Das Arbeitsleben nach der Krise

Published on 02. June 2020
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Das Arbeitsleben nach der Krise

Aktuell noch im Homeoffice, in naher Zukunft wieder im Büro. Wie das neue Arbeiten nach Corona aussieht und wie die Digitalisierung in Deutschland voranschreitet.

Freunde und Kollegen im kleinen Kreis treffen – nach den jüngsten Lockerungen ist das vielerorts wieder möglich. Dabei wird eine Frage viel diskutiert: Wie sieht das Arbeitsleben nach der Corona-Krise aus? Eine sichere Antwort lautet: im Homeoffice. James Gorman, Chef von Morgan Stanley, sagte gegenüber Bloomberg TV, er könne sich nach Überwindung der Corona-Pandemie gut vorstellen, dass die meisten der 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der US-Investmentbank künftig teilweise von zu Hause arbeiten werden. Die Internetgiganten Google und Facebook haben ihre Regelungen zur Heimarbeit wegen Corona bereits bis zum Jahresende verlängert. Die meisten Beschäftigten sollen weiter von zu Hause arbeiten, so Google-Chef Sundar Pichai. Und bei Twitter gilt das Angebot zum Homeoffice schon „für immer“. Nicht nur in den USA und bei Tech-Firmen befeuert die Pandemie einen Trend, der sich seit längerem abzeichnet: Wenn man nicht mehr für jeden Mitarbeiter ein eigenes Büro oder einen festen Schreibtisch bereitstellen muss, so spart das Bürofläche und Geld.

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Präsenzkultur vs. Homeoffice

In Deutschland – lange eine Hochburg der Präsenzkultur – hat die Corona-Krise sogar in der öffentlichen Verwaltung das Arbeiten von daheim etabliert: So will beispielsweise Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen sein Personal weitgehend im Homeoffice lassen.

Bisher hatten sich hierzulande vor allem die Versicherer mit Desk-Sharing und Homeoffice-Tagen ans „neue Arbeiten“ gewagt: In der Branche regelt seit Juli 2019 ein Tarifvertrag (TVMob A) das mobile Arbeiten in Unternehmen, die dazu bisher keine eigenen Regelungen haben. Es gilt das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit: weder kann der Arbeitgeber die Angestellten zum Homeoffice verpflichten, noch haben die Mitarbeiter einen Rechtsanspruch darauf.

Thema Recht und Gesetz: In Deutschland gibt es nach wie vor kein Recht auf Homeoffice – Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kündigte im Zuge der Corona-Krise allerdings an, bis zum Herbst mit einem neuen Gesetz mehr Möglichkeiten für Heimarbeit zu schaffen.

Viele freuen sich aufs Büro

Seit Mai heißt es für viele Beschäftige aber auch: zurück an den Arbeitsplatz! Laut einer Umfrage von Stepstone sehen 79 Prozent der Führungskräfte die Zeit gekommen, die Arbeit wieder in die Firmen zu verlegen. Unter den Angestellten der Firmen hätten sich insgesamt 82 Prozent für eine Rückkehr ins Büro ausgesprochen, so die Umfrage.

Selbst das von Corona schwer betroffene Großbritannien – das Land hat in Europa die meisten Covid-19-Toten (Stand 22. Mai 2020) zu beklagen – bereitet sich auf „back to work“ vor: "Wir müssen jetzt deutlich machen, dass jeder, der nicht von zu Hause aus arbeiten kann - zum Beispiel im Baugewerbe oder in der Fertigung - aktiv ermutigt werden sollte, zur Arbeit zu gehen", sagte Premierminister Boris Johnson in einer Ansprache an die Nation.

Social distancing in der Kaffeeküche

Für alle, die genug von täglichen Videokonferenzen haben und sich darauf freuen, wieder mit den Kollegen in der Kaffeeküche einen Plausch zu halten, ist nun einiges anders: Grund sind strengere Hygiene- und Infektionsschutzvorgaben während der Corona-Pandemie, die bundesweit gelten. Denn es ist weiter notwendig, „social distancing“ aufrechtzuerhalten und persönliche Kontakte einzuschränken, um der Verbreitung des Virus keine Chance zu geben. So sitzen in den Büros meist nur einzelne Mitarbeiter und auf den Fluren oder in der Kantine (falls diese überhaupt geöffnet ist) muss Abstand gehalten werden. Selbst das Teilen eines Stiftes mit einem Kollegen ist plötzlich riskant.

Aufs Händeschütteln verzichten

Dabei gilt jetzt ganz besonders: Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, für den Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu sorgen. Wie genau das in Corona-Zeiten aussieht, entscheidet dabei die Situation vor Ort. Der Mitte April veröffentlichte „Sars-CoV-2-Arbeitsschutzstandard“ soll laut Bundesarbeitsminister Heil die bereits geltenden Arbeitsschutzstandards ergänzen. Die Unfallversicherungsträger haben den Arbeitsschutzstandard branchenspezifisch konkretisiert. Unter anderem ist ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Menschen auch bei der Arbeit einzuhalten – und zwar in Gebäuden, im Freien und in Fahrzeugen. Dafür müssen Absperrungen, Markierungen oder Zugangsregelungen eingesetzt werden. Alternativ können Trennwände installiert werden. Ist das nicht machbar, sollen Arbeitgeber Nase-Mund-Bedeckungen für Beschäftigte, Kunden und Dienstleister zur Verfügung stellen. Neben einer Husten- und Niesetikette sowie guter Handhygiene gilt übrigens auch am Arbeitsplatz: Aufs Händeschütteln sollte weiter verzichtet werden.

Virus als Turbo für die Digitalisierung

Mehr Homeoffice, mehr Abstand am Arbeitsplatz, weniger Geschäftsreisen: Die neuen Richtlinien und Maßnahmen von Unternehmen und Regierungsvertretern zeigen, dass der Arbeitsplatz der Zukunft deutlich anders aussehen wird, als vor der Corona-Krise. Dabei wirkt das Virus auch als Digitalisierungsbeschleuniger: „So schnell hat die Arbeitswelt schon lange keinen Paradigmenwechsel mehr durchlaufen“, stellt Dr. Jens-Uwe Mayer, Geschäftsführer der Innolytics GmbH, in einem Beitrag für das Manager Magazin fest. Während der schrittweisen Rückkehr zum Alltag wollen viele die neuen digitalen Gewohnheiten auch im Arbeitsleben beibehalten. Fast zwei Drittel (64%) der Deutschen möchten bei fortdauernder Krise mehr digitale Angebote nutzen, so das Ergebnis einer Umfrage von Web.de und Gmx.de. Besonders attraktiv finden die Befragten die Möglichkeit, die Briefpost per Mail zu erhalten – 40 Prozent sind daran interessiert. Ein gutes Drittel möchte Behördendienste digital nutzen.

Alles neu im Behördenalltag

Die deutschen Behörden, in Sachen Digitalisierung bisher eher im Schneckentempo unterwegs, waren durch Corona gezwungen, Arbeitsabläufe rasant zu digitalisieren. Oder wie es die Stadt Ulm formuliert: „Die Einschränkungen des Publikumsverkehrs und das Ende des klassischen Verwaltungsalltags zwingen zu digitalen Ansätzen, um den Betrieb der Stadtverwaltung aufrechtzuhalten.“ In der „SmartCity“ Ulm setzt man aktuell unter anderem auf die digitale Interaktion in einem Verwaltungslabor und einem neuen Kreativraum. Ein interdisziplinärer Austausch schaffe dabei „Freiräume für neue Ideen für die Verwaltung von morgen", verspricht Bürgermeister Martin Bendel.

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