Von Bienchen und Blümchen

Published on 17. January 2019
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Von Bienchen und Blümchen

Loriot würde an dieser Stelle vermutlich sagen: Früher war mehr Biene. Recht hat er. Denn das Insektensterben der letzten Jahre geht uns alle an und hat weitreichende Folgen für die Flora und Fauna – und für uns Menschen.

 

 

Früher war alles besser. Angeblich. Denn die verklärte Sehnsucht nach der Vergangenheit entpuppt sich auf den zweiten Blick meist als nostalgische Schönfärberei oder auch einfach als subjektiv geprägte Wahrnehmung des Einzelnen. Manche Dinge waren früher allerdings tatsächlich besser. Da konnte man den Fernseher noch unbesorgt einschalten und anstatt Fremdscham im Reality-TV der guten, alten Biene Maja und ihrem Kumpel Willi bei ihren Abenteuern auf der bunten Wiese zu sehen. Damals, 1976, als die Biene Maja via Röhrenfernseher Einzug in die deutschen Wohnzimmer hielt. Wisst ihr noch? Damals, als Bienen nicht nur im Kinderprogramm der Öffentlich-Rechtlichen zuhause waren, sondern auch draußen vor der Tür, auf den Wiesen und Feldern. Mehr als 40 Jahre später hat sich nicht nur das TV-Programm radikal verändert, auch die Artenvielfalt in der Natur ist nicht mehr dieselbe.

 

Waldtiere im Großstadtdschungel

In Deutschland gibt es um die 580 verschiedene Wildbienenarten, gut die Hälfte davon ist auch in Berlin heimisch. Die größte deutsche Metropole, der Feinstaub-Hotspot des Jahres 2018, ist somit zugleich auch das bienenbiologisch diverseste Fleckchen Erde des Landes. Wie ist das möglich?

Nun, nicht nur die Menschen zieht es in den letzten Jahren vermehrt in die großen Städte, auch die Wildtiere machen sich auf, ihre angestammten Lebensräume zu verlassen. Die Beweggründe sind ähnlich: junge Menschen kommen wegen der attraktiveren Jobs und des Lifestyles, Füchse wegen der prall gefüllten Mülltonnen der Altbauhinterhöfe, dazu bieten Siedlungsbiete meist bessere Deckungsmöglichkeiten als die von der Landwirtschaft plattgemachte Natur. Also auch irgendwie Job und Lifestyle, nur eben auf füchsisch.

 

 

Und was machen die Bienen, während sich Fuchs und Hase hinter der Dönerbude gute Nacht sagen?

Die Bienen sehen sich in der ehemals idyllischen Natur zunehmend der industriellen Landwirtschaft mit ihren giftigen Pestiziden ausgesetzt. Die Neonicotinoide beispielsweise sind eine Gruppe toxischer und synthetisch hergestellter Insektizide. Ein hochwirksames Nervengift, das die Weiterleitung von Nervenreizen stört. Bienen, die diesem Insektizid ausgesetzt sind, verlieren die Orientierung und finden nicht mehr zurück zu ihrem Stock. Zugleich wird das Immunsystem geschwächt – ganze Schwärme fallen Parasiten und Krankheiten zum Opfer.

Eine weitere Gefahr für die meisten Insekten stellt die flächendeckende Monokultur dar. Viele Bienenarten sind „spezialisiert“ auf einige wenige, bestimmte Blütenpollen – ihnen droht aufgrund des eintönigen Speiseplanes der Hungertod.

Zugleich sind die einzelnen Biotope in der Natur nicht mehr miteinander verbunden. Die vom Menschen geschaffene Infrastruktur in Form von Straßen und Siedlungen durchkreuzt den natürlichen Lebensraum der Tiere. Für zahlreiche Arten sind diese unüberwindbar, Inzucht und Krankheiten sind die Folge.

 

Wir brauchen die Bienen wie die Luft zum Atmen

Die Zahl der Insekten in Deutschland – von Bienen über Schmetterlinge bis zu Grashüpfern – ist in den vergangenen 30 Jahren bereits um 75 % gesunken. Dies hat aber nicht nur dramatische Folgen für die betroffenen Insekten selbst. Insekten sind das Grundnahrungsmittel für rund 80 % aller Vogelarten, die in Deutschland brüten.

Eine Verbesserung des Nahrungsangebotes für Insekten nützt sowohl den Wildbienen als auch den Honigbienen und verringert die Konkurrenz zwischen den einzelnen Arten. Steigen die Population und die Artenvielfalt der Insekten, profitieren auf lange Sicht auch wieder die Vögel – und schlussendlich wir alle. Denn die Insekten sind nicht nur Leibspeise vieler Vögel, sondern auch verantwortlich für die Bestäubung, und damit für die Fortpflanzung der meisten Wildpflanzen.

Der erste große Schritt ist somit bereits getan: das Problem ist erkannt und kann gebannt werden.

 

 

Die Insekten brauchen unsere Hilfe

Kein Wunder also, dass sich die fleißigen Bienchen ebenfalls zur Landflucht aufgemacht haben. Denn während auf dem Land die Lebensräume und das Nahrungsangebot immer knapper werden, finden die Bienen und Hummeln in den Großstädten, auf Balkonen und in Vorgärten, noch jede Menge ungespritzte Leckereien.

„Mit heimischen Wildpflanzen im eigenen Garten oder auf dem Balkon können wir selbst ein Nahrungsangebot für Wildbienen schaffen“, sagt Melanie von Orlow, Sprecherin der NABU-Bundesarbeitsgemeinschaft Hymenoptera. Schmetterlingsblütler, Korbblütler, Kreuzblütler und Lippenblütler sind dafür zum Beispiel gut geeignet. Eine Kräuterspirale im eigenen Garten, bepflanzt mit Majoran, Salbei und Zitronenmelisse macht viele Wildbienenarten glücklich. Auch Krokusse sind ein begehrter Leckerbissen, und dass zu einer Zeit des Jahres, in der die Bienen, saisonbedingt, kaum Auswahl auf dem Speiseplan haben. Optimalerweise greift der Insektenfreund hier auf regionales Saatgut anstatt industrieller Züchtungen zurück. Auch Nisthilfen wie trockene Holzblöcke und selbstgebaute Insektenhotels unterstützen die Bienen in ihrem täglichen Leben.

 

 

Die Bestäuber-Strategie

Der Artenschutz ist ein Thema, das uns alle betrifft. Der Berliner Senat ist sich seiner Verantwortung bewusst und hat im Jahre 2018 die Berliner „Strategie für Bienen und Bestäuber“ auf den Weg gebracht. Ziel der Strategie ist es, gemeinsam mit zahlreichen weiteren Akteuren und Partnern, anhand von Leitlinien die Lebensbedingungen von Bienen und anderen Bestäubern zu verbessern und die urbane Imkerei weiter zu qualifizieren.

Konkret heißt das: Die artenreichen Plätze in der Stadt müssen erhalten bleiben, der Biotopverbund gesichert und die Brachflächen im Sinne des Naturschutzes gemanagt werden. Grünflächen und Parks sollten im zeitlichen und räumlichen Wechsel gepflegt und die Besucherströme reguliert werden. Dazu ergänzen blütenreiche Wildwiesen und Grünstreifen mit heimischen Kräutern das vielfältige und saisonunabhängige Angebot für die Insekten. 

 

 

Das Volksbegehren Artenvielfalt

Auch in Bayern ist man sich des Problems des Insektensterbens bewusst. Ein Volksbegehren soll helfen, das bayrische Naturschutzgesetz in wesentlichen Teilen zu verbessern und das sensible Zusammenspiel zwischen Tier- und Pflanzenwelt zukünftig optimal zu schützen. Gleichzeitig wird auch die lokale Landwirtschaft gestärkt, denn getreu dem Motto „Qualität vor Quantität“ werden vor allem kleinere Betriebe profitieren, die auf biologische und nachhaltige Landwirtschaft setzen.

Unter dem Motto „Rettet die Bienen!“ haben die bayrischen Bundesbürger vom 31. Januar bis zum 13. Februar die Möglichkeit, das Volksbegehren Artenvielfalt zu unterstützen. Über 1 Million Wahlberechtigte müssen sich mit ihrer Stimme einbringen, damit die erste Hürde, der Weg zum Volksentscheid, überwunden ist. Denn erst im Volksentscheid geht es schließlich um den lebenswichtigen Gesetzesentwurf zur Rettung der Bienen.

Und eben jene, längst überfällige Aktualisierung des Gesetzestextes ist das Ziel des Volksbegehren Artenvielfalt. Damit die Menschen in einigen Jahrzehnten eben nicht sagen müssen: „Früher war alles besser. Damals, als es noch Bienen, Schmetterlinge, Vögel und Fledermäuse gab."

Mehr als 100 Bündnispartner unterstützen das Volksbegehren Artenvielfalt – die Fidor Bank ist einer davon.

 

 

Was haltet ihr von dem Volksbegehren? Habt ihr Ideen oder Vorschläge, wie jeder einzelne von uns mehr für die Bienen tun kann? In unserer Community findet ihr Gleichgesinnte und könnt euch nicht nur über Finanzen, sondern auch über den Artenschutz austauschen.

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