Mehr Geld und Freiheit - Ein Interview mit Helma Sick

Published on 25. January 2019
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Mehr Geld und Freiheit – Ein Interview mit Helma Sick

Helma Sick berät mit ihrem Unternehmen „frau & geld“ seit 30 Jahren Frauen (und Männer) in Finanzfragen. Die 78-jährige Münchnerin ist außerdem seit über 20 Jahren Finanzkolumnistin bei der Frauenzeitschrift „Brigitte“. Sie hält Vorträge zum Thema Frauen und Finanzen und hat ein Buch mit dem sprechenden Titel „Männer sind keine Altersvorsorge“ geschrieben. Ein Gespräch über finanzielle Unabhängigkeit, Altersvorsorge und natürlich Frauen und Männer.

Heute liegen Frauen und Männer in vielen Bereichen gleichauf. Wie sieht’s beim Geld aus – gibt es da noch Unterschiede?

Einiges hat sich zwar im Laufe der Zeit geändert, aber es gibt schon immer noch Unterschiede. Es ist zum Beispiel so, dass Männer sehr viel früher anfangen zu sparen. Viele schließen schon mit Anfang 20 einen Sparplan ab und kümmern sich um ihre Altersvorsorge. Die haben von klein auf gelernt: ‚Investiere in deine finanzielle Unabhängigkeit, sonst tut es keiner.‘ Die meisten Frauen kommen nach wie vor erst mit Anfang, Mitte 30 auf die Idee, sich ernsthafter um ihre Finanzen zu kümmern. Das heißt, sie verschenken wertvolle Jahre, in denen sie Geld sparen und für sich arbeiten lassen könnten.

 

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Sie bieten seit 30 Jahren Finanzberatung speziell für Frauen an. Gibt es auch einen Generationenunterschied im Umgang mit Geld?

Es studieren ja heute viele Frauen oder haben eine andere gute Ausbildung. Sie verdienen ihr eigenes Geld und wollen natürlich auch, dass ihr Geld ihnen was bringt. Wir haben bei ‚frau & geld‘ Kundinnen von Anfang 20 bis 80. Manche unserer jüngeren Kundinnen haben tatsächlich schon die Altersvorsorge im Kopf, aber meist geht es darum, sich selbstständig zu machen oder eine Immobilie zu kaufen und dafür Geld anzulegen.

Studien zeigen, dass Frauen bei der Geldanlage immer noch vorsichtiger und weniger risikobereit sind als Männer. Deckt sich das mit Ihrer Erfahrung?

Das stimmt schon. Frauen geraten zum Beispiel rasch in Panik, wenn die Börsen stark schwanken und das angelegte Geld vorübergehend an Wert verliert. Männer bleiben da meist cooler. Aber das liegt auch daran, dass Frauen einfach weniger Erfahrung im Umgang mit Geld haben. Bis in die 1970er Jahre hinein hatten sie nur wenig eigenes Geld zur Verfügung, etwa über einen Zuverdienst. Und bis 1977 konnten Männer in der Bundesrepublik sogar den Job ihrer Frau kündigen, wenn sie mit der Haushaltsführung nicht einverstanden waren. Das ist zum Glück Geschichte.

Kommen Sie mit Ihrer Mission „finanzielle Unabhängigkeit für Frauen“ also langsam auf die Zielgerade?

Noch lange nicht! Ich rede mir weiter in meinen Vorträgen den Mund fusselig (lacht). Jetzt mal im Ernst: Neulich hat mich eine Professorin zu sich an die Uni eingeladen, weil ihr Studentinnen gesagt haben: `Wenn ich nach dem Abschluss keinen Job finde, heirate ich eben einen reichen Mann.‘ Da stehen mir die Haare zu Berge!

Wie gelingt denn die finanzielle Emanzipation?

Frauen brauchen einen eigenen Beruf und müssen ihr eigenes Geld verdienen, um unabhängig zu sein. Sie können sich nicht in der Absicherung auf eine Partnerschaft verlassen: In Deutschland geht heute fast jede dritte Ehe in die Brüche! Für mich gehört es zur Würde eines Menschen, nicht abhängig vom Fortbestand einer Beziehung zu sein, sondern sich selbst finanzieren zu können. Davon geht ja auch der Gesetzgeber aus – zum Beispiel mit dem 2016 reformierten Unterhaltsrecht, wo es heißt: ‚Jeder der Partner ist für sich wirtschaftlich verantwortlich.‘

Dass beide Partner berufstätig sind, ändert sich häufig mit dem ersten Kind. Meist steigt die Frau für eine bestimmte Zeit aus dem Beruf aus ...

… und bei einer Trennung oder spätestens beim Renteneintritt kommt dann häufig das böse Erwachen. Bereits der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung im Jahr 2011 hat gezeigt, wie sich bestimmte Lebensentscheidungen eines Paares auf das spätere Leben auswirken. Die negativen Folgen wirtschaftlicher Art liegen immer bei den Frauen. Ich will niemandem verbieten, der Kinder wegen zu Hause zu bleiben. Aber ich fordere die Frauen auf, sich die Konsequenzen klarzumachen.

Sie sprechen vom Schreckgespenst Altersarmut.

Ja, das ist ein Risiko, das Frauen häufig ausblenden.

Wie lässt sich da gegensteuern?

Vor der Lebensentscheidung, als Mutter mehrere Jahre zu Hause zu bleiben, sollten sich Frauen unbedingt ihre individuelle Rentenlücke ausrechnen lassen. Das geht bei der Deutschen Rentenversicherung oder einem freien Rentenberater. Und dann gilt es, im Gespräch mit dem Partner gemeinsam eine finanzielle Lösung zu finden – die man am besten auch vertraglich regelt.

Nach dem Wiedereinstieg in den Beruf arbeiten Frauen häufig Teilzeit. Was halten sie davon?

Von dauerhafter Teilzeit rate ich ab. Das ist auch eine Armutsfalle. Zudem begeben sich Frauen damit in finanzielle Abhängigkeit vom besserverdienenden Partner. Ich halte in diesem Zusammenhang das Familienarbeitszeit-Modell, das die frühere Familienministerin Manuela Schwesig angeregt hat, für eine sehr gute Lösung: Beide Elternteile arbeiten für eine bestimmte Zeit in Teilzeit und der Staat zahlt währenddessen einen Lohnausgleich – dann läge der finanzielle Nachteil nicht allein bei den Frauen.

Also ist auch die Politik gefordert?

Meiner Meinung nach gehören kontraproduktive Dinge wie die beitragsfreie Krankenversicherung und das Ehegattensplitting, wenn die Frau nicht arbeitet, abgeschafft. Das stützt das überholte Modell der Versorgerehe. Deutschland hinkt da hinterher: In anderen Ländern ist das Ehegattensplitting längst abgeschafft. Hinzu kommt, dass Frauen viel häufiger in schlecht bezahlten Berufen arbeiten als Männer. Typische Frauenberufe wie Altenpflegerin oder Kindergärtnerin müssen unbedingt aufgewertet und besser bezahlt werden. Es kann nicht sein, dass die Arbeit mit Menschen schlechter bezahlt wird als die Arbeit mit Maschinen!

Wann sollte „frau“ anfangen, fürs Alter vorzusorgen?

Am besten so früh wie möglich. Ganz junge Leute sehen da natürlich nicht so viel Sinn drin. Aber wie bereits gesagt: Männer tun das. Und wer früh anfängt, kann schon mit 25 Euro monatlich, die in einen guten Fonds eingezahlt werden, viel erreichen. Wenn ich sehe, wie voll hier in München die Nagelstudios sind, denke ich jedes Mal: `Mädels, investiert lieber in eine vernünftige Geldanlage als in künstliche Nägel.‘

 

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Zum Weiterlesen:

-        „Ein Mann ist keine Altersvorsorge – Warum finanzielle Unabhängigkeit so wichtig ist“, von Helma Sick und Renate Schmidt, akt. Auflage, Kösel-Verlag, ab März 2019 auch als Taschenbuch erhältlich.

-        „Aufgeben kam nie in Frage. Warum ich dafür kämpfe, dass Frauen ihr eigenes Geld haben. Der Lebensbericht der Brigitte-Finanzexpertin“, von Helma Sick, Kösel Verlag, Oktober 2018


Helma Sick  ©Quirin Leppert