Berufs­unfähigkeits­versicherung: wichtig und kompliziert

19.04.22
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Berufs­unfähigkeits­versicherung: wichtig und kompliziert

Je früher, desto besser. Die beste Zeit für eine Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) ist: jetzt. Was es vor Abschluss einer BU zu beachten gibt und warum ein Vergleich lohnt.

Alter und Krankheit. Zwei Themen, die sicherlich bei einigen Stirnrunzeln auslösen und den Gedanken: „Nächstes Jahr ist doch auch noch Zeit, um sich endlich privat fürs Alter abzusichern oder in Sachen Berufsunfähigkeit vorzusorgen ...“ Bitte kurz die Sonnenbrille abnehmen, den Aperol Spritz abstellen und der Wahrheit ins Gesicht blicken. Die Devise, je früher, desto besser, gilt sowohl bei der Altersvorsorge als auch bei der Berufs­unfähigkeits­versicherung, kurz BU. Letztere gehört zu den wichtigsten Versicherungspolicen, urteilt die Stiftung Warentest und fügt hinzu: „Leider auch zu den kompliziertesten.“ Was passiert, wenn man zu krank für den Job ist, warum man wenig Hilfe vom Staat erwarten kann und wie man sich optimal absichert, darüber informiert unser FAQ zur Berufs­unfähigkeits­versicherung.

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Wer ist von Berufs­unfähig­keit betroffen?

Berufsunfähigkeit kann jede:n treffen. Laut einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) müssen etwa 25 Prozent der Berufstätigen krankheits- oder unfallbedingt aus dem Job aussteigen. Der Altersdurchschnitt liegt laut GDV bei 47 Jahren. Auf dem Spitzenplatz bei den Ursachen liegen 2021 laut „M&M Rating Berufsunfähigkeit“ des Analysehauses MORGEN & MORGEN Nervenerkrankungen wie psychische Erkrankungen, Burn-Out, Angststörungen und Depressionen. „Als Hauptursache setzen sich die Nervenerkrankungen mit 31,88 Prozent weiter ab“, berichtet das Analysehaus. Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates folgen mit großem Abstand (20,33 Prozent). Schlüssele man die Ursachen nach Altersstufen auf, werde klar, dass gerade Nervenerkrankungen insbesondere auch die jüngeren Altersgruppen bis 50 Jahre treffen.

Wer braucht eine BU?

„Die Versicherung (…) ist neben der Privat­haftpflicht­versicherung die wichtigste private Versicherung. Echte Alternativen gibt es nicht.“

Verbraucherzentrale

„Die Versicherung (…) ist neben der Privat­haftpflicht­versicherung die wichtigste private Versicherung. Echte Alternativen gibt es nicht.“, urteilt die Verbraucherzentrale. Auch die Expert:innen von Finanztip.de sind der Meinung: „Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) ist für die meisten Erwerbstätigen sinnvoll.“ Laut M&M Rating liegt das durchschnittliche Alter beim Abschluss übrigens bei 31 Jahren. „Berufsunfähigkeit trifft keineswegs nur ältere Erwerbstätige. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig gegen das Risiko abzusichern“, so Dr. Peter Schwark, Mitglied der GDV Geschäftsführung in einem Statement. Sonst bleibt im Fall der Fälle nur die staatliche Erwerbsminderungsrente als Existenzgrundlage, manchmal gibt’s zusätzlich Geld von der Berufsgenossenschaft. Doch was, wenn das nicht zum Leben reicht? Wer kein finanzielles Polster hat, muss dann die Grundsicherung als letztes Auffangnetz für Hilfebedürftige beantragen.

Wann greift die BU?

Berufsunfähig ist, wer länger (mindestens sechs Monate) oder dauerhaft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, den zuletzt ausgeübten Beruf zu über 50 Prozent auszuüben. In so einem Fall sichert die Versicherung durch eine Monatsrente von 1000 Euro, 2000 Euro oder mehr den Lebensstandard oder federt finanzielle Sorgen ab. Idealerweise sind Verpflichtungen wie Altersvorsorge, Steuern und Krankenkassenbeiträge damit gedeckt.

Vor Vertragsabschluss: Auf was muss man achten?

Die Berufs­unfähigkeits­versicherung separat abschließen:
Und zwar als selbständige BU (SBU). Von anderen Formen wie einer Zusatzversicherung zu einer Risikolebensversicherung oder einer Zusatzversicherung zu einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung raten Experten wie Martin Klotz von Finanztip.de ab. Auch die Kombination der BU-Versicherung mit einer Kapitallebensversicherung oder Rentenversicherung ist keine gute Idee, so Marin Klotz: „Der zusätzliche Anteil für die Kapitalanlage macht den ohnehin recht hohen Beitrag für die Berufs­unfähigkeits­versicherung nochmal deutlich teurer.“

Die passende Renten-Höhe auswählen:
Die versicherte Rente sollte alle alltäglichen Ausgaben absichern, die auch nach Eintritt der Berufsunfähigkeit weitergezahlt werden müssen. Dazu zählen beispielsweise Miete, Haushaltskosten und die Altersvorsorge. Die Expert:innen der Verbraucherzentrale meinen, „80 Prozent vom derzeitigen Netto sind oft ein guter Richtwert“.
 

Bei der Laufzeit aufpassen:
Der Vertrag sollte am besten bis zum 67. Lebensjahr, also dem gesetzlichen Renteneintrittsalter, laufen. Wer später den Vertrag nicht mehr oder nur noch teilweise braucht, kann diesen kürzen oder komplett kündigen. Achtung: Die Wahrscheinlichkeit für eine Berufsunfähigkeit steigt im Alter an. Wenn Versicherer ein Vertragsende vor dem Rentenalter anbieten, heißt es, vorsichtig zu sein und genau abzuwägen, warnt die Verbraucherzentrale.
 

Auf die Bewertungen schauen:
Analysehäuser wie Morgen & Morgen oder Franke & Bornberg vergleichen die Versicherungsbedingungen unterschiedlicher BU-Anbieter. Finanztip.de rät, nur Tarife abzuschließen, deren Bedingungen die höchstmögliche Bewertung haben.
 

BUs im Test: Die Stiftung Warentest hat im Mai 2021 71 Berufs­unfähigkeits­versicherungen getestet und kommt zu dem Ergebnis: 35 davon sind top. Den gebührenpflichtigen Test gibt’s bei test.de.

BU trotz Vorerkrankungen?

Jede:r hat vermutlich schon mal vom Bekannten eines Bekannten die nachfolgende Horrorstory gehört. Erst jahrelang in die BU eingezahlt, dann verweigert der Versicherer die Rentenzahlung, weil eine Vorerkrankung verschwiegen wurde. Das ist ein sehr heikles Thema, warnen die Expert:innen der Verbraucherzentrale: „Bevor Sie einen Vertrag über eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abschließen, müssen Sie Gesundheitsfragen beantworten. Beantworten Sie sie auf jeden Fall vollständig und richtig! Sonst kann der Versicherer später wegen ‚Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht‘ vom Vertrag zurücktreten. Dann hätten Sie im schlimmsten Fall lange Zeit für eine solche Versicherung gezahlt, gehen aber leer aus, sobald die Berufsunfähigkeit eintritt.“ Tipp: Wer befürchtet, wegen Vorerkrankungen Probleme zu bekommen, kann erstmal eine anonyme Risikovoranfrage starten.

Was ist die abstrakte Verweisung?

Horrorstory Nummer zwei: Der oder die Versicherte kann seinen/ihren Job nicht mehr ausüben, hatte eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abgeschlossen – und muss trotzdem weiterarbeiten. Das war einmal. In früheren Verträgen fanden sich oft Klauseln, die verlangten, eine andere Tätigkeit auszuüben, die er oder sie auf Grund seiner Ausbildung und Erfahrung ausüben kann. Inzwischen gilt: „Die meisten Versicherer verzichten heute auf diese sogenannte ‚abstrakte Verweisung‘, so die Expert:innen von Stiftung Warentest. „Das ist auch dann von Vorteil, wenn jemand gerade in Elternzeit ist oder arbeitslos – oder ein Sabbatical genommen hat. Dann zählt, zumindest für eine bestimmte Frist von drei oder fünf Jahren, der zuletzt ausgeübte Beruf.“

BU nach Corona?

Wer bereits eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abgeschlossen hat, ist im Fall einer Corona-Erkrankung und einer daraus resultierenden Berufsunfähigkeit auf der sicheren Seite. Long Covid ist ein klassisches Beispiel für einen Versicherungsfall, heißt es bei Finanztip.de. Anders sieht das aus, wenn man nach einer Corona-Erkrankung eine BU abschließen will. Die Expert:innen von Finanztip.de hatten im März 2021 die 20 nach Marktanteil größten BU-Versicherer in Deutschland zu dem Thema befragt. Ein Fazit: Entscheidend sei in erster Linie, wie die Erkrankung verlaufen ist. Wer keine oder nur leichte Symptome hatte und schon seit einem Monat gesund war, bei dem führte Covid-19 bei der Hälfte der Versicherer nicht zu erschwerten Bedingungen. Eine Firma bot bei leichtem Verlauf sogar ungeachtet einer akuten Erkrankung normalen Versicherungsschutz an.

Fazit: BU wichtiger denn je

Corona lässt die Zahl der psychischen Erkrankungen ansteigen. Eine Studie der US-Veteranenbehörde im Britischen Ärzteblatt weist auf eine Zunahme von Angstzuständen, Depressionen, Stresserkrankungen, Schlafstörungen und kognitiven Störungen hin. Das macht eine Berufs­unfähigkeits­versicherung wichtiger denn je. „Die Nervenerkrankungen als Hauptursache der BU bleiben auf einem hohen Niveau. Dieser Trend wird sich sicherlich auch weiter fortsetzen, betrachtet man die aktuelle Entwicklung der psychischen Belastungen im Zuge der Corona-Pandemie,“ resümiert Andreas Ludwig, Bereichsleiter Rating und Analyse bei Morgen & Morgen.

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