Sammel dich reich! Sammelobjekte als Geldanlage.

Published on 21. November 2018
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Sammel dich reich!

Mit Turnschuhen oder Taschen eine höhere Rendite erzielen als mit herkömmlichen Geldanlagen? Das funktioniert, braucht aber Gespür und gute Nerven. Warum Sammelobjekte mit Potenzial jedes Aktienportfolio alt aussehen lassen und was Liebhaber und Spekulanten bei ungewöhnlichen Sachwerten beachten müssen.

Null, null und wieder null. Seit März 2016 liegt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen und eine zuletzt steigende Inflation machen das Sparen zur „Mission impossible“. Ein Ausweg, der boomt, ist der alternative Anlagemarkt. Besonders um Kryptowährungen gab (und gibt) es einen Hype. Bei dem alternativen Geld kann sowohl in die Währung selbst, als auch in die Geldschöpfung, das sogenannte Mining, investiert werden.

Wer es klassischer mag, setzt auf Sachwerte. Gold und Silber gelten durch ihre hohe Wertbeständigkeit als sicheres Investment. Die Deutschen lieben ihr Gold: Laut einer Umfrage des World Gold Council gab es in Deutschland 2016 mit 1,3 Gramm pro Kopf die weltweit höchste Nachfrage nach Anlagegold.

Teure Geldanlage: Immobilien und Luxusgüter

„Betongold“, also Immobilien, erfreut sich ebenfalls ungebrochener Beliebtheit. Die Lage und der Zustand der Immobilie sind dabei entscheidende Faktoren für eine Wertsteigerung. Laut Immobilienpreisindex des Statistischen Bundesamtes sind die Immobilien-Preise seit 2010 immer weiter gestiegen. Doch mit dem Preisanstieg wächst auch die Summe, die man für ein Immobilieninvestment aufbringen muss – für viele bleibt der Traum vom Eigenheim deshalb unerschwinglich. Die Bereitschaft zum Sparen aufs Eigenheim ist dementsprechend momentan auf dem Tiefpunkt, so eine Studie der privaten Bausparkassen.

Übrigens: Wie Gold oder Immobilien sind auch Aktien Sachwerte und damit gut geeignet, niedrigen Zinsen und einer hohen Inflationsrate die kalte Schulter zu zeigen.

Wer seinen Anlagehorizont erweitern will – und das nötige Kleingeld hat – kann auch in Kunst (ein echter Picasso auf dem Gäste-WC hat schon was …) oder in Luxusgüter wie Uhren, Oldtimer oder edle Tropfen investieren. Wichtig dabei: Ein Chevrolet Camaro oder ein Steiff-Teddy der Titanic-Sonderedition kann ein lukratives Investment sein, muss es aber nicht. Laut Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sollte man nicht davon ausgehen, in diesen Bereichen sichere Renditen zu erzielen: „Tatsächlich sind solche Anlagen eher etwas für Liebhaber und Spekulanten.“

Passionierte Sammler und ihre Geldanlagen

Diejenigen, die sich entscheiden, ihr Hobby zur Geldanlage-Möglichkeit zu erweitern, haben einen großen Vorteil: Sie besitzen naturgemäß ein Gespür für besondere Stücke und sind Kenner der Materie. Außerdem bleiben passionierte Sammler gefühlt immer im Plus: Wenn die Wertentwicklung enttäuscht, dann bleibt der Spaß an der Sache.

Drei Beispiele für Sammelobjekte mit Potenzial:

Sneaker: Geliebt, gesammelt, gehypt

Millenials tragen Sneaker im Retro-Look, rüstige Silver-Surfer schwören auf das wolkenweiche Laufgefühl. An den Füßen von Anzugträgern kann man Turnschuhe ebenso entdecken wie im Museum: 2015 eröffnete in Köln das erste Sneaker-Museum Deutschlands. Aus Turnschuhen wurden Sneaker wurden Kultobjekte. Basketball-Legende Michael Jordan und Hollywoodstar Michael J. Fox machten es einst vor und Millionen Menschen seitdem nach. Hartgesottene Fans campen nächtelang vor Sneaker-Läden, um limitierte Sondereditionen wie die Yeezy-Boost-Reihe von Adidas, die in Kooperation mit dem Rapper Kanye West entstand, zu ergattern – und diese später teuer zu verkaufen.

Wer hat den seltenen BVG-Sneaker mit eingebauter Jahresfahrkarte und ist bereit, ihn zu verkaufen? Wieviel Geld bringt meine Turnschuh-Sammlung aus den 1990ern, die ich in Kartons bis unter die Decke gestapelt habe? Fragen wie diese waren früher aufwendig zu klären; die sogenannten Transaktionskosten waren damit hoch. Den Weg zum begehrten Sammel- und Handelsobjekt „Turnschuh“ ebneten die digitalen Medien: Sneaker lassen sich heute mit wenig Aufwand weltweit kaufen und verkaufen. Fürs Sammeln gilt: Das Ebay-Phänomen machte aus Marotten Märkte.

Der Preis ist heiß. Mit angesagten Modellen können „Sneakerheads“, wie sich die Sammler nennen, Renditen im zwei- bis dreistelligen Bereich erzielen. Während man bei Wein, Oldtimern oder auch Kunstwerken einen langen Atem bis zur Wertsteigerung braucht, müssen Sneaker-Fans mit Gewinnerzielungsabsicht schnell sein: Der Markt ist sehr volatil, da von ständig wechselnden Moden abhängig. Während 2017 Nike-Modelle besonders angesagt waren, mischte Adidas 2018 mit einem hyperlokalen Produktionskonzept und dem „Futurecraft 4D“ den Markt auf: Der Schuh aus dem 3D-Drucker markiert nach Meinung von Sneaker-Experten einen echten Technologiesprung.

Comics: Mit Groschenheftchen zum Millionär

Vor dem „Binge-Watching“ von Serien gab’s schon „Binge-Reading“: Comics wurden in Windeseile durchgelesen und dann getauscht oder weggeworfen. Schnell musste neues Lesefutter her. Wer die bunten Heftchen sorgfältig aufbewahrt hat oder sogar ungelesene Exemplare besitzt, darf sich auf die Schulter klopfen: Längst werden Comics zu Höchstpreisen gehandelt. Das amerikanische Auktionshaus Heritage versteigerte 2010 ein Batman-Comic aus dem Jahr 1939 (Batman Exemplar Nr. 27) für über eine Million Dollar. Als es gedruckt wurde, kostete das Comic-Heft gerade mal 10 Cent!

Aber wie und mit welchen Comics lassen sich Traumrenditen erzielen?

  • Der Zustand zählt: Je besser erhalten, desto höher der Preis. (Die Abstufung reicht von „mint“, also wie unbenutzt, bis „poor“, das bedeutet in schlechtem Zustand).
  • Kleine Nummer, großer Wert: Je niedriger die Nummerierung, desto wertvoller das Exemplar.
  • Think global: Besonders in den USA werden Comics als Kunstform angesehen und erzielen astronomische Summen.
  • Klick dich reich: Die witzigen Wertanlagen lassen sich am besten über eine der Top-3-Seiten Ebay.com, Comic Connect oder Heritage Auctions kaufen oder verkaufen.
  • Mein Haus, mein Auto, meine Comics: Die meist auf stark holzhaltigem Gilbpapier gedruckten Heftchen müssen geschützt gelagert werden, wenn sie als Wertanlage taugen sollen. Wer es ernst meint, lässt mit dem sogenannten „Slabbing“ seine Wert-Papiere dauerhaft in eine Hartplastik-Hülle versiegeln.

 

Handtaschen: Tragbare Geldanlage

Du willst etwas das wertbeständiger ist als Gold oder Aktien? Dann kauf‘ eine Tasche. Aber bitte nicht irgendeine, sondern eine Birkin-Bag. Der reale Wert der Handtasche aus dem Hause Hermès, die nach der Schauspielerin Jane Birkin benannt ist, hat seit ihrer Markteinführung im Jahr 1981 niemals abgenommen. Die Rendite für die Birkin Bag liegt laut einer Studie des amerikanischen Online-Händlers „Baghunter“ bei 14 Prozent, währen Gold in den Jahren zwischen 1980 und 2015 sogar 1,5 Prozent verlor. Bei einer Auktion von Christie's wechselte 2017 ein Modell namens „Himalaya Niloticus“ den Besitzer für die Rekordsumme von umgerechnet 244.000 Euro. Stars wie Jennifer Lopez, Victoria Beckham und Kim Kardashian lieben die geräumige Tasche, obwohl kein sichtbares Logo oder ein Name auf dem Leder prangt. Aber bevor du jetzt wildentschlossen den nächsten Hermès-Shop enterst: Das günstigste Modell kostet mittlerweile rund 5.000 Euro und die Wartezeit kann bei mehreren Jahren liegen.

Wer nach dem Motto „Ich shoppe nicht, ich investiere!“ unterwegs ist, sollte unbedingt auch ein anderes traditionsreiches Modehaus auf die persönliche „Watch-List“ setzen: Die Chanel-Handtasche mit dem Modellnamen „2.55“ ist laut den Handtaschen-Experten von Baghunter in den vergangenen sechs Jahren um 70 Prozent im Wert gestiegen – und dürfte in Zukunft weiter zulegen.

Fanny Moizant, Mitbegründerin des Vintage-Online Shops Vestiaire Collective rät Neulingen im Taschen-ReSale-Geschäft, auf Klassiker wie Chanels 2.55 zu setzen. Aber auch kleinere Labels, wie das französische Taschenlabel Goyard, sind laut Moizant hochinteressant – die Taschen des Pariser Traditionshauses weisen sogar eine Wertsteigerung von 80 Prozent auf, so die Fachfrau für Designermode in einem Interview mit der Zeitschrift Elle. Dem Problem, das von Luxusgütern gerne mal Fakes im Umlauf sind, begegnet Vestiaire Collective mit dem Versprechen, nur von Experten auf Echtheit geprüfte Artikel über die Plattform zu verkaufen. Fanny Moizants Tipp für Fashion-Investoren: „Wenn eine Tasche es schafft, 20 bis 30 Jahre im Trend zu bleiben, wird sie automatisch zur Ikone.“