach § 3 Nr. 11a EStG) zu einem Betrag von 1.500 EUR steuerfrei und auch sozialversicherungsfrei. Voraussetzung ist, dass die Zahlungen „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ geleistet werden.

Gut zu wissen: Nicht nur fürs eigene Bankkonto, auch für Unternehmen lohnt die Gewährung von Sachzuwendungen. Sie sparen damit nicht nur Sozialversicherungsbeiträge, sondern erhöhen auch die Mitarbeitermotivation und damit letztendlich die Produktivität. Trotz der Corona-Krise herrscht in Deutschland weiter Fachkräftemangel und Mitarbeiter-Benefits sind zentrale Instrumente für jedes Unternehmen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. 

Dienstwagen oder Dienstrad

Zum Beispiel mit dem Klassiker, einem Firmenwagen. Dabei ist zu beachten: Wird das Auto rein beruflich genutzt, fallen weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge an.
Wird der Dienstwagen auch privat gefahren, muss der geldwerte Vorteil mit 1 Prozent vom Bruttolistenpreis versteuert oder mit dem Fahrtenbuch abgerechnet werden.
Elektroautos haben dabei – steuerlich gesehen– Vorfahrt: Kostet das E-Auto höchstens 40.000 Euro, muss nur ein Viertel des Fahrzeuglistenpreises angesetzt werden.
Auch ein Dienstrad statt dem Dienstwagen ist seit 2019 ein zunehmend gewährtes Extra. Grundsätzlich gelten hier ähnliche Regeln wie beim Dienstwagen. Wird das Fahrrad auch privat genutzt, ist zu beachten, dass der geldwerte Vorteil nach Paragraf 3 Nr. 37 EStG nur von der Steuer befreit ist, wenn der Arbeitnehmer das Rad zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn bekommt.

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Kostenlose Fahrausweise

Ebenfalls beliebt sind Mitarbeiter-Benefits rund um die Schiene. Ob Monats- oder Jahrestickets: Arbeitgeber dürfen generell einen steuerfreien Zuschuss an ihre Mitarbeiter für die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte leisten.
„Sie können die Fahrausweise verbilligt oder kostenlos abgeben, alternativ einen Zuschuss leisten“, so die Experten von Finanztip. Bei Jobtickets gilt: Der Arbeitgeber muss sie „on top“ also zusätzlich zum Gehalt gewähren, damit sie steuerfrei sind. Wer vom Arbeitgeber eine Bahncard 25, 50 oder 100 gesponsert bekommt, kann diese neben den beruflichen auch für private Fahrten nutzen. Einzelheiten – zum Beispiel, ob und wann die Überlassung steuerfrei bleibt – finden sich in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums.

Smartphone zur privaten Nutzung

Arbeitshandy und Firmenlaptop sind fast schon Standard – aber wie wäre es, wenn der Chef oder die Chefin noch ein Smartphone, Notebook oder ein anderes Kommunikationsgerät zur privaten Nutzung zusätzlich auf das normale Gehalt draufpackt? In diesem Fall zahlt der Arbeitgeber pauschal
25 Prozent Steuern, der Arbeitnehmer nutzt das Gerät steuerfrei. Wichtig: Den Kaufbeleg behält die Firma und diese regelt dann auch Dinge wie Umtausch oder Reparaturen.

Großzügiger Weiterbildungsbonus

Wer schon längst die Französischkenntnisse aufpolieren oder filmen und schneiden lernen wollte, sollte Weiterbildungsleistungen als Gehaltsextra steuerfrei hinzuverhandeln. Très bien: Weiterbildung wird seit 2019 großzügiger gefördert. Alle Weiterbildungsmaßnahmen, die die individuelle Beschäftigungsfähigkeit verbessern, sind steuerfrei. Achtung: Wird die Weiterbildung als Belohnung für besondere Leistungen gewährt, entfällt der Steuervorteil.

Tai Chi vs. Massage

Auf die Gesundheit zu achten, lohnt sich seit diesem Jahr (steuerlich) noch mehr: Zum 1. Januar 2020 wurde der Freibetrag von 100 auf 600 Euro pro Jahr und Arbeitnehmer angehoben. Steuer- und sozialversicherungsfrei sind die Kurse, wenn sie vom Arbeitgeber zusätzlich zum Lohn gewährt werden und gemäß § 20 SGB V zertifiziert (gemäß § 20 SGB V) sind. Förderfähig sind dabei Kurse mit Maßnahmen zur Bewegungsförderung, Stressbewältigung und Suchtmittelvermeidung.
Auch Angebote zu gesunder Ernährung zählen dazu – Fitnessstudios, Massagen oder Tanzkurse jedoch nicht. Tipp: Bei den letzteren greift als Sachlohn jedoch die 44-Euro-Freigrenze (s.o.). Bedeutet in der Praxis: Zusätzlich zu den jährlich 600 Euro für die Rückengymnastik sind noch monatlich 44 Euro steuerfrei für den Tenniskurs drin.

Digitale Essensmarken

Auch mit Restaurantschecks oder Essensmarken als Benefit lässt sich der Nettolohn erhöhen: Pro Arbeitstag kann der Arbeitgeber einen Restaurant-Scheck in Höhe von 6,50 Euro ausgeben. „Mit einem Verpflegungszuschuss können Unternehmen ab Januar 2020 den Nettolohn der Angestellten sehr effizient erhöhen und zwar um bis zu 1.430 Euro pro Mitarbeiter und Jahr“, sagt George Wyroll von Catering- und Serviceunternehmen Sodexo. Mittlerweile erobern digitale Essensmarken das Feld. Der Vorteil: Weniger Papierkram, weniger Verwaltungsaufwand. Statt einen Gutschein zu präsentieren, wird nach dem Lunch der Beleg abfotografiert und über die App des jeweiligen Anbieters verschickt. Via Entgeltabrechnung gibt‘s dann den Essensgeldzuschuss.

Die Rente nicht vergessen!

Klingt ideal: Mehr Geld im Portemonnaie durch eine Nettolohnoptimierung mit Essensgutscheinen und anderen Sachleistungen. Trotzdem sollte man bei Gehaltsverhandlungen nicht nur auf steuerfreie Benefits schielen, sondern auch darauf achten, dass sich das Gehalt regelmäßig weiterentwickelt, raten Experten. Denn: Steuer- und sozialabgabenfreie Extras fließen nicht in die Berechnung des Arbeitslosengelds oder der späteren Rente ein.

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