Mehrwertsteuer: So geht sparen

Published on 14. July 2020
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Mehrwertsteuer: So geht sparen

Mehrwertsteuersenkung = Sparturbo? Ganz so einfach ist es nicht. Wo die Preise sinken und wo nicht, was Verbraucher beachten müssen und warum sich genaues Hinschauen lohnt.

„Wir bleiben fair und geben die Mehrwertsteuersenkung an unsere Kunden weiter“ schreiben die einen in Kunden-Mailings. „Wir möchten dir etwas für die Mwst.-Senkung zurückgeben“, verkünden andere auf Werbeplakaten. Es ist kaum zu übersehen, vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020, also für sechs Monate, gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. Das bedeutet: Bis Ende Juni 2020 lag der normale Mehrwertsteuersatz in Deutschland bei 19 Prozent, nun gelten 16 Prozent. Für Güter des täglichen Bedarfs – dazu zählen beispielsweise Lebensmittel, Blumen und Bücher – lag der ermäßigte Mehrwertsteuersatz bisher bei 7 Prozent, nun sind es 5 Prozent.

Rückgang der Preise

Auch wenn Händler und Unternehmen nicht verpflichtet sind, die Steuersenkung an ihre Kunden weiter zu geben – viele große Handelsunternehmen machen es und werben kräftig damit. Einige Unternehmen wie Aldi und Rossmann wollen es den Kunden einfach machen und nicht zwischen unterschiedlichen Steuersätzen differenzieren. „Die Mehrwertsteuersenkung soll für unsere Kunden klar und unkompliziert sein, daher gehen wir auf 3 Prozent Rabatt und unterscheiden nicht zwischen dem Normal- und ermäßigten Steuersatz“, sagt der Geschäftsführer von Rossmann, Raoul Roßmann, der Wirtschaftswoche. Die Kaffeekette Starbucks hat dagegen angekündigt, in den deutschen Filialen die Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weiterzugeben – das Unternehmen will stattdessen wie vereinbart die Löhne schrittweise erhöhen und hat durch die Steuersenkung jetzt mehr Handlungsspielraum, berichtet der Tagesspiegel.

Rabatt von rund 2,5 Prozent

Wie das Statistische Bundesamt (destatis) mitteilt, dürfte die Mehrwertsteuersenkung einen geschätzten Rückgang der Verbraucherpreise um rein rechnerisch 1,6 Prozent bewirken. Auch die die Ersparnis durch die Steuersenkung fällt geringer aus, als man auf den ersten Blick denkt. Der Mehrwertsteuersatz fällt zwar von 19 auf 16 Prozent, mathematisch entspricht das aber nur einem Rabatt von rund 2,5 Prozent. Wer zum Beispiel ein Fahrrad zum alten Preis von 1.000 Euro kauft, kann durch die Mehrwertsteuersenkung rund 25 Euro sparen. Auf Nummer sicher geht das Rabatt-Ausrechnen mit einem Online-Rechner, wie ihn beispielsweise das Magazin Focus anbietet.

Mehrwertsteuer runter, Konjunktur rauf?

Der Staat verzichtet durch die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer auf Einnahmen in Milliardenhöhe: Nach der Lohnsteuer ist die Mehrwertsteuer die Haupteinnahmequelle des Staates, mit der er seine Aufgaben finanziert. Man spricht deshalb von einer Gemeinschaftssteuer – die Einnahmen kommen Bund, Ländern und Gemeinden zugute. Dass der Staat jetzt auf diese wichtige Einnahmequelle verzichtet, hat – wie so vieles momentan – mit der Corona-Krise zu tun. Mehrwertsteuer runter, Konjunktur rauf, lautet die Hoffnung. Verbraucher und Unternehmen sollen dabei gleichermaßen profitieren. Das kostet: Die Bundesregierung plant eine zusätzliche Neuverschuldung in Höhe von 218,5 Milliarden Euro durch Mehrausgaben wie das Konjunkturpaket und Steuermindereinahmen.

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Mehrwert wird besteuert

Was ist die Mehrwertsteuer eigentlich? Das steckt schon im Wort drin: Mit ihr wird der Mehrwert besteuert, also nur der zusätzlich geschaffene Wert. Die Mehrwertsteuer kommt immer auf den Nettopreis drauf und ist eine indirekte Steuer, das heißt, sie wird vom Endverbraucher gezahlt. Übrigens: Es gibt keinen Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer. Im wirtschaftlichen Kontext (und im Steuerrecht) spricht man von Umsatzsteuer. Ob Fischbrötchen oder Fitnessstudio-Abo: Das Ausweisen der Steuer ist bei Festpreisen keine Pflicht. Kunden muss laut Preisangabeverordnung nur der Endpreis genannt werden – inklusive aller Steuern und Nebenkosten. Auf Rechnungen mussmüssen dagegen nach Paragraf 14 Umsatzsteuergesetz der Nettobetrag und die Höhe des Steuerbetrags aufgeschlüsselt sein, die Höhe des Steuersatzes muss ebenfalls angegeben werden. Eine Ausnahme sind Rechnungen, die nicht umsatzsteuerpflichtig sind – zum Beispiel, wenn die Kleinunternehmerregelung greift.

7, 16 oder 5?

„It’s complicated“ lautet auch nach der Mehrwertsteuersenkung der Status in Gastronomie und Hotellerie. Hier wird mit verschiedenen Zahlen jongliert. Der Mehrwertsteuersatz für das Essen im Restaurant sinkt auf von 19 auf 7 Prozent, nicht aber für das Trinken: Hier ist ein Rückgang auf 16 Prozent vorgesehen. Übernachtungen und Außerhauslieferungen werden mit 5 statt wie bisher mit 7 Prozent besteuert. Für Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (dehoga) ist die Mehrwertsteuersenkung ein wichtiger Teilerfolg. Die sieben Prozent Mehrwertsteuer könnten die zu erwartenden, nicht unerheblichen, Umsatzausfälle aufgrund der einzuhaltenden Abstandsregelungen und Schutzmaßnahmen aber nur ein wenig kompensieren, betont Zöllick. Dafür endet die temporäre Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie nicht bereits Ende dieses Jahres, sondern bleibt dort noch ein halbes Jahr länger erhalten. Dies gilt allerdings nur bei denfür die servierten Speisen, während Getränke dann wieder von 16 auf 19 Prozent klettern.

Versicherungssteuer bleibt

Beim Einkauf oder Essengehen begegnet uns die Mehrwertsteuer Tag für Tag. Doch was passiert bei Strom-, Handy- oder Versicherungsverträgen – steht da künftig auch weniger auf der Rechnung? Wer monatlich Versicherungsverträge abgebucht bekommt und sich schon auf eine satte Kostenersparnis freut, schaut in die Röhre: Die Versicherungssteuer wird nicht gesenkt.

Bei Handyverträgen und DSL sieht es anders aus. Anbieter wie Telekom, Vodafone oder Congstar wollen die Mehrwertsteuersenkung laut Finanztip.de komplett weitergeben. Allerdings kann das je nach Anbieter etwas dauern – einige Unternehmen sind mit dem großen IT-Aufwand überfordert, den die Steuerumstellung bedeutet. Wundere dich also nicht, wenn auf der nächsten Rechnung noch der alte Mehrwertsteuerbetrag steht und dafür ein Ausgleichsbetrag verbucht wird. Ein genauer Blick auf die Rechnung lohnt sich aber in jedem Fall. Rechnungen mit Verweis auf den reduzierten Mehrwertsteuersatz eigenmächtig zu kürzen ist nicht möglich. Neben Mahnkosten kann dies unangenehme Anwaltspost zur Folge haben.

Warten auf die Strom-Rechnung

Bei Strom, Gas und Fernwärme steht ebenfalls weniger auf der Rechnung – aber erst, wenn die jährliche Abrechnung im Postkasten liegt. Große Versorger wie Vattenfall, Innogy oder Eprimo passen die Abschläge nicht an, sondern weisen die niedrigere Mehrwertsteuer als Gutschrift aus. Die Ersparnis dürfte dabei überschaubar sein. Für eine vierköpfige Familie liegt sie zwischen 10 und 20 Euro, hat die Verbraucherzentrale NRW ausgerechnet.

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