eID: Was sie bietet und wo Deutschland aufholen muss

26.02.20

eID: Was sie bietet und wo Deutschland aufholen muss

Bewohnerparkausweis, Bafög, Bankkonto: Ein Ausweis mit eID-Funktion kann den digitalen Alltag erleichtern und Zeit sparen – was die elektronische Identität schon bietet und warum Deutschland beim eGovernment noch aufholen muss.

Nicht nur Menschen kommunizieren elektronisch. Auch Werkstücke, Materialien und Maschinen werden digitalisiert und vernetzt. Sichere Identitäten sind dabei unverzichtbar: Sie gewährleisten, dass Personen, Maschinen und Objekte auch diejenigen sind, für die sie sich ausgeben. Die elektronische Identität – abgekürzt eID –bezeichnet den digitalen Vertreter einer Person, eines Objekts oder eines Prozesses. Die eID, die sich aus dem Personalausweis ableiten lässt, kann zum Nachweis der Identität einer Person bei Online-Transaktionen, zum Beispiel bei Login-Prozessen verwendet werden. Die Verifizierung soll Identitätsdiebstahl vorbeugen und wichtige Erledigungen über das Internet, zum Beispiel bei Behörden, Versicherungen oder beim Online-Banking, sicherer machen. Um sich online ausweisen zu können, benötigt man neben dem Personalausweis mit freigeschalteter Online-Funktion, eine sechsstellige PIN-Nummer sowie ein spezielles Lesegerät oder Smartphone mit NFC-Schnittstelle und außerdem eine Software, zum Beispiel die AusweisApp2.

Konto eröffnen

Vertrauensanker in der digitalen Welt

„Ob ich jemandem vertrauen kann, ist von zentraler Bedeutung – und der Schlüssel für die digitale Wirtschaft“, sagt Dr. Kim Nguyen*, Geschäftsführer der D-Trust GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin gehört zur Bundesdruckerei-Gruppe und gilt als einer der Vorreiter im Umfeld sicherer digitaler Identitäten. D-Trust ist bereits seit 2016 als qualifizierter Vertrauensdienstanbieter gemäß der europäischen eIDAS-Verordnung bei der Bundesnetzagentur gelistet. „Unsere Lösungen beglaubigen zuverlässig die Identität einander unbekannter Personen oder Objekte und verwalten entsprechende Daten sicher“, erklärt Nguyen.

* Zitiert aus Interview mit Dr. Kim Nguyen, August 2016, für „Berlin to go“.

eID: Wunsch und Wirklichkeit

Behördengänge vom Sofa aus erledigen, statt ewig auf dem Amt zu warten: Die Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom digitale Verwaltungsangebote. Anders als im digitalen EU-Musterland Estland, wo die ID-Card samt digi-ID von den Bürgern rege genutzt wird – zum Beispiel für über 700 Millionen digitale Unterschriften im Jahr  – hatte die eID in Deutschland einen schweren Start: Von 51 Millionen Bürgern, die den seit November 2010 verfügbaren Personalausweis im Scheckkartenformat besitzen, hatte sieben Jahre später lediglich ein Drittel den elektronischen Identitätsnachweis freigeschaltet. Und nur 15 Prozent davon gaben an, die Funktion überhaupt schon einmal genutzt zu haben, berichtet „Die Zeit“. Um das zu ändern, werden Personalausweise seit 2017 trotz Protesten von Datenschützern standardmäßig mit einer einsatzbereiten eID-Funktion ausgegeben.

Ausweis mit grün-blauem Kreis

Ob und wo man die Online-Funktion nutzen kann, erkennt man am Logo, das auch auf der Rückseite des Personalausweises prangt: Ein grün-blauer durchbrochener Kreis, der entsprechend auch auf Internetanwendungen, Bürgerterminals und Lesegeräten zu finden ist. Aktuell lässt sich die Online-Funktion bei Bundesbehörden zum Beispiel für die Abfrage der Punkte beim Kraftfahrtbundesamt nutzen. Bei der Deutschen Rentenversicherung können damit Rentenauskünfte eingeholt werden und bei den deutschen Mahngerichten ist es möglich, mit der eID-Ausweisfunktion ein Mahnverfahren online zu beantragen.

Nürnberg: Total digital

Vom Bewohnerparkhausweis bis zur Zweitwohnungssteuer: In welchem Umfang Länder und Kommunen Online-Services mit der eID anbieten, ist unterschiedlich. In Baden-Württemberg haben Land und Kommunen 2019 zur Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen einen E-Government-Pakt unterzeichnet und in Bayern wirbt Nürnberg damit, dass im Bürgerserviceportal „Mein.Nürnberg“ die Möglichkeit besteht, „Verwaltungsangelegenheiten komplett elektronisch abzuwickeln – von der Antragstellung bis zur Rückmeldung der Bescheide oder Schriftstücke“.

Zusätzliche Identifizierungslösung

Außerdem gibt es einige Unternehmen, die eID-Services anbieten. So macht etwa Authdata, mit denen Fidor über ihren Partner IDnow zusammenarbeitet, die Installation einer Software zur sicheren Identifizierung überflüssig: Wer zum Beispiel ein Bankkonto eröffnen will, kann sich auch über ein NFC-fähiges Smartphone oder Tablet identifizieren. Das Video-Identverfahren zur Kontoeröffnung wird bei Fidor damit künftig um eine eID-Funktion erweitert und die Digitalbank kann ihren Neu- und Bestandskunden eine zusätzliche sichere Identifizierungslösung anbieten.

On-the-fly-Signatur mit dem Handy

Nicht nur in Estland, auch hierzulande ist übrigens eine rechtsgültige elektronische Unterschrift mit dem Mobiltelefon möglich: Dank der im Juli 2016 in Kraft getretenen eIDAS-Verordnung. Statt umständlich mit Signaturkarte oder Lesegerät zu hantieren, kann ein Smartphone mit NFC-Schnittstelle als „Kartenleser“ für den elektronischen Identitätsnachweis verwendet werden. Die On-the-Fly-Signatur sei besonders für diejenigen attraktiv, die nur gelegentlich elektronische Signaturen erstellen möchten, so das Bundesinnenministerium.

Wie viele Menschen den Online-Ausweis aktuell tatsächlich nutzen, weiß man beim Innenministerium laut einem Bericht der Welt nicht. Zur Orientierung: Die Software vom Bund wurde 52.000 Mal heruntergeladen, es gibt aber noch weitere Anbieter –eine entsprechende Liste findet sich auf dem Personalausweisportal des Bundesinnenministeriums.

Die Lücke schließt sich

Im jährlichen E-Government-Benchmark-Report der Unternehmensberatung Capgemini hinkt Deutschland gemeinsam mit Ungarn in Sachen Performance im Vergleich zu anderen EU-Ländern noch hinterher – allerdings schließe sich die Lücke zwischen Top-Performern und den Nachzüglern, konstatieren die Unternehmensberater. Dabei drängt die Zeit: Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sieht vor, dass alle Verwaltungsleistungen bis 2022 auch digital angeboten werden sollen.

Disclaimer
Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte dieser Aussendung. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Soweit wir Ihnen steuerliche oder rechtliche Informationen liefern, stellen diese keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Produkte oder Dienstleistungen zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Produkte oder deren Emittenten, Dienstleister oder Anbieter explizit erwähnt werden. Sofern die Inhalte und Informationen von Dritten zur Verfügung gestellt wurden bzw. Meinungen Dritter wiedergegeben werden, müssen diese nicht mit unserer Auffassung im Einklang, sondern können sogar im Widerspruch hierzu stehen. Bei Fragen zu rechtlichen oder steuerlichen Auswirkungen im Einzelfall wenden Sie sich bitte in jedem Fall vorher an Ihren Rechts- oder Steuerberater.

Weitere Beiträge aus der Fidor Welt

DIGITALISIERUNG

Das Banking der Zukunft

Bankroboter, Chatbots, KI: Das Banking der Zukunft ist digital. Wie die Banken- und Finanzbranche mit den Ansprüchen einer neuen Kundengeneration Schritt hält.

Erfahre mehr

NACHHALTIGKEIT

Nachhaltige Städte: Mobilitätsflatrates und Wohnen in Wasserrohren

Städte haben es schwer: Sie sollen sowohl lebenswert als auch wirtschaftlich stark sein. Höchste Zeit, in nachhaltige Städte, effiziente Verkehrssysteme und mehr Grün zu investieren.

Erfahre mehr

DIGITALISIERUNG

Mobile Payment in China – Innovationen ohne Datenschutz?

Mobiles Bezahlen ist in China fast so normal wie atmen. Warum WeChat Pay und Alipay boomen, was die Zukunft bringt und wie es um den Datenschutz steht.

Erfahre mehr