Endlich reisen – besser versichern?

22.06.21
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Endlich reisen – besser versichern?

Der Sommer kommt, Corona bleibt. Reisen in Pandemiezeiten bedeutet auch, über eine Reiserücktrittsversicherung nachzudenken. Was vor dem Versicherungsabschluss und im Schadensfall zu beachten ist.

Das Leben kehrt zurück. Geschäfte, Gaststätten und Hotels sind wieder geöffnet. Mit umfangreichen Lockerungen in fast allen deutschen Bundesländern steigt die Reiselust. Doch auch wenn das Robert-Koch-Institut für eine Reihe von Ländern Entwarnung gegeben hat: Wer in Corona-Zeiten eine Reise plant, muss sich mit den geltenden Corona-Regeln, Reisewarnungen und Virusvariantengebieten auseinandersetzen. Trotz aller Lockerungen besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass Covid-19 die Reisepläne durchkreuzt.

Laut einer Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen lagen die durchschnittlichen Kosten für eine Auslandsreise im Jahr 2019 bei etwa 1.400 Euro. Ein Verlust in dieser Höhe ist nicht direkt existenzbedrohend, kann aber ein großes Loch in die Finanzen reißen. In Pandemiezeiten steht die Frage „was tun, wenn ich wegen Corona meine Reise nicht antreten kann?“ im Raum – und die Frage nach einer Reiserücktrittsversicherung. Viele Versicherungsunternehmen haben inzwischen reagiert und bieten einen „Corona-Reiseschutz“ an. Aber was genau bedeutet das und was muss vor dem Abschluss einer solchen Versicherung beachtet werden? Wir werfen einen genaueren Blick auf das Thema Reiseversicherungen in Corona-Zeiten.

Rote Karte Reisewarnung

„Auch bei regionalen oder überregionalen Quarantänemaßnahmen zuhause oder am Reiseort springt keine Versicherung ein.“

Weltweit gilt seit Herbst 2020 ein dreistufiges Ampelsystem von rot über gelb bis grün. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts richtet sich dabei nach den Infektionszahlen. Ab 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen gilt ein Land oder eine Region als Risikogebiet und wird auf der Landkarte rot markiert. Dann wird automatisch auch eine Reisewarnung ausgesprochen.

Achtung: Eine Reisewarnung an sich ist kein Rücktritts-, beziehungsweise Abbruchsgrund. Die Reiseversicherung greift in diesem Fall nicht. „Auch bei regionalen oder überregionalen Quarantänemaßnahmen zuhause oder am Reiseort springt keine Versicherung ein“, sagt Max Mergenbaum von Finanztip.de.

Reiseversicherungen – die Bausteine

Reiseversicherungen bestehen meist aus mehreren Bausteinen. So lassen sich Reiserücktrittsversicherung und Reiseabbruchversicherung entweder als Kombi-Pakete oder auch einzeln abschließen. Eine spezielle Corona-Versicherung wird meist als „Add-On“ einer Reiserücktrittsversicherung angeboten.

 

Die Reiserücktrittsversicherung

Die Reiserücktrittsversicherung oder auch Reisekostenrücktrittsversicherung schützt davor, wenn eine Reise wegen einer eigenen Erkrankung oder aufgrund anderer im Vertrag ausdrücklich genannter Fälle (dazu zählen beispielsweise auch ein schwerer Unfall oder der Tod eines Angehörigen) nicht angetreten werden kann. Auch bei einem unerwarteten Jobverlust aus betriebsbedingten Gründen oder Impf-Unverträglichkeiten mit gesundheitlichen Auswirkungen greift die Versicherung, so das Online-Reisemagazin Travelbook.

Eine Erkrankung mit dem Coronavirus gilt als unerwartet schwere Erkrankung und ist damit durch die Reiserücktrittsversicherung abgedeckt. Ein prüfender Blick in die Versicherungsbedingungen ist trotzdem wichtig. Die Versicherung greift nicht, wenn Pandemie-Erkrankungen ausdrücklich in den vereinbarten Bedingungen ausgeschlossen sind. Auch bei nur leichten Corona-Symptomen leisten einige Versicherungen nicht.

Übrigens: Die Angst vor einer Ansteckung mit Corona rechtfertigt die Absage einer Reise nicht – dann zahlt die beste Reiserücktrittsversicherung nicht. Und wer sich nicht impfen lässt, obwohl das Bedingung der Airline oder des Reiseveranstalters ist, hat im Schadensfall ebenfalls schlechte Karten.

 

Die Reiseabbruchversicherung

Eine Reiseabbruchversicherung deckt alles ab, was während der Reise passiert – eine Kombination von Reiserücktritt- und Reiseabbruchversicherung ergibt also Sinn.

Nicht nur im Krankheitsfall, sondern auch im Quarantänefall, wenn zuvor Kontakt zu einer positiv auf Corona getesteten Person bestand, sollte eine Reiseversicherung einspringen. Das ist nicht nur vor der Reise, sondern auch am Urlaubsort wichtig, wenn wegen der Quarantäne der Aufenthalt im Hotel verlängert werden muss. Viele Reiseversicherungen greifen in diesem Fall – allerdings zu unterschiedlichen Bedingungen: Teilweise muss die persönliche Quarantäne extra mitversichert werden, so Finanztip.

Beim Abschluss:

Für den Abschluss der Reiserücktrittsversicherung gibt es eine Frist. Wer versäumt, die Versicherung 30 Tage vor Reiseantritt abzuschließen, muss diese spätestens am Tag der Reisebuchung erwerben.

Auch wenn häufig direkt bei der Reisebuchung eine Rücktrittsversicherung angeboten wird: Lieber auf einem Vergleichsportal wie Check 24 oder Verivox recherchieren und die Reiserücktrittsversicherung separat abschließen, das ist meist günstiger. Einen Überblick gibt auch der Nach-Check zum Corona-Schutz von Reiserücktrittsversicherungen von Stiftung Warentest.

Oftmals bieten auch Kreditkartenfirmen eine Reiserücktrittsversicherung mit an. Hier sollte man jedoch genau die Versicherungsbedingungen checken. Meist ist Bedingung, dass die Reise inklusive Anzahlung vollständig mit der Kreditkarte bezahlt wurde. Zudem kann der Umfang der zusätzlichen Leistungen die fällige Jahresgebühr ansteigen lassen, so Leonie Wiesner von Focus-Online.

Noch ein Spartipp der Serviceredaktion von Finanztip: Ein Jahresvertrag ist häufig günstiger als ein Einzelvertrag. Dann sollte man allerdings prüfen, ob sich der Jahresvertrag automatisch verlängert, wenn er nicht fristgerecht gekündigt wird. Für Paare und Familien lohnt sich zudem häufig der Abschluss eines Familientarifs, urteilen die Finanzexperten. Besonders groß sei der Vorteil für Familien mit Kindern.

Wer bei der Prämie sparen will, kann auch eine Selbstbeteiligung einschließen. Bei Tarifen mit Selbstbehalt beläuft diese sich häufig auf 20 Prozent des erstattungsfähigen Schadens. Der Spartrick lohnt sich bei teuren oder kurzfristig gebuchten Reisen allerdings nicht. Hier steigt der Kostenanteil, den man im Schadensfall selbst bezahlen muss, schnell an.

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Im Schadensfall:

Wenn die Reise storniert werden muss, gilt es den Versicherer so schnell wie möglich zu informieren. Hier ist Zeit Geld: Die Stornokosten müssen vom Versicherten so niedrig wie möglich gehalten werden.

So ganz ohne Papierkram geht es im Schadensfall nicht, auch wenn die Reiserücktrittsversicherung online abgeschlossen wurde. Im Krankheitsfall muss ein ärztliches Attest mit Diagnose und Behandlungsdaten eingereicht werden. Auch der Versicherungsnachweis und die Buchungsunterlagen werden verlangt.

Vor einem Reiseabbruch sollte sowohl der Reiseveranstalter als auch der Versicherer kontaktiert werden, um zu klären, wer für die Organisation der Rückreise zuständig ist.

Tipp: Wer unsicher über seine Rechte im Schadensfall ist, kann sich an eine örtliche Verbraucherzentrale wenden, diese bieten spezielle Rechtsberatungen an. Kommt es zum Streit mit der Versicherung, kann ein Versicherungsombudsmann helfen. Er oder sie spricht im Rahmen eines Schlichtungsfalls kostenlos und neutral eine Empfehlung aus, an die sich die Versicherung halten muss, wenn der Schadensfall unter 10.000 Euro liegt.

Fazit:

Eine Reiserücktrittsversicherung lohnt sich vor allem bei teuren Reisen sowie für Senioren und Familien mit kleinen Kindern, so das Fazit der Experten von Finanztip. Und während eine Reiserücktrittsversicherung als „Kann-Option“ angesehen wird, gehört eine private Reisekrankenversicherung zum Reiseschutz unbedingt dazu, rät die Verbraucherzentrale NRW: „Denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen im Ausland nur eingeschränkten oder gar keinen Schutz.“ Der Abschluss einer Reisegepäckversicherung wird dagegen von den meisten Versicherungsexperten als überflüssig angesehen – meist greift in diesem Fall die Hausratversicherung.

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