Der digitale Wandel und die Banken

Published on 17. September 2019
Kategorien:

Der digitale Wandel und die Banken

Die letzte Innovation war bei vielen traditionellen Banken die Einführung des Online-Bankings. FinTechs sind da weiter: Mit ihrer digitalen DNA setzen sie in Sachen Kundenorientierung neue Maßstäbe.

Digitalisierung, FinTechs, Crowdfunding-Plattformen. Das sind einige der Themen, die Führungskräften in traditionellen Banken aktuell Kopfschmerzen bereiten dürften. Die Bankenbranche steht vor großen Herausforderungen – so weit, so bekannt. Aber der digitale Wandel bietet auch neue Möglichkeiten: So zündete die Anfang 2018 in Kraft getretene europäische Zahlungsrichtline PSD2 den Turbo fürs Online-Banking. Kunden können Kontodaten teilen und neue Dienste nutzen. Die nationale Umsetzung der europäischen Vorgaben erfolgt im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz: Es bricht das bisherige Monopol der traditionellen Banken und sorgt gleichzeitig für mehr Rechtssicherheit und Verbraucherschutz. Außerdem ermöglicht es einen fairen Wettbewerb zwischen Banken und neuen Zahlungsdienstleistern.

FinTechs: Bei Kundenorientierung die Nase vorn

Ein Girokonto in wenigen Minuten per Smartphone eröffnen, den Wochenendeinkauf via App bezahlen oder Kryptowährungen mit wenigen Klicks kaufen. FinTechs – ein zusammengesetzter Begriff aus „Financial Services“ und „Technology“ – verändern die Bankenbranche mit innovativen Lösungen. Und dank PSD2 können sie nun einfacher personalisierte Dienste anbieten. Mittlerweile existieren mehr als 50 deutsche FinTechs, beziehungsweise Payment-Dienstleister, mit entsprechender Lizenz am Markt. Genau genommen schafft die PSD2 zwei völlig neue Dienstleistungstypen: zum einen die Zahlungsauslösung (PISP) und zum anderen der Kontoinformationsdienst, abgekürzt AISP.

Nach Ansicht von Nils Beier, Bankenexperte und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Accenture Strategy, hatten FinTechs von Anfang an in Sachen Kundenorientierung die Nase vorn: „FinTechs sind in ihren Nischen oft deutlich kundenorientierter als Banken“, sagte er der Wirtschaftswoche bereits 2017.

Digitalisierung: Deutsche Banken trödeln

2,01 Millionen Menschen in Deutschland nutzen das Internet täglich für ihre Bankgeschäfte. Trotzdem tun sich besonders deutsche Banken mit der Digitalisierung weiter schwer, so eine Untersuchung der Unternehmensberatung Accenture, für die 161 Banken in 23 Ländern in drei Kategorien eingeteilt wurden: Als „digital fokussiert“ bezeichnet Accenture Banken, die bereits von der Digitalisierung profitieren. „Digital aktiv“ werden in der Studie diejenigen Finanzinstitute genannt, die bereits einzelne Digitalprojekte gestartet haben, bei denen jedoch noch eine zusammenhängende Strategie fehlt. Und dann ist da noch der Rest, der in Sachen Digitalisierung noch keine erwähnenswerten Fortschritte verzeichnen kann.

Schlechte Noten für deutsche Banken: Keine einzige schafft es in die Top-Kategorie. Deutschland ist zwar in der „digital aktiv“-Kategorie vertreten, „aber die meisten deutschen Banken fallen in die Restkategorie“, so Julian Skan, Bankenexperte bei Accenture im Handelsblatt. Auch weltweit gesehen, haben die Banken laut der Studie noch ziemlichen Nachholbedarf. Während die untersuchten Banken im Zeitraum von drei Jahren eine Billion Dollar für IT ausgegeben haben, setzen gerade einmal 12% die Digitalisierung mit Vollgas um. Rund 50% der untersuchten Finanzinstitute fallen in die Restkategorie – sie haben den Schuss in puncto Digitalisierung noch nicht gehört.

Digital ist rentabler

Dabei sind sich Experten einig: Um die Kostenbasis ausreichend zu entlasten und die operativen Erträge zu steigern, ist Digitalisierung Pflicht. Die European Banking Study 2019 der Strategieberatung zeb kommt zu dem Ergebnis: Digital orientierte Banken arbeiten rentabler. Ihre Profitabilität sei 2018 in allen Bereichen deutlich höher als die ihrer Wettbewerber gewesen, heißt es. „Diese digitalen Vorreiter haben wesentliche Erfolgsfaktoren der Big Techs adaptiert und beschreiten damit einen Weg, der zeigt, wie Europas Banken trotz eines harten Wettbewerbs auch in Zukunft erfolgreich am Markt agieren können", sagt Dr. Dr. Florian Forst, Partner bei zeb.

Bank-Bank-Kooperationen

Unter den höchstfinanzierten deutschen Tech-Startups stechen nach Angaben von Ernst & Young (EY) besonders FinTechs hervor: 21 Firmen unter den Top-100-Start-ups sind FinTechs. Im Vorjahr lag ihre Zahl noch bei 14. Dabei müssen sich die deutschen Finanz-Startups auf Konkurrenz gefasst machen: „Ausländische Wettbewerber expandieren in den deutschen Markt, so die EY-Analyse. Der FinTech-Markt entwickelt sich rasant: 2018 beliefen sich die weltweiten Investitionen in FinTech-Unternehmen auf eine Summe von rund 111,8 Milliarden US-Dollar. Und er verändert sich: Während sich viele FinTechs spezialisiert haben und mit einzelnen, kundennahen Leistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufwarten, verbinden FinTechs mit einer Banklizenz – dazu gehört beispielsweise Fidor – das Beste aus beiden Welten: Das rein digitale und mobile Geschäftsmodell wird mit einer hohen Kundenorientierung verbunden. So ist beispielsweise die Online-Legitimierung zur Kontoeröffnung die Regel und nicht die Ausnahme.

FinTechs als echte Wachstumstreiber

FinTechs mit Banklizenz sind zudem laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung PwC echte Wachstumstreiber: Sie können Partnern über API-Schnittstellen Zugang zu einem breiteren Spektrum an Produktentwicklungen, operativen Prozessen, innovativer IT-Infrastruktur, Compliance bis hin zu regulatorischem Know-how bieten. „FinTechs mit Banklizenz eröffnen völlig neue Möglichkeiten etwa für zukunftsweisende Bank-Bank-Kooperationen“, sagt Sascha Demgensky, Leader FinTech bei PwC Deutschland.

Disclaimer
Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte dieser Aussendung. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Soweit wir Ihnen steuerliche oder rechtliche Informationen liefern, stellen diese keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Produkte oder Dienstleistungen zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Produkte oder deren Emittenten, Dienstleister oder Anbieter explizit erwähnt werden. Sofern die Inhalte und Informationen von Dritten zur Verfügung gestellt wurden bzw. Meinungen Dritter wiedergegeben werden, müssen diese nicht mit unserer Auffassung im Einklang, sondern können sogar im Widerspruch hierzu stehen. Bei Fragen zu rechtlichen oder steuerlichen Auswirkungen im Einzelfall wenden Sie sich bitte in jedem Fall vorher an Ihren Rechts- oder Steuerberater.

WEITERE BEITRÄGE AUS DER FIDOR WELT

TECHNOLOGIE

Das Banking
der Zukunft
 

Bankroboter, Chatbots, KI: Das Banking der Zukunft ist digital. Wie die Banken- und Finanzbranche mit den Ansprüchen einer neuen Kundengeneration Schritt hält.

TECHNOLOGIE

Mobile Payment in China – Innovationen ohne Datenschutz?

Mobiles Bezahlen ist in China fast so normal wie atmen. Warum WeChat Pay und Alipay boomen, was die Zukunft bringt und wie es um den Datenschutz steht.

TECHNOLOGIE

Künstliche Intelligenz im Banking

Was ist künstliche Intelligenz und welche Auswirkungen könnte sie auf Bankgeschäfte haben? Eine Einführung in die Welt der künstlichen Intelligenz sowie einige Use Cases von KI im Bankwesen.