Jahresausblick: 2020 das Jahr für Kryptos?

Published on 14. January 2020
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Jahresausblick: Wird 2020 das Jahr für Kryptos?

Mal gehypt, dann verdammt: Weshalb nicht nur der Kurs von Bitcoin und Co. stark schwankt und warum 2020 ein Boomjahr für Kryptos werden könnte.

Zeitreise ins Jahr 2017. Ein paar Freunde treffen sich an einem Winterabend in einer Bar. Auf dem Höhepunkt des Bitcoin-Hypes raunt irgendjemand früher oder später: „Der XY hat schon vor Jahren Bitcoin gekauft und ist jetzt Millionär!“ Ehrfürchtiges Staunen und heimlicher Neid in der Runde. Gestartet im Jahr 2009 als praktischer Anwendungsfall der Blockchain, war ein Bitcoin-Coin anfangs nur 0,06 Dollar wert – Ende 2017 waren es zeitweise über 20.000 Dollar. Doch nicht nur die Gewinne können märchenhaft sein: Es gab (und gibt) drastische Verlustwellen. So ging der Bitcoin-Kurs im Juni 2019 auf der Krypto-Börse Kraken bei einem sogenannten Flash-Crash auf Achterbahnfahrt und lag kurzzeitig bei unter 100 kanadischen Dollar. Digitalwährungen wie Bitcoin sollte man nicht als Wertaufbewahrungsmittel ansehen, warnt etwa die Finanzaufsicht BaFin*. Anleger können das eingesetzte Geld komplett verlieren.

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* "Ökonomisch betrachtet dient eine Währung allerdings als Zahlungsmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Rechnungseinheit. Diese Eigenschaften hängen unmittelbar miteinander zusammen. Keine dieser ökonomischen Eigenschaften wird regelmäßig in ausreichendem Maße von Kryptotoken wie Bitcoin erfüllt.“ Quelle

Jede Menge Krypto-Fonds

Während Bitcoin als Alltagsgeld bisher kaum eingesetzt wird, sind digitale Währungen für viele spannende Spekulationsobjekte: Anfang Dezember 2019 lag die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen – also die Anzahl der Coins multipliziert mit dem aktuellen Wert – bei rund 202,4 Milliarden US-Dollar. In nur einer Woche war ein Wertzuwachs von 20,2 Milliarden Dollar erfolgt. Nicht nur bei privaten Anlegern, auch in der Finanzindustrie stoßen Kryptowährungen auf großes Interesse. So hat die Zahl der Fonds seit 2013, als der erste Bitcoin-Fonds aufgelegt wurde, rasant zugenommen: Inzwischen gibt es über 700 Krypto-Fonds, davon wurden allein 2018 100 neu aufgelegt. „Mit dem zunehmenden Interesse an Krypto-Assets ist auch das Angebot von Derivaten, die auf Krypto-Assets als Basiswert referenzieren, gestiegen“, konstatiert die BaFin in einer Marktbefragung. Krypto-Derivate, zum Beispiel CFDs, Futures oder Zertifikate, machen inzwischen einen Großteil des Handelsvolumens von Kryptowährungen aus.

2.000 Kryptowährungen gelistet

Aktuell gibt es über 5.000 Coins und Token. Jede dieser Digitalwährungen konzentriert sich dabei auf eine bestimmte Art von Anwendung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Rund 2.000 Kryptowährungen sind laut coinmarketcap.com aktuell an einer Börse gelistet. Ihre Zahl schwankt, da einige davon – der australische Bitcoin-Experte Marius Kramer spricht von rund 500 – „keinen wirklichen Zweck haben, die Entwicklung gestoppt ist, es keine Partnerschaften gibt oder es sich bei ihnen schlichtweg um Betrug handelt.“ Von Hui zu Pfui: Zuletzt machten beispielsweise Gerüchte die Runde, der von Facebook angekündigten Kryptowährung Libra drohe noch vor dem Start das Aus, nachdem sich mehrere Partnerunternehmen von dem Projekt distanziert hatten.

Bitcoin: Urgestein und weiter Platzhirsch

Doch wie findet man Krypto-Währungen, in die es sich lohnt, zu investieren? Und welche davon ist die ideale „Stable Coin“, also eine globale Kryptowährung mit stabilen Preisen? Erste Orientierung bietet der Blick auf den Börsenwert. An der Spitze liegt aktuell Bitcoin, die „Mutter aller Kryptowährungen“. Mit zuletzt rund 129 Milliarden US-Dollar hat Bitcoin die höchste Marktkapitalisierungsrate. Doch der Vorteil der Bitcoins – durch eine Mengenbeschränkung auf 21 Millionen Coins sind sie vor Inflation geschützt – könnte zum Nachteil werden: Im Dezember 2010 existierten bereits 18,1 Millionen Bitcoins. Gleichzeitig war der Bitcoin-Kurs bisher berüchtigt volatil. Trotzdem zeichnet eine vom Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg veröffentlichte Studie für 2020 ein positives Bild. Dazu gehört, dass die wichtigste Kryptowährung laut Bloomberg bald wieder die 10.000 Dollar-Marke reißen könnte und einen ähnlichen Pfad wie das Edelmetall Gold einschlagen dürfte.

Ethereum: ewige Nummer zwei?

Auf Rang zwei der aktuellen Top-100-Liste der Kryptowährungen nach Börsenwert liegt (mit weitem Abstand zu Bitcoin) Ethereum. Die zugehörige Währung heißt Ether (ETH). Vorteil von Ethereum: Es handelt sich um eine Open-Source-Plattform, während Bitcoin eine reine Kryptowährung ist. Entwickler können diese offene Plattform nutzen, um beispielsweise neue Smart Contracts zu schreiben und Rechenoperationen innerhalb dieser Smart Contracts durchzuführen.

Krypto-Firmen vor Gericht

Auf dem dritten und vierten Platz folgen XPR und Tether: Die von Ripple entwickelte Kryptowährung ist am stärksten dezentralisiert und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Der Kurs von XPR soll laut CEO Brad Garlinghouse langfristig von den starken Partnerschaften von Ripple – aktuell sind es mehr als 300 – profitieren. Um die viertplatzierte Krypto-Währung gibt es aktuell einigen Wirbel: Stable Coin-Herausgeber Tether und die Bitcoin-Börse Bitfinex, die beide dem Mutterkonzern iFinex unterstehen, müssen sich vor dem New Yorker Supreme Court verantworten. Der Vorwurf: Bitfinex soll rechtswidrig 850 Millionen US-Dollar aus den Reserven von Tether entnommen haben, um die eigene Zahlungsfähigkeit zu sichern. Außerdem gibt es die Vermutung, dass Tether nicht über die nötigen finanziellen Reserven verfügt, um die Deckung des eigenen Stable Coin an den US-Dollar zu gewährleisten.

Lieblingswährung des IoT

Obwohl in Sachen Marktkapitalisierung (noch) nicht auf den vorderen Plätzen, haben nach Meinung von Experten weitere Kryptowährungen das Potenzial, Bitcoin den Rang abzulaufen. Deren Technologie sei Bitcoin dank Eigenschaften wie Sofort-Transaktionen, Null-Gebühren und Mini-Energieverbrauch weit überlegen. Dazu zählen Digitalwährungen wie IOTA und IOTEX, die sich mit dem Internet der Dinge, abgekürzt IoT auseinandersetzen. Nach Schätzungen sollen bereits 2020 die Hälfte aller neuen Unternehmen mit IoT betrieben werden. „Kryptowährungen bieten viele Chancen, etwa im Internet of Things“, sagt denn auch Patrick Hansen, Bereichsleiter Blockchain beim IT-Branchenverband Bitkom.

2020: Boomjahr für Kryptos?

Die Nutzung von Bitcoin und anderen Kryptos dürfte sich dabei weiter verändern – unter anderem durch eine strengere Überwachung: Ab Januar 2020 müssen Unternehmen mit Sitz in Europa die neuen Anti-Geldwäsche-Vorschriften anwenden. Und dann sind da noch die Ambitionen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Sachen Digitalwährung: Deren neue Chefin Christine Lagarde hatte sich am Rande ihrer ersten Zinssitzung für einen digitalen Währungsansatz ausgesprochen: Lagarde will, dass die EZB „der Kurve voraus“ ist – und zwar durch Entwicklung eines Stable Coins*. Zudem hat die schwedische Notenbank für 2020 einen ersten Testlauf mit der digitalen „E-Krona“ in Aussicht gestellt. Auch in China laufen die Vorbereitungen für eine staatliche Digitalwährung auf Hochtouren. Der „digitale Yuan“ könnte ebenfalls bereits im Laufe des Jahres ausgegeben werden. Dementsprechend sagt die Deutsche Bank für 2020 ein Boomjahr für Kryptos voraus. Dem Bericht der Bank zufolge könnten von Staaten herausgegebene Kryptowährungen das Fiat-Geld bis zum Jahr 2030 ersetzen.

 * "Lagarde: My personal conviction on the issue of stable coins is that we better be ahead of the curve. There is clearly demand out there that we have to respond to." — European Central Bank (@ecb) December 12, 2019

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