Bargeld lacht (nicht)

Published on 13. February 2020
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Bargeld lacht (nicht)

Nur Bares ist Wahres? Von wegen: Warum Bargeld nicht immer die beste Wahl ist.

„Das macht 3,99!“ Wer an der Kasse bis auf den letzten Cent passend zahlen kann, hat die Taschen im wahrsten Sinne voller Geld. Dabei sind die meisten Deutschen inzwischen vom Kleingeld eher genervt: Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts myMarktforschung.de ist die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) für die Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen. Die Begründung fürs Verschmähen der Mini-Münzen: Platz-Probleme in der Geldbörse. Für Händler ist das Kupfergeld eine zweischneidige Sache: Zwar wirkt der psychologische Effekt krummer Preise als Kaufanreiz, gleichzeitig müssen sie Kleinstbeträge an Wechselgeld vorhalten und an der Kasse herausgeben.

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Abschaffung der Mini-Münzen?

Fünf Euro-Länder haben inzwischen dem Kleingeld abgeschworen: Nach Finnland, den Niederlanden, Belgien und Irland schaffte zuletzt Italien 2018 die 1- und 2-Cent-Münzen ab. Diese Praxis spart jede Menge Geld: Die Kupfermünzen sind für die Eurostaaten ein Verlustgeschäft. Der Materialwert der Münzen übersteigt je nach Stand der Rohstoffmärkte leicht den Nennwert des Geldstücks. Und: Die Ausgabe des Geldes ist sehr aufwendig, weil von dem Kleinstgeld mehr nachproduziert werden muss. Die Verlustrate bei 1- und 2-Cent-Stücken reicht laut EU-Kommission von „25 % bis nahezu 100 %“.

Eine Entscheidung über die Abschaffung von Ein- oder Zwei-Cent-Münzen hat Brüssel allerdings noch nicht getroffen. Die Kommission plant aber eine Analyse der Effizienz des Kleingeldgebrauchs. Außerdem will die Behörde „gemeinsame Regeln der Rundung“ durchsetzen, wenn sich Mitgliedstaaten entschlössen, Zahlungen mit Ein- oder Zwei-Cent-Stücken zu vermeiden.

Deutsche bunkern wieder Bares

Angst vor einem Bankencrash, Sorge vor Negativzinsen oder ein generelles Misstrauen gegenüber Kreditinstituten: Gründe, eine Notreserve in Cash zu Hause zu bunkern, gibt es einige. 235 Milliarden Euro horten die Bundesbürger zu Hause – das ist doppelt so viel Bargeld wie noch vor zehn Jahren, meldet Reuters.

Wer sich für einen Bargeld-Vorrat daheim entscheidet, sollte allerdings wissen: Während die Zahl der Banküberfälle seit Jahren sinkt – 2018 gab es 60 polizeilich erfasste Überfälle auf Geldinstitute –legte die Zahl der Wohnungseinbrüche zuletzt wieder in einigen Bundesländern zu. So stieg in Nordrhein-Westfalen die Zahl der Wohnungseinbrüche im Oktober 2019 um zehn Prozent auf 2020 Einbrüche an, meldet das Landeskriminalamt in Düsseldorf. Experten sehen das Bunkern von Bargeld und Wertgegenständen in den eigenen vier Wänden kritisch: „Es gibt kein Versteck, dass der Einbrecher nicht kennt“, warnt beispielsweise Helmut Rieche von der Initiative für aktiven Einbruchschutz „Nicht bei mir“. Und: Selbst hundert Kilo schwere Goldmünzen sind nicht vor Dieben sicher, wie der spektakuläre Einbruch ins Berliner Bode-Museum im März 2017 beweist.

Aus für lila Scheine

Gangster-Rapper wedeln in Videos gerne mal mit 500-Euro-Banknoten herum; KC Rebell hat den lila Scheinen sogar einen Song gewidmet. Wer seine „Bros in der Hood“ beeindrucken oder größere Beträge, zum Beispiel beim Autokauf, bar bezahlen will, hat seit dem 26. Mai 2019 ein Nachschub-Problem: An diesem Tag wurde die Ausgabe des 500-Euro-Scheins von der Bundesbank eingestellt. Für krumme Geschäfte war der Schein in Lila die erste Wahl – durch das Aus für den 500-Euro-Schein sollte eine Sicherheitslücke geschlossen werden.

Viele falsche 2-Euro-Stücke

Geldfälscher lieben Banknoten: Als Mitte des 19. Jahrhunderts Papiergeld an Bedeutung gewann, tauchte plötzlich auch vermehrt Falschgeld auf. Um Geldfälschern das Handwerk zu erschweren, beschloss Preußen, dass nur noch staatseigene Druckereien Papiergeld herstellen durften.

Die aktuellen Euro-Banknoten gibt es in Deutschland seit 2013. Im Wettlauf gegen Geldfälscher machte die Europäische Zentralbank (EZB) dank neuer Sicherheitsmerkmale auf den Geldscheinen zuletzt Boden gut: 2019 wurden insgesamt 559.000 „Blüten“ sichergestellt, 2018 waren es noch 563.000. Rechnerisch entfielen im vergangenen Jahr auf 10.000 Bundesbürger sieben falsche Banknoten. Die Zahl der gefälschten Münzen hat dagegen 2019 sogar deutlich um 9.000 auf rund 42.100 zugekommen, berichtet die Bundesbank. Besonders beliebt: 2-Euro-Münzen. Fast 90 Prozent der sichergestellten gefälschten Münzen waren Zwei-Euro-Stücke.

Fühlen, sehen, kippen

Echt oder falsch? Besonders bei 20- und 50-Euro-Scheinen lohnt es sich, genau hinzuschauen: 70 Prozent aller aus dem Verkehr gezogenen gefälschten Scheine waren laut Europäischer Zentralbank zuletzt falsche Fünfziger und Zwanziger. Die EZB empfiehlt das Fühlen-Sehen-Kippen Prinzip: Erst mit den Fingern spüren, ob die Banknote ein fühlbares Relief auf der Oberfläche hat, dann gegen das Licht halten – im unbedruckten Bereich muss das Wasserzeichen als Schattenbild zu sehen sein. Anschließen wird die Banknote gekippt: Nun muss sich das Hologramm auf dem Folienstreifen im rechten Teil der Banknote verändern.

Beschädigtes Bargeld

Die Hose aus der Waschmaschine geholt und ausgeschüttelt, da fällt ein zerfleddertes blaues Stück Papier aus der Hosentasche: Die versehentliche Geldwäsche hat einen 20-Euro-Schein in Einzelteile zerlegt. Auch auf anderem Wege können Banknoten beschädigt werden: Etwa, wenn es zu Hause brennt oder –weit weniger dramatisch, aber auch ärgerlich – die Kids mit Permanentmarkern Geldscheine „verschönert“ haben. Doch futsch sind die Scheine nicht: Sind mehr als 50 Prozent des Geldscheins vorhanden, gelten sie grundsätzlich weiter als gesetzliches Zahlungsmittel, so der Bundesverband deutscher Banken. In der Regel bleibt ein Geldschein nur anderthalb bis zwei Jahre im Umlauf.

Brennende Banknoten

\Will der Gemüsehändler um die Ecke den kaputten Schein nicht annehmen, ist Ersatz meist kein Problem: Beschädigte Euro-Scheine tauscht die Hausbank um. Bei Hardcore-Fällen – zum Beispiel, wenn nach einem Brand nur noch verkohlte Papier-Fetzen vorhanden sind, wird man am besten bei der Bundesbank vorstellig. Die Behörde erstattet jedes Jahr beschädigte Banknoten im Wert von rund 40 Millionen Euro. Aber Achtung: Wurde das Geld zum Beispiel im Rahmen einer Kunstaktion mit Farbe übergossen oder angezündet, sind die mutwillig beschädigten Banknoten „grundsätzlich von der Ersatzleistung ausgeschlossen“, so die Behörde.

Ein Fall für die Geldretter

Übrigens: Auch beschädigte D-Mark-Scheine oder Euro-Münzen, die durch eine lange Umlaufdauer stark gelitten haben, tauscht die Bundesbank um. Die Experten der Gruppe „Beschädigtes Bargeld“ in Mainz sind in Sachen Bargeldrettung einiges gewöhnt: Hat sich ein Hund einige Scheinchen einverleibt, kommt auch schon mal ein Klumpen aus zerkauten Banknoten und den Hinterlassenschaften des Hundes bei den Geldrettern der Bundesbank an…

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