Förderprogramme: Der Antrags-Knigge

Published on 08. September 2020
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Förderprogramme: Der Antrags-Knigge

Neue Projekte, Expansionspläne, ein Relaunch nach Corona: das kostet. Eine Lösung ist es, Fördergeld zu beantragen. Doch viele KMU und Startups schrecken der zeitliche Aufwand und der Papierkram. Das muss nicht sein! Über Dos and Don‘ts bei Förderprogrammen.

Covid-19 hat alle getroffen; kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wirtschaftlich gesehen jedoch am härtesten. KMU sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Sie stellen deutlich über die Hälfte aller Arbeitsplätze in Deutschland und erwirtschaften mehr als jeden zweiten Euro. Die meisten KMU haben nicht die Mittel, um einen Rückgang wie während der Corona-Krise abzufedern. Sie arbeiten häufig mit einem stetigen Cashflow, der für den laufenden Betrieb und die Löhne verwendet wird. Will ein kleines Unternehmen oder ein Startup expandieren, neue Mitarbeiter einstellen oder etwas machen, das außerhalb des normalen Betriebsablaufs liegt, muss es sich normalerweise um externe Finanzierungsquellen bemühen – oder kann sich Unterstützung durch öffentliche Förderprogramme holen.

Förderprogramme und die Qual der Wahl

Insgesamt liegt die Zahl der Fördermöglichkeiten bei mehreren Tausend – und es ist gar nicht so einfach, herauszufinden, welche der Optionen die passende Unterstützung oder Organisation ist. Manch einer bekäme Fördergelder von Bund, Länder oder der EU, weiß aber nicht wie oder scheut den Aufwand. Damit der Förderantrag gelingt, lohnt ein Blick auf unsere Checkliste.

Das richtige Programm im Visier

Um das passende Programm zu finden, heißt es zunächst: Hinsetzen und Hausaufgaben machen! „Definieren Sie zuerst Ihr Vorhaben beziehungsweise Ihr Projekt“, rät die IHK München. Dabei sollten unter anderem folgende Fragen beantwortet werden: Geht es um Grundlagenforschung oder liegt der Fokus auf angewandter Forschung? Wird eine Beratung benötigt oder ein Auftrag an einen externen Dienstleister vergeben? Übrigens gibt es nicht nur für Forschung und Entwicklung Unterstützung. Noch bis Mitte September fördert das Bundesverkehrsministerium beispielsweise mit einem Programm die Anschaffung von Elektro-Nutzfahrzeuge für Handwerker und KMU und stellt dafür rund 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Eckpunkte checken

Um das passende Programm auszuwählen, müssen außerdem bestimmte Faktoren berücksichtigt werden. Dazu zählt zum einen die Unternehmensgröße: KMU mit weniger als 250 Beschäftigten, einem Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro sind dabei klar im Vorteil. Bei nahezu allen Förderprogrammen ist die Unternehmensgröße der Antragsteller klar begrenzt.

Von einigen Tausend bis Millionen Euro: Auch die Projektsumme spielt eine entscheidende Rolle für die Wahl des richtigen Programms. In vielen Programmen ist die maximal förderbare Projektsumme begrenzt. Bei kleineren Projekten lohnt es sich, die Angebote der Bundesländer zu checken. Tipp: Hier ist meist die Antragsstellung einfacher und die Bewilligungszeiten sind kürzer. Allerdings können sich für diese Programme nur Unternehmen bewerben, die ihren Firmensitz beziehungsweise einen Entwicklungsstandort in dem jeweiligen Bundesland haben.

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Nicht nur regionale Verbundenheit, sondern auch die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wird bei Förderprogrammen häufig honoriert. Für Kooperationsprojekte gibt es mehr Fördermöglichkeiten und oft höhere Zuschüsse.

Ein weiterer Faktor ist die Frage wie innovativ das geplante Projekt ist. Hier lohnt sich eine gründliche Recherche. War ein Mitbewerber vielleicht schon schneller und hatte nicht nur eine ähnliche Idee, sondern hat sie sogar schon bis zur Marktreife gebracht? Dann heißt es zurück auf Los und einen anderen Ansatz versuchen.

Frag‘ die Förderdatenbank

Wer sucht, der findet: Kernfragen zu der Art, den Voraussetzungen und dem Umfang der Unterstützung beantwortet die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Dazu einfach in der Suchfunktion die Eckdaten des Unternehmens und des Projektes eingeben, für das Förderung beantragt werden soll. Gut zu wissen: „Trotz Corona-Virus-Epidemie laufen die Förderprogramme des BMWi weiter“, teilt das Ministerium mit.

Jetzt digitaler werden: Förderprogramme für KMU

Unternehmen, die digitaler werden wollen, haben besonders gute Chancen auf Förderung. Zum Beispiel mit dem Förderprogramm „go-digital“ des BMWi, das sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und des Handwerks richtet, die ihre Geschäftsprozesse mithilfe digitaler Lösungen optimieren wollen. Das Programm stellt den KMU autorisierte Beratungsunternehmen zur Seite, die sie bei der Umsetzung beraten und begleiten. Praxisbeispiel gefällig? Die Kommunikations- und Werbeagentur Eilinghoff+Team konnte mit Hilfe eines go-digital Beraters eine sichere IT-Netzstruktur aufbauen und in interne Prozessabläufe integrieren. „Wer zukünftig noch marktfähig sein will, muss sich weiter digitalisieren“, sagt Geschäftsführer Torsten Eilinghoff.

Die Digitalisierung des Mittelstandes vorantreiben, soll auch das neue Programm „Digital jetzt“, für das seit Anfang September die Antragsstellung möglich ist. Zuschüsse für Mittelständische Unternehmen aus allen Branchen mit 3 bis 499 Beschäftigten gibt es bei Investitionen in digitale Technologien sowie Investitionen in die Qualifizierung von Mitarbeitern zu Digitalthemen.

Spezielle Förderung für Startups

Neu hier? Auch Startups können von Förderprogrammen profitieren – eine aktuelle Übersicht wichtiger Programme findet sich zum Beispiel auf Gründerküche.de. Eines der bekanntesten heißt Horizon 2020 und ist ein EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation. Besonders interessant für Startups ist das Teilprogramm „SME Instrument“. Das Klischee „viel Aufwand, geringe Erfolgschancen“ schrecke jedoch viele Gründer ab, schreibt Tobias Schröter auf Gründerküche.de. „Das stimmt nicht, denn sowohl die deutsche als auch die europäische Förderlandschaft ist gut bestückt und bei guter Vorarbeit stehen die Chancen auf den willkommenen Beitrag zur Finanzierung nicht schlecht“, urteilt der Geschäftsführer der förderbar GmbH, einer Fördermittelberatung für die IT- und digitale Wirtschaft.

Reden ist Gold

Wer ein passendes Förderprogramm gefunden hat, greift am besten zum Telefon, bevor es an die Ausarbeitung des Förderantrags geht, raten Experten: Ein persönliches Gespräch mit dem Projektträger ist in vielen Fällen erwünscht. Bei einem Telefonat oder Treffen lassen sich wichtige Fragen klären – zum Beispiel, ob man bereits mit dem Tag der Antragstellung auf eigenes Risiko mit dem Projekt starten kann oder ob ein verfrühter Start möglicherweise den Verlust des Förderanspruchs bedeutet.

Wie die Zeit vergeht…

Vor allem wer zum ersten Mal einen Förderantrag ausfüllt, braucht eher mehr als weniger Zeit. Allein für die Recherche des richtigen Programms sollte man einige Wochen einplanen. Für die Ausarbeitung der Antragsunterlagen gehören dann nochmals zwei bis vier Wochen im Terminkalender geblockt. „Wiederholungstäter“ können sich freuen: Mit etwas Routine geht das Ganze schneller von der Hand. Ist der Antrag eingereicht, heißt es warten – bei schnellen Abläufen kann es bis zu drei Monate dauern, aber häufig liegt die Bearbeitungszeit bei den Behörden bei sechs Monaten.

Scheitern als Chance

Schlechte Nachrichten im Postfach, Antrag abgelehnt!? Das ist frustrierend, aber kein Grund zur Verzweiflung. Es lohnt sich, nochmals das Gespräch mit dem zuständigen Prüfer zu suchen, um den Grund für die Ablehnung des Antrags herauszufinden. Vielleicht war der Antrag korrekt ausgefüllt, das Projekt aber missverständlich oder ungenügend dargestellt? Anschließend sollte man dann entweder einen Widerspruch formulieren – oder direkt einen neuen, besseren Antrag einreichen.

Übrigens: Wer den Aufwand (und das mögliche Scheitern) beim Beantragen öffentlicher Förderprogramme fürchtet, kann sich von einem Fördermittelprofi helfen lassen – es gibt sogar Beratungsunternehmen, die auf einzelne Programme wie Horizon 2020 spezialisiert sind.

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