Lohnt es sich, eine Bank zu überfallen?

Published on 27. September 2018
Kategorien:

Lohnt es sich, eine Bank zu überfallen?

Jeder weiß, dass es nicht erlaubt ist, eine Bank auszurauben. Trotzdem verbinden viele Menschen Bankraub mit einem Akt der Rebellion gegen das Establishment, mit romantischen Vorstellungen, mit Robin Hood und schlauen Helden, die die Repräsentanten der wirtschaftlichen Unterdrückung überlisten. Aber lohnt sich Bankraub? Zum 108. Geburtstag von Bonnie Parker haben wir das recherchiert. 

 

 

Banken sind ungefähr so beliebt wie Nordkorea. (In Deutschland ist nur die Bahn noch unpopulärer.) Jeder braucht sie, aber keiner kann sie leiden. Und wenn es dann auch wirtschaftlich nicht so gut läuft, dann sind die Geldinstitute sowieso an fast allem schuld. Das liegt zum einen am Image, das sich seit der Finanzkrise nicht erholt hat, und zum anderen daran, dass immer mehr Menschen finanzielle Sorgen haben.

Knarren und Zigarren

Der alte amerikanische Westen war voll mit berüchtigten Desperados wie Butch Cassidy, Jesse James und den Dalton-Brüdern. Und die Wirtschaftskrise in den 20er Jahren brachte Leuten wie Bonnie Parker und Clyde Barrow hervor, die sicherlich in unserer Zeit als mediale Superstars viele Tausend Follower auf Facebook und mit einer Reality Show im Fernsehen zu Ruhm gekommen wären.

Nicht erst nach der Hollywood-Verfilmung von 1967 mit Warren Beatty und Faye Dunaway war der Mythos von Bonnie und Clyde als Gangsterpaar in stylischen Klamotten und tollen Oldtimern perfekt. Ihre Namen galten als Synonym für eine Zeit der Rebellion, eine Welt, in der Frauen Zigarren und automatische Gewehre schwingen, Männer Banken ausrauben, und das Leben schnell gelebt werden musste, weil es so kurz sein würde.

 

 

Dabei war es um Bonnie und Clyde viel weniger glamourös und romantisch bestellt, als viele es sich ausmalen. Beide kamen aus ärmlichen Verhältnissen; Clyde träumte von einer Karriere als Musiker, bevor er zum Verbrecher wurde, und Bonny schrieb Gedichte und liebte die Bühne. Die Kriminalität wurde allerdings der einzig mögliche Weg zum Ruhm, den das Duo kennenlernen sollte.

In vier Jahren begingen sie etwa 15 Banküberfälle, doch fast nie alleine, und um sich über Wasser zu halten, überfielen sie dafür unzählige kleinere Geschäfte und Tankstellen - alles meist ohne größere Ausbeute. Ihre jahrelange Flucht war gezeichnet von Hunger, Verletzungen, verpatzten Coups und Mord. Und am Ende standen 1934 ein Hinterhalt der Polizei und ihre buchstäblich durchlöcherten Leichen.    

Bankräuber ist ein aussterbender Beruf

In heutiger Zeit sind Banküberfälle glücklicherweise meist nicht mehr derart blutig, und überhaupt geht die Zahl der „Bank-Jobs“ stetig zurück. Während im Jahr 2001 noch 697 Raubüberfälle auf Geldinstitute in Deutschland verübt wurden, waren es 2017 nur noch 100.

 

 

Trotzdem sind wir in Europa nach Spitzenreiter Italien - wo bis 2006 mit rund 3000 jährlich mehr Bankraube passierten, als im ganzen Rest von Europa - immer noch auf Platz 2 zu finden.

Dabei liegt die Aufklärungsquote bei uns seit Jahren durchschnittlich bei etwa 70% - fast fünfmal so hoch wie bei Wohnungseinbrüchen.

 

 

Aber die Faszination für den klassischen Bankraub bleibt. Solange kein Blut fließt, ist der Bankräuber ein Sympathieträger und seine Arbeit in den Augen vieler eine Art Kavaliersdelikt. Filme wie Ocean’s Eleven oder The Italian Job, sowie Serien wie Haus des Geldes zeugen davon und stehen hoch in der Gunst der Zuschauer.

Ein amerikanisch-britisches Wissenschaftler-Team hat sich vor ein paar Jahren die Mühe gemacht, aus über 350 Banküberfällen in Großbritannien zwischen 2005 und 2008 Rückschlüsse über die durchschnittlich erbeutete Menge Geldes (unter Berücksichtung der Risiken einer Festnahme, versteht sich) zu ziehen, und die Ergebnisse sind ernüchternd: Inklusive Verdienstausfall durch Gefängnisaufenthalte ist für einen Bankräuber bei fünf Überfällen pro Jahr nur ein statistisches Jahreseinkommen von etwa 15.000 € drin.

Vom Gangster zum Hacker

Natürlich machen neue Technologien wie Überwachungsanlagen und Sicherheitssysteme den Bankräubern das Leben schwer. Und mehr noch ist es das fehlende Bargeld in den Filialen, welches die Räuber abschreckt. Beispiel: Schweden. Das Land, das als erstes Banknoten druckte, könnte auch das erste sein, in dem das Bargeld ganz abgeschafft wird. Etwa 2030 soll die E-Krona eingeführt werden. Denn die Schweden zahlen nahezu alles per Karte oder App, viele Geschäfte akzeptieren schon kein Bargeld mehr. Und so gab es in Schweden 2017 auch nur ganze zwei Banküberfälle…

 

 

Wer allerdings glaubt, dass durch den Trend die Kriminalitätsrate im Finanzsektor sinkt, irrt sich gewaltig. Denn an die Stelle von Raub vor Ort ist längst die Internetkriminalität getreten. Phishing, Pharming, Trojaner, Viren - der großen Mehrheit der Onlinebanker sind diese Gefahren ein Begriff, trotzdem sind viele von Ihnen überfordert.

Laut Statista halten dennoch 49% der Deutschen das Online Banking 2018 für sicher oder sehr sicher, was sich auch in den Nutzerzahlen wiederspiegelt: rund 50% der Bankkunden erledigen ihre Bankgeschäfte bereits online (im Gegensatz zu 8% im Jahr 1998), Tendenz steigend.

Die Methoden von Cyber-Kriminellen werden aber immer perfider, Fake Shops sprießen zu Tausenden im Netz, falsche Webseiten sind kaum noch von den echten Banking-Apps zu unterscheiden. Daher sind Banken mehr denn je gefordert, ihren Kunden aktualisierte Informationen über Datensicherheit zu liefern.

Bei Fidor nehmen wir diesen Auftrag sehr ernst und haben uns mit „Sicher mit Fidor“ den Schutz unserer Kundendaten zur Prämisse gemacht.