Die Masse macht's: Crowdinvesting und Crowdlending

Published on 15. November 2018
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Die Masse macht's: Crowdinvesting und Crowdlending

Keine Frage: Zwischen Spenden und Investieren liegen Welten. Aber Crowdfunding und Crowdinvesting haben auch Gemeinsamkeiten. Und wie Crowdlending von der Kraft der Masse profitiert, erfährst du ebenfalls in Teil zwei unserer Serie rund um Schwarmfinanzierungen.

 

 

Kleiner Einsatz, große Wirkung: In Teil eins unserer Serie hatten wir euch bereits erklärt, wie Crowdfinancing funktioniert. Crowdinvesting setzt wie Crowdfunding auf eine Vielzahl von Investoren, die teilweise sehr geringe Summen zur Verfügung stellen, um ein bestimmtes Projekt zu realisieren. Beim Crowdinvesting steht allerdings die Rendite im Vordergrund. „Beim sogenannten Crowdinvesting spenden die Kleinanleger ihr Geld nicht mehr. Vielmehr wird ihnen im Gegenzug für ihre Beteiligung die Zahlung eines bestimmten Zinses versprochen. Oder die Anleger hoffen darauf, dass später ein Großinvestor ihr Projekt übernimmt und ihnen die Anteile mit einem satten Aufschlag abkauft“, erläutert die Verbraucherzentrale. 

So wie bei Bloomy Days: Das Berliner Startup, das Blumensträuße im Abo verkauft, sammelte 2012 in wenigen Minuten 100.000 Euro bei der Crowd ein. Als ein Großinvestor bei Bloomy Days einstieg, bekamen die Klein-Investoren ihre Anteile mit einer Rendite von 30 Prozent zurück. Doch es gibt auch Beispiele, wo das Risiko nicht von Erfolg gekrönt war. Unter den Crowdinvesting-Pleiten sind Vorzeige-Startups wie Protonet, das einfache Server für jedermann betreibt, aber Anfang 2017 Insolvenz anmelden musste.

Der Blick ins Kleingedruckte

Das hilft: Ein genauer Blick auf die Website und das jeweilige Vermögensanlage-Informationsblatt (eine Art Beipackzettel für Geldanlagen). Vertiefende Informationen bieten Verkaufsprospekte – die meisten Crowdinvesting-Projekte sind allerdings nicht prospektpflichtig. Der Schwellenwert für die Erstellung eines Wertpapierprospekts ist laut EU-Wertpapierprospektverordnung auf 8 Millionen Euro festgelegt. Das 2015 in Kraft getretene Kleinanlegerschutzgesetz gibt Crowdinvestments einen rechtlichen Rahmen. Oft sind Crowdinvestments sogenannte Nachrangdarlehen und gehören zum grauen Kapitalmarkt. Bei einer Insolvenz stehen die Anleger ganz hinten in der Schlange der Gläubiger.

 

 

Die Laufzeiten der Darlehen sind je nach Branche und Plattform unterschiedlich und können von zwei bis acht Jahren reichen. Neben Zinsen und Gewinnbeteiligungen bieten einige der Crowdinvesting-Beteiligungen einen weiteren Bonus: Zum Beispiel das Investieren in Umwelt-Projekte. Auf der Crowdinvesting-Plattform „Leih deiner Umwelt Geld“, die auf dem digitalen Finanzmarktplatz Fidor Market vertreten ist, können Anleger unter anderem in Windparks oder den Bau von Energieeffizienzhäusern investieren.

Crowdinvesting-Check

Pro Contra
leichter Zugang zu neuen Anlageklassen während der Laufzeit gibt es keine Möglichkeit zur Kündigung
geringe Mindestinvestgrößen erlauben eine Streuung
des Risikos in mehrere kleine Investments
möglicherweise vollständiger Verlust des
eingesetzten Investments

 

Crowdinvesting ermöglicht eine enge Bindung zu den Projekten, in die du investierst. Meist kannst du direkt mitverfolgen, wofür dein Geld eingesetzt wird. Zudem wird dir eine große Bandbreite an Projekten geboten: Vom Biotech-Startup bis zum mittelständischen Schoko-Traditionsunternehmen über die Bürgersolaranlage ist alles dabei. Die Entscheidung, ob das Projekt, in das du investierst, erfolgversprechend ist und seriös gemanagt wird, musst du selbstständig treffen. Laufe dabei nicht einfach der „Crowd“ hinterher!

Wer beispielsweise in Immobilien investiert, hat zwar die Aussicht auf besonders hohe Rendite, sollte aber dennoch bedenken, dass beim Crowdinvesting die Gefahr besteht, das vollständige Investment zu verlieren. Der Gesetzgeber schreibt für Crowdinvestments folgenden Warnhinweis vor: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“ Also: Nur Geld einsetzen, auf das du im Ernstfall verzichten kannst!

Crowdlending aka Peer-to-Peer-Lending

Das auch als Peer-to-Peer-Lending bezeichnete Modell bringt Kreditnehmer und Kreditgeber durch einen auktionsähnlichen Prozess zusammen. Auf einem Crowdlending-Marktplatz finden private Kreditgeber interessante Projekte und Kreditnehmer – und umgekehrt.

Kennzeichen von Crowdlending ist immer die Kreditvergabe von vielen Privatanlegern an eine andere Privatperson oder an Unternehmen.

 

Marktwachstum von 95 Prozent

Laut einer Studie des Bundesfinanzministeriums (BMF) aus dem Jahr 2015 wurden in Deutschland Crowdlending-Kredite in Höhe von insgesamt 189 Millionen Euro an Privatleute und Unternehmen vermittelt. Der Markt wächst rasant: Seit 2007 liegt das jährliche Marktwachstum im Schnitt bei 95 Prozent, so das BMF. Auch im Fidor Market sind einige Anbieter vertreten. 

Crowdlending-Check

Der Geldgeber bekommt Informationen über denjenigen, der sein Geld bekommt und weiß genau, was er oder sie mit dem Geld vorhat. Die Plattformen veröffentlichen Zinssätze und Gebühren für jedes einzelne Kreditprojekt. Auch Informationen zu Finanzdaten der Unternehmen oder Personen, die auf der Plattform Kredit beantragen, können eingesehen werden.

 

Pro Contra
kleine Mindestanlagesummen möglicher Totalausfall 
Aussicht auf eine hohe Rendite Crowdlending-Plattformen übernehmen keine Haftung

 

Beim Crowdlending gibt es kleine Mindestanlagesummen: Häufig ist es möglich, bereits ab 25 Euro in Projekte einzusteigen. Die geringen Summen ermöglichen es, ein breites Portfolio anzulegen und das Risiko zu streuen. 

Wenn die kreditnehmende Person jedoch eine Privatinsolvenz anmeldet oder das kreditnehmende Unternehmen zahlungsunfähig wird, kann der Kredit ausfallen. Bei nicht ausreichender Insolvenzmasse droht ein Totalausfall. Da die Crowdlending-Plattformen keine Haftung übernehmen und auch der Einlagensicherungsfonds der Banken nicht einspringt, solltet ihr euch über das Risiko bewusst sein.