Neue Mobilität: Zahlen und Fakten zur Elektromobilität

03.03.20

Neue Mobilität: Zahlen und Fakten zur Elektromobilität

Dicke Luft in den Städten, Staus auf den Autobahnen. Zeit für eine Verkehrswende. Ein wichtiger Baustein klimafreundlicher Mobilität: E-Autos. Zahlen und Fakten zur Elektromobilität „made in Germany“. Plus: Wo andere Länder stehen.

Und es bewegt sich – nichts. Autos stehen dicht an dicht, Abgaswolken machen das Atmen schwer. Bengaluru in Indien, Manila auf den Philippinen und Bogota in Kolumbien nehmen laut dem jährlichen Stauindex des Navigationsgeräteherstellers Tomtom weltweit die Spitzenplätze ein. In Deutschland gehören Hamburg, Berlin und Wiesbaden zu den Top drei. Autofahrerinnen und Autofahrer brauchten in Hamburg während der Rushhour 2019 insgesamt fünf Tage und elf Stunden länger, um ans Ziel zu kommen. Zeit, die ausreicht, um beispielsweise 3.933 Seiten des 4.211-Seiten-Romans „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust zu lesen.

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Zeit für die Verkehrswende

Mit der zunehmenden Urbanisierung gerät die Verkehrsinfrastruktur weltweit an ihre Grenzen, Umwelt und Gesundheit leiden. Zur Verringerung der C02-Emissionen braucht es neben der Energiewende eine Verkehrswende, sind sich Wissenschaft und Politik einig. Das Ziel der EU ist klar formuliert: die Emissionen des Verkehrs bis 2050 um 60 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 senken. Doch es geht nicht voran – der Verkehr ist für fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der EU verantwortlich, von denen 72 Prozent auf den Straßenverkehr entfallen. Während in anderen Sektoren die Emissionen seit 1990 reduziert wurden, sind die verkehrsbedingten CO2-Emissionen gestiegen. Ein Grund: Die Gesellschaft wird immer mobiler. In Deutschland erreichte die Anzahl der gemeldeten Pkw am 1. Januar 2019 mit rund 47 Millionen Fahrzeugen den höchsten Wert aller Zeiten – rund 30 Millionen davon waren Benziner.

E wie (große) Erwartungen

Auf die Frage, wie sich Verkehr klimafreundlicher gestalten lässt, fällt ein Begriff meist als erstes: Elektromobilität. Die Bundesregierung hat sich als Aufgabe gesetzt, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. Ein weiteres Ziel: Deutschland soll sich zu einem Leitmarkt für Elektromobilität entwickeln.

Nach einem zähen Start nimmt das Thema langsam Fahrt auf: 2019 wurden mit rund 63.300 Stromern laut Statista.de so viele Pkw mit reinem Elektroantrieb neu zugelassen wie nie zuvor. Die Anzahl der Neuzulassungen von E-Autos hat sich damit seit dem Jahr 2015 fast verdreifacht Und es geht weiter: Im Januar 2020 lag die Zahl der Neuzulassungen von Elektro-Pkw in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt bei 16.143 Einheiten. Der Zuwachs um 138 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat sei ein neuer Rekord, so der Verband der Automobilindustrie (VDA): „Die deutschen Hersteller sind Vorreiter bei der Elektromobilität. Im Jahr 2019 stellten sie bereits über 400.000 Pkw mit elektrischem Antrieb her. Mit 194.000 Fahrzeugen entfiel nahezu die Hälfte der Produktion auf die inländischen Werke. Damit ist Deutschland der drittgrößte Standort für Elektroautos weltweit, nach China und den USA“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Stand Dezember 2019 sind 32 verschiedene elektrische Fahrzeugmodelle deutscher Hersteller auf dem Markt.

Elektro-Musterland China

Der Abstand zu den Chinesen ist allerdings noch gewaltig: Von den fünf Millionen E-Autos, die 2018 weltweit auf den Straßen unterwegs waren, entfiel die Hälfte auf China. Dort hat sich nach Zahlen des Center of Automotive Management (CAM) im ersten Quartal 2019 die Nachfrage von Autos mit Stecker mehr als verdoppelt, während der Gesamtmarkt um 11 Prozent sank. In den ersten drei Monaten stieg der Absatz auf 299.000 E-Fahrzeuge. Gleichzeitig kletterte der Marktanteil von Elektro-Autos an den Neuwagenzulassungen von 2,0 auf 4,7 Prozent.

Der weltgrößte E-Autohersteller kommt dagegen aus den USA: Tesla hat mit einem Rekordabsatz von 367.000 Pkw im Jahr 2019 laut CAM seine Auslieferungen um 50 Prozent gesteigert. Volkswagen liegt hinter BMW auf Rang sechs.

Mehr Geld für Stromer

Als Killerargument gilt bei Berufspendlern – 68 Prozent nutzen für den Weg zur Arbeit und zurück einen Pkw – die geringe Reichweite der E-Autos. Dabei zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, dass der Großteil der Wege zur Arbeit in Deutschland unter 25 Kilometer lang ist. Die Reichweite aktueller batterieelektrischer Elektroautos reicht für diese Distanzen völlig aus.

Um den Verkauf von Elektroautos weiter anzukurbeln, wurde nun die Kaufprämie erhöht: Stromer sollen künftig mit 6.000 Euro gefördert werden, aktuell sind es 4.000 Euro. Der Zuschuss wird je zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln und aus Mitteln der Autohersteller bezahlt.

Rekord bei Ladestationen

Auch die Infrastruktur verbessert sich – bei den Ladestationen in Deutschland gibt es einen Rekordwert zu vermelden: Im ersten Quartal des Jahres 2020 lag die Anzahl der Ladestationen bei rund 18.400. Im Vorjahresquartal waren es noch etwa 14.100. Laut dem jährlichen „EV Readiness Index“ liegt Deutschland auf Rang 7 und damit im oberen Drittel der EU-Länder. Die Spitzenplätze der am besten auf Elektromobilität vorbereiteten Länder nehmen die Niederlande, Norwegen und Großbritannien ein.

Zuckerbrot und Peitsche

Dabei setzt die Politik nicht nur auf Kaufanreize, Mittel für den Ausbau der Ladeinfrastruktur und steuerliche Maßnahmen, sondern es drohen auch Verbote: Berlin, wo im Dezember 2019 die Klimanotlage ausgerufen wurde, will Pkw mit Benzin- oder Dieselmotor die rote Karte zeigen: Ab 2030 sollen nur noch E-Autos innerhalb des Berliner S-Bahnrings fahren dürfen. Die Fahrverbote sind Teil eines Zeit- und Maßnahmenplans, der die Hauptstadt schnellstmöglich klimaneutral machen soll. Die Grünen fordern ein bundesweites Benziner-Verbot ab 2030. Andere europäische Länder halten es ähnlich: Die Niederlande, Schweden und Dänemark wollen ebenfalls in zehn Jahren nur noch Elektroautos zulassen, in Norwegen soll das Verbot sogar fünf Jahre früher kommen.

Außerdem drohen den Automobilherstellern Strafzahlungen in Milliardenhöhe: Seit diesem Jahr greift die CO2-Verordnung der Europäischen Union. Jedes neuzugelassene Auto darf im Flottendurchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer ausstoßen – sonst werden spätestens ab 2021 Strafzahlungen fällig. Senken können die Hersteller die Strafen unter anderem durch den Verkauf von E-Autos.

VW: 1,5 Millionen E-Autos geplant

Kein Wunder, dass die Autohersteller in Sachen E-Mobilität aufs Tempo drücken: So plant VW bis 2025 1,5 Millionen E-Autos zu verkaufen. Und um unabhängig von asiatischen Lieferanten zu sein, will der größte Autohersteller der Welt die Kapazität der neuen Batteriezellfabrik in Salzgitter um die Hälfte zu erhöhen. Dabei ist die hauseigene Batterieproduktion allerdings noch Zukunftsmusik: 2021 soll Baubeginn sein und 2024 könnte dann die Produktion beginnen.

Die Kosten der Mobilitätswende

Fest steht: Die Automobilbranche steht vor großen Umbrüchen – wenn in zehn Jahren 40 Prozent der Autos deutscher Hersteller mit Elektroantrieb hergestellt werden und 20 Prozent mit einer Kombination aus Elektro und Verbrennungsmotor, werden nach Berechnungen von „Agora Verkehrswende“ rund 84.000 Jobs in der deutschen Autoindustrie wegfallen (Seite 68). Die Gesamtkosten für die Verkehrswende sind gewaltig: Der Thinktank spricht von Investitionen in Höhe von 250 Milliarden Euro bis 2030 (Seite 70).

Wie sich die Mobilitätswende finanzieren lässt und warum auf dem Land andere Lösungen für einen klimafreundlichen Verkehr gefragt sind als in der Stadt, erfährst du bald im zweiten Teil unserer Serie.

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