Earth Hour

Published on 28. March 2019
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Licht aus!

Dunkelheit schärft die Sinne – auch für mehr Umwelt- und Klimaschutz. Warum am 30. März für eine Stunde das Licht ausgeht und wie sich an 365 Tagen im Jahr Energie sparen lässt.

Samoa macht als erstes das Licht aus. Um 20.30 Uhr Ortszeit wird es am 30. März 2019 in dem kleinen pazifischen Inselstaat für eine Stunde dunkel. Anlass ist die vom World Wide Fund for Nature (WWF) ausgerufene „Earth Hour“: Mit dem Ausschalten der Lichter soll ein Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz auf der Erde geschaffen werden. Das gut 15.000 Kilometer südöstlich von Deutschland gelegene Samoa ist ein gutes Symbol für das Anliegen der Earth Hour: Die Bewohner von Pazifischen Inselstaaten wie Samoa leiden bereits heute unter Wirbelstürmen, Dürren, starken Regenfällen, Überschwemmungen und Küstenerosion. Auf einigen Atollen herrscht bereits Wasserknappheit, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

 

Eine Stunde Dunkelheit

Nicht nur auf Samoa schlägt am 30. März die „Stunde der Erde“. Auch das Opernhaus in Sydney, das Empire State Building in New York oder das Brandenburger Tor werden um halb neun Uhr abends eine Stunde lang in Dunkelheit gehüllt sein. „Indem unsere beeindruckenden Bauwerke für eine Stunde dunkel werden, setzen wir auch ein weltweites Signal dafür, dass wir etwas gegen die menschenverursachten Katastrophen auf unserer Erde unternehmen müssen“, sagt Silke Hahn, WWF-Projektleiterin Deutschland. Die Earth Hour ist inzwischen ein Großereignis: Neben Städten, Gemeinden und Unternehmen beteiligen sich Millionen Menschen auf der ganzen Welt an der Aktion und knipsen zu Hause für eine Stunde das Licht aus.

Die Frankfurter Skyline glitzert nicht

Im Stundentakt bewegt sich die Earth Hour einmal rund um unseren Planeten – zwölf Stunden nach Samoa wird dann in Deutschland das Licht ausgeschaltet. 2018 machten fast 400 Städte bei der Aktion mit: So verdunkelten sich unter anderem der Kölner Dom, die Frankfurter Skyline, die Münchener Frauenkirche und das Hamburger Rathaus eine Stunde lang. Auch in Leipzig machten zuletzt viele Institutionen und Firmen bei der Initiative mit. In der Innenstadt wurde das Gewandhaus, die Höfe am Brühl und das 29-stöckige City-Hochhaus verdunkelt. Die Messestadt ist auch den Rest des Jahres in Sachen Klimaschutz aktiv und bekam 2017 einen Preis fürs Energiesparen: den European Energy Award in Gold. Zusammen mit der Bevölkerung sollen die Kohlendioxidemissionen alle fünf Jahre um weitere zehn Prozent reduziert werden. CO2-Emissionen sind mitverantwortlich für den Treibhauseffekt und globale Klimaveränderungen.

 

Earth Hour statt Sommerzeit?

„Die schrumpfenden Tierzahlen und die abnehmenden intakten Lebensräume sind ein Indikator für den enormen Druck, den wir auf den Planeten ausüben. Wir untergraben die Natur und Artenvielfalt – das, was uns alle ernährt", so Marco Lambertini, Generaldirektor von WWF International. 2019 steht die Earth Hour deshalb unter dem Motto „Für einen lebendigen Planeten“. In Deutschland haben sich vier Wochen vor dem Start bereits 180 Städte und Gemeinden angemeldet. Einen Überblick darüber, wer bei der Earth Hour mitmacht und welche Aktionen in deiner Stadt geplant sind, gibt es auf der Website des WWF. Würde jeder Privathaushalt in Deutschland bei der Earth Hour mitmachen, könnten 18 Millionen Kilowattstunden eingespart und die CO2-Emissionen um 10.600 Tonnen reduziert werden, hat der Energieversorger E.ON berechnet.

Übrigens: Einen Tag nach der Earth Hour – am 31. März 2019 – findet die Zeitumstellung auf die Sommerzeit statt. Entgegen der ursprünglichen Idee geht mit der Umstellung keine nachweisliche Energieeinsparung einher, stellt das Umweltbundesamt klar.

Licht aus für den Klimaschutz

Die von der Naturschutzorganisation WWF organisierte Earth Hour ist eine einfache Idee, die schnell zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte wurde. 2007 fand im australischen Sydney die erste Earth Hour statt: An der Sydney Harbour Bridge und anderen Wahrzeichen der Stadt blieben eine Stunde lang die Lichter aus. Australien gehört zu den Ländern mit dem größten Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid (CO2). Im Vorfeld der Aktion unkten Wirtschaft und Wissenschaft, eine zu große Beteiligung an der Earth Hour könne zu Abschaltungen im Stromnetz und dadurch zu einem großflächigen Stromausfall führen. Doch die Sorge löste sich in Luft auf: Die Betreiber der Stromnetze meldeten, die Stromversorgung und Netzfrequenz bliebe stabil und Stromausfälle habe es keine gegeben.

 

Nur fürs gute Gewissen?

Doch es gibt weiterhin Kritik an der Aktion: So meint die Tierschutzorganisation Peta beispielsweise, die Earth Hour beruhige lediglich das Gewissen. „Allein die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch benötigt soviel Energie wie eine 100-Watt-Glühbirne bei 20-tägigem Betrieb verbrauchen würde“, sagt Peta-Referent René Schärling. Für ein dauerhaftes Umdenken sei eine Änderung des Konsumverhaltens notwendig. Die Organisatoren der Earth Hour betonen dagegen, ihnen gehe es ums große Ganze: Laut WWF soll die Stunde der Erde das Bewusstsein für die Umwelt und den Klimaschutz stärken – und das nicht nur für 60 Minuten.

Rausgehen, aufräumen, Foto posten

„Wir haben keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt“, sagte der damalige UN-Generalsekretär Ban-ki Moon 2016 auf der UN-Klimakonferenz in Marrakesch. Der viel zitierte Satz wird im Netz kreativ umgesetzt: Inspiriert von der Netflix-Serie um die japanische Aufräum-Königin Marie Kondo macht zum Beispiel auf Reddit unter #trashtag eine neue Challenge Furore: Nutzer der aus vielen Sub-Communities bestehenden Internetseite posten Fotos, auf denen zu sehen ist, wie sie eine bestimmte Gegend – das kann ein Straßenrand oder ein Flusslauf sein – von Müll befreit haben. Dabei ist der Trend nicht neu: Seit 1993 gibt es den „Clean Up Australia Day“. An der mittlerweile weltweit stattfindenden Aktion, die immer am letzten Wochenende im September stattfindet, beteiligen sich nach Angaben der gemeinnützigen Organisation „Clean up the World“ mehr als 35 Millionen Menschen in 120 Ländern. Und seit 2010 ruft „Take 3“ zum regelmäßigen Müllsammeln am Strand auf. Die Non-Profit-Organisation legt den Fokus der Aufräumaktionen auf Meere und Wasserwege und hat mit Hilfe von freiwilligen Müllsammlern nach eigenen Angaben bisher 10 Millionen Stücke Abfall beseitigt. Gegen Plastikmüll und Armut in Ländern wie Haiti engagiert sich „Plastic Bank“: Das Sozialunternehmen macht Abfall zur Währung.

 

Stand-by vermeiden und Geld sparen

Klar ist: Jeder kann im Alltag etwas zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen – und den Geldbeutel schonen. Während eine Stunde „Licht aus“ bei zehn Energiesparlampen mit lediglich 4 Cent weniger zu Buche schlägt, wie das Verbraucherportal Verivox anlässlich der Earth Hour berechnet hat, lässt sich durch einen Verzicht auf „Stand-by“ bei Elektrogeräten deutlich mehr sparen. Der Stand-by-Betrieb verbraucht große Mengen Strom: 13 Milliarden Kilowattstunden (kWh) fallen pro Jahr an. Durch Stand-by entstehen jährlich Kosten in Höhe von 3,8 Milliarden Euro, so das Verbraucherportal Check 24. Das Umweltbundesamt rät dazu, „heimliche Verbräuche“ durch Computer, Stereo-Anlage, Fernseher und andere Geräte mit einem Strommessgerät zu „enttarnen“ und auf Einzelsteckdosen oder Steckdosenleisten zum Abschalten umzurüsten. Auch das Ladekabel fürs Mobiltelefon sollte nicht dauerhaft an der Steckdose hängen, denn auch ohne Ladevorgang wird dabei Strom verbraucht.

Licht aus, Sterne an: Die einstündige Dunkelheit während der Earth Hour lädt zum Sternegucken ein – ohne lästige Lichtverschmutzung, die unsere Nächte immer heller werden lässt. Passenderweise ist am 30. März auch der Astronomietag 2019: Unter dem Motto „Möge die Nacht mit uns sein!“ öffnen Sternwarten und Planetarien in ganz Deutschland ihre Türen, um funkelnde Sternbilder fachkundig zu zeigen.

 

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