Achtung: Online Anlagebetrug

Published on 15. October 2020
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Achtung: Online Anlagebetrug

Zwei bis fünf Prozent Rendite PRO WOCHE. Das Investmentangebot klingt zu gut, um wahr zu sein. Dahinter steckt ein Network-Marketingprogramm – und Betrug. Wo unseriöse Finanzangebote im Internet lauern und woran man merkt, dass an der Traumrendite etwas faul ist.

„Jeder, absolut jeder kann das“, verspricht das professionell produzierte Video. In sozialen Netzwerken wie Facebook oder YouTube wird so für Forex-Trading – das sind Währungsspekulationen an der Börse – geworben. Opfer der Network-Marketing-Masche sind nach Recherchen von boerse.ARD.de und Plusminus vor allem junge, unerfahrene Anleger. Das Geschäftsmodell dieser oder anderer Multi-Level-Marketing-Unternehmen: Kaufe eine Finanz-Software für xxx US-Dollar im Monat und verkaufe sie an Freunde und Bekannte weiter. Die Software soll dann vollautomatisch mit dem Geld der Kunden an der Börse spekulieren. Zwei bis fünf Prozent Rendite seien pro Woche drin, so das Versprechen. Für Andreas Hackethal, Professor an der Frankfurter Goethe-Universität, sind solche Gewinnerwartungen „völliger Humbug." Denn mit Zinseszins käme man hochgerechnet pro Jahr auf mehr als sagenhafte 1.100 Prozent Gewinn, lässt sich der Wirtschaftswissenschaftler von boerse.ARD.de zitieren.

Umstrittene Marketing­strategie

Network-Marketing, auch Multi-Level-Marketing oder Empfehlungsmarketing genannt, gibt es nicht erst seit Social Media. Das Geschäftsmodell für den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen wurde bereits im 19. Jahrhundert von der California Perfume Company, die sich später in „Avon“ umbenannte, etabliert. Die Idee: Kaufe ein Schönheitsprodukt, empfehle es weiter und erhalte eine Provision. Klingt bekannt, oder? Was einst in den USA als halbwegs respektables Business-Modell begann, ist heute durch die Nähe zu Schneeball- oder Pyramidensystemen umstritten: „Viele, wenn nicht sogar alle der heutigen Multi-Level-Marketingprogramme beinhalten einen gewissen Grad an Betrug“, urteilt beispielsweise die Seite „Fraud.com“. Claudia Groß von der Radbound Universiteit Nijmegen sieht in dieser Form des Network-Marketings ein großes Problem. „Junge Leute haben noch wenig Erfahrung mit Finanzprodukten und lassen sich vielleicht auch leichter blenden durch die Versprechen", sagt sie boerse.ARD.de.

Soziale Medien für Finanzbetrüger attraktiv

Das Internet und die sozialen Medien, die viele ganz selbstverständlich nutzen, um sich bei Investitionsentscheidungen helfen zu lassen, sind dabei Segen und Fluch zugleich. Ob Recherchen zu bestimmten Aktien, Hintergrundinfos zu einer möglichen Anlagestrategie, aktuelle Finanznachrichten oder einfach nur eine Diskussion über den Aktienmarkt: Im Netz finden Anleger Antworten. Facebook und Co. bieten jedoch auch eine Reihe von Funktionen, die für Kriminelle sehr attraktiv sind. Betrüger können sich hinter einem Fake-Profil verstecken und soziale Medien nutzen, um legitim zu erscheinen – und sie können viele Menschen kostengünstig erreichen.

Die „einmalige Investmentchance“

Vorsicht bei unaufgeforderten Investmentangeboten über soziale Medien – sie können Teil eines betrügerischen Anlagesystems sein. Wer eine Nachricht von einem Unbekannten erhält, die eine „einmalige Investmentchance“ verspricht, sollte diese „Chance“ am besten verstreichen lassen und sie stattdessen beispielsweise der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz BaFin) oder der Polizei melden. Rechtsanwalt Jochen Resch, der mit seiner Kanzlei auf Anlegerschutz spezialisiert ist, berichtet von einer immer wieder gleichen Vorgehensweise: „Es wird beispielsweise Werbung in den sozialen Medien, wie Facebook geschaltet. Hier berichten vermeintliche Prominente, gern auch unter dem irrigen Verweis auf die TV-Sendung ‚Die Höhle der Löwen‘, über ihre Erfahrungen mit dem Onlinetrading.

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Newsletter als Mittel zum Betrug

Kurz, bündig und kostenlos flattert das Finanzwissen per Newsletter in den Posteingang. Während viele Online-Newsletter wertvolle Informationen enthalten, sind andere ein Mittel zum Betrug: Sie verbreiten falsche Informationen, um für wertlose Aktien zu werben. Einige Unternehmen bezahlen Online-Newsletter, um ihre Aktien zu „bewerben“ oder zu empfehlen. Das ist nicht illegal, solange offengelegt wird, wer sie bezahlt hat, wie viel bezahlt wird und in welcher Form die Bezahlung erfolgt. Betrüger verschweigen all das und lügen, was die Erfolgsbilanz angeht. Auch wenn diese Art von Newsletter teilweise auf seriösen Websites beworben wird, ist dies keine Garantie dafür, dass sie nicht betrügerisch sind!

Foren und Chatrooms: Genau hinschauen

„Betrüger können Online-Diskussionen nutzen, um ein Unternehmen hochzujubeln oder so zu tun, als würden sie ‚Insider‘-Informationen über bevorstehende Ankündigungen, neue Produkte oder lukrative Verträge preisgeben“

„Hat jemand Erfahrung mit Forex-Trading und der Plattform xy gemacht?“ Online-Foren und Chatrooms sind eine gute Möglichkeit für Investoren, Informationen auszutauschen. Gleichzeitig gilt es, genau hinzuschauen. Auf Falschinformationen, ob aus Unwissen oder in voller Absicht, sollte man immer vorbereitet sein, warnen Experten: „Betrüger können Online-Diskussionen nutzen, um ein Unternehmen hochzujubeln oder so zu tun, als würden sie ‚Insider‘-Informationen über bevorstehende Ankündigungen, neue Produkte oder lukrative Verträge preisgeben“ Ein weiteres Problem ist, dass man nie mit Sicherheit weiß, mit wem man es zu tun hat oder ob derjenige glaubwürdig ist, da viele Websites den Benutzern ermöglichen, ihre Identität hinter Decknamen zu verbergen.

Was kann ich tun, um nicht Opfer eines Anlagebetrugs auf Social-Media-Seiten oder anderswo im Internet zu werden?

Regel Nummer eins: Erst gründlich recherchieren, dann investieren. „Unerwünschte E-Mails, Postings im Message Board und Pressemitteilungen eines Unternehmens sollten niemals als alleinige Grundlage für Ihre Investitionsentscheidungen verwendet werden“, rät die U.S. Wertpapier- und Börsenkommission unter der Überschrift „Was Sie tun können, um Investitionsbetrug zu vermeiden“. Seriöse Finanz-Infos und Beratung bekommen Investoren in spe beispielsweise on- und offline bei unabhängigen Organisationen wie den Verbraucherzentralen, Finanztest von der Stiftung Warentest oder auf Finanzseiten wie Finanztip.de. Bei Anlageangeboten im Internet ist auch ein Klick ins Impressum Pflicht: Wer ist der potenzielle Vertragspartner und wo hat er seinen Sitz?

Gesundes Misstrauen schützt dabei vor Betrug. „Misstrauen Sie unbedingt sehr positiven Erfahrungsberichten, insbesondere auch von prominenten Geldanlegern. Diese sind häufig von den Handelsplattformen selbst verfasst oder in Auftrag gegeben“, so die BaFin. Werden hohe Renditen ohne Risiko versprochen, ist dies ebenfalls ein Alarmzeichen. „Aber: Je höher die Rendite, desto größer das Risiko!“, warnt die Verbraucherzentrale.

Online-Köder und aggressive Anrufe

Wer prüfen will, ob die scheinbar risikolose und gleichzeitig hochergiebige Investmentmöglichkeit ein „Scam“ ist, sollte auch die Seiten der BaFin ansteuern. Verbraucher erfahren dort, wenn Finanzdienstleistungen ohne Erlaubnis betrieben werden und die BaFin warnt in Fällen von Marktmanipulation. Aktuell wird dort zum Beispiel erneut auf Fälle hingewiesen, „bei denen Verbraucher im Internet auf vorgeblich seriösen Online-Plattformen dazu veranlasst werden, zum Teil hohe Geldsummen in Geschäfte mit finanziellen Differenzkontrakten (Contracts for Difference – CFDs) in Rohstoffe, Aktien, Indizes, Währungen („Forex“) oder Kryptowährungen zu investieren. Dabei folgt auf den Online-Köder meist die Bearbeitung der Opfer per Telefon: „Die Verbraucher werden von Mitarbeitern der Online-Plattform angerufen und aggressiv dazu aufgefordert, immer höhere Summen zu investieren. Einmal investiert, versuchen die Verbraucher in der Folge vergeblich, das Geld wieder zurück zu erhalten“, warnt die BaFin.

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