Steuer-Hacks: Berufsbedingte Versicherungen

22.11.21
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Steuer-Hacks: Berufs­bedingte Versicherungen

Viele private Versicherungen schützen auch den beruflichen Bereich. Ist das der Fall, können die Policen als Werbungskosten bzw. Betriebskosten in der Steuererklärung angegeben werden. Wie Angestellte und Selbständige Haftpflicht, Unfallversicherung und Rechtsschutzversicherung absetzen.

Steuerersparnis gefällig? Da sagt kaum jemand „Nein“. Und doch verschenken viele Berufstätige beachtliche Summen – indem sie versäumen, Versicherungsbeiträge in ihrer Steuererklärung anzugeben. Dabei können berufsbedingte Versicherungen wie:

  1. Berufshaftpflicht­versicherung,
  2. (Berufliche) Unfall­versicherung und
  3. Teile der Rechtsschutz­versicherung

...easy abgesetzt werden.

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So geht’s:

Private Policen, die auch den beruflichen Bereich abdecken, können Angestellte bei den Werbungskosten in der Anlage N angeben. Selbständige tragen die Versicherungen bei den Betriebskosten ein – und mindern so den steuerpflichtigen Teil ihres Gewinns.

Wichtig:

Betrifft die Versicherung den beruflichen Bereich, lassen sich damit (im Gegensatz zu den beschränkten Sonderausgaben) Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben in unbegrenzter Höhe absetzen.

Arbeitnehmer sollten jedoch vorher kurz den Bleistift zücken und grob überschlagen, ob sie über 1.000 Euro Werbungskosten kommen. (Werbungskosten sind zum Beispiel Ausgaben für die Fahrt zur Arbeit, Fachliteratur oder Büromaterial.) Hintergrund: Bei Angestellten berücksichtigt das Finanzamt automatisch 1.000 Euro als Werbungskosten. Erst beim Überschreiten dieses Betrags müssen Belege für Beitrags­zahlungen beigelegt werden.

Achtung:

Reine Sachversicherungen können generell nicht abgesetzt werden. Diese Versicherungen sind nicht notwendig, um einen Beruf auszuüben. Zu Sachversicherungen zählen Hausratversicherung (Ausnahme Arbeitszimmer), Kfz-Kaskoschutz, Gebäude-, Reisegepäck- oder Reiserücktrittsversicherung.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Beispielsweise sind Beiträge zu einer Reisegepäckversicherung als Werbungskosten abziehbar, soweit diese auf das Risiko von Auswärtstätigkeiten beschränkt sind [*1].

[*1]Laut BFH, 19.02.1993 - VI R 42/92, BFH/NV 1993, 153

1. Berufshaftpflicht:

Die Berufshaftpflichtversicherung ist eine Form der Haftpflicht­versicherung. Für Freiberufler und Selbstständige ist sie nahezu ein Muss. Kommt es im Rahmen der Berufsausübung zu einem folgenschweren Fehler, kann das schnell finanziell schmerzhaft werden. Unterläuft beispielsweise einem Arzt während der Operation ein Fehler, drohen neben materiellen Schadensersatzforderungen auch mögliche Schmerzens­geldforderungen. Auch Berater:innen sind betroffen. Eine fehlerhafte Beratung kann zu Unternehmensentscheidungen führen, die große Verluste verursachen. Im schlimmsten Fall nimmt das Unternehmen den oder die Berater:in dann in Haftung und fordert einen Schadenersatz in Millionenhöhe. Laut Allianz ist bei bestimmten Berufen, bei denen durch Beratungs- oder Behandlungsfehler große Schäden entstehen können, die Berufshaftpflicht­versicherung sogar entweder gesetzlich oder durch die jeweilige Berufskammer vorgeschrieben. So müssen Architekt:innen und Ingenieur:innen sowie Ärzt:innen und Apotheker:innen eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, um ihren Beruf ausüben zu können.

Auch wer im öffentlichen Dienst tätig ist, kann eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen. Das nennt sich dann Diensthaftpflicht­versicherung und deckt ausschließlich berufliche Haftungsrisiken ab. Für Lehrer:innen und eventuell Referendar:innen kann eine solche Versicherung sinnvoll sein: Sie schützt bei Schadensersatz­forderungen, wenn Lehrer:innen ein „grob fahrlässiges Verhalten“ vorgeworfen wird, rät Versicherungsexperte Hauke Simonsen.

So geht’s:

Wenn diese Haftpflichtversicherung als eigenständiger Versicherungsvertrag abgeschlossen wird, sind die Beiträge komplett als Werbungskosten abziehbar.

Berufshaftpflicht oder Betriebshaftpflicht?

Der entscheidende Unterschied zwischen Berufshaftpflicht und Betriebshaftpflicht lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Die Betriebshaftpflichtversicherung sichert das ganze Unternehmen und seine Mitarbeiter ab, die Berufshaftpflichtversicherung bezieht sich auf eine Einzelperson.

2. Unfall­versicherung:

Kurz nicht aufgepasst und schon ist es passiert: Ein Sturz vom Fahrrad mit dauerhaften gesundheitlichen Konsequenzen. Eine Unfallversicherung gegen alle Unfälle des täglichen Lebens deckt sowohl private als auch berufliche Risiken ab und mindert die finanzielle Belastung. Damit die Versicherung zahlt, muss in der Regel eine dauerhafte Beeinträchtigung vorliegen, so Martin Klotz, Vorsorge-Experte bei Finanztip.de. Vorübergehende Unfallfolgen wie ein gebrochenes Bein nach einem Sturz seien meist nicht versichert. „Außerdem muss die Invalidität auch wirklich durch einen Unfall verursacht worden sein“, so Klotz.  

So geht’s:

Die Versicherungsbeiträge für die Unfallversicherung sind zum Teil als Werbungskosten und zum Teil als Sonderausgaben absetzbar.

Praxistipp:

Die Beiträge zur Unfallversicherung können aus Vereinfachungsgründen zur Hälfte als Werbungskosten und zur Hälfte als Sonderausgaben abgesetzt werden.

In der jährlichen Steuererklärung muss die Beitragsrechnung der Unfallversicherung beigelegt werden. Eine separate Bescheinigung der Versicherungsgesellschaft über die Aufteilung des Beitrages auf berufliche und private Risiken ist laut einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 28.10. 2009 nicht notwendig [*2].

Bei einer rein beruflichen Unfallversicherung funktioniert das Prozedere noch einfacher. Hier sind die Versicherungsbeiträge in voller Höhe Werbungskosten. Berufliche Unfälle sind zum Beispiel Unfälle im eigenen Betrieb oder auf dem Weg zur Arbeit.

[*2]BMF-Schreiben vom 28.10.2009, BStBl. 2009 I S. 1275, Tz. 1.3

3. Rechtsschutz­versicherung

Bei der Rechtsschutzversicherung wird die Sache etwas komplizierter, wenn es sich nicht um eine ausschließlich beruflich bedingte Versicherung handelt. Eine Rechtsschutzversicherung ist im Fall einer kombinierten Rechtsschutzversicherung wie der Familien-Rechtsschutzversicherung und der Familien- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung nur in Teilen absetzbar. Diese Versicherungen decken laut „Lohnsteuer kompakt“ nicht nur private Risiken, sondern auch berufliche Risiken wie den Arbeitsrechtsschutz ab. „Beiträge zur Rechtsschutzversicherung sind nicht als Sonderausgaben absetzbar. Der Versicherungsbeitrag ist mit dem Teil als Werbungskosten absetzbar, der nach der Schadensstatistik der Versicherungsgesellschaft auf den Arbeitsrechtsschutz entfällt“, so die Expert:innen von Lohnsteuer kompakt, die auf ein entsprechendes BMF-Schreiben [*3] verweisen.

[*3]BMF-Schreiben vom 23.7.1998, DB 1998 S. 1590

So geht’s:

Angestellte geben den Anteil bei den Werbungskosten, Selbstständige bei den Betriebskosten an. Außerdem muss in der Einkommensteuererklärung jedes Jahr eine Bescheinigung der Versicherungsgesellschaft beigelegt werden, in der der berufliche Anteil der Versicherungsprämie bestätigt wird.

Praxistipp:

Dem Versicherer schreiben und um eine jährliche automatische Zusendung dieser Bescheinigung bitten.

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