Finanzielle Bildung für Kinder

26.05.20
Kategorien:

Taschengeld, Sparschwein und Co. - Finanzielle Bildung für Kinder

Es gibt Menschen, die können mit Geld überhaupt nicht umgehen. Manch andere führen penibel Haushaltsbuch über ihre Einnahmen und Ausgaben. Und dann gibt es jene, die mit Mitte Zwanzig schon im Eigenheim sitzen, während ihre Altersgenossen zum Monatsende regelmäßig so klamm sind, dass es tagelang nur trockene Nudeln zu essen gibt.

Wie kann das sein? Alles der Herkunft geschuldet? Reiche Kinder reicher Eltern, die alles in den Allerwertesten geschoben bekommen vs. Alleinerziehende und Arbeiterfamilien?

Jein. Zugegebenermaßen gibt es durchaus Startvorteile in ein finanziell sorgenfreies Leben. Diese bleiben nun allerdings dem Großteil der Bevölkerung vorenthalten, und es wäre auch zu einfach, sich auf dem nicht vorhandenen Vermögen seiner Herkunftsfamilie auszuruhen und selbiges, fehlendes Budget als Ausrede für die eigenen finanziellen Unzulänglichkeiten zu gebrauchen.

Auf das Mindset kommt es an

Denn es ist nicht allein das Familienvermögen, das aus Kindern bedachte Menschen macht, die mit Geld umgehen können. Aus reichen Kindern werden nicht automatisch reiche Erwachsene. Im Gegenteil. Und so mancher Lottogewinner hat sich trotz Millionen innerhalb weniger Jahre tief in die Schuldenfalle gewirtschaftet. Das, worauf es ankommt, ist etwas Anderes. Es ist das richtige Mindset.

Dieses Mindset ist es, das finanziell erfolgreiche Menschen von jenen unterscheidet, die chronisch pleite sind. Unabhängig davon, ob das Elternhaus wohlhabend ist oder sich mit Mindestlohn plus Nebenjob über Wasser hält – vermitteln die Eltern ihren Kindern gute Glaubenssätze über den Umgang mit Geld und Finanzen, werden diese es im Leben wesentlich leichter haben und in der Lage sein, vorausschauend zu wirtschaften.

Kindgerechter Umgang mit Geld

Das sind nun erstmal gute Nachrichten für all jene Eltern, die keinen Treuhandfonds für die lieben Kleinen vorbereitet haben. Ein „Händchen“ für Finanzen ist nicht angeboren, es wird erlernt. Und Kinder lernen am Vorbild. Sie bewundern ihre Eltern und ahmen deren Verhalten nach. Das (altersgerechte) Einbeziehen der Kinder in die Finanzen der Familie vermittelt somit nicht nur ein Bewusstsein für Geld, es vermittelt vielmehr eine Lebenseinstellung. Kindern muss dieser Einblick gewährt werden, damit sie verstehen können, wie man mit Geld umgeht – und warum man das tut, was man tut. Nur so können sie begreifen, warum das Geld diesen Sommer eben nicht für Urlaub, wohl aber für Freibad und Eis reicht, und nehmen wichtige Learnings für ihr späteres Erwachsenenleben mit.

Andersherum: Mit Eltern als Vorbild, die alles auf Kredit kaufen, aber vielleicht nicht immer in der Lage sind, die Raten zu bedienen, und trotzdem munter weiter bestellen… es lässt sich vermuten, was sich die Kinder hier abschauen und wie ihr Umgang mit Geld im späteren Leben aussehen wird.

Die finanzielle Bildung des eigenen Nachwuchses ist ein wichtiger Teil der Erziehung, soviel ist nun klar. Doch wie vermittelt man Kindern Wissen über Finanzen und den Umgang mit Geld am besten?

Die richtigen Werte

Geld und Finanzen, das ist nichts, wovor man Angst haben muss. Dieser Satz ist nicht nur für Eltern bestimmt, sondern für jeden, der ihn hören mag. Denn auch viele Erwachsene haben Berührungsängste und setzen sich nicht aktiv mit den eigenen Finanzen auseinander. Doch es ist nicht zu spät, auch als Erwachsener kann man noch lernen – und was wäre ein besseres Ziel, als der souveräne Umgang mit dem eigenen Geld und der Weg hin zur finanziellen Freiheit? Ob Podcast, Blog oder Buch – für jeden Geschmack gibt es das passende Einsteigermedium in die finanzielle Bildung.

An dieser Stelle gilt es auch ausdrücklich zu erwähnen, dass Geld kein „männliches“ Thema ist. Jeder Mensch sollte an ausreichendem Basiswissen über Finanzen im Allgemeinen und das eigene Vermögen im Speziellen verfügen - und Gelddinge eben nicht ausschließlich dem Ehepartner überlassen. Dieser Fehler hat schon manche Frau in die Altersarmut getrieben. Spätestens bei den eigenen Töchtern sollte man nun also ansetzen, und das bisher versäumte nachholen – denn Geld ist eben auch was für Mädchen.

Geld verdirbt den Charakter, lautet ein Sprichwort. Über Geld redet man nicht, sagt man. Absoluter Quatsch. Ein schöner Charakter wird durch ein volles Sparkonto nicht entstellt. Und wieso sollte man über Geld nicht sprechen? Ist es doch oft der Austausch mit anderen, der einem neuen Aspekte aufzeigt oder Dinge ins Rollen bringt. Diese tief verinnerlichten, negativen Glaubenssätze gehören ausgemistet und durch ein positives Mindset ersetzt. Denn nur wer selbst die richtigen Werte lebt, kann diese auch seinen Kindern vermitteln.

Apropos vermitteln: Ein wichtiger Leitsatz ist die Tatsache, dass es mehr gibt als nur Konsumgüter. Von Geld kann man sich schöne Dinge gönnen, die Freude machen, klar. Aber eben nicht nur materielles, sondern auch gemeinsame Unternehmungen, die Erinnerungen schaffen – eine der wohl schönsten und nachhaltigsten Arten, sein Geld auszugeben.

Gleichzeitig kann man auch etwas zurückgeben. Spenden, wenn man selbst keine große Not hat, den Kindern zeigen, dass man auch Teilen kann, und in einer sozialen Gesellschaft die Verpflichtung hat, etwas zurück zu geben.

Wenn es gelingt, im Umgang mit Geld ein Gleichgewicht aus Verpflichtung und Spaß herzustellen, gepaart mit der Erkenntnis, dass Geld „endlich“ ist und nicht einfach „von der Bank kommt“, sondern hart erarbeitet werden muss, ist ein wichtiger Grundstein für die finanzielle Bildung des eigenen Nachwuchses gelegt.

Spielend lernen

Kinder lernen spielend – auch, und vor allem, den Umgang mit Geld.

Ein Klassiker ist wohl der Kaufladen, keine Frage. Hier wird nicht einfach nur mit Geld gespielt, sondern bereits das echte Leben geübt. Der nächste Schritt ist dann, die Kinder beim gemeinsamen Einkauf regelmäßig bezahlen zu lassen. So wird der „Ernstfall“ unter Aufsicht geübt und verinnerlicht, der selbstbewusste Umgang mit Geld gestärkt.

Tolles Spielgeld bekommt man kostenlos bei der Bundesbank. Es kann ganz einfach online bestellt werden. Dazu passend stellt die Bundesbank kostenlos weitere Materialien wie Arbeitsblätter und Poster zur Verfügung.

Kleinere Kinder, die noch nicht Lesen und Rechnen können, dürfen gerne auch abstrakt mit dem Geld spielen. Aus der Hand voll ausländischer Münzen vom letzten Urlaub lassen sich mit Steinen, Muscheln und Blumen bunte Muster legen – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Taschengeld – Warum, wann und wieviel

An dieser Stelle könnte nun die xte Taschengeld-Tabelle mit Empfehlungen für jede Altersklasse kommen. Tut sie aber nicht. Denn die Höhe des Taschengeldes lässt sich nicht verallgemeinern, sie hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dem Einkommen der Eltern, der Anzahl der Geschwister, davon, was das Kind vom Taschengeld alles selbst bezahlen muss.

Stattdessen gibt es hier nun allgemeingültige, einkommensunabhängige Tipps und Ideen rund ums Taschengeld – passend für jeden Geldbeutel.

  • Viele Eltern führen das Taschengeld mit dem Schuleintritt in der ersten Klasse ein. Sinnvoller ist es, bereits im Kindergartenalter, mit rund vier oder fünf Jahren mit dem Taschengeld zu beginnen. So bekommen Kinder bereits vor dem Schuleintritt ein Gefühl für Geld, übernehmen Verantwortung und werden zugleich spielerisch ans Zählen und Rechnen herangeführt.

 

  • Taschengeld sollte selbstverständlich sein. Nur mit eigenem Geld, das eigenverantwortlich und ohne Limitierung des Zweckes ausgegeben und gespart werden darf, können Kinder den gesunden Umgang mit Geld lernen. Taschengeld hilft Kindern, den Wert des Geldes zu erkennen und zu begreifen. So „kostet“ das Eis am Kiosk eine Woche Taschengeld, für das neue Lego sind jedoch sechs Wochen Taschengeld fällig. Und wer lieber sechs Mal Eis kauft, der muss eben auf das neue Lego verzichten.

 

  • Je älter Kinder werden, desto mehr Taschengeld brauchen sie. Doch anstatt es mit jedem Lebensjahr automatisch zu erhöhen, kann eine jährliche „Gehaltsverhandlung“ geführt werden. So lernt das Kind, dass eine automatische Erhöhung nicht selbstverständlich ist, sondern sich „verdient“ werden muss – beispielsweise durch altersgerechte Anpassungen der Pflichten im Haushalt. Eine Variante könnte hier die Aufteilung des Taschengeldes in „Grundgehalt“ und „Variable“ sein, um zu verdeutlichen, dass durch Leistung und Ehrgeiz finanzieller Erfolg erreicht wird. So wird nicht nur finanzielles Bewusstsein geschaffen, sondern bereits im Kindes- bzw. Teenageralter spielerisch für das spätere Berufsleben geübt.

Was ist Jugendlohn?

Jugendlohn® ist nicht einfach nur ein Synonym für Taschengeld, es ist eine in der Schweiz geschützte Marke, entwickelt vom Psychologen und Familientherapeuten Urs Abt.

Und Jugendlohn ist weit mehr als nur Taschengeld. Tatsächlich steht er für einen Betrag X, den Eltern ihren jugendlichen Kindern auszahlen, und den diese selbst verwalten. Hiervon werden nun die Kosten gedeckt, die von der Familie ohnehin getragen werden – nur eben nicht mehr von den Eltern, sondern eigenverantwortlich von den Jugendlichen. Vom Handy über Sport bis zu Schulmaterialien, Kleidung und Friseurbesuche – all das zahlt das Kind nun selbst von seinem monatlichen Jugendlohn. Der Jugendlohn soll den bisherigen Ausgaben der Eltern für das Kind sowie dem aktuellen Lebensstandard und dem Familienbudget entsprechen. Das Modell eignet sich somit für Familien aller Einkommensklassen.

Der Jugendlohn fördert die Selbstverantwortung und die Selbständigkeit der Jugendlichen. Natürlich ist das Vertrauen der Eltern in die Fähigkeiten ihres Kindes eine notwendige Voraussetzung und das Modell ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Nichtsdestotrotz ist es eine interessante Variation des klassischen Taschengeldes, besonders für ältere Jugendliche, die in den nächsten Jahren planen zu Hause auszuziehen und auf eigenen Füßen zu stehen. Hier kann in geschütztem Rahmen bereits der „Ernstfall“ erprobt werden.

Richtig Sparen

Richtig sparen will gelernt sein. Dies beginnt bereits mit der Definition des Begriffes „Sparen“ und der Unterscheidung zwischen Ausgeben, Sparen und Investieren, sowie dem Verständnis der Begriffe „Vermögen“ und „Verpflichtung“.

Kinder dürfen bereits früh erfahren, dass Geld endlich ist und eingeteilt werden muss. Möchte man etwas Außergewöhnliches haben, muss man somit an anderer Stelle kürzertreten und sparen.

Ein praktischer Tipp ist hier das Bereitstellen von zwei Sparschweinen anstatt nur einem: eines zum (langfristigen) Sparen und eins zum (kurzfristigen) Ausgeben. Die Kinder bekommen wie gewohnt ihr Taschengeld und können selbst entscheiden, in welches Schwein wie viel Prozent des Geldes wandert. So werden mittel- und langfristige Sparziel gefördert, mit der Möglichkeit, sich trotzdem nach Bedarf Kleinigkeiten zu gönnen.

Das Sparziel soll, wenn möglich, selbstständig erreicht werden – und die Eltern nichts dazu geben. Eher kann das Sparziel an realistische Werte angepasst werden.

Konsequenzen tragen

Gerade in finanziellen Dingen gilt: Wir müssen die Konsequenzen unseres Handelns tragen. Auch Kinder können dies bereits lernen. Das beginnt damit, Kindern im Geschäft nicht alles zu kaufen, was sie wollen. Und auch zwischendurch nicht immer wieder Geld zuzustecken, sollte das Taschengeld aufgebraucht sein.

Des Weiteren gilt: Wer absichtlich etwas kaputt macht, bezahlt dies von seinem Taschengeld.

Zum Weiterlesen

Finanzielle Bildung für Kinder ist ein wichtiger Teil der Erziehung. Dieser Text richtet sich an Eltern und soll lediglich der Inspiration dienen. Tiefer ins Thema geht das Kinderbuch „Ein Hund namens Money“ von Bodo Schäfer, das Kinder in die Welt des Geldes einführt und zahlreiche Hinweise und Tipps für den Umgang mit Geld gibt.

Buchtipp: Ein Hund namens Money

jetzt bestellen

Disclaimer
Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte dieser Aussendung. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Soweit wir Ihnen steuerliche oder rechtliche Informationen liefern, stellen diese keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Produkte oder Dienstleistungen zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Produkte oder deren Emittenten, Dienstleister oder Anbieter explizit erwähnt werden. Sofern die Inhalte und Informationen von Dritten zur Verfügung gestellt wurden bzw. Meinungen Dritter wiedergegeben werden, müssen diese nicht mit unserer Auffassung im Einklang, sondern können sogar im Widerspruch hierzu stehen. Bei Fragen zu rechtlichen oder steuerlichen Auswirkungen im Einzelfall wenden Sie sich bitte in jedem Fall vorher an Ihren Rechts- oder Steuerberater.

WEITERE BEITRÄGE AUS DER FIDOR WELT

FINANZEN

Die 5 besten Bücher über Finanzen

Lesen macht schlau – und reich. Denn die fünf Bücher über Finanzen, die wir dir heute vorstellen möchten, dienen nicht (nur) der Unterhaltung – sondern vor allem deiner finanziellen Bildung.

Erfahre mehr

FINANZEN

Corona-Finanzplan:
Spar dir was

Corona bedeutet: Zur Sorge um die Gesundheit kommt die Furcht vor finanziellen Engpässen. Wie du unnötige Ausgaben vermeidest und in schwierigen Zeiten Geld sparen kannst.

Erfahre mehr

FINANZEN

Die 5 besten Finanz Podcasts

Für den soften Einstieg in die finanzielle Selbstbildung hält die moderne Technik ein praktisches Helferlein bereit, das bei regelmäßigem Gebrauch dem inneren Sparschweinehund auf die Sprünge hilft: Podcasts!

Erfahre mehr