Konferenzen und Panels - Haben Frauen nichts zu sagen?

Published on 13. December 2018
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Konferenzen und Panels - Haben Frauen nichts zu sagen?

Diversity, Gender Pay Gap und Renten-Gap sind in aller Munde. Jetzt hat das Event Software Unternehmen Bizzabo Daten zum Thema aus ihrer Branche veröffentlicht: Auf Panels, Tagungen und Konferenzen sind weltweit rund 70% der Referenten männlich. In Deutschland sogar noch viel mehr.

Vielfalt in Unternehmen ist wichtig, aber nicht alle verstehen unter diesem Begriff das Gleiche. Für manche ist internationale Vielfältigkeit gemeint, andere denken an Altersgruppen, viele auch an sexuelle Orientierung. Und natürlich geht es immer wieder um die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft: Frauen haben es schwerer auf dem Arbeitsmarkt und leiden stärker unter Doppelbelastung, Frauen verdienen weniger als Männer und bekommen deshalb weniger Rente, Frauen schaffen es kaum in Führungspositionen. Und wie eine neue Studie beweist: Frauen präsentieren weniger auf der Bühne.

Wer spricht wo?

Bizzabo entwickelt und vertreibt Event Management Software, und das Unternehmen veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse ihres „Gender Diversity & Inclusion in Events“ Reports. Die Studie analysiert die Geschlechtervielfalt von über 60.000 Referenten über einen Zeitraum von fünf Jahren (2013 bis 2018), wobei sie 23 Länder umfasst und Tausende der weltweit größten professionellen Veranstaltungen mit einbezieht. Die Ergebnisse überraschen nicht wirklich: Auch im Bereich des Event Managements ist es bis zur geschlechtlichen Parität noch ein weiter Weg.

Eine eigene hochpräzise Gesichtserkennungstechnologie ermöglichte es Bizzabo, Geschlechterprofile zu kategorisieren und gleichzeitig die Identität der Sprecher anonym zu halten. Das neue Tool nutzt die Kraft der künstlichen Intelligenz, um Bilder von Veranstaltungssprechern genau zu profilieren und das Geschlecht zu identifizieren.

Fast 70% aller Event-Sprecher sind männlich

Laut dieser Analyse sind mehr als zwei Drittel (69 Prozent) aller Sprecher männlich, und demnach weniger als ein Drittel (31 Prozent) weiblich. Dabei gibt es im Ländervergleich einige überraschende Unterschiede: Die Liste der Staaten mit der größten Anzahl weiblicher Referenten führt Kenia an, mit 42 Prozent gegenüber 58 Prozent. Hinter Kenia liegen Mexiko (39 Prozent) und die USA (35 Prozent). Polen erreichte den letzten Platz, wo nur 10 Prozent der Sprecher weiblich waren. Belgien (13 Prozent) und Portugal (14 Prozent) runden die letzten drei Plätze ab.

Beim Vergleich der Vereinigten Staaten, Kanadas und des Vereinigten Königreichs konnten sich die USA mit 35 Prozent Referentinnen und 65 Prozent männlicher Sprecher durchsetzen. In Kanada waren 32 Prozent aller Sprecher weiblich und 68 Prozent männlich. Das Vereinigte Königreich war das am wenigsten ausgeglichene der drei Länder: Nur 25% der Sprecher waren weiblich und 75% männlich.

Deutschland macht keine gute Figur

Deutschland liegt mit 16% weiblichen und 84% männlichen Sprechern noch weit unter dem globalen Durchschnitt. Das belegen auch Zahlen der Initiative Speakerinnen.org, die sich für mehr weibliche Redner auf Podien einsetzt.

Kennengelernt haben sich die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen von Speakerinnen.org bei einem Workshop der Rails Girls Berlin. Als Lernprojekt programmierten sie die kostenlose Datenbank, die es Event-VeranstalterInnen sowie an einer Sprechertätigkeit interessierten Frauen ermöglicht, zueinander zu finden. Gemeinsames Ziel: ein ausgeglicheneres Gender-Verhältnis auf Konferenzbühnen. Mittlerweile sind mehr als 2.300 Frauen aus vielfältigen Kompetenzfeldern registriert, sodass die häufig von Event-Organisatoren angeführte Begründung „wir haben keine Frau fürs Podium gefunden“ nicht mehr gelten kann. 

© Screenshot speakerinnen.org

Übrigens hat auch die Gründerwelle in Deutschland nichts an den aktuellen Zahlen geändert. Laut einer Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau sind 88% der Start-up-Gründer männlich, und die sind es dann auch, die verstärkt auf dem Podium zu finden sind. So liegt das Ungleichgewicht auch daran, dass Frauen eben generell seltener in Führungspositionen zu finden sind. Allerdings werden in dieser Studie auch noch andere Gründe angeführt: Zum einen ist der Anteil der MINT-Studentinnen gering, und MINT-Abgänger sind besonders häufig an Start-up-Gründungen beteiligt. Zum anderen schreckt Frauen die Rolle als Vollzeitgründerin oft ab.   

Geschlechtervielfalt – nach Branche

Die Ergebnisse der Bizzabo-Studie sind auch branchenabhängig. Sie zeigt auf, dass bei Technologieevents besonders wenig Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern besteht: Bei Veranstaltungen, die sich auf das Internet konzentrierten, waren die Sprecher zu 79 Prozent männlich und zu 21 Prozent weiblich, während es zu 75 Prozent männliche und 25 Prozent weibliche Referenten für Computersoftware gab. IT-Referenten waren zu 80 Prozent männlich und zu 20 Prozent weiblich.

Dagegen ging es bei Events zu Bildungsthemen gleichberechtigter zu: 56 Prozent der Sprecher waren männlich und 44 Prozent weiblich.

Rednerinnen bei Fidor

Auch bei den Financial Services und im Banking-Bereich sieht es demnach nicht gut aus für die Frauen. Nicht so bei Fidor. Abgesehen von Gründer, Geschäftsführer und Sprecher des Vorstandes Matthias Kröner sind es gerade sehr oft Frauen, die regelmäßig für Fidor auf das Podium steigen. Nachfolgend stellen wir zwei von ihnen vor.

Sophie Guibaud, Managing Director Europe bei Fidor

 

Sophie begann ihre Karriere im Investment Banking in New York, bevor sie sich einem Wachstumskapitalfonds in Paris anschloss. Neben ihrem persönlichen Anlageportfolio fungiert Sophie als Mentorin für Startups, die eine Anleitung zur Entwicklung ihrer Entwicklungsstrategie benötigen. Ihr tiefes Engagement führte sie dazu, sich mehr und mehr mit den operativen Aktivitäten zu beschäftigen. Sophie trat dem Gründerteam von Hello Fresh bei, einem Unternehmen der deutschen Rocket Internet-Gruppe. Bei Bankable, einem Anbieter von Zahlungslösungen, leitete Sophie die Produktstrategie und -vermarktung. Im Jahr 2015 kam Sophie zu Fidor, um die britischen Geschäfte der Challenger Bank zu gründen. Sophies Rolle erweiterte sich weiter auf die europäische Region.

Sophies Themen bei Fidor:

  • Banking in Europa
  • Open Banking und PSD2
  • Customer Relations

Tracy Chang, Vice President und Leiterin Produktmanagement und Innovation bei Fidor

In ihrer strategischen Rolle ist Tracy für die Entwicklung innovativer Produkte und Funktionen für die Millionen von Verbrauchern verantwortlich, die ihre Finanzen über Banken verwalten, die auf der digitalen Bankplattform fidorOS basieren. Zu ihren jüngsten Erfolgen zählen zahlreiche innovative, hochkarätige Produkte in den Bereichen Lifestyle Banking, Dashboard, AI, Chatbot, Marktplatz und Zahlungsverkehr. Sie hat auch regulatorische Standards wie Open Banking, PSD2 und GDPR strategisch in neue Funktionen und Produkte umgesetzt, die den ROI direkt beeinflussen.

Bevor sie zu Fidor kam, war Tracy in Taiwan für verschiedene Banken wie Standard Chartered Bank, ANZ und CTBC Bank tätig.

Tracys Themen:

  • Open Banking
  • Marktplatz
  • Produktinnovation

 

Tracy Changs Podcast – Create Digital Banks with Tracy Chang

Weibliche Präsenz hat sich kaum verbessert

Schaut man sich die Ergebnisse der Bizzabo Studie an, dann hat sich die geschlechtsspezifische Vielfalt In den letzten drei Jahren verbessert, allerdings nur sehr geringfügig. Im Jahr 2016 waren 70 Prozent aller Sprecher männlich und 30 Prozent weiblich. 2017 stieg der Frauenanteil auf 33 Prozent und sank in diesem Jahr wieder auf 32 Prozent.

"Jede Veranstaltung profitiert von einer größeren Geschlechtervielfalt und einem ausgewogeneren Verhältnis zwischen den Rednern", sagte Alon Alroy , Mitbegründer und Chief Marketing Officer von Bizzabo. "Wir hoffen, durch die Veröffentlichung dieser Daten die mangelnde Repräsentation von Frauen aufzeigen zu können, die leider noch zu häufig ist."