Der große Vermögenstransfer: Besser erben!?

01.03.22

Der große Vermögens­transfer: Besser erben!?

Die „Boomer“ sind die reichste Generation ever. Das heißt auch: Ein großer Vermögenstransfer steht bevor. Wie man geerbtes Geld sinnvoll investiert, warum reden hilft und wie sich auch ohne Erbe Vermögen aufbauen lässt.

Ein siebenstelliger Betrag auf dem Konto. Ein Safe mit Goldbarren und Schmuck. Eine Villa mit großem Garten und Wasserzugang. Wer ein hohes Geld- oder Sachvermögen sein Eigen nennt, ohne dafür selbst etwas getan zu haben, hat entweder im Lotto gewonnen (sehr unwahrscheinlich) oder geerbt (wahrscheinlicher). Jedes Jahr werden in Deutschland schätzungsweise 400 Milliarden Euro vererbt – offizielle Statistiken gibt es allerdings nicht. Deutschland wird zu einem Land der Erben, schrieb die „Wirtschaftswoche“ bereits 2017.

Auch in den USA steht ein „Great Wealth Transfer“ an – so wird die aktuelle Entwicklung genannt, wenn zwischen den Generationen große Vermögen als Erbschaft oder Schenkung übertragen werden. Schätzungen zufolge dürften die „Baby Boomer“, also die Generation derjenigen, die zwischen 1944 und 1964 geboren wurden, in den nächsten Jahren 30 Billionen US-Dollar an Vermögen an die jüngere Generation der Millennials (das sind die zwischen 1980 und 1990 Geborenen) übertragen. Die Generation der Babyboomer verfügt derzeit über mehr Vermögen als jede andere: Beispielsweise werden in Großbritannien nach Zahlen des Nationalen Statistikamtes (S. 3) über 70 % des Haushaltsvermögens von über 50-Jährigen gehalten. Experten wie Mark Hall vom Wirtschaftsmagazin Forbes sagen voraus, dass nicht nur die USA „eine beispiellose Verschiebung der Demografie und der Finanzen erleben werden“. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wie gut die jüngere Generation auf die großen Geldsummen, die sie eines Tages erben könnten, vorbereitet sind. In einer Studie des CFA-Instituts nennen vier von zehn Millennials mangelndes Wissen als Haupthindernis für Investments. Außerdem rechnen 26 Prozent der Empfänger:innen künftiger Erbschaften mit Konflikten, so eine Postbank-Studie.

Mit unseren Tipps und Hinweisen gelingt der „große Vermögenstransfer“ reibungsloser:

Erbschaft oder Schenkung?

Zunächst die Basics: Den Spruch „Lieber mit warmen Händen geben“, hat der ein oder die andere bestimmt schon einmal von der betagteren Verwandtschaft gehört. Bedeutet im Fall einer Schenkung, dass diese zu Lebzeiten des Schenkenden erfolgt. Dabei hat der oder die Schenkende es selbst in der Hand, ob das Vermögen bereits zu Lebzeiten verschenkt wird – oder eben nicht. Anders als bei einer Erbschaft gehen die Eigentumsrechte bei einer Schenkung nicht erst nach dem Tod des Erblassers auf den Erben über, sondern meist umgehend. Eine Erbschaft ist dagegen ein mehr oder weniger automatischer Vorgang, da nach dem Tod eines Menschen dessen Hab und Gut an die Erben übergeht. Ob das gemäß der gesetzlichen Erbfolge oder nach dem testamentarischen Willen des Erblassers geschieht, hängt davon ab, ob der oder die Verstorbene ein Testament oder eine andere letztwillige Verfügung hinterlassen hat.

Geld verschenken

Wer weiß, dass er oder sie eine größere Summe erben wird (und ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern hat) sollte den Themenkomplex Erbschaft vs. Schenkung so früh wie möglich ansprechen. Gute Argumente liefert Wolfram Theis von der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltsverein: „Mit dem Verschenken von Geld können Eltern ihre Kinder in die Lage versetzen, ein Eigenheim zu erwerben oder sich eine Existenz aufzubauen“. Die finanzielle Zuwendung seitens der Eltern könnten Kinder im Alter um die 30 häufig besser gebrauchen als wenn sie Jahrzehnte später übers Erben zu dem Geld kommen. Weiteres Argument: Sind hohe Geld- oder Sachwerte vorhanden spart das „Geben mit warmen Händen“ im Erbfall Steuern. Der Freibetrag, der sich auf zehn Jahre bezieht, liegt für Kinder und Enkelkinder, deren Eltern verstorben sind, sowie für Stief- und Adoptivkinder in Steuerklasse I bei 400.000 Euro. Alles was nach Abzug der Freibeträge vom Vermögenswert übrig bleibt, ist dann erbschaftssteuerpflichtig.

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Steuerfreibeträge optimal ausschöpfen

Viel Geld in Sicht? Wenn das Vermögen im Erbfall die Freibeträge übersteigt, können Erblasser:innen bereits frühzeitig Teile des Vermögens an Erben übertragen. Der Vorteil dabei: „Im Gegensatz zu Erbschaften können bei Schenkungen die Steuerfreibeträge alle zehn Jahre aufs Neue ausgeschöpft werden“, erläutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Die Schenkungen sollten dokumentiert werden – mit Namen der Beteiligten, dem Gegenstand der Schenkung, Datum sowie Unterschriften von allen Beteiligten. Im Fall von Geld oder Gegenständen geht das auch formlos – also ohne Anwalt oder Notar.

Immobilien-Schenkung: Nicht ohne Rechtsberatung

In 46 Prozent der Erbfälle wird mindestens eine Immobilie vererbt. Eine (oder mehrere) Immobilien bereits zu Lebzeiten an die Kinder und Kindeskinder zu übertragen, rechnet sich und kann im Fall von Erbengemeinschaften eine jahrelange gegenseitige Blockade, viel Zoff und hohe Anwaltskosten verhindern. Soll das Eigenheim oder eine andere Immobilie bereits zu Lebzeiten verschenkt werden, ist ein umsichtiges Vorgehen besonders wichtig (und die Unterstützung durch Profis). Bei einer Schenkung ist ein notarieller Vertrag für das Haus unbedingt erforderlich, so das Immobilienportal Homeday.de und ImmoScout24 ergänzt: „Eine eingehende Rechtsberatung klärt, welche Vereinbarungen für beide Vertragsseiten getroffen werden sollten. “ So verhindere beispielsweise der Eintrag eines lebenslangen Wohnrechts ins Grundbuch, dass der oder die Schenkende bei einem Eigentümerwechsel oder einem ernsthaften Familienstreit das Wohnrecht verliere.

Über Geld reden ist Gold

Erblasser:innen und Erben sollten sich so früh wie möglich mit dem vorhandenen familiären Vermögen beschäftigen, darüber reden und gemeinsam planen, meint Anthony Ward, Chef des Barclay Wealth Planning. Falls es in der Familie bereits einen Vermögensverwalter oder eine Finanzberaterin gibt, sollte man sich mit diesen generationenübergreifend gemeinsam an den Tisch setzen – das geht natürlich auch virtuell. Solche Gespräche können laut Ward dazu beitragen, das Thema Geldanlage zu „entmystifizieren und langfristige, konsistente Pläne für das Erbe bereits in einem frühen Stadium zu erstellen“.

Sinnvoll investieren: Impact Investing

Wie lässt sich das geerbte Vermögen sinnvoll investieren? Was für viele nach einem Luxusproblem klingt, treibt die Millennial-Erben um: „Millennials weichen vom traditionellen Weg ab, wenn es um Investitionen geht, und zeigen damit ihren starken Wunsch, soziale Veränderungen in ihr persönliches und berufliches Leben einzubeziehen. Diese Bevölkerungsgruppe ist ein entscheidender Faktor für das Aufkommen von Impact Investing“, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatungsfirma Capco. Impact Investing ist eine Untergruppe von Socially Responsible Investments (SRI) – das sind Investitionen, die positive Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft anstreben. Impact Investing ist nicht nur in den USA mit seinen 80 Millionen Millennials ein hoch dynamischer Markt. Nach einer Marktstudie der Bundesinitiative Impact Investing hatte Impact Investing bereits im Jahr 2020 in Deutschland ein Marktvolumen von rund 6,5 Milliarden Euro (S. 15).

Kein Erbe in Sicht? Selbst Vermögen aufbauen

Dabei erbt ein kleiner elitärer Kreis immer höher werdende Beträge: Die Journalistin Julia Friedrichs, die sich in dem Buch „Wir erben: Warum Deutschland ungerechter wird“ mit dem Thema beschäftigt, zitiert aus einer Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW): „Von den Erben erhalten zehn Prozent so viel wie die restlichen 90 Prozent.“ Sie warnt davor, dass diese Entwicklung strukturelle Probleme in Deutschland verschärfen kann. Dabei gibt es nach Meinung von Sozialwissenschaftlern und Sozialökonomen wie Gerhard Bäcker und Ernst Kistler steigenden Handlungsbedarf in Sachen Einkommensumverteilung durch den Sozialstaat. Doch gleichzeitig kann (und muss) jede:r auch selbst in Sachen Vermögensaufbau aktiv werden – und zwar so früh wie möglich.

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