Die Masse macht’s: Crowdfinancing

Published on 14. November 2018
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Die Masse macht’s: Crowdfinancing

Beim Crowdsurfing auf dem Konzert trägt dich die Masse – und auch in Finanzfragen zündet die Kraft des Schwarms: Beim Crowdfinancing kannst du mit wenig Geld viel bewirken. Teil eins unserer Serie über Chancen und Risiken von Schwarmfinanzierungen.

Stell dir vor, du willst ein Fußballstadion umbenennen. Für Nicht-Millionäre schwierig, doch gemeinsam mit anderen Fußballfans kann das glücken – so wie in Nürnberg: Dort ist das Max-Morlock-Stadion seit Juli 2017 offiziell nach der Fußball-Legende benannt. Kleine Hilfe für Ahnungslose: Morlock erzielte 1954 beim „Wunder von Bern“ für die DFB-Elf den 1:2-Anschlusstreffer im Finale gegen Ungarn. Möglich wurde die Umbenennung des Nürnberger Stadions per Crowdfunding: Die Fans beteiligten sich mit Mindestbeträgen ab fünf Euro an der Crowdfunding-Aktion „Max gemeinsam“  und brachten so insgesamt 330.000 Euro zusammen. Dafür verzichtete die Consorsbank auf das klassische Namensponsoring und zahlte den Restbetrag, der benötigt wurde, um die Umbenennung in „Max-Morlock-Stadion“ für zunächst drei Jahre zu gewährleisten.

Crowdfunding macht Karriere

Wer 2005 den Suchbegriff „Crowdfunding“ bei Google suchte, bekam null Ergebnisse. Heute: Über 28 Millionen Treffer. Und der Markt für Schwarmfinanzierungen wächst immer weiter: Das gesamte seit 2011 in Deutschland investierte Crowdkapital hat im Juni 2018 die 500 Millionen Euro-Marke erreicht, berichtet Crowdinvesting.de. „Davon wurden 200 Millionen Euro im Jahr 2017 investiert. Im ersten Halbjahr 2018 hat das Volumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 48 Prozent zugelegt“, so Michel Harms, Herausgeber des Informationsportals. Gleichzeitig ist es (noch) eine Art Nischeninvestment: Das Volumen von 500 Millionen Euro macht nur 0,03 Prozent des verfügbaren Einkommens privater Haushalte in Deutschland aus.

Für den Durchblick: Crowdfunding wird in Deutschland häufig als Oberbegriff verwendet – korrekt wären eigentlich die Bezeichnungen Crowdfinancing oder Schwarmfinanzierung.

So einfach wie wirkungsvoll

Die Idee hinter Crowdfunding ist simpel: Was für einen allein zu teuer ist, kann sich die Masse leisten. Und dank Internet kann eine „Crowd“ einfach zusammenkommen: Web-Portale bringen Unternehmen und Projekte mit einer Vielzahl kleiner Financiers in Verbindung. Die größten drei Internetplattformen sind laut Crowdfunding.de die Immobilienplattform Exporo, gefolgt von Funding Circle und Companisto. Beide Unternehmen haben sich auf die Unternehmensfinanzierung spezialisiert. Anfangs setzten vor allem Startups oder Unternehmen der Kreativindustrie für die Finanzierung von innovativen Projekten auf die Kraft des Schwarms. Inzwischen haben auch mittelständische Unternehmen, soziale Projekte, Energieeffizienzprojekte und Sportvereine die Vorteile dieser Art der Finanzierung für sich entdeckt.

Doch wie funktioniert die alternative Finanzierungsart eigentlich? 

 

Crowdfunding: Es war einmal in Amerika…

Crowdfunding gab es bereits im 19. Jahrhundert: 160.000 Einzelspender machten in New York den Sockel möglich, auf dem die Freiheitsstatue errichtet wurde. Digital wurde das Sammeln von Spenden zur Projektfinanzierung dann 2003 mit artistshare.com: Die Website war eine Idee des US-Musikers und Produzenten Brian Camelio, der damit anderen Musikern ermöglichen wollte, Geld für die Produktion eines Albums vor Veröffentlichung einzusammeln. In Deutschland gingen die ersten Crowdfunding-Plattformen 2010 an den Start.

Das macht modernes Crowdfunding aus: Die Geldgeber geben während eines definierten Zeitraums Geld für eine konkretes Projekt oder einen bestimmten Zweck. Das Crowdfunding wird meist über das Internet organisiert und ist im Gegensatz zu Spendenplattformen nicht auf den gemeinnützigen Bereich beschränkt. Häufig wird diese Art der Finanzierung auch im Kunst- und Kulturbereich oder von Non-Profit-Organisationen eingesetzt. Es gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip: Die Online-Spendensammlung ist anlassbezogen und hat ein festes Finanzierungsziel. Wird dieses nicht erreicht, gibt’s das eingezahlte Geld komplett zurück.

Fun-Fact: Den Rekord für das größte Dokumentarfilmprojekt in Deutschland, das per Crowdfunding unterstützt wurde, hält „EckeSchussGold“. Die Doku begleitet die deutsche Damen- und Herren-Hockey-Nationalmannschaft auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Das Projekt erzielte ein Fundingsumme von 321.226 Euro – das ursprüngliche Ziel lag bei nur 280.000 Euro.

Crowdfunding-Check

Gegenleistungsbasiertes Crowdfunding Spendenbasiertes Crowdfunding

Hier winkt eine symbolische Gegenleistung:
Die Spender werden zum Beispiel im Abspann
eines mitfinanzierten Films genannt oder erhalten
zum Dank ein signiertes T-Shirt der Band, deren Tour
sie unterstützt haben.

Hier gibt es keine Gegenleistung und
auch keine Spendenquittung, die sich von der Steuer
absetzen ließe. Ein öffentliches „Dankeschön“ und das
Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, muss reichen.

 

In dem nächsten Teil der Serie erfahrt ihr, was sich hinter Crowdinvesting und Crowdlending verbirgt.