ETF : Investment der Wahl?

Published on 23. August 2019
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ETF : Investment der Wahl?

Gib mir ein E, ein T, ein F! Das sind die drei Buchstaben, an denen Anleger in Zeiten von Niedrigzinsen kaum vorbeikommen. Was Exchange Traded Funds (ETF) im Portfolio bewirken und welche Risiken es gibt, erfährst du hier.

Dax, Euro Stoxx 50, Hang Seng, MSCI World: Das Angebot an Indizes ist mittlerweile groß. Ein Index funktioniert dabei wie ein Börsenbarometer, das anzeigt, ob sich ein Markt nach oben oder unten bewegt. Jedes Land besitzt eine Vielzahl eigener Indizes, von denen sich meist ein Index als Leitindex durchsetzt – in den USA ist das der Dow Jones. Weltweit gibt es laut einer Studie von Index Industry Association (IIA) 3,7 Millionen Aktienindizes. Für Anleger ist das gut und schlecht zugleich. Die gute Nachricht: Die Indizes bilden die Grundlage für ein einfaches und kostengünstiges Finanzprodukt: die sogenannten Exchange Traded Funds (ETF). Durch die Zusammensetzung des Index‘, den der ETF abbildet, ergibt sich automatisch die Zusammensetzung für den ETF. Im Dax sind zum Beispiel die größten deutschen Unternehmen verschiedener Branchen gelistet. Im MSCI World die wichtigsten Unternehmen aus aller Welt.

Zu großes Angebot?

Der Nachteil: Als Anleger hast du bei ETF die Qual der Wahl – das Angebot ist riesig. Rund 1400 ETF sind allein in Deutschland an der Börse notiert, weltweit sind es über 5.000. Einige davon sind risikoreicher als andere. Früher waren ETF fast nur Profis bekannt, mittlerweile investieren auch viele Privatanleger ihr Geld in die bequemen und günstigen Fonds. 2018 lag das weltweit verwaltete ETF-Vermögen laut statista.com bei rund 4.685 Milliarden US-Dollar.

Bewährtes Mischdepot

Es ist die goldene Regel für jedes Investment: Um Verlustrisiken zu begrenzen und gleichzeitig Ertragschancen zu wahren, müssen die Mittel auf verschiedene Anlagen verteilt werden. „Don’t put all eggs in one basket“, lautet die Börsianer-Weisheit dazu. Mit ETF geht das einfach: Anleger können ihr Geld über Länder und Branchen breit streuen (oder auch in Nischen investieren). „Wer nicht selbst einzelne Aktien auswählen und beobachten will, sollte auf Fonds setzen. Zum Beispiel bilden börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) einen zugrunde liegenden Index möglichst genau nach. Fonds sind für kleinere Anlagebeträge besser geeignet als Einzelaktien“, rät der Bankenverband.

Flexible Geldanlage

Mit den börsengehandelten Fonds schneidest du genauso ab wie der Markt, in den du investierst. Daher spricht man in der Regel auch davon, dass ETF eine passive Anlagestrategie verfolgen. Dagegen können Fonds, bei denen ein Fondsmanager aktiv die Wertpapiere aussucht, besser oder schlechter als der Markt performen. Ein Vorteil von ETF ist weiterhin, dass es sich um eine flexible Form der Geldanlage handelt. Du kannst deine Fondsanteile börsentäglich kaufen und verkaufen. Noch ein Plus: Der Ausgabeaufschlag, der bei herkömmlichen Investmentfonds fällig wird, entfällt bei ETF.

ETF-Sparplan fürs Traumhaus

Ähnlich wie andere Wertpapiere werden auch ETF an der Börse gehandelt. Allerdings gibt der Anbieter eines ETF keine einzelnen Anteile heraus, sondern üblicherweise Blöcke von Anteilen. Wenn du ETF kaufen willst, musst du bei deiner Bank die entsprechende Bestellung, im Finanzsprech „Order“ genannt, aufgeben. Die Performancedaten eines ETF müssen dabei nicht immer das Maß aller Dinge sein. Wichtig bei der Auswahl ist dagegen die Frage, ob du ein kurzfristiges, mittelfristiges oder längerfristiges Investment planst. Dementsprechend gibt es DIE beste ETF-Empfehlung nicht, da jeder Anleger mit seinem Portfolio eine andere Strategie verfolgt.



Wer langfristig Vermögen aufbauen will – zum Beispiel für den Immobilienkauf oder als Altersvorsorge – kann einen ETF-Sparplan einrichten. Dieser unterscheidet sich im Prinzip nicht von einem Banksparplan: Du kaufst damit regelmäßig ETF-Anteile und partizipierst so an der Entwicklung eines Börsenindex. Hinweis: Um ETF zu kaufen oder einen ETF-Sparplan einzurichten, brauchst du ein Wertpapierdepot.

Mehrere Anbieter bei großen Indizes

Ganz ohne Kosten gibt es den „Königsweg des Fondssparens“, wie die Stiftung Warentest das ETF-Sparen nennt, allerdings nicht: Grundsätzlich sind ETFs zwar weit günstiger als aktiv gemanagte Produkte. „Doch auch hier gibt es durchaus Unterschiede“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Spanne liegt bei 0,1 bis 0,5 Prozent. Das ist zwar nicht viel, macht über längere Zeiträume aber einen Unterschied. Ob IShares, Xtrackers oder Lyxor: Bei welchem Anbieter der ETF am Ende gekauft wird, ist aus Sicht von Kurz egal. „Für die großen Indizes gibt es mehrere Anbieter.“

Achtung Steuer: Seit der Reform des Investmentsteuergesetzes am 1. Januar 2018 gibt es eine Formel, nach der sich jedes Jahr eine pauschale Wertsteigerung (die sogenannte Vorabpauschale) des Fonds berechnet. Auf diese Pauschale müssen Anleger dann Abgeltungssteuer zahlen. Die Steuer führt die Bank direkt an den Fiskus ab.

Vorsicht bei Swap ETF

Aber wie steht es um die Sicherheit? Klar ist: Komplett risikolos ist die Investition in ETF nicht. Das bedeutendste Risiko stellen die an den Börsen üblichen Kursschwankungen dar. Die Stiftung Wartentest rät, auf eine breite Streuung des ETF zu achten: „Für den Weltaktienmarkt ist so ein Index zum Beispiel der MSCI World. ETF auf ausgefallene Indexkonstruktionen können höhere Risiken bergen.“

Lieber ohne Wertpapierleihe?

ETF verleihen die Wertpapiere aus dem Fondsvermögen außerdem häufig. Dafür bekommen sie eine Vergütung, die üblicherweise dazu beiträgt, die Rendite zu erhöhen. Diese Leihgeschäfte werden meist abgesichert: Der größte Teil aller am Markt gehandelten ETF ist UCITS-konform (Das ist eine EU-Regelung, die definiert, in welche Vermögensgegenstände und Finanzinstrumente eine Fondsgesellschaft investieren darf.) Wer besonders vorsichtig sein will, kann ETF ohne Wertpapierleihe kaufen. Und sollte von jenen ETF, die Aktien der im Index vertretenen Unternehmen nicht tatsächlich kaufen, sondern Gegengeschäfte mit Banken eingehen (sogenannte Swap-Geschäfte), die Finger lassen.

Für Börsennovizen wie Investmentprofis gleichermaßen wichtig beim Kauf von ETF: Immer vorher mit der eigenen Risikobereitschaft auseinandersetzen und auf die Möglichkeit von Anlageverlusten eingestellt sein, rät der Bankenverband.