Betriebliche Altersvorsorge: wie spare ich damit wirklich?

05.01.21
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Betriebliche Altersvorsorge: wie spare ich damit wirklich?

Private Vorsorge wird immer wichtiger. Vorsorgen kannst du zum Beispiel mit einer Betriebsrente. Was es bei der betrieblichen Altersvorsorge zu beachten gibt und für wen sie sich lohnt.

2020 hatten in Deutschland rund 18 Millionen Personen Anspruch auf eine Betriebsrente. Ist das was für mich und was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff betriebliche Altersorge? Das und mehr hier.

Was genau ist eigentlich eine betriebliche Altersversorge?

Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich bei der betrieblichen Altersversorge (bAV) um Rentenvereinbarungen, die ein Betrieb mit seinen Arbeitnehmern schließt. Die bAV ist der Sammelbegriff „für alle finanziellen Leistungen, die ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer aus Anlass seines Arbeitsverhältnisses zur Altersversorgung, Versorgung von Hinterbliebenen im Todesfall oder zur Invaliditätsversorgung bei Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit zusagt.“, so der Rentenrechtler Thomas Neumann.

Die betriebliche Altersversorgung gehört dabei zum sogenannten Drei-Säulen-Modell und steht als zweite Säule neben den gesetzlichen Versorgungssystemen wie der gesetzlichen Rentenversicherung. Eine weitere Säule bildet die private Versorge, wie beispielsweise Riester- und Rürup-Renten.

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Wer hat Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge?

Jeder festangestellte Arbeitnehmer hat seit 2002 ein Recht darauf, über den Betrieb für das Alter vorzusorgen. Aber: Ohne den Chef/die Chefin geht nix, denn er oder sie entscheidet, in welcher Form und über welchen Vertrag das geschieht. Bei der Finanzierung der Betriebsrente gibt es zwei Varianten. Entweder finanziert der Arbeitgeber die Betriebsrente allein (Das ist der Jackpot-Fall, bei dem man nicht lange zögern sollte), oder der Arbeitnehmer steckt einen Teil seines monatlichen Gehalts in die bAV (das nennt man Entgeltumwandlung).

Welche Formen der betrieblichen Altersvorsorge gibt es?

Es gibt fünf verschiedene Arten der betrieblichen Altersvorsorge:

1.

Die Direktversicherung ist eine Lebensversicherung. Weil es große Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten gibt, sollten Arbeitnehmer das Angebot ihres Chefs/ ihrer Chefin genau prüfen – einen Überblick gibt der Test von 45 Direktversicherungsangeboten der Stiftung Warentest.

2.

Die Pensionskasse ist eine eigenständige, rechtsfähige Versorgungseinrichtung. Sie wird häufig von großen Firmen genutzt und kann als Aktiengesellschaft oder Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) bestehen. In ihrer Funktionsweise entspricht sie größtenteils einem Lebensversicherungsunternehmen. Die Beiträge für die Finanzierung der Versorgungsleistung können vom Arbeitgeber, vom Arbeitnehmer im Wege der Entgeltumwandlung oder von beiden finanziert werden.

3.

Der Pensionsfonds ist ebenfalls eine rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtung in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Er unterliegt der Versicherungsaufsicht – in Deutschland übernimmt das die BaFin. Der Pensionsfonds bietet nicht nur liberalere Anlagemöglichkeiten, sondern hat als Alleinstellungsmerkmal auch die lohnsteuerfreie Übertragung bestehender interner Anwartschaften (aus Direktzusagen, s.u.). Außerdem kann man sich bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals zu Rentenbeginn in einer Einmalzahlung auszahlen lassen.

4.

Die Direktzusage ist im Gegensatz zu den anderen Durchführungswegen eine unmittelbare Versorgungszusage. Das Versorgungsverhältnis beruht auf einer direkten Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ist klassisch arbeitgeberfinanziert. Die Anlage des Geldes ist dabei Chefsache. Das Geld kann beispielsweise in unternehmensinterne Projekte investiert werden, die eine gute Rendite versprechen. Wer mehr wissen will, klickt den Ratgeber Direktzusage von Finanztip.de an.

5.

Alternativ fließen die Beiträge in eine (ebenfalls klassisch arbeitgeberfinanzierte) Unterstützungskasse. Die rechtlich selbständige Einrichtung verwaltet das Geld und hat die Aufgabe, es möglichst gewinnbringend anzulegen. Unterstützungskassen können die bAV-Beiträge beispielsweise in Wertpapiere oder Immobilien anlegen.

Was bringt die sogenannte Entgeltumwandlung?

Wenn Beschäftigte mit ihrem eigenen Geld aus dem Bruttogehalt für die Rente sparen, dann heißt das Entgeltumwandlung. Der Vorteil dabei – nämlich, dass sowohl Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber weniger Sozialabgaben zahlen und Steuern sparen – war bis 2018 eine Ungerechtigkeit: Unternehmen konnten das eingesparte Geld einfach behalten. Inzwischen ist der Arbeitgeber verpflichtet, bei neuen Vereinbarungen für eine Entgeltumwandlung einen Zuschuss von 15 Prozent zur Versorgung zu zahlen, wenn er aufgrund der Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart. Für bestehende Entgeltumwandungen gilt diese Pflicht erst ab dem 1. Januar 2022. Mehr dazu steht im „Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung“.

Für wen ist die Entgeltumwandlung attraktiv?

Das lässt sich nicht so pauschal sagen und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Da der Arbeitgeber den Vorsorgevertrag für den Arbeitnehmer aussucht, kann man Glück oder Pech haben. Wenn es einem Unternehmen mit vielen Mitarbeitern gelingt, günstige Gruppentarife abzuschließen, macht das die Sache attraktiver. Ein Vorteil der Entgeltumwandlung ist die Steuerersparnis. Auf den Teil des Bruttogehalts, den man in die betriebliche Versicherung einzahlt, spart man die Sozialabgaben und die persönliche Einkommensteuer.Die Verbraucherzentrale weist allerdings auf eine mögliche Minderung der Rente hin: „Die Entgeltumwandlung reduziert die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung und damit auch die Ansprüche auf Kranken-, Eltern, und Arbeitslosengeld sowie Erwerbsminderungsrente und Rente“, so die Verbraucherschützer, die eine Bespielrechnung zum möglichen Rentenverlust aufgestellt haben.

Tipp: Um eine Einschätzung zum eigenen Vertrag zu bekommen, lohnt ein Beratungstermin bei einer Verbraucherzentrale oder einem unabhängigen Rentenberater.

 

Was passiert beim Renteneintritt?

Bei der betrieblichen Altersvorsorge gilt: Der Staat holt sich die Steuern später zurück – im Ruhestand muss die ausgezahlte Betriebsrente voll zum sodann gültigen Steuersatz versteuert werden. Wer gesetzlich krankenversichert ist, für den kommen zudem die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung hinzu.

Und was ist, wenn die Firma insolvent ist?

In der Corona-Krise sind viele Firmen in Not geraten – zum Beispiel Karstadt Kaufhof oder Lufthansa. Bisher gingen die Rentner aller Pensionskassen in Deutschland leer aus, wenn die Firma insolvent war. Das ist seit Juni 2020 dank dem Europäischem Gerichtshof anders: Zum 24.06.2020 wurden die Pensionskassen in die Insolvenzsicherung durch den Pensions-Sicherungs-Verein (psvag.de) mit aufgenommen. Neben dem PSV gibt es einen zweiten Schutzschild für die betriebliche Altersvorsorge, so Finanztest: Pensionskassen in Form einer Aktiengesellschaft (AG) sowie Direktversicherungen werden durch die Protektor Lebensversicherungs-AG – das ist die gesetzlich vorgeschriebene Sicherungseinrichtung aller Lebensversicherungen in Deutschland – geschützt.

Fazit: Jetzt schon für die Rente vorzusorgen ist immer eine gute Idee – für die meisten wird es sonst später schwierig, den Lebensstandard zu halten. Besonders Alleinerziehende und geringfügig Beschäftigte sind von Altersarmut bedroht. Allerdings sollte man bei der bAV genau hinschauen und sich beraten lassen.

Und für alle, für die eine bAV nicht in Frage kommt, gibt es Alternativen, um privat Geld für die Rente anzusparen: Zum Beispiel mit einer Riester-/Rürup-Rente oder einer flexiblen Geldanlage wie einer ETF-Anlage.

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