Krypto: Diese Trends bestimmen das zweite Halbjahr 2022

06.07.22

Trotz Krypto-Flaute: Diese Technologie-Trends bestimmen das zweite Halbjahr 2022

Zwar steckt der Krypto-Bereich noch immer in einem Abwärtstrend, doch hinter den Kulissen wird weitergewerkelt. Denn ganz gleich ob Bären- oder Bullenmarkt: Der technologische Fortschritt und die Entwicklung von Innovationen bleiben nicht stehen. Insbesondere Ethereum steht im Fokus, denn noch dieses Jahr soll endlich der Wechsel von Proof of Work auf den effizienten Konsensmechanismus Proof of Stake erfolgen. Darüber hinaus werden nach dem Crash der Terra-Blockchain neue Wege für Stablecoins geprüft. Drei Technologie-Trends sollten Krypto-Nerds im Blick behalten.

Der Abwärtstrend am Krypto-Markt hält sich hartnäckig. Doch während Trader um ihre Token bangen, bleiben viele Blockchain-Entwicklerinnen und Entwickler gelassen. Denn egal ob sich Bitcoin nun im Bären- oder Bullenmodus befindet: Der technologische Fortschritt und die Entwicklung von Innovationen bleiben nicht stehen. Ganz im Gegenteil kann der neuerliche Crash sogar etwas Positives bezwecken, denn es kommt zu einer Neubewertung des Marktes. Befinden sich Kryptonauten im Höhenflug, steigt in der ganzen Euphorie häufig auch die Marktkapitalisierung vieler Projekte, die eigentlich aufgrund mangelnder Innovationen nur wenig Chancen bei Investorinnen und Investoren hätten. Jetzt ist die Situation anders. Trader schauen nun genau hin, welche Projekte lohnend sind und wo neue technologische Sprünge entstehen. Grund genug, sich drei der womöglich größten Technologie-Trends für das zweite Halbjahr anzuschauen.

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Ethereum geht auf’s Ganze: The Merge führt Proof of Stake ein

Die wohl wichtigste Neuerung dieses Jahres ist The Merge, die Verschmelzung der Beacon Chain mit der Ethereum Main Chain. Damit kommt das beliebte Ethereum-Netzwerk dem Abschluss seines Updates auf ETH 2.0 ein ganzes Stück näher. Nach dem Zusammenschluss sagt Ethereum den Minern „auf Wiedersehen“, denn dann wird der Konsensmechanismus Proof of Stake eingeführt. Konkret heißt das: Es werden im Netzwerk zukünftig nicht mehr Miner mit der stärksten Rechenleistung belohnt, stattdessen bestimmt ein Algorithmus nach Zufallsprinzip, wer als Validator Blöcke auf ihre Gültigkeit prüfen darf. Da der neue Konsensmechanismus keine Rechenleistung priorisiert, wird für die Validierung der Blockchain deutlich weniger Energie benötigt. Ethereum arbeitet dann effizienter, deutlich umweltfreundlicher und wird somit erstmals womöglich auch für ESG-Portfolios interessant

Das Update auf ETH 2.0 ist mit dem Wechsel auf den neuen Konsensmechanismus aber noch nicht abgeschlossen. Nach dem Sprung auf Proof of Stake konzentriert sich die Entwicklung auf eine verbesserte Skalierbarkeit der Blockchain. Dabei kommt das sogenannte Sharding zum Einsatz, Teile der Ethereum-Blockchain werden in viele kleine zusammenhängende Netzwerke gesplittet, die die Arbeitslast besser verteilen. Dadurch soll Ethereum deutlich mehr Transaktionen pro Sekunde (TPS) schaffen und mit der stetig wachsenden Konkurrenz mithalten können. Da ein nicht zu unterschätzender Teil der gesamten Krypto-Branche auf der Ethereum-Blockchain aufbaut – das Netzwerk dominiert nahezu den kompletten DeFi-Markt – dürfte The Merge die Anwendungen auf Ethereum-Basis für Nutzerinnen und Nutzer zukünftig deutlich attraktiver machen.

Erste Versuche mit dem Test-Netzwerk „Ropsten“ sind Anfang Juni erfolgreich verlaufen. Für die Ethereum-Community ist das ein großer Grund zur Freude. Doch gibt es auch einen Grund zur Vorsicht: Zwar soll das finale Update laut einem führenden Ethereum-Entwickler im August online gehen, doch wäre es nicht überraschend, wenn sich das Projekt noch etwas nach hinten verschiebt. Denn ursprünglich sollte The Merge bereits im Juni final erscheinen. Doch ob Verspätung oder nicht: Der Sommer dürfte ganz im Zeichen von Ethereum stehen.

Layer 2-Anwendungen profitieren von Ethereums Update

Ethereum wäre wahrscheinlich nicht so groß geworden, wenn es nicht die Hilfe anderer Protokolle gehabt hätte, die dem mittlerweile betagten Netzwerk unter die Arme greifen. Denn für sich genommen ist Ethereum mit rund 15 TPS und hohen Transaktionsgebühren kaum konkurrenzfähig. Unterstützung erhält das beliebte Netzwerk seit rund zwei Jahren durch sogenannte Layer 2-Anwendungen, die Ethereum nach oben skalieren und die Nutzung deutlich günstiger machen. So bieten Layer 2 Rollups wie Loopring (576 TPS) oder Arbitrum (148 TPS) eine deutlich höhere Geschwindigkeit als das native Ethereum-Netzwerk – und das in der Regel für einen Bruchteil der gewöhnlichen Kosten.

Rollups sind deshalb so effizient, weil Transaktionen von der Ethereum-Blockchain auf die Protokolle umgeleitet werden. Dort werden sie ausgeführt, gebündelt und als einzelne große Transaktionsdatei an Ethereums Mainnet zurückgesendet, wo sie wie gewohnt verifiziert werden. Die Beliebtheit der Layer 2-Applikationen lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Gab es Anfang 2021 noch kaum Anwendungen, umfassten die Protokolle ein Jahr später einen Gesamtwert von rund 7 Mrd. US-Dollar. Nach dem Crash am Krypto-Markt ist der Wert von Layer 2 Mitte Juni zwar auf knapp 4 Mrd. US-Dollar geschrumpft, doch dank stetiger technischer Optimierung dürften Layer 2-Anwendungen spätestens nach The Merge ein zentraler Baustein des Ethereum-Kosmos werden. Denn die Protokolle sollen mit dem Netzwerk zusammen skalieren. Wird Ethereum schneller, so werden Layer 2-Anwendungen es ebenfalls – eine Win-win-Situation für Nutzerinnen und Nutzer. 

Stablecoins ringen nach Terra-Crash um die Vorherrschaft

Der Absturz des Terra-Ökosystems führt zu einer Neubewertung eines grundlegenden Teils des Krypto-Sektors. Der Crash hat gezeigt: Stablecoins können auch alles andere als stabil sein. Mit seinem eigenen Dollar-Token namens UST hatte Terra eigentlich einen Stablecoin im Sinn, der sich durch ein vermeintlich ausgeklügeltes System aus Algorithmen und Marktmechanismen selbstreguliert. Durch eine mutmaßliche Attacke auf das Netzwerk – bei der Millionen an UST auf den Markt geworfen worden und den Dollar-Token stark unter Druck setzten – verlor UST jedoch innerhalb kürzester Zeit seine Stabilität Sollte ein UST eigentlich bis auf minimale Abweichungen genau 1 US-Dollar entsprechen, lag der Wert des „Stablecoins“ Anfang Juni bei nunmehr 3 Cent. Mit UST ist einer der wichtigsten Player für Stablecoins vom Markt gegangen, doch da die Konkurrenz nicht schläft, tüfteln Entwickler schon jetzt an der nächsten Generation der sogenannten Algo-Stablecoins – von Algorithmen regulierte Token.

Der bekannteste und am meisten genutzte Stablecoin, Tethers USDT, ist nach eigener Aussage durch Werteinlagen in Form von Cash, Anleihen und Edelmetallen gedeckt. Ähnlich sieht es bei Circles Stablecoin USDC aus, auch hier soll der Wert jedes virtuellen US-Dollars durch entsprechende Einlagen gedeckt sein. Algo-Stablecoins funktionieren hingegen anders: Ein Algorithmus erkennt Angebot und Nachfrage des Stable-Token und reguliert ihn entsprechend im Zusammenspiel mit anderen Kryptowährungen, sodass dadurch eine automatische Wertstabilität ohne jegliche Einlagen entstehen soll.

Terra hat zwar gezeigt, dass dieses System anfällig für Schwankungen ist, doch kommen nun andere Protokolle in den Fokus, die es besser machen wollen und die Lücke füllen: Tron (TRX) und der native Stablecoin USDD könnten – so wird spekuliert – den vakanten Platz von Luna und UST einnehmen. Konkurrenz macht hier wiederum der Anbieter Wave, der mit seinem Algo-Stablecoin USDN ebenfalls hoch hinauswill. Beide Token sind nach dem neuerlichen Crash Mitte Juni unter Druck gekommen – auch hier geriet die versprochene Stabilität der Dollar-Token ins Wanken. Das zeigt: Die neuen Algo-Anbieter müssen beweisen, dass sie aus dem Terra-Debakel gelernt haben und zuverlässige Produkte auf den Markt bringen. Denn die Krypto-Community ist zunehmend auf Stablecoins angewiesen und nach dem Terra-Crash dürfte die Suche nach neuen – und vor allem sicheren – Lösungen jetzt umso dringender werden. 

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