DAO: Ist die neue Blockchain-Organisation das Unternehmensmodell der Zukunft?

13.05.22
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DAO: Ist die neue Blockchain-Organisation das Unternehmensmodell der Zukunft?

Entscheidungen in Unternehmen erfolgen meist nach dem Top-Down-Prinzip: die Firmenleitung gibt Regeln vor, die dann von den unteren Management- und Mitarbeiterebenen ausgeführt werden. Das stößt in der Krypto-Branche, die besonders Wert auf Dezentralisierung und Autonomie legt, auf Widerstand. Dezentrale Autonome Organisationen (DAO) gelten in der Szene daher als innovative Lösung für ein transparentes und demokratisches Management ohne Chef:innen. Wer die passenden „Governance-Token“ besitzt, darf über künftige Entwicklung – wie etwa den Kauf von NFTs oder gar Grundstücken - mitentscheiden.

Ob Firma, Behörde oder die Regierung eines Staates - in den meisten Organisationen dieser Welt gibt es einige Aufgaben, die immer gleich ablaufen - und die deshalb auch ohne menschliche Entscheider automatisch erledigt werden könnten. Zum Beispiel durch künstliche Intelligenzen oder eben auch durch Blockchain basierte „Smart Contracts“, also Computerprotokolle, in die bestimmte standardisierte Abläufe einprogrammiert sind.

Dezentrale autonome Organisationen (DAO) greifen genau diesen Gedanken auf. Ihre Entwickler versuchen, die passenden Protokolle zu programmieren, um beispielsweise Geldgeschäfte dezentral ohne Banken möglich zu machen oder um Unternehmensprozesse ohne ein zentrales Management transparent abzuwickeln. In DAOs gibt es keine zentralen Autoritäten, die den Ablauf kontrollieren – Mitglieder sind prinzipiell gleichgestellt und agieren selbständig. Sollten sich derartige Protokolle langfristig als praktikabler oder gar zuverlässiger erweisen als von Menschen durchgeführte Abläufe, könnten DAO künftig zu einem großen Geschäftsfeld werden. Denn so gut wie hinter jedem Produkt und hinter jeder Dienstleistung steckt eine Organisation - und damit viel Potenzial für die Anwendung von selbstorganisierenden Ökosystemen. Im Kryptospace sind deshalb schon jetzt viele Beobachter:innen davon überzeugt, dass DAO der nächste große Hype werden - ähnlich wie zuletzt DeFi (Decentralized Finance) und NFTs (Non-Fungible Token).

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Die Welt der Dezentralen autonomen Organisationen

Doch was können DAOs nun genau? Manche behaupten scherzhaft, die selbstverwaltenden Organisationen seien im Grunde genommen eine Art besseres Gemeinschaftskonto, das von einem Computercode gemanagt wird. Vom Prinzip her ist das auch so. In jeder der autonomen Organisationen geht es darum, ein gemeinsam verwaltetes Vermögen für unterschiedliche jeweils gemeinsam beschlossene Zwecke einzusetzen. Die Visionär:innen unter den DAO-Gründer:innen sehen in den neuen dezentralen Strukturen mehr als einen Weg, Organisationsprozesse zu optimieren. Die ideale DAO ist transparent, frei von Hierarchien und frei von Korruption, denn die Inhalte der Protokolle, die die DAOs steuern werden von den Mitglieder:innen basisdemokratisch festgelegt. Zudem werden sämtliche Transaktionen, die über diese Protokolle laufen, auf der Blockchain aufgezeichnet und sind daher für alle jederzeit nachvollziehbar. DAOs kommen ohne singuläre Entscheidungsträger:innen wie Vorstände aus, die Fehler machen oder gar Entscheidungen zu ihren eigenen Gunsten statt im Sinne der Organisation treffen könnten.

Das neue Organisationsprinzip setzt sich allmählich im Krypto-Bereich durch, mittlerweile gibt es gefühlt unzählige DAO-Protokolle. Gemeinsam ist allen jedoch, dass sie selbständig agieren und prinzipiell keine menschliche Unterstützung bei der Abwicklung der Arbeitsabläufe benötigen. Populär sind unter anderem Protocol-DAOs wie die Kryptobörse Uniswap oder die dezentrale Krypto-Lending-Plattform Aave, also Plattformen aus dem DeFi-Bereich. Bekanntheit erlangten in den vergangenen Monaten auch einige Collector-DAOs, deren Ziel es ist, gemeinsam mit allen Mitgliedern NFTs zu erwerben. Unlängst fanden die autonomen Krypto-Organisationen ihren Weg auch in die reale Welt. CityDAO etwa hat ein Grundstück im US-amerikanischen Wyoming erworben. Die rund 400 Mitglieder:innen diskutieren noch, ob auf dem Grundstück eher eine Gemeinde oder doch lieber ein Solarfeld - oder etwas ganz anderes - entstehen soll.

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Wie DAOs funktionieren

DAOs funktionieren auf der Basis von Smart Contracts. Sie bilden die Grundlage für die Regeln in der Organisation und geben etwa vor, wie das Vermögen verwaltet wird. Die smarten Verträge operieren auf einer Blockchain, wie beispielsweise Ethereum. Sämtliche Informationen über Transaktionen innerhalb der DAO werden so sicher und dezentral gespeichert, beispielsweise eine automatisierte Gehaltsauszahlung an die Entwickler:innen des Protokolls oder der Kauf eines NFTs, den die DAO-Mitglieder gemeinschaftlich per Abstimmung beschließen. Über den Verlauf des DAO, seine Regeln und Prozesse kann in der Regel basisdemokratisch abgestimmt werden. Mitentscheiden können alle Mitglieder der jeweiligen Organisation. In der Regel investieren potenzielle Mitglieder eine bestimmte Menge an Kapital in das DAO – welches dann später von der Organisation verwaltet wird – und erhalten im Gegenzug eine bestimmte Anzahl an sogenannten Governance-Token. Der Token berechtigt sie dazu, an Entscheidungen über das Projekt teilzunehmen, etwa wie hoch die Gebühren für Transaktionen in dem jeweiligen Protokoll sein sollen oder welches NFT als nächstes gekauft wird.

Gekauftes Stimmrecht kann zum Problem werden

Sind DAOs also die Organisationen der Zukunft? Letztlich ist diese Frage derzeit wohl nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten. Vielversprechend ist die Aussicht, Organisationen künftig nicht nur effizienter, sondern auch transparenter und demokratischer zu gestalten. Hier gibt es allerdings noch viele offene Fragen, denn in den meisten DAOs korrelieren die Menge der Governance-Token im Besitz eines Mitglieds mit dessen Stimmgewicht. Wer mehr Token kauft, kann demnach mehr Einfluss auf Entscheidungen nehmen. Das schließt nicht nur potenzielle Mitglieder aus, die nicht über die nötigen finanziellen Ressourcen verfügen, die Akkumulation von Stimmrechten kann darüber hinaus zum Selbstläufer werden. Wie etwa im Beispiel von Curve Finance, einer dezentralen Börse für Stablecoins. Anleger können dort unterschiedliche Stablecoins gegeneinander tauschen, ohne dass hohe Gebühren anfallen. Wer Stimmrechte besitzt kann unter anderem Einfluss auf Tradingkonditionen wie Transaktionsgebühren nehmen oder auf die Vergütung der Liquiditätsanbieter. Andere Kryptofirmen versuchen daher gezielt, Governance Token von Curve zu akkumulieren und so Entscheidungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Andererseits können durch das Abstimmungsprinzip auch Entscheidungen verzögert oder blockiert werden, was wiederum die Weiterentwicklung der jeweiligen DAO behindern kann.

Klar ist aber: Es gibt Vorgänge in Organisationen, die ebenso gut automatisch erledigt werden können. Bisherige computergestützte Systeme bringen die Schwäche mit sich, über einen zentralen Server gesteuert zu werden und damit anfällig für Missbrauch zu sein - sei es durch Angriffe von außen oder in Form von Korruption innerhalb der Organisation. Hier bieten dezentrale und autonome Organisationen einen neuen und vielversprechenden Ansatz, der sich in Zukunft weiter entwickeln wird. Erfolgreiche Beispiele aus dem DeFi-Sektor zeigen, wie das Prinzip der Selbstorganisation praktisch anwendbar gemacht werden kann. Es bleibt daher womöglich nur eine Frage der Zeit, bis vergleichbare Projekte auch in andere Organisationen wie Behörden, politische Gremien oder Stiftungen Eingang finden werden.

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