Krisenzeiten in der Arbeitswelt: Alarmstufe Rot?

Published on 30. July 2020
Kategorien:

Krisenzeiten in der Arbeitswelt: Alarmstufe Rot?

Corona verändert die Arbeitswelt – jetzt und in Zukunft. Über Gewinner, Verlierer und Rettungsanker in Krisenzeiten.

Fast normal fühlt sich das Leben in Deutschland momentan an. Manche sprechen auch vom „new normal“ und meinen die Veränderungen im gesellschaftlichen Miteinander und in der Arbeitswelt durch Corona. Der Lockdown in den ersten Monaten der Corona-Krise machte möglich, was vorher undenkbar war: Millionen Menschen arbeiteten plötzlich von Zuhause aus; die Digitalisierung von Arbeitsabläufen nahm rasant zu. Während die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie noch nicht endgültig absehbar sind, steht bereits die Frage im Raum, wie unsere Arbeitswelt in Zukunft aussehen wird.

Halten statt entlassen

Um die Corona-Krise zu bewältigen, kam in Deutschland nicht nur Neues, sondern auch Bewährtes zum Einsatz: Das bereits während der letzten Finanzkrise erprobte Mittel der Kurzarbeit. Damit das Modell „Halten statt Entlassen“ quer durch alle Wirtschaftszweige in der Corona-Ausnahmesituation greifen kann, hat die Bundesregierung rückwirkend zum 1. März 2020 den Zugang zur Kurzarbeit erleichtert und das Kurzarbeitergeld angehoben. Wer in Kurzarbeit ist, erhält 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts. Familien mit Kindern bekommen 67 Prozent Kurzarbeitergeld. Berechnungsgrundlage ist das Bruttoarbeitsentgelt der letzten zwölf Monate abzüglich Sozialbeiträge und Steuern. Der Arbeitgeber wird dadurch bei den Beschäftigungskosten entlastet. Im Mai war nach Berechnungen des Ifo-Instituts eine Rekordzahl von 7,3 Millionen Beschäftigten in Deutschland in Kurzarbeit, fast fünfmal mehr Menschen als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2009. Im Juni sank die Zahl auf 6,7 Millionen. Gut zu wissen: Die negativen Auswirkungen von Kurzarbeit auf die spätere Rente werden durch das Aufstocken des Arbeitgeberanteils abgemildert, wie die Deutsche Rentenversicherung vorrechnet. Selbst bei Kurzarbeit Null - wenn also gar kein regulärer Lohn mehr gezahlt wird – werden immer noch 80 Prozent der bisherigen Beiträge gezahlt.

Deutsche in Sorge um den Job

Kurzarbeit gilt als gutes Überlebens-Modell bei Krisen, die Unsicherheit bleibt jedoch. „Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Krise weiterhin unter Druck“, sagt der Vorstandschef der Bundesagentur, Detlef Scheele. Das zeigt der erneute Anstieg der Arbeitslosenzahl im Juni: 2,853.000 Menschen waren laut Bundesagentur für Arbeit ohne Job, 637.000 mehr als im Vorjahresmonat. Dass die Gefahr für ihren Job noch nicht vorbei ist, glaubt mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer: 55 Prozent nehmen an, dass sich die Folgen von Corona negativ auf ihre Arbeitsplatzsicherheit auswirken werden, so ein Ergebnis des Randstad-Arbeitsbarometers.

Finanzieller Spielraum für die Zukunft

Corona macht sich bei den Deutschen auch finanziell bemerkbar. So haben mehrere hunderttausend Bankkunden ihre Kredite nicht bedient. Allein bei den Sparkassen wurden Anfang Juli 189.000 Verbraucherkredite gestundet, teilte ein Sprecher der Finanzgruppe mit. Andere Banken berichten von erhöhten Anfragen nach Tilgungspausen und Tilgungsherabsetzungen.

Im Gegensatz zur nur temporären Entlastung durch die Möglichkeit einer Kreditstundung, kann die Soli-Abschaffung finanziellen Spielraum für die Zukunft verschaffen – so können sich zwei Drittel der Deutschen laut einer YouGov-Studie im Auftrag von Swiss Life Select vorstellen, das Geld aus der Abschaffung des Solidaritätsbeitrages in die Altersvorsorge zu investieren. Wenn für 90 Prozent der Deutschen ab 2021 der Soli-Zuschlag wegfällt, können sie je nach Einkommen und Lebenssituation bis zu 1.000 Euro im Jahr sparen.

Gastgewerbe: Ein schweres Jahr

Die größte Angst vor einem Jobverlust haben laut Randstad-Arbeitsbarometer Arbeitnehmer in Hotellerie und Gastronomie (83 Prozent). Kein Wunder, schließlich hat diese Branche schwere Einbußen zu verzeichnen. Mehr als drei Viertel der vom Dehoga Bundesverband im März befragten Hotels, Restaurants und Caterer beklagten massive Umsatz- und Buchungsrückgänge. Trotz aller Lockerungen fährt das Gastgewerbe weiter Verluste von mehr als 70 Prozent ein. Klaus Groß, Gründer der Initiative Gastronomie Untermain, erwartet ein schweres Jahr: „Mit der Gastronomie ist ein Hochrisiko-Patient in die Corona-Pandemie geschlittert. Das Wirtshaussterben war ja bereits vorher ein Problem.“ Die Mehrwertsteuersenkung, Teil eines milliardenschweren Konjunkturpakets, soll der gebeutelten Branche unter die Arme greifen.

Alarmstufe Rot in der Veranstaltungsbranche

Keine Konzerte, keine Messen, keine Firmenevents. Tiefrote Zahlen schreibt auch die Veranstaltungsbranche und spricht von 80 bis 100 Prozent Umsatzeinbußen in 100 Tagen. Unter #alarmstuferot und mit einer „Night of Light“ machte sie bundesweit auf ihre dramatische Situation aufmerksam – markante Gebäude wurden in Rot angestrahlt. Das 25 Milliarden Euro schwere Programm für Überbrückungshilfen, das Mittelständlern und Soloselbstständigen durch die Krise helfen soll, wird heftig kritisiert. Besonders Solo-Selbstständige fühlen sich beim Corona-Konjunkturpaket übergangen: "Die Regierung lässt die Solo-Selbstständigen im Stich und behandelt uns als Erwerbstätige dritter Klasse", urteilt etwa der Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD). Immerhin will die Bundesregierung nun ein eine Milliarde Euro umfassendes Hilfsprogramm für Kunst und Kultur nachlegen.

Gewinner: Digitalisierung

Gewinner der Corona-Krise waren Anbieter von digitalen Diensten. Innerhalb weniger Wochen stieg bei Videokonferenz-Apps wie Zoom die Zahl der Nutzer explosionsartig. Das macht deutlich, dass ohne digitale Dienste und Werkzeuge im Homeoffice – und in der Arbeitswelt der Zukunft – wenig geht. Auch der Arbeitsmarkt für Informatiker, Programmierer und Datenanalysten boomte in der Corona-Krise weiter. Der Fachkräfte-Mangel in der IT öffnet die Branche für Quereinsteiger – auch das Alter spielt keine Rolle, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Fidor Smart Geschäftskonto.
Bringt Banking auf ein neues Level.

Konto eröffnen

Weg von der Präsenz-Kultur

Stichwort Gewinner: Das Arbeiten im Homeoffice und in einer virtuellen Unternehmensumgebung bleibt erhalten. So will unter anderem Siemens für 140.000 Mitarbeiter weltweit, davon 45.000 in Deutschland, das Homeoffice dauerhaft möglich machen. Nach positiven Erfahrungen mit dem Arbeiten von Zuhause aus während der Corona-Krise setzt der Industriekonzern auf ein „new normal working model“. Das bedeutet, Siemens-Mitarbeiter können künftig an zwei bis drei Tagen pro Woche mobil arbeiten. Nicht nur die Siemensianer schätzen den Wandel weg von der Präsenz-Kultur: Laut einer Studie der Universität Konstanz wünscht sich ein Großteil der Beschäftigten weiter im Homeoffice arbeiten zu können. 56 Prozent der Befragten möchten in Zukunft zumindest teilweise von Zuhause aus arbeiten, heißt es in dem Papier.

Ansturm auf digitale Lernplattformen

Wer nicht schon digital denkt und arbeitet, sollte also dazulernen. In Corona-Zeiten gerne auch per E-Learning. So registriert beispielsweise das Hasso-Plattner-Institut, Pionier in Sachen offene Online-Kurse, seit März einen gewaltigen Ansturm auf die zahlreichen von ihm geschaffenen Lernplattformen. „Weiterbildung oder gar eine Umschulung sind nicht mehr nur wichtige Instrumente für den beruflichen Aufstieg. Sie werden zu essentiellen Mitteln, um arbeitsfähig zu bleiben“, sagt Dr. Christoph Kahlenberg von Randstad. Dabei können auch Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit sind (und um ihren Job bangen) die Zeit für Weiterbildung nutzen: Während der Qualifizierung wird ein Transfer-Kurzarbeitergeld weitergezahlt.

Disclaimer
Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte dieser Aussendung. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Soweit wir Ihnen steuerliche oder rechtliche Informationen liefern, stellen diese keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Produkte oder Dienstleistungen zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Produkte oder deren Emittenten, Dienstleister oder Anbieter explizit erwähnt werden. Sofern die Inhalte und Informationen von Dritten zur Verfügung gestellt wurden bzw. Meinungen Dritter wiedergegeben werden, müssen diese nicht mit unserer Auffassung im Einklang, sondern können sogar im Widerspruch hierzu stehen. Bei Fragen zu rechtlichen oder steuerlichen Auswirkungen im Einzelfall wenden Sie sich bitte in jedem Fall vorher an Ihren Rechts- oder Steuerberater.


BUSINESS

Mitarbeiter-Benefits: attraktiver als mehr Gehalt?

Gehaltsverhandlungen in Corona-Zeiten: schlechte Idee!? Nicht unbedingt. Sachbezüge sind eine Alternative zu mehr Geld – und sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber attraktiv. Wir stellen beliebte Benefits genauer vor.

Erfahre mehr

BUSINESS

Das Arbeitsleben nach der Krise

Aktuell noch im Homeoffice, in naher Zukunft wieder im Büro. Wie das neue Arbeiten nach Corona aussieht und wie die Digitalisierung in Deutschland voranschreitet.

Erfahre mehr

BUSINESS

Corona:
Grenzenlos lernen

Der Aufbruch zu neuen Ufern beginnt zu Hause: Weiterbildung geht in Corona-Zeiten auch bequem am Rechner. Wie digitale Angebote das Lernen leichter machen, den Horizont weiten und als Jobbooster funktionieren.

Erfahre mehr