Immo-Krise wegen Corona?

Published on 23. June 2020
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Immo-Krise wegen Corona?

Erst „Immobilienboom 2020“, dann kam Corona. Viele Fragezeichen bestimmen nun den Immobilienmarkt. Geht es nach einer kurzen Delle weiter? Und: Ist es in Krisenzeiten ratsam, Wohneigentum zu erwerben? Wir haben Einschätzungen und Tipps von Experten gesammelt.

Fast alles stand in den vergangenen Monaten still, nur auf den Baustellen wurde emsig gehämmert, gesägt und gefräst: Diesen Eindruck konnte man zu Beginn der Corona-Krise in Deutschland vielerorts gewinnen. Doch inzwischen ist klar: Corona trifft auch die Immobilienwirtschaft. So verzeichnete etwa der Verband der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw) wenig Bewegung auf dem Markt: „Die Unternehmen spüren einen deutlichen Rückgang der Wohnungsnachfrage, zum Teil auf ein Viertel der üblichen Anfragen“ sagte der Direktor des Verbandes, Frank Emrich. Gerade März und April seien sonst Monate mit viel Bewegung auf dem Wohnungsmarkt, so der Verbandschef. Auch auf großen Portalen wie ImmoScout24 verringerte sich in der zweiten Märzhälfte die Marktaktivität. Allerdings: „Angebot und Nachfrage haben sich nach einem temporären Rückgang komplett erholt“, teilt das Unternehmen mit.

Virtuelle Geisterbesichtigungen

„Hallo, ist da jemand?“ Besichtigungen und Wohnungsübergaben fanden während der Ausgangsbeschränkungen nur in geringem Umfang statt. Massenbesichtigungen – vor Corona in deutschen Großstädten üblich – waren in den vergangenen Monaten untersagt. Einzeltermine und Abstandsregeln während der Besichtigung bestimmen weiter das Bild. Vieles wurde und wird digital abgewickelt: Makler führen „Geisterbesichtigungen“ durch, virtuelle 3D-Besichtigungen erleben einen plötzlichen Boom. Mittlerweile gelten einige Beschränkungen nicht mehr, anderes bleibt vorerst.

Für Wohnungsbesichtigungen existieren je nach Bundesland unterschiedliche Regeln – in Brandenburg gilt beispielsweise seit 9. Mai die Zwei-Haushalts-Regel: Personen aus unterschiedlichen Haushalten dürfen sich wieder treffen. „Das bedeutet beispielsweise für Paare, die noch nicht in einem gemeinsamen Haushalt wohnen, dass sie jetzt zusammen mit einem Makler Besichtigungen wahrnehmen dürfen“, sagt Gabriel Hesse, Leiter der Pressestelle des Gesundheitsministeriums und Coronakrisenstabs Brandenburg gegenüber immowelt.de. Das Immobilienportal hat eine Übersicht zu den jeweiligen Regelungen zusammengestellt.

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Mit Mathe zum Wohn-Glück

Mieten oder kaufen? Die Entscheidung ist in Corona-Zeiten nicht gerade leichter geworden. Wer ausrechnen will, was sich mathematisch mehr lohnt, kann zum Beispiel den „mieten-oder-kaufen-Rechner“ der FMH-Finanzberatung anklicken. Etwas dürfte bei aller Verunsicherung jedoch gleich bleiben: Wenn sich Paare für eine Immobilie entscheiden, dann erfolgt das laut der „Interhyp-Wohntraumstudie“ meist einvernehmlich: 74 Prozent insgesamt sagen, sie waren zu 100 Prozent gleich an der Entscheidung beteiligt (72 Prozent der Männer, 77 Prozent der Frauen). Ähnlich fällt die Antwort der Geschlechter aus, wenn es um die Entscheidung geht, welche Immobilie letztendlich tatsächlich genommen wurde (77 Prozent der Männer, 79 Prozent der Frauen).

Jetzt den Wohntraum erfüllen?

90 Prozent aller kreisfreien Städte verzeichnen einen Zuwachs bei den Immobilienpreisen. Das war einmal – nämlich vor der Corona-Krise. Die Zahlen aus dem jährlichen Wohnatlas, den die Postbank im März 2020 vorstellte, bieten aktuell keine Orientierungshilfe mehr. Der Immo-Boom ist erstmal vorbei, die Preise geraten unter Druck, waren sich Experten Ende März sicher. Eine Metaanalyse des Züricher Beratungsunternehmens FPRE kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: Erste Prognosen lassen einen Rückgang der Flächennachfrage auf praktisch allen Teilmärkten erwarten. Weiter werden dämpfende Wirkungen auf Wohnungsmieten und Wohneigentumspreise erwartet. Vermittler von Baufinanzierungen verzeichneten im März ebenfalls einen Rückgang bei den Kundenanfragen, meldet der Focus. Ob es sich „nur“ um eine Delle handelt, oder ob die Auswirkungen schwerer wiegen, hängt von den weiteren konjunkturellen Entwicklungen ab, sagt Dr. Stefan Fahrländer von FPRE: „Dies gilt insbesondere für die Wohnungsmärkte (…)“.

Allzeittief bei Bauzinsen

Trotz Corona-Turbulenzen gibt es jedoch auch gute Argumente für einen Immobilienkauf: „Die Verunsicherung durch das Coronavirus hat zu einem Allzeittief bei Bauzinsen geführt“, sagt Miriam Mohr vom Vermittler Interhyp. Mit einem günstigen Kredit sind leicht über 20.000 Euro Ersparnis drin gegenüber einem teuren Vertrag, urteilt die Stiftung Warentest, die einen kostenlosen Rechner zur Immobilienfinanzierung anbietet. Gleichzeitig schauen Banken und Versicherungen momentan noch genauer hin, wem sie eine Finanzierung gewähren. So werde beispielsweise geprüft, in welcher Branche oder bei welchem Arbeitgeber der potenzielle Darlehensnehmer arbeite und ob womöglich ein Jobverlust droht, berichtet FMH. Ein weiterer Effekt der Corona-Krise: Vollfinanzierungen über den kompletten Kaufpreis einer Immobilie werden kaum noch angeboten. Positiv für Immobilienkäufer in spe: Viele Banken haben die Mindesttilgung reduziert, um Kunden nicht zu überfordern, so die Finanzexperten.

Trend zum Leben im Grünen

Aktuell* leben die meisten Menschen in großen, mittleren oder kleinen Städten. Aber der Wunsch ist ein Leben im Grünen, lautet ein weiteres Ergebnis der Interhyp-Wohntraumstudie. Top-Gründe fürs Landleben: Ein eigener Garten (69 Prozent) und die bessere Work-Life-Balance (44 Prozent). Der Traum vom Leben im Grünen dürfte sich weiter verstärken: Viele Städter zogen während der Corona-Einschränkungen zeitweise in ihre „Datschen“ im Umland oder schlüpften samt Kind und Kegel im Elternhaus unter. „Das Interesse, etwas weiter draußen zu wohnen, steigt schon seit Längerem", so Konstantin Kortmann von Jones Lang LaSalle. Die Corona-Krise habe den Trend zur Umkehr der Urbanisierung verstärkt. Auch die Nachfrage nach Ackerparzellen und Gemüsegärten ist seit Corona sprunghaft gestiegen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Und: Weil viele vermutlich dauerhaft häufiger im Homeoffice arbeiten werden, fällt das Pendeln zum Arbeitsplatz weg, während die günstigeren Preise in ländlichen Regionen mehr Platz und zum Beispiel ein zusätzliches Arbeitszimmer möglich machen.

*Stand April 2019

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