Digitales Bargeld: der E-Euro

11.08.21
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Digitales Bargeld: der E-Euro

Bald ist er da: der digitale Euro. Okay, noch nicht ganz. Erstmal startet die elektronische Form von Zentralbankgeld mit einer Testphase. Wie funktioniert der E-Euro und welche Vorteile hat die neue digitale Währung für Nutzerinnen und Nutzer?

„Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen in unsere Währung zu sichern. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digitale Zeitalter gerüstet ist“, sagte Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) im Oktober 2020. Will die EZB das Bargeld abschaffen? Und wie sieht es mit der Privatsphäre beim Bezahlen mit der neuen digitalen Währung aus? Wie der E-Euro genau gestaltet sein wird, darüber gibt es noch einige Unklarheiten. Erst wurde befragt, nun wird experimentiert und getestet. Was bereits bekannt ist und was noch kommen könnte: Ein (vorläufiger) Steckbrief zum digitalen Euro.

Digitaler Euro. Was ist das?

Der digitale Euro wird eins zu eins an den Euro gekoppelt sein und gehört zu den CBDCs (Central Bank Digital Currencies). Die Zuständigkeit für den digitalen Euro liegt bei der Europäische Zentralbank. Laut EZB soll er Bürger:innen und Unternehmen der Eurozone als leicht nutzbares und sicheres digitales Zahlungsmittel dienen.

Killt der digitale Euro das Bargeld?

Der digitale Euro soll das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen – das ist den Währungshütern wichtig. Die EZB will so lange Bargeld ausgeben, wie der Bedarf dafür existiert. Nicht nur in Deutschland gilt: „Bargeld genießt innerhalb der Bevölkerung ein hohes Vertrauen“, teilt die Deutsche Bundesbank mit, übrigens der größte Bargeld-Emittent im Eurosystem. Das zeigt sich besonders in Krisen wie der Finanzkrise 2008. In diesem Zeitraum nahmen die Auszahlungen von Banknoten laut Bundesbank außergewöhnlich stark zu.

Was ist neu am digitalen Euro?

Eine Frage, die sich manche:r nicht ganz zu Unrecht stellt. Schließlich begleichen die meisten von uns schon seit Jahren digital ihre Rechnungen – zum Beispiel mit der Girocard, der Kreditkarte oder PayPal. Der Unterschied klingt etwas erbsenzählerisch, ist aber entscheidend. Es handelt sich dabei um digitale Zahlungen, nicht um digitales Bargeld. Mit dem digitalen Euro erweitern die Währungshüter von der EZB den Bargeldbegriff.

Wie lassen sich die digitalen Euros aufbewahren?

Der digitale Euro „wohnt“ im Wallet. Wer Kryptowährungen besitzt, kennt den Begriff bereits – und nennt ein „Hot Wallet“ oder „Cold Wallet“ sein eigen. Geplant ist, dass EU-Bürger:innen auf ihrem Smartphone eine digitale Geldbörse haben, mit der sie dann Einkäufe mittels E-Euro in Sekundenschnelle bezahlen können. Das funktioniert dann auch über Landesgrenzen hinweg – und löst das Problem, dass beispielsweise Überweisungen nach China häufig länger als der eigentliche Warentransport benötigen.

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Welche Technik steckt hinter dem E-Euro?

Bei der technischen Umsetzung könnte es einen Unterschied zu Kryptowährungen oder Stablecoins geben. Der digitale Euro soll nach bisherigen Plänen der EZB nicht auf Distributed Ledger Technology (DLT) basieren, sondern auf einem konventionellen Datenbanksystem. Anwendungsfälle für DLT sind Blockchain und Kryptowährungen wie Bitcoin. „DLT-basierte Systeme werden bisher nicht im Bereich des Retail-Zahlungsverkehrs eingesetzt und die EZB will keine funktionalen Risiken eingehen.“, meint Heike Mai von Deutsche Bank Research. Das würde bedeuten, dass der digitale Euro durch die dahinterstehende Technologie den Markt für Zahlungsvorgänge in Europa nicht voranbringen kann. Der digitale Euro taugt dann beispielsweise nicht als Payment-Lösung für das Internet of Things (IoT). „Um die Potenziale des IoT wirklich heben zu können, müssen aber vollautomatische, autonome Zahlungen zwischen Maschinen, sogenannte M2M-Payments, möglich sein“, stellt das Whitepaper der Software- und Finanzconsultingfirma PPI fest.

Wann kann man mit dem E-Euro bezahlen?

Bisher ist kein genauer Zeitpunkt für die Einführung des digitalen Euros festgelegt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet damit, dass eine 2020 dafür eingesetzte Taskforce der EZB bis 2025 benötigt, um die institutionellen, rechtlichen und praktischen Aspekte zur Schaffung eines digitalen Euros zu klären. „Doch bis dahin muss sie noch viele regulatorische, bürokratische und formaltechnische Herausforderungen lösen, wie etwa die Einführung digitaler Konten für alle Interessierten im Euroraum“ urteilt Prof. Dr. Horst Gischer im Interview mit Sparkasse.de. Der Finanzwirtschaftler hält das für sehr aufwendig, aber machbar. Immerhin steht der Beginn einer Testphase fest. Mitte Oktober 2021 ist es laut EZB-Pressemitteilung soweit: „Die Untersuchungsphase wird 24 Monate dauern und darauf abzielen, wichtige Fragen zu Design und Vertrieb zu klären.“

Wo gibt es schon digitale Währungen?

Europa liegt in Sachen Digital-Währung im Rückstand, während Länder wie China bereits losgelegt haben. In mehreren Städten testet die chinesische Zentralbank den digitalen Yuan und treibt eine flächendeckende Einführung voran. Mit einem eigenen elektronischen Zentralbankgeld steigt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in den Wettbewerb für mobile Zahlungen ein, der bisher von Alipay der Ant Group und WeChat Pay von Tencent beherrscht wird. Noch schneller waren die Bahamas, die als erstes Land der Welt den „Sand Dollar“ einführten. In dem Inselstaat können Bürger:innen seit Oktober 2020 mit digitalem Geld bezahlen

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Welche Vorteile hat der digitale Euro?

Der digitale Euro soll das Bezahlen im internationalen Handel und auch im Internet einfacher und schneller machen. Hinter dieser Hoffnung der EZB steht auch geopolitisches Kalkül. Experten sehen im E-Euro dementsprechend mehr als eine Währung. „Der digitale Euro ist natürlich auch Geopolitik. Man will verhindern, dass die EU-Bürger und EU-Unternehmen auf ausländische oder private Digital-Währungen zurückgreifen müssen. Die Befürchtung ist, dass die First Mover auf dem Gebiet große Marktanteile erobern können“, sagt Patrick Hansen vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom).

Taugt der Digitale Euro als Sparanlage?

Der digitale Euro ist in erster Linie als Zahlungsmittel und nicht als Geldanlageinstrument gedacht. Da die Währungshüter der Europäischen Zentralbank sehr bestrebt sind, die finanzielle Stabilität zu erhalten, wird es vermutlich eine Obergrenze für die Höhe der Guthaben geben, meinen Expert:innen. Heike Mai von Deutsche Bank Research nennt ein „vermutliches Limit von 3.000 Euro pro Nutzer“. Alternativ seien auch höhere Summen denkbar, dann aber „zu ungünstigen Zinssätzen, um Sparer zu entmutigen.“

Ist der E-Euro sicher?

Mit dem digitalen Euro sollen Privatpersonen und Unternehmen in Europa Zugang zu digitalem Zentralbankgeld bekommen. Ein Vorteil von Bargeld liegt darin, dass es sicherer als das sogenannte Giralgeld von Geschäftsbanken ist. Für den digitalen Euro formuliert EZB-Präsidentin Christine Lagarde es so: „Mit unserer Arbeit wollen wir sicherstellen, dass Bürger und Unternehmen auch im digitalen Zeitalter Zugang zur sichersten Form des Geldes, dem Zentralbankgeld, haben“. Kurz gesagt können Geschäftsbanken Pleite gehen, Zentralbanken nicht. So wie das physische Bargeld auch wäre der digitale Euro damit eine Forderung gegenüber der Zentralbank, die als ausfallsicher gilt. Das unterscheidet den E-Euro auch von Kryptowährungen.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Die Ergebnisse der Umfragen zum digitalen Euro, die die EZB im April 2021 veröffentlicht hat, machen deutlich: Am wichtigsten für die Öffentlichkeit und für Fachkreise ist der Datenschutz (43 %). Die EZB hat bereits erklärt, dass sie dem Wunsch nach Privatsphäre und Datenschutz Rechnung tragen will. Der digitale Euro könnte nach Meinung von Expert:innen so gestaltet werden, dass er einen deutlich höheren Datenschutz garantiert als bestehende elektronische Bezahlsysteme. In einer Zeit, in der zunehmend weniger Einzelhändler Bargeld akzeptieren und der Online-Handel boomt, könnte das zum großen Vorteil des elektronischen Zentralbankgeldes werden. Dabei muss die EZB allerdings einen Spagat hinbekommen: Zwischen dem Recht auf Datenschutz auf der einen Seite und der Bekämpfung von kriminellen Aktivitäten auf der anderen Seite, zum Beispiel von Geldwäsche. Eine Möglichkeit wäre, dass lediglich kleinere Beträge anonym bleiben.

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