Damit die Freundschaft nicht bei Geld aufhört

Published on 11. June 2020
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Damit die Freundschaft nicht bei Geld aufhört

Ein Privatdarlehen unter Freunden oder Familienmitgliedern kann für alle Beteiligten von Vorteil sein – oder zum Albtraum werden. Bevor du anderen Geld leihst, ist es eine gute Idee, sich über Regeln und Risiken zu informieren.

„Beim Geld hört die Freundschaft auf.“ Fast jeder kennt den Spruch. Trotzdem gibt es gute Gründe für ein Privatdarlehen, zum Beispiel wenn ein Freund unverschuldet in Not geraten ist. Auch ein Klassiker: Das Auto muss zur Reparatur und das Ersparte reicht nicht aus, um diese ungeplante Ausgabe zu wuppen. In diesem Fall kann es ebenfalls eine Option sein, sich bei Verwandten oder Freunden Geld zu leihen. Denn zu den Vorteilen des Privatdarlehens zählt, dass du damit schnell und einfach an Geld kommst: Es braucht dazu in der Regel keine Schufa-Auskunft, für die Rückzahlung ist ein flexibler Zeitraum möglich und es werden üblicherweise niedrigere (oder gar keine) Zinsen fällig. Dementsprechend finden es laut einer Umfrage des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov 52 Prozent der Deutschen normal, sich von Freunden oder Verwandten Geld zu leihen. Der Rest hat vielleicht die Nachteile eines Privatdarlehens im Hinterkopf: So kann der Darlehensgeber beispielsweise selbst in finanzielle Schieflage geraten und sein Geld kurzfristig zurückfordern. Oder der Schuldner kann das geliehene Geld nicht zurückzahlen.

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500 Euro ohne Bedingungen

Dass Geld leihen unter Freunden kein einfaches Thema ist, zeigt eine Umfrage der Postbank: Jeder zehnte Deutsche hat bereits die Erfahrung gemacht, dass am Geld eine Freundschaft zerbrochen ist. Bei Männern kommt das häufiger vor als unter Frauen: Mehr als doppelt so viele Männer (15 Prozent) wie Frauen (7 Prozent) geben an, dass wegen Geld eine Freundschaft in die Brüche gegangen ist. Das liegt auch daran, dass Männer bereitwilliger als Frauen Geld verleihen: 57 Prozent der Männer würden laut der Umfrage einem Freund ohne Wenn und Aber 500 Euro leihen, wenn’s finanziell klemmt. Unter den befragten Frauen wären nur 40 Prozent dazu bereit.

Handschlag genügt?

Beim gemeinsamen Restaurantbesuch ist der Freund knapp bei Kasse und du übernimmst für den Abend die Zeche – für die meisten ist das Ehrensache und der vorgestreckte Betrag meist überschaubar. Geht es allerdings um größere Summen, kann ein locker Dahingesagtes „klar zahle ich dir die 5.000 Euro bis Ende des Monats zurück“ riskant sein: Bei mündlich geschlossenen Verträgen gibt es keinen Nachweis über die festgelegten Konditionen des Darlehens. Wenn du trotzdem keinen schriftlichen Vertrag aufsetzen willst – zum Beispiel um kein Misstrauen in der Freundschaft zu säen – solltest du dich zumindest absichern, indem der Betrag überwiesen und nicht als Bargeld übergeben wird. Im Verwendungszweck sollte das Wort „Darlehen“ auftauchen, rät der Kölner Rechtsanwalt Markus Decker in der „Welt“.

Ein Vertrag unter Freunden

Um die Freundschaft (oder den familiären Frieden) nicht zu gefährden, braucht es beim Geldverleih klare Regeln – das gilt ganz besonders, wenn es um größere Geldsummen geht. Am besten fixierst du das Ganze schriftlich und setzt einen Vertrag auf. Einen solchen Mustervertrag für ein Privatdarlehen findest du online. Wichtig: Auch im Vertrag sollte das Wort „Darlehen“ stehen, alternativ ist auch „leihen“ oder „borgen“ möglich. So wird eindeutig klar, dass das Geld kein Geschenk war, sondern zurückgezahlt werden soll.

Vorteil eines schriftlichen Darlehensvertrags: Gibt es doch Zoff ums geliehene Geld – zum Beispiel, weil dein Freund bei den monatlich vereinbarten Rückzahlungsraten schlampt – hast du einen Nachweis über die Konditionen des Privatkredits. Außerdem stehen mit einem schriftlichen Vertrag vor Gericht die Chancen gut, eine Klage zu gewinnen.

Namen, Zahlen und Zinsen

In den Vertrag gehören außerdem die Namen und Adressen von Darlehensnehmer und -geber. Außerdem muss vermerkt sein, welcher Betrag als Privatdarlehen an den Freund oder die Freundin geht. Wer möchte, kann auch einen Zinssatz vereinbaren – oder sich mit dem Darlehensnehmer darauf einigen, dass für das geliehene Geld keine Zinsen fällig werden. Im ersten Fall, wenn du also für das geliehene Geld von deinem Freund Zinsen kassierst, musst du diese auch in der Einkommenssteuererklärung angeben. Der Zinsertrag ist als „Einkünfte aus Kapitalvermögen“ in die Anlage KAP der Steuererklärung einzutragen.

Ist das Geld fürs Privatdarlehen geflossen – ob bar oder als Überweisung – müssen beide Parteien den Vertrag unterschreiben. Das sorgt dafür, dass der Vertrag im Fall der Fälle die gewünschte Beweiswirkung hat.

Übrigens: Eine Widerrufsbelehrung musst du nicht in den Vertrag aufnehmen: Private Darlehen sind keine Verbraucherdarlehen im Sinne des § 491 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Auto als Sicherheit

„Gib mir mal ne Million!“ Wenn es um größere Summen geht, kann sich der Darlehensgeber auch Sicherheiten vom Darlehensnehmer übereignen lassen. Die sogenannte Sicherungsübereignung kann beispielsweise ein Auto sein. Diese muss unbedingt im Darlehensvertrag vermerkt werden, so Rechtsanwalt Decker in der „Welt“. Tipp vom Anwalt: Wer sich den Fahrzeugbrief übergeben lässt, ist auf der sicheren Seite – dann kann der Darlehensnehmer den Pkw nicht einfach verkaufen, sollte das Geld erneut knapp werden. Ebenfalls als Sicherheit möglich: eine Sicherungsabtretung. Das kann laut Finanztip.de zum Beispiel eine Gehaltsforderung sein, wenn der Darlehensnehmer Arbeitnehmer ist. Bei großen Summen ist außerdem ein Schuldanerkenntnis eine sinnvolle Sache – dafür am besten zum Notar gehen.

Achtung, Steuerfalle!

Du hast dein Geld zurück, die Freundschaft hat nicht gelitten, alles ist top gelaufen. Glückwunsch! Doch dann kommt Post vom Finanzamt – der Fiskus fordert Schenkungssteuer. Grund dafür: Wurde das Privat-Darlehen ganz ohne Zinsen oder nur mit Mini-Zinsen vergeben, kann das Finanzamt die entgangenen Zinseinnahmen als Schenkung deklarieren und Schenkungssteuer verlangen.

Doch welche Zinsen sind marktüblich? „Bei Privatdarlehen mit einem Zinssatz von bis zu drei Prozent gehen Finanzbehörden regelmäßig von einer Schenkung aus“, sagt Steuerexpertin Stephanie Thomas von der Mönchengladbacher Wirtschaftskanzlei WWS und ergänzt: „Auch wenn private Forderungen über einen längeren Zeitraum nicht beglichen werden, kann Schenkungssteuer anfallen.“ Wer das umgehen will, sollte sich vorher schlau machen und einen Blick in die entsprechende Tabelle werfen: Während Eltern ihren Kindern bis zu 400.000 Euro schenken können, ohne das Schenkungssteuer anfällt, sind es bei nicht verwandten Personen lediglich 20.000 Euro.

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