Mobile Payment: Bezahlen per QR-Code

22.10.21
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Mobile Payment: Bezahlen per QR-Code

Beim Bäcker per QR-Code bezahlen? Wer das schon mal gemacht hat, hebt die Hand! Warum die kontaktlose mobile Bezahlmethode in China bereits Mainstream ist und welche Zukunft QR-Code-Zahlungen hierzulande haben.

„Bitte QR-Code scannen zum Einchecken.“ Wer sich in den vergangenen Corona-Monaten nicht nur zu Hause verpflegt hat, sondern auch auswärts etwas essen oder trinken war, kennt die Aufforderung und den dazugehörigen pixeligen Code, der meist als Ausdruck auf Tischen in Restaurants oder Cafés pappte. Während der Corona-Krise konnte man per QR-Code zur Kontaktnachverfolgung einchecken. Die zweidimensionale Matrix aus schwarzen und weißen Quadraten stellt codierte Daten in binärer Form dar und lässt sich über die Kamera eines Smartphones auslesen. Wie ein QR-Code aussieht, dürfte inzwischen also fast jeder wissen, aber was bedeutet „QR“ eigentlich? Die Abkürzung steht für „Quick Response“, zu deutsch: schnelle Antwort. Der zweidimensionale Code wurde in den 1990ern von der japanischen Firma Denso Wave entwickelt. Vorteil des vor allem in Asien beliebten QR-Codes: Mit ihm lassen sich Informationen übersichtlich verpacken und schnell auslesen. Durch eine automatische Korrektur ist er zudem sehr robust – der QR-Code ist sogar noch lesbar, wenn Teile fehlen.

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Optisch basierte mobile Bezahllösung

Schon einmal per QR-Code bezahlt? Das geht im Café zum Beispiel so: Mit dem Smartphone den QR-Code scannen, der als Sticker an der Ladenkasse klebt. Eine Zahlungsseite öffnet sich, auf der man den Betrag und Zahlungsdetails eingibt. Dann müssen die Zahlungsbestätigung auf dem Smartphone oder Tablet vorgezeigt werden, um die Zahlung zu verifizieren. Für die Kundinnen und Kunden ist das Ganze kostenlos, von Händlerinnen und Händlern verlangen Zahlungsdienstleister wie PayPal gestaffelte Gebühren je nach Transaktionswert. Bei der Datenübertragung zwischen Mobilgerät und Point-of-Sale (POS)-Terminal konkurrieren die optisch basierten QR-Code-Lösungen dabei mit der Funktechnik NFC (Near Field Communication).

Gestern: QR-Codes in der Werbung

"Scan den Code und gewinne...". In Deutschland hatte die Werbebranche in den 2000er Jahren QR-Codes für sich entdeckt – auf Plakaten, Flyern oder in Werbeanzeigen waren sie häufig abgedruckt und wurden vor allem für Gewinnspiele genutzt. Damals hatte jedoch noch nicht jede:r ein Smartphone und der Scanner war nicht in der Kamera des Handys eingebaut wie bei vielen aktuellen Modellen. Inzwischen liegt laut Statista der Anteil der Smartphone-Besitzer:innen in Deutschland bei 86 Prozent. Von kurzer Dauer war auch der QR-Code-Hype als Snapchat, Instagram und Twitter ab 2015 versuchten, den Code als Alternative zum Nutzernamen zu etablieren.

Heute: kontaktlos zur Speisekarte

Bis zur Corona-Krise fristeten die QR-Codes in Deutschland ein Nischendasein. Knapp 30 Prozent der Smartphone-Nutzer:innen hatten zuvor laut einer Umfrage der Medienanalysefirma Vuma einmal einen QR-Code gescannt, beispielsweise um einen Link abzurufen. In Deutschlands Gastronomie nutzte man QR-Codes in der Corona-Zeit dann nicht nur zur Kontaktnachverfolgung. Statt im Restaurant die Speisekarte in die Hand zu nehmen, können Gäste einen QR-Code scannen und so kontaktlos auf die Speisekarte zugreifen. Auch beim Shopping boomten die pixeligen Codes: Seit Ausbruch der Pandemie sei die Nutzung weltweit um 600 Prozent gestiegen, berichtete das Marketingmagazin Invidis im November 2020 – allerdings ohne Quellen zu nennen.

Bezahlen per QR-Code: Alltag in China

In China ist das Bezahlen via QR-Code bereits Mainstream. Laut Statista Global Consumer Survey Studie nutzen über 83 Prozent der chinesischen Smartphone-Nutzer:innen ihr Handy, um damit an der Ladenkasse oder im Restaurant zu bezahlen. QR-Codes gehören in der Volksrepublik zum Alltag und sind nicht mehr wegzudenken, berichtet Personal Branding-Expertin und China-Kennerin Christina Richter: „Vor allem nicht aus dem Einzelhandel und E-Commerce. Die Codes werden von Luxusanbietern ebenso genutzt wie von Straßenhändlern. Interessant ist, dass sie von Einzelhändlern in China genutzt werden, die Online- und Offline-Kanäle erfolgreich miteinander verknüpfen - mit Hilfe der Integration von QR-Codes“, schreibt sie auf „Handel 4.0“.

QR-Codes im Supermarkt

Menschen, die im Supermarkt ihr Handy auf Verpackungen richten, sind in China ein alltäglicher Anblick: Alibaba, Nummer eins weltweit in Sachen E-Commerce, hat in der Supermarktkette Freshippo jedes Produkt mit einem QR-Code versehen, so Richter: „Wer den Code scannt, bekommt weitere Informationen rund um das Produkt, die sonst auf den kleinen Produktschildern keinen Platz hätten. Mitunter werden sogar Videos hinterlegt oder Rezepte mit weiteren Produkten, die dann direkt bei Freshippo mit eingekauft werden können.“

AliPay: zu erfolgreich?

Die beiden Platzhirsche bei mobilen Zahlungen in China heißen AliPay und WeChat Pay. Beide setzen auf QR-Code-Technologie. AliPay gehört zu Alibaba und ist laut dem Marktforschungsunternehmen Statista in China die Nummer eins. Allerdings soll die hochprofitable Zahlungs-App zerschlagen werden, wie die „Finanical Times“ berichtet: Die chinesischen Behörden wollen eine getrennte Plattform für das Kreditgeschäft des Unternehmens schaffen.

WeChat Pay: QR-Code-Funktion auch in Europa

Hinter dem Konkurrenten WeChat Pay (in China lautet der Name Weixin) steckt die chinesische Aktiengesellschaft „Tencent“. WeChat Pay ist dabei eine Weiterentwicklung des Messengers WeChat. Die bargeldlose Bezahlmethode gibt es in China seit 2014. Das Bezahlen per WeChat Pay funktioniert so: Nutzer öffnen die App WeChat und wählen den Punkt „Wallet Feature“ aus. Sie generieren einen QR-Code, der vom Händler gescannt wird, um den Bezahlprozess zu starten. Ab Juli 2017 bot die Wirecard AG die WeChat-Pay-Funktion auch in Europa an. Nach dem Milliarden-Betrugsskandal um Wirecard und der Insolvenz des Aschheimer Finanzdienstleisters müssen sich die Chinesen nun neue Partner suchen. 

PayPal: QR-Code als Top-Prio

Der US-Zahlungsdienstleister PayPal treibt seit dem vergangenen Jahr das Bezahlen per QR-Code-Scan weltweit voran. So ist seit November 2020 in den USA das Bezahlen per integriertem QR-Code unter anderen bei Foot Locker, Nike, Levi's und in rund 8.200 Filialen der Drogeriekette CVS möglich. Seit Mai 2021 macht in Deutschland auch der Münchner Flughafen mit, genauer gesagt dessen Retail-Tochter Eurotrade: In 41 Geschäften kann innerhalb der PayPal-App ein individueller QR-Code generiert werden, der dann an der Kasse eingescannt wird. Corona hat laut PayPal-Finanzchef John Rainey dafür gesorgt, dass die QR-Code-Zahlungen bei PayPal im vergangenen Jahr zum Top-Prio-Projekt wurden.

Nachfrage über die Krise hinaus?

„Einfach, schnell und vollständig kontaktlos,“ so bewirbt PayPal auf seiner deutschen Seite die Bezahlmethode. Auch hierzulande sieht das US-Unternehmen großes Potenzial fürs Bezahlen per QR-Code: Laut PayPal-Deutschlandchef Michael Luhnen ist die Technologie vor allem für Klein- und Kleinstbetriebe wie Bäcker, Kioske oder den Blumenstand auf dem Wochenmarkt interessant, die oft nicht die Mittel hätten, um auf NFC-Kartenlesegeräte umzurüsten. Luhnen geht davon aus, dass die Nachfrage nach kontaktlosen Zahlungen über die Krise hinaus Zukunft hat. Er sieht „auch für die westliche Hemisphäre ein langfristiges Potenzial für QR-Codes, zum Beispiel auf Basis von Mehrwertdiensten, die sich mit dem QR-Code verbinden lassen: Rabatte, Gutscheine, Cashback, Loyalty, flexible Bezahlmodelle sind nur einige der Optionen, die Händlern hier offenstehen.“, schreibt Business Insider. Und Personal Branding-Expertin Christina Richter glaubt, dass „wir uns den QR-Code jetzt genauer anschauen sollten und dass er auf jeden Fall ein Comeback verdient hat.“

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