Geld her! Frauen und Finanzen: Keine Angst vor Aktien

Published on 26. October 2018
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Geld her! frauen und finanzen: Keine angst vor aktien

Frauen fallen Investments oft schwerer als Männern – dabei können sie das Ersparte mit Köpfchen und etwas Mut in einen wahren Schatz verwandeln: Finanzielle Unabhängigkeit tut gut. Der erste Teil unserer Serie „Geld her! Frauen und Finanzen“ behandelt das Thema Investments in Aktien & Co.

Sex sells. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren es vor allem weibliche Reize, mit denen Frauen in der Finanzwelt präsent waren: Auf historischen Wertpapieren sind oft Darstellungen von leichtbekleideten Frauenfiguren zu entdecken. Immerhin: Nicht zart und lieblich, sondern stark und mutig prangen Gottheiten und Schutzheilige wie die fleißige Industria auf den Papieren – schließlich sollten sie den vor allem männlichen Investoren Vertrauen ins Unternehmen einflößen. Während Frauen im privaten Haushalt auch schon vor der industriellen Revolution häufig die Finanzen verwalteten und die Geschäfte ihrer Ehemänner oder Väter unterstützten, durften sie in der Regel nicht an der Börse aktiv sein und erst ab 1958 in der Bundesrepublik Deutschland ein eigenes Bankkonto eröffnen.

Inzwischen ist es zum Glück selbstverständlich, dass Frauen ihr eigenes Geld verdienen und verwalten. Doch in Sachen Geldanlage gibt es noch Nachholbedarf. Während 62 Prozent der Deutschen das weibliche Geschlecht beim Haushalten mit Geld klar vorn sehen, fällt die Einschätzung anders aus, wenn Detailkenntnisse zu Anlageprodukten wie Aktien, Fonds oder Lebensversicherungen gefragt sind: Nur 34 Prozent der Frauen geben an, darüber gut oder sogar sehr gut Bescheid zu wissen. Bei den männlichen Befragten sind es 52 Prozent, so eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RaboDirect.

Ihre Mission: Mehr Finanzbildung

Zwar gibt es seit vielen Jahren unabhängige Finanzberaterinnen, die sich darauf spezialisiert haben, Frauen bei der Geldanlage unterstützen, doch erst seit ein paar Jahren nimmt das Thema Frauen und Finanzen richtig Fahrt auf. Geldanlage-Seminare für Frauen sind regelmäßig ausgebucht und im September 2018 fand in Berlin erstmals der Frauen-Finanzgipfel „The Bridge – Women and Wealth Summit“ mit rund 200 Teilnehmerinnen statt. Auch Bücher mit Finanztipps für Frauen gibt es vermehrt. Eines davon hat Isabell Pohlmann gemeinsam mit Experten der Stiftung Warentest geschrieben. Der Ratgeber „Finanzplaner Frauen“ begleitet Leserinnen Schritt für Schritt auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit und gibt Tipps wie man die passende Anlagestrategie für die jeweilige Lebenssituation entwickelt.

Für frischen Wind und einen neuen Blick auf das vermeintlich dröge Thema Geldanlage sorgen Finanz-Websites für Frauen wie Madame Moneypenny, Fortunalista oder Finanz-Diva. Hinter letzterer steckt Katja Eckhardt. Die studierte Betriebs- und Volkswirtin will Frauen finanziell weiterbilden und motivieren, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Dem weiblichen Nachholbedarf in Sachen Finanzbildung wirkt die 38-Jährige mit Podcasts über nachhaltige Anlagestrategien und Ratgebertexten wie „Geld gegen Sorgen: Dein Börsen-Warm-up“ entgegen. Auch ihre Bücher, die knackige Titel wie „Reichtum ist Frauensache“ oder „50 Trades of Kat€“ tragen, sind lebendig, verständlich und manchmal provokant geschrieben.

Gleichzeitig will die Gründerin des Online-Magazins Finanzdiva.de mit Vorurteilen von Frauen (und Männern) in Bezug auf Geldanlage-Produkte aufräumen: “In einem Umfeld ohne konservativ sichere Zinsen muss man für einen Kapitalertrag in spekulative Produkte investieren. Dies entspricht jedoch nicht dem deutschen Wertesystem und wird auch bildungspolitisch nicht gefördert“, kritisiert sie. In ihrer Leidenschaft fürs Investieren und dem Ziel, vor allem junge Frauen fürs Thema Geld zu begeistern, lässt sich Katja Eckhardt aka Kat€ auch von einer aktuellen Studie nicht beirren. Eine Umfrage fand heraus, dass ein Drittel der Frauen in Deutschland sich nicht für Finanzen interessiert. „Die wenigsten Menschen interessierten sich ernsthaft für Geld und Kapitalanlagen, aber die meisten Menschen geben gerne Geld aus“, so ihre pragmatische Haltung.

Frauen investieren risikobewusst

Studien deuten auch darauf hin, dass Frauen in Sachen Geldanlage vorsichtiger sind als Männer: Fast 61 Prozent der Frauen glaubt, dass ein Investment an der Börse mit unkontrollierbaren Risiken verbunden ist, so das Ergebnis einer Studie mit dem Titel „Das Anlageverhalten der Deutschen“ von Axa. Der Sicherheitsaspekt spielt für Frauen bei der Geldanlage eine besondere Rolle – Investments in Aktien, Anleihen oder Immobilien lehnen bisher 72 Prozent der Frauen ab, bei den Männern sind es 59 Prozent, stellt die Blackrock Investor Pulse-Studie fest. Nach Einschätzung von Finanz-Diva-Gründerin Katja Eckhardt ist das der finanziellen Situation von Frauen geschuldet: „Da Frauen häufig in Teilzeitbeschäftigungen arbeiten und im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen für die gleiche Arbeit verdienen – Stichwort Gender Pay Gap – haben sie weniger Geld zum Investieren zur Verfügung und wählen daher eher Anlageprodukte mit moderaten Risiken.“ Frauen sind also nicht risikoscheu, sondern risikobewusst.

Aktien & Co.: Blick aufs Depot

Auch im Stiftung Warentest-Ratgeber „Finanzplaner Frauen“ wird die spezielle Situation von Frauen thematisiert und geraten: „Ohne Finanzcheck am Anfang geht es nicht“. Das bedeutet: Hinsetzen und aufschreiben, welche Sparziele man hat, wieviel Geld man investieren kann und einschätzen, wie risikofreudig man ist. Gleichzeitig machen die Finanzexperten deutlich: Wer mehr Rendite will, als die mageren sicheren Zinsen, kommt an Aktien & Co. nicht vorbei.

 

Geringeres Risiko mit Aktienfonds 

Um das Risiko klein zu halten, wird unter anderem empfohlen, in Aktienfonds zu investieren, bei dem viele Anleger das Geld in einen gemeinsamen Topf einzahlen. „Hier ist das Verlustrisiko geringer, als wenn Sie nur Aktien einzelner Unternehmen kaufen“, so der Ratgeber.

 

Die Vorteile von ETFs

Allen, die wenig Zeit und Lust haben, sich intensiv mit der Entwicklung an den Börsen zu beschäftigen, werden börsengehandelte Indexfonds ans Herz gelegt. Ein „Exchange-Traded Fund“ (ETF) bildet üblicherweise einen Index ab, beispielsweise den DAX. Vorteile der ETFs: Sie sind breit gestreut, durch geringe laufende Gebühren kostengünstig und da sie jederzeit an der Börse handelbar sind, ist frau mit ihnen flexibel liquide. Auch für Sparpläne sind ETFs geeignet.

 

Ein wachsames Auge auf Einzelaktien

Bei Investments in Einzelaktien findet Finanz-Diva Eckhardt „Top-Qualitätswerte insbesondere aus dem Bereich der Genussmittel, Unterhaltungselektronik, Technologiewerte und Informationstechnik“ derzeit am spannendsten. Doch sie rät dazu, beim aktuellen Kursniveau stets ein wachsames Auge auf das Depot zu haben und sicherheitshalber ein Stop Loss zu setzen. Der automatische Auftrag zum Aktienverkauf, sobald eine Aktie mehr oder weniger deutlich im Minus ist, hilft, Verluste zu begrenzen. Beim Investment in Aktien gilt für sie zudem das Prinzip: „Handele nur Werte, die du gut findest, die du verstehst und deren Geschäftsmodell du kennst!“

Wer sich vor seinem ersten Investment mit Gleichgesinnten austauschen möchte, findet in unserer Fidor Smart Community viele geeignete Ansprechpartner.

 

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